05. bis 09.05.17 Unterwegs in Halifax und Umgebung

In Halifax und Umgebung haben wir richtiges Aprilwetter. Fast durchgehend locker bewölkte oder sogar sonnige Tage wechseln mit ebenso regnerisch nebligen ab. Wir nutzen die Ersteren, um die Stadt und Teile der Ostküste zu erkunden und Letztere, um ausgewählte Örtlichkeiten von innen anzuschauen oder uns mit anderen Weltenbummlern zum Erfahrungsaustausch zu treffen.

Die recht lange und durchaus attraktive Downtown und vor allem die Waterfront-Promenade von Halifax laden zum Bummel ein. Letztere endet am Seaport Farmers Market, in dem 250 Händler von handgemachter Seife bis zu deutschen Würstchen und Backwaren so ziemlich alles verkaufen. Hier trifft man bei schlechtem Wetter mit hoher Wahrscheinlichkeit auch viele europäische Reisende, die mit Ungeduld auf ihr Fahrzeug warten. Die Old Town Clock, die hier schon seit 200 Jahren die Zeit anzeigt, passieren wir auf dem Weg zur Citadel Hill National Historic Site, einer Festung, die auf einem Hügel über der Stadt liegt. Mitten am Berg, auf dem Weg dorthin, müssen wir, von Ordnungskräften aufgehalten, stoppen und uns gedulden, denn um 12.00 Uhr jeden Tag donnert hier ein Schuss aus einer historischen Kanone über die Stadt, den wir, wohl aufgrund der Lautstärke, weiter unten abwarten müssen. Übrigens ist für diese Art Sehenswürdigkeiten der Eintritt dieses Jahr frei, da 2017 das 150jährige Bestehen Kanadas gefeiert wird….nicht schlecht.
Sehr hübsch und für uns als Picknickplatz bestens geeignet ist auch der Public Gardens, der als schönster viktorianischer Stadtpark Nordamerikas gilt. Hübsch ist er ja, aber das scheint uns dann doch mal wieder ein bisschen übertrieben. Für Liebhaber von Spaziergängen über Friedhöfe (Annett ist so ein Kandidat) ist der Fairview Lawn Cemetery eigentlich ein Muss. Hier liegen 121 Opfer der Titanic-Katastrophe begraben, u.a. Jack Dawson, der im gleichnamigen Film von Leonardo di Caprio gespielt wurde.

Hinsichtlich unserer Preisangaben in den Supermärkten müssen wir uns etwas korrigieren. Zumindest im Walmart, der discountähnlich aufgebaut ist, ist es im Durchschnitt zwar immer noch teurer als zuhause, aber die Unterschiede erscheinen nicht mehr so deutlich, wie bei unserem ersten Einkauf in einem der anderen Supermärkte.
Übrigens kann man für 2,50 Dollar pro Tag und Person mit demselben Ticket sowohl mit den Bussen durch Halifax, als auch mit der Fähre über das Hafenbecken hinüber nach Dartmouth und zurück fahren, was wir für extrem günstig halten. Da wir aber am 08.05. vormittags unseren Mietwagen bekommen, fahren wir über die Brücke (Mautgebühr hin und zurück jeweils 1 Dollar) zunächst nach Dartmouth, wo wir einen schönen Überblick über die „Skyline“ von Halifax haben und schließlich weiter an die Ostküste. Das kleine Dörfchen Fisherman’s Cove ist recht idyllisch. Danach wandern wir noch ein Stückchen im Rainbow Haven Provincial Park.

Am nächsten Tag sind wir weiter an der Ostküste unterwegs, allerdings wieder bei bewölktem Himmel und später am Nachmittag auch zunehmenden Regen. Die Saison beginnt hier um den 20. Mai herum, so dass die kleinen und sehr urigen Fischdörfer noch nicht mit Touristen überströmt sind. Bevor wir uns Peggy‘s Cove mit seinen beeindruckende Granitfelsen, die sehr rau sind und sich daher sehr gut begehen lassen und dem wohl berühmtesten Leuchtturm der Provinz ansehen (hmm…, ist ein einfacher weißer Betonleuchtturm, der früher als Poststation genutzt wurde, hat aber eben eine schöne Lage), machen wir noch einen Abstecher in das nicht weniger romantische, aber touristisch kaum erschlossene Prospect (Geheimtipp, da nicht weniger idyllisch als Peggy`s Cove).
Am Nachmittag steht dann das weiter südlich gelegene Lunenburg auf dem Programm, dass wir uns leider nur im Regen ansehen können. Die Stadt wurde früher größtenteils von deutschen und schweizer Auswanderern besiedelt, die hier zu Fischern wurden. Der fotografische Blick von Annett auf die eigentlich hübschen Häuserreihen wird deutlich getrübt durch die in fast allen Straßenzügen wirr umherhängenden Elektrokabel, welche die ganze Stadt durchziehen.

Wir haben inzwischen so nebenbei eine neue App (Ship Info) gefunden, die auch ohne GPS- Hilfe über das Internet die Position unseres Schiffes genau anzeigen kann, und hurra, es bewegt sich schon auf Nova Scotia zu und die Ankunftszeit im Hafen wird mit 1:00 Uhr nachts angegeben.  Heureka! Da vergrößert sich die Chance, unser Auto bis Freitag aus dem Hafen zu bekommen…

An dieser Stelle vielleicht noch ein Wort zu den Kanadiern: Die durchschnittlich gefühlte Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft ist deutlich höher als in Europa (als in Deutschland sowieso). Fast alle bedanken sich z.B. mit einem lauten „Thank you“ beim Aussteigen aus dem Bus beim Fahrer. Bei Fragen erhalten wir stets von jedem eine sehr zuvorkommende Auskunft. Auf unser mehr oder weniger schlechtes Englisch wird stets Rücksicht genommen. Sobald wir mit einer Straßenkarte rumstehen, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass jemand fragt, ob er uns helfen kann. Der Umgang auch der Kanadier untereinander erscheint uns respektvoller und freundlicher, als wir das von zuhause gewöhnt sind. Wir hoffen, dass dieser erste Eindruck sich in Folge weiter bestätigt.
Auch im Straßenverkehr erscheint die gegenseitige Rücksichtnahme deutlich größer als wir das gewohnt sind. Insbesondere auf Fußgänger wird explizit Rücksicht genommen und selbst der Versuch, auch abseits von Fußgängerüberwegen die Straße zu überqueren, wird häufig mit prompten Anhalten quittiert. Auch während des Fahrens hat man ein gutes Gefühl, wird von niemanden bedrängt oder geschnitten, auch nicht in der Stadt. Nur die Regelung an gleichrangigen Kreuzungen, dass derjenige zuerst fahren darf, der die Kreuzung zuerst erreicht, ist für uns extrem gewöhnungsbedürftig.