12. bis 20.05.17 – Unterwegs in Nova Scotia

Die nächsten Tage führen uns entlang der „Lighthouse-Route“, die dem Highway 3 entspricht, um die Südwestspitze von Nova Scotia bis nach Yarmouth. Hier finden sich meist an den Spitzen der kleinen Landzungen eine Vielzahl von mehr oder weniger hübschen Leuchttürmen unterschiedlicher Größen, Formen und Farben. Annett sammelt diese als Fotografien und als Nebeneffekt sehen wir einen Teil der wirklich sehenswerten Küstenlandschaft.
Das Wetter ist sehr durchwachsen, neben dem obligatorischen Regen und den einstelligen Nachttemperaturen, haben wir aber durchaus auch sonnige Abschnitte. Der Mai ist hier so ähnlich wie zuhause der April, nur durchschnittlich doch etwas kälter. Wir kommen auch tagsüber kaum über 10 bis 13°C. Wir bewundern manche Kanadier, die mit kurzen Hosen, Röcken und Flipflops durch die Straßen flanieren. Wahrscheinlich gilt hier: Mai ist Frühlingsbeginn und da wird sich auch frühlingshaft angezogen, egal was das Thermometer zeigt. Aber nicht doch, wahrscheinlich sind wir nur mal wieder nicht abgehärtet genug…
Die erste (Premiere!) Nacht verbringen wir im Port Mounton, direkt am Fischerhafen, dessen Parkplatz abends leer ist, sich aber von 4.00 Uhr morgens zunehmend füllt, wenn die Fischer vor ihren Booten parken und zum Angeln rausfahren. Auch ansonsten versuchen wir auf freien Stellplätzen zu übernachten, was meist gelingt, wie z.B. im Blomidon Provincial Park oder später entlang des Ceilidh Trail. Eine große Hilfe bei der Suche ist uns dabei die App iOverlander. Dreimal übernachten wir auf Campgrounds. Das macht eigentlich vor der Saison, die hier um den 20. Mai und z.T. noch später beginnt, für uns auch keinen Sinn. Zumindest auf denen nicht, wo man trotz der noch geschlossenen Sanitäranlagen bezahlen muss. Auf einigen Campgrounds ist noch niemand im „Office“, so dass ein Übernachten dort ohne Bezahlen möglich ist. Allerdings stehen häufig Schilder am Eingang, die darauf hinweisen, dass eine Nutzung des Campingplatzes ohne Registrierung nicht erlaubt ist oder sogar als „Hausfriedensbruch“ gewertet wird. Darauf lassen wir uns lieber doch nicht ein, zumal wir energetisch relativ autark sind und somit nicht zwingend ans Stromnetz müssen.
Das Reizvolle der Route sind zum einen die kleinen Städtchen mit ihren Holzhäusern und gepflegten Gärten, wie wir sie ähnlich aus Island kennen. Allerdings erinnert die hiesige Anordnung häufig an eine Westernstadt von früher, was dann wieder das Besondere ausmacht, abgesehen von dem allgegenwärtigen Wust von Elektrokabeln, die sich wie Spinnennetze zwischen den Häusern spannen. Gab es hier keine anderen Lösungen? Manche Städte, wie Shelburne oder Barrington sind im Stil historisch britisch geprägt.
Annett findet einige durchaus hübsche Leuchttürme, die allerdings nicht besonders gut ausgeschildert sind und manchmal regelrecht gesucht werden müssen. Der größte von Nova Scotia vor Cape Sable Island liegt auf einer Insel und ist leider nur aus der Ferne zu bewundern. Dafür ist die von vorgelagerten kleinen bewachsenen Inseln gesäumte und von unzähligen kleinen Buchten eingeschnittene Küste sehr idyllisch.
Wenn man die für deutsche Verhältnisse sehr geringen Immobilienpreise für die schönen kleinen Häuschen direkt an der Küste hier sieht, wird man schon ein wenig neidisch…
In der größten Stadt im südlichen Nova Scotia, in Yarmouth, endet auch die „Lighthouse“-Route. Hier besteht eine Fährverbindung nach Maine in die USA. Den Leuchtturm finden wir auf der Spitze von Cape Forchu. Dort gibt es ebenfalls eine Gedenktafel für den Isländer Leif Eriksson, den eigentlichen Entdecker Amerikas um das Jahr 1000 n.Chr., also fast 500 Jahre vor Kolumbus! Leider wurde hier die Geschichte nie korrigiert. Was für eine Leistung mit den damaligen Schiffen, da können wir heute nur noch respektvoll staunen.

Weiter geht es an der französischen Küste und Annapolis Valley wieder nach Norden. Überall sehen wir hier die arkadische Flagge in den Farben der französischen Trikolore, der ein einzelner Stern hinzugefügt wurde. Auf dem Weg nach Digby passieren wir das Städtchen Church Point mit der höchsten Holzkirche Nordamerikas. Auf der Halbinsel Long Island soll man gut Wale beobachten können. Im Dauerregen erreichen wir Whale Cove – wir dachten bei dem Namen stehen die Chancen gut, aber auch hier zeigen sich uns die großen Säuger nicht, zumindest nicht vom Strand aus. Auf der weiteren Strecke zum Blomidon Provincial Park am Minas Basin, lohnt sich vorher ein Abstecher nach Bear River. Dort leben besonders viele Mi‘kmaq, die traditionellen Einheimischen dieser Gegend, die in Kombination mit der schottischstämmigen Bevölkerung dem Ort eine besondere Stimmung verleihen. Hier ist auch der große Unterschied in der Wasserhöhe zwischen Ebbe und Flut in dieser Gegend besonders gut sichtbar: Einige Gebäude direkt am Fluss wurden deshalb auf Holzstelzen errichtet. Aber auch Annapolis Royal ist einen kleinen Bummel wert.

Das Fahren auf den Highways an der Küste entlang ist recht entspannt. Die Kanadier halten sich in der Regel auch relativ genau an die Geschwindigkeitsbegrenzungen, wir sowieso, so dass gewagte Überholmanöver oder Drängelei eine wohltuende Seltenheit sind. Mehr achtgeben muss man allerdings auf das die Straße kreuzende Wild, vor dem auch mit diversen Schildern gewarnt wird. Auch vor uns spaziert plötzlich ein Reh mit gemächlichen Schritt über den Asphalt. Selbst Elche machen das wohl ganz gern mal…
Die Kanadier empfinden wir weiterhin als sehr freundlich und zugänglich und einem Schwätzchen nicht abgeneigt. Oft werden wir auch selber angesprochen. „Herr Fuchs“ gilt hier offenbar als Exot, nicht nur, weil er ein deutsches Nummernschild trägt. Er wird ständig fotografiert – vor Supermärkten, Aussichtspunkten und sogar von Straßenarbeitern. Die spezielle Kombination aus Offroader und kleinem RV (Recreational Vehicle steht hier für Wohnmobil) gibt es hier wohl kaum.
In Wolfville haben wir vom Waterfront Park eine schöne Aussicht auf das Mina Basin, bevor wir uns Richtung Cape Breton Island aufmachen.

Ein Drittel des Cabot Trail auf Cape Breton führt entlang des weitläufigen Highland National Parks, den wir von der Ostküste über Ingonish erreichen. Hier erhalten wir in einer Tourist-Information eine detaillierte Karte des Parks mit allen Wanderwegen (Trails) und einigen zusätzlichen Empfehlungen für Aussichtspunkte. Außerdem gibt es einen Flyer, wie wir uns verhalten sollen, falls uns ein Bär, Koyote oder Elch über den Weg läuft. Ob das dann so funktioniert? Bei bestem Wetter wandern wir zur Einleitung den Middle Head Trail auf der gleichnamigen Halbinsel mit prima Blick auf Ingonish North, South Bay und den freien Atlantik.
Über die Fischerdörfer Neil’s Harbour (wir übernachten direkt am Leuchtturm, wo denn sonst) und White Point erreichen wir über eine Geröllpiste mit relativ derben Schlaglöchern (Achtung, unserer Meinung nach nicht für Wohnmobile geeignet!) Cape North und Meat Cove. Der dortige Campground liegt hoch über dem Meer am Steilufer. Auf dem Weg nach Südwesten sehen wir immerhin schon ab 400 m Höhe einige Schneefelder, obwohl die Temperaturen deutlich über 25°C, später über 30°C steigen und wir zum ersten Mal die Klimaanlage benutzen. Hinter Seal Cove wandern wir bei Sonnenschein den Skyline Trail mit grandiosem Ausblick von einer Hochterrasse auf den Ozean. Hurra! Zum ersten Mal sehen wir nun auch Wale vor der Küste mit bloßem Auge. Wir dachten, wo die Fischer ihre Reusen auslegen, finden wir keine. Denkste. Die großen Säuger bewegen sich nur ein kleines Stück weiter draußen, als würden sie die Fanggeräte respektieren. Abends werden wir jetzt auch von den ersten, legendenbildenden kanadischen Mücken heimgesucht, und wir dachten schon, wir kommen drum herum. Der Weg an der Westküste entlang Richtung Inverness ist von schottischer Tradition geprägt und Namen wie Dunvegan, Mc Leod und die zahlreichen Destillerien erinnern uns an unsere Schottlandtour 2014. Das Dachthermometer zeigt bis 39°C in der Sonne! Was für eine Umstellung zu den Tagen zuvor. Klamottenwechsel ist angesagt.

Bevor wir in Pictou unseren „Ruhetag“ einlegen, besuchen wir Cape George und natürlich gehört auch der dortige Leuchtturm zum Programm sowie der schöne Blick auf Cape Breton und Prince Edward Island. Den „Ruhetag“ hatten wir uns allerdings etwas anders vorgestellt (Fotos sortieren, Backups machen, Wäsche waschen, Wartungsarbeiten etc.). Nach Ankunft in Pictou bemerken wir, dass die Wasserpumpe des Trinkwassertanks nur noch sehr spärlich fördert, mit anderen Worten: Es tröpfelt nur noch. Also zunächst am Abend und am nächsten Vormittag Ursachenforschung: sämtliche Zufuhrleitungen, auch unter dem Auto auf undichte Stellen und entsprechende Luft im System abgecheckt; den erst neuen Filter ausgebaut und ohne probiert; die Pumpe mühselig, da extrem unzugänglich verbaut (Herje, nie wieder akzeptiere ich so eine Verbauung ohne Serviceluke mit entsprechenden Zugang zu allen Teilen. Muss denn das der Kunde erst selber im Schadenfall feststellen?), abgebaut und neu justiert – aber es half Alles nichts. Also noch am Vormittag nach New Glasgow zurückgefahren, um bei Canadian Tire ggf. eine neue Pumpe zu kaufen (Ersatzpumpe hatten wir in diesem Fall bewusst nicht mitgenommen, da uns glaubwürdig versichert wurde, diese würde nie ausfallen ???!). Zufällig sehen wir in New Glasgow eine große Wohnmobil-Service-Station (Stone‘s RV). Dort werden wir aber sofort abgeschmettert mit dem Hinweis, es gebe am Sonnabend keinen Service. Wir sollen es nebenan bei Canadian Tire, eine Art ATU mit Outdoor- und Küchenabteilung, versuchen. Dort hat am Sonnabend ebenfalls kein Mechaniker Zeit, mal kurz nach unserer Pumpe zu schauen, wenn auch nur, um ggf. eine baugleiche als Ersatzteil herauszusuchen. Im Markt selber dann weitgehende Inkompetenz. Gezeigt werden uns Tauchpumpen für Gartenteiche oder so was ähnliches. Von Wassersystempumpen für RV’s keine Spur und keine Ahnung. Also frustriert wieder zum Campground zurückgefahren. Wir hatten uns schon damit abgefunden, dass es eben bis auf Weiteres mit extrem niedrigen Wasserdruck gehen muss, da entdecken wir es. Ein kleines Wassertröpfchen quält sich kaum sichtbar aus der Pumpe heraus, als diese im Volllastbetrieb läuft, aber eben kaum Wasser fördert. Also Pumpe noch mal ausgebaut und sämtliche Schrauben (die eigentlich recht fest wirkten), am Pumpenkopf selber hart angezogen und siehe da, es funktioniert wieder. Wieder etwas gelernt, wenn auch erst nach Stunden: Es reicht an der Wasserpumpe eine Nuance zu locker aufgeschraubter Kopf, um so viel Luft mit einzuziehen, dass die Pumpleistung massiv reduziert wird. Also doch noch ein Teil des Ruhetages gerettet und Zeit für ein paar andere Dinge, bevor wir uns aus Nova Scotia verabschieden.