21. bis 25.05.17 – Kurzer Aufenthalt in New Brunswick

Nach unserem Ruhetag, der allerdings auch schon sehr stürmisch war, wollen wir uns am nächsten Vormittag mit der Fähre auf die Prince Edward Insel aufmachen. Aber schon morgens sind die Böen, wir haben Mühe das Dach einzuklappen, so stark und die See geht so hoch, dass der Fährbetrieb vorübergehend eingestellt werden musste. An der Kasse vor der Fähre erfahren wir, dass derzeit möglicherweise auch über den westlichen Zugang, der Confederation-Bridge aufgrund der Sturmböen keine höheren Autos passieren dürfen. Wir ändern also kurzfristig unseren Plan und machen uns auf in Richtung New Brunswick.
In der Nähe von Wallace (noch Nova Scotia) laufen wir einen schönen Rundtrail durch das Wallace Bay Wildlife Bird Sanctuary. Zwar ist das Gebiet sehr sumpfig und wir kämpfen uns mit Mühe (und ohne Gummistiefel) durch den Wald, werden dann aber durch den Anblick einiger Weißkopfseeadler belohnt, die über uns kreisen.
Unsere erste Station in New Brunswick sind die Hopewell Rocks, beeindruckende erodierte Sandsteinformationen, die riesigen Pilzen gleichend aus dem Meeresboden ragen. Hier ist der enorme Höhenunterschied des Wassers zwischen Ebbe und Flut wieder gut sichtbar und wir haben Glück, denn wir können nach unserer Ankunft bei Ebbe zwischen den Felsen quasi eine kleine Wattwanderung machen. Auch oberhalb der Felsen gibt es kleine Wald-Trails mit schönen Aussichten und wir treffen nicht das erste Mal auf kleine chipmunks (Streifenhörnchen), die uns fast über die Füße laufen. Noch ein Zwischenstopp am 150 Jahre alten Leuchtturm auf dem böigen Cape Enrage, dann erreichen wir den Fundy National Park. Hier treffen zwei Umweltsysteme quasi direkt aufeinander: Die Küstenregion der Bay of Fundy und das kaledonische Hochland-Plateau. Meer trifft also auf Wald. Hier ist der höchste Tidenhub der Welt live zu sehen! Da sind nämlich 10-15 m Unterschied am östlichen Ende der Bay. Eine komplette Ebbe-Flut-Periode dauert etwa zwölfeinhalb Stunden. Immer wieder eine prima Abwechslung zum Sitzen im Auto bieten uns mehrere gut beschilderte Trails durch z.T. enge und wurzelige, z.T. auch wieder sumpfige Waldwege, aber immer wieder mit tollem Blick über die Bay.

Auf dem Campingplatz im Nationalpark (hier darf man leider nicht frei stehen) treffen wir, wie schon bei der Fahrzeugabholung in Halifax, auf Christine und Ralf, die mit ihrem 4×4 bimobil für ein Jahr durch Kanada und die USA unterwegs sind. Tja, so groß ist das Land nun auch wieder nicht….. Gute Reise für Euch Beide!
Auf dem Weg nach Saint John im Süden von New Brunswick gibt es (leider bei Regen) einen Zwischenstopp in St. Martins, einem sehr idyllischen Küstendorf mit zwei überdachten Holzbrücken über eine schmale Bucht.
Saint John (immerhin Kanadas erste offizielle Stadt!) selber ist dann sicher kein „must have“, dennoch aber durchaus interessant. Nicht die ziemlich triste Waterfront am industriell geprägten Hafen, sondern schon mehr die ausgesprochen schön eingerichtete City-Market-Hall oder die „Reversing Rapids“. Die Flut in der Bay of Fundy drückt das Wasser der Flussmündung landeinwärts und dreht so gewissermaßen die Strömungsrichtung des Flusses um. Dadurch entstehen gewaltige Strömungsturbulenzen, die sich zu tosenden Trichtern in die Tiefe drehen. Da möchte man nicht hineingeraten. Interessant zu sehen ist, dass im Gegensatz zu den Städten in Nova Scotia, die Häuserreihen hier zum großen Teil von roten Backsteingebäuden geprägt sind, was den stark industriell geprägten Eindruck der Stadt noch verstärkt.

Nicht nur auf der Fahrt von St. John in das Innere der Provinz wird auf den Straßen von New Brunswick sehr oft durch gelbe markante Schilder vor Elchen gewarnt, die vor allem in der Abenddämmerung und nachts die Straßen überqueren können. Mehrere hundert Verkehrsunfälle pro Jahr resultieren wohl daraus. Wir vermeiden ohnehin das nächtliche Fahren und sind auch in der Abenddämmerung in der Regel schon auf einem Übernachtungsplatz. Daher ist die Gefahr für uns wohl hoffentlich etwas kleiner…..

Sicher ist ein gewisser Eindruck von New Brunswick ohne die Hauptstadt Fredericton kaum denkbar. Nicht nur, weil hier der Gouverneur der Provinz residiert und entsprechend die Regierungsgebäude am Ufer des St. John River zu besichtigen sind. Die sehr malerische Stadt präsentiert sich ausgesprochen grün. Die Vegetation erscheint hier ohnehin deutlich weiter als in Nova Scotia. Der Frühling ist auf dem Höhepunkt und bietet eine passende Kulisse für den warmen Sonnentag, den wir hier genießen können. Der breite Fluss, der sich über eine beeindruckende lange stählerne Fußgängerbrücke überqueren lässt, ist von Bäumen gesäumt, die benachbarten Rasenflächen sind recht groß und es gibt Liegewiesen, Spielfelder und Springbrunnen. In den relativ ruhigen Wohnstraßen sehen wir teilweise recht große Villen im georgianischen oder viktorianischen Stil. Es lohnt sich durchaus, hier einen ruhigen Tag zu verbringen. Im Visitor Center in der Queen Street gibt es ein Parkticket, mit dem Touristen tagsüber (bis 20 Uhr, nach unserer Information nicht über Nacht) für 3 Tage kostenlos in der Downtown auf ausgewählten Plätzen parken können.

Auf dem langen Highway zum Sankt-Lorenz-Strom nutzen wir die Gelegenheit, um in Grand Falls noch eine kleine Wanderung dazwischenzuschieben. Diese Taktik der durch kleinere oder größere Fußmärsche unterbrochenen Autotouren bewährt sich oft. Meist verbinden wir sie mit unserem Mittagspicknick und einem Kaffee. So fahren wir längere Strecken nicht am Stück und sind dann einfach körperlich und gedanklich frischer.
Der „Grand Fall“, der sich direkt an einen Stausee anschließt, ist sicher kein großes Highlight, auch wenn die Japaner vor ihren Touristenbussen fleißig fotografieren. Interessanter ist schon die anschließende Schlucht, in der sich der St. John River bis zu 80 m tief durch Schieferfels hineingegraben hat und an deren oberen Rand ein schön hergerichteter Wanderweg entlangführt. Dies sollte unser letzter Eindruck von New Brunswick sein, denn etwas weiter nördlich passieren wir bereits die Grenze zu Québec.