26.05. bis 02.06.17 – Provinz Québec

Die Sprache in Québec ist weitgehend französisch. Viele, vor allem ältere Menschen, können offensichtlich auch gar kein Englisch, die jüngeren mühen sich. Die Kommunikation ist für uns also insgesamt etwas eingeschränkt. Unabhängig davon fällt uns auf, dass die Höflichkeit und Freundlichkeit der Menschen im Vergleich vor allem zu Nova Scotia subjektiv deutlich nachlässt. Gegrüßt wird seltener, manchmal noch nicht einmal mehr zurückgegrüßt. Das herzliche Willkommen für fremde Gäste, dass wir in Nova Scotia gespürt haben, weicht Reserviertheit. Der Verkehr wird ruppiger, man hält sich weniger an die Vorschriften. Drängeleien werden häufiger, das Halten an Fußgängerüberwegen scheint keine Selbstverständlichkeit mehr. Aber bitte, das sind unsere persönlichen Eindrücke und wie immer stellen sie keine Wertung dar. Vielleicht täuscht der Eindruck auch, wir werden es weiter beobachten.

Auf der einstündigen Fährüberfahrt von Rivière du Loup nach St-Siméon über den St.-Lorenz-Strom, der an dieser sehr schmalen Stelle schon 25km breit ist (an der breitesten Stelle über 100 km!), sehen wir einige kleine Wale. Im Nationalpark Hautes-des-Gorges-de-la-Rivière-Malbaie begegnen wir sowohl auf dem Campingplatz als auch auf dem Trail Stachelschweine, die sich ähnlich der Panda-Bären die Blätter von den Büschen greifen. Menschen werden bis auf ein paar Meter herangelassen, bevor gemächlich weggelaufen wird.
Am Parkeingang erhalten wir die bereits erwartete Information, dass wir auf dem Parkplatz vor dem Information-Office nicht übernachten dürfen, sondern am besten auf dem ersten Campingplatz im Nationalpark, der ungefähr 400 m entfernt liegt. Wir machen unsere Absicht deutlich, dann eben dort zu übernachten und lassen uns gleich noch einige Empfehlungen für Trails geben. Ein paar Meter weiter stehen wir dann vor der verschlossenen Schranke am Eingang des Parks, die sich nicht öffnen lässt. Also noch mal zurück zum Office. „Ach!“, die nette englischsprechende Dame greift sich an den Kopf: Wir brauchen zur Durchfahrt ein Passwort, was sie uns nun auf ein Blatt stempelt. Also wieder zur Schranke, Passwort eingegeben, Schranke passiert und in 400 m stehen wir vor dem Eingang zum Campingplatz. Kein Registration-Office. Wir fahren den ziemlich großen und relativ leeren Campingplatz ab – nichts zu sehen. Schließlich fragen wir einen zufällig des Weges kommenden einsamen Camper, wo er sich denn angemeldet hat. Aha! Bei der Dame im Information-Office. Das gibt es doch nicht! Also nun noch einmal etwas wütend, Gelassenheit immer noch verbesserungsbedürftig, durch die Schranke zurück und wieder zum Office. Die Dame merkt wohl unseren Unmut und wirkt etwas schuldbewusst. Es sei aber alles ein Missverständnis und ach so, wir wollten auf dem Campingplatz übernachten. Ja, wo denn bitteschön sonst, wenn wir die Schranke zum Nationalpark passieren???
Immerhin schenkt sie uns einen Stapel Feuerholz mit der Bemerkung, dass dieses ansonsten natürlich kostenpflichtig gewesen wäre, aber weil wir nun zweimal umsonst im Office waren….
Und so endet der Tag noch recht gemütlich auf einem teuren Campingplatz ohne „Service“ (Elektrik und Wasseranschluss), aber am lodernden Lagerfeuer.

Ein ausrangierter orangener ehemaliger Schulbus bringt uns am nächsten Morgen zum Einstieg in unsere Tageswanderung zum Trail Sentier L‘Acropole des-Draveurs. Hier geht es fast 3 Stunden über Felsgestein 800 m bergauf bis zu drei lohnenswerten Aussichtspunkten auf 1.050 m. Der Malbaie-River hat hier eine tiefe Schlucht von bis zu 800 m Tiefe geschaffen und damit auch die höchste Felswand östlich der Rocky Mountains, die man von oben recht gut übersieht. Schon ab 400 m Höhe überqueren wir die ersten verharzten Schneefelder und man kann zumindest wohl noch im Mai seine Trinkflaschen aus den vielen klaren Schmelzwasserbächen wieder auffüllen, muss also nicht zwingend 2 Liter, wie im Prospekt empfohlen, mitnehmen.

Auf der Fahrt Richtung Québec-Stadt empfiehlt sich ein Halt an der beeindruckenden Basilika in Ste-Anne-de-Beaupré, deren Zwillingstürme den kleinen Ort weit überragen und die von Größe und Pracht durchaus an die Kathedrale von Notre Dame erinnert. Die in der Basilika zurückgelassenen Krücken sind von Gläubigen, die auf diese verzichten konnten, nachdem sie gebetet hatten. Sagt man.

Für Freunde von Wasserfällen ist sicher auch der im Parc de la Chute-Montmorency liegende Wasserfall eine kleine Wanderung wert, da man die seine Kante überquerende Hängebrücke per Treppe (aber auch per Seilbahn) erreichen kann. Die Besichtigung des Falls ist zwar kostenfrei, der dazugehörige Parkplatz kostet allerdings 12,50 Dollar, so dass man das Auto lieber 500 m weiter in einem Wohngebiet abstellen sollte.

In Québec-Stadt parken wir dann für 2 Nächte am gegenüberliegenden Ufer des St. Lorenz-Stroms, in Lévis. In der Nähe der Fähranlegestelle finden wir in einem Wohngebiet einen schönen Parkplatz ohne Verbotsschilder mit Aussicht auf die Silhouette der gegenüberliegenden Stadt. Auf dem Walmart-Parkplatz ganz in der Nähe ist übrigens Overnight-Parking verboten! Die Überfahrt mit der Fähre ist wegen des Blickes auf die Stadt mit dem herausragenden Le Château Frontenac und des kurzen Weges zu empfehlen. Québec lässt sich in weiten Teilen sicher an einem Tag erkunden, natürlich kann man sich auch mehr Zeit lassen, ohne dass Langeweile aufkommen würde.
Alle Sehenswürdigkeiten einer solchen historisch geprägten Stadt aufzuführen, würde den Rahmen unserer kleinen Blogberichte sprengen und wir werden das insbesondere bei Städten auch in Zukunft nicht detailliert machen. Das können Reise- und Stadtführer sicher besser. Wir können immer nur einige persönliche und, wie immer, sehr subjektive Eindrücke wiedergeben.
Eine Besonderheit von Québec ist seine Lage: Ein Teil der Stadt erstreckt sich auf einem Felsen des Cap Diamant und der andere liegt unterhalb. Daher gibt es eine Ober- und eine Unterstadt, die sich beide aus modernen (überschaubar attraktiv, aber auch nicht hässlich) sowie baulich und atmosphärisch sehr interessanten historischen Vierteln zusammensetzen. Gerade durch die Straßenlabyrinthe der Letzteren lässt es sich (gestört von ohne Unterlass fotografierenden Scharen von Japanern – die müssen die Rucksäcke voll mit Akkus und Speicherkarten haben!) sehr gemütlich schlendern. Sie und die historischen Monumente, wie die Befestigungsanlagen mit der begehbaren Stadtmauer oder der Battlefields-Park, ein früheres Schlachtfeld, machen den Reiz der Stadt aus.
Ach ja, im Le Château Frontenac, dem wohl am meisten fotografierten Hotel der Welt, muss man gewesen sein und wenn es nur für einen Toilettengang ist…..

In Montreal übernachten wir zweimal auf dem Parkplatz des Walmart in LaSalle, auf dem man offiziell 48 Stunden stehen darf. Ungefähr 500 m von dort haben wir eine sehr gute Metro-Anbindung von der Station Angrignon in das Stadtzentrum, welches wir so in 20 Minuten erreichen können. Eine Tageskarte (Metro+Bus) kostet 10 Dollar, eine Karte für 3 Tage 18 Dollar.
Dafür besichtigen wir dann eine der beeindruckendsten Städte, die wir in unserem Leben bisher überhaupt gesehen haben.
Ausgesprochen gut gelungen erscheint uns die Kombination aus historischen Gebäuden inmitten moderner Stadtarchitektur. So finden sich besonders in der Vieux- Montreal, der Altstadt, alte prunkvolle Gebäude wie die Basilique Notre-Dame, das Vieux-Seminaire oder das Hotel de Ville umrahmt von ebenfalls sehr beeindruckend gestalteten Wolkenkratzern. Wir empfinden hier eine Städtemischung mit Elementen aus Genua (monumentale, durch Säulen umrahmte historische Gebäude), Paris (Kathedralen und Promenaden), Edingburgh (auffallend viele ähnliche Stile) und eben den großen amerikanischen Städten mit ihren Skylines. Britische, französische und auch italienische Einflüsse fließen in einem perfekt kombinierten Ensemble zusammen. Insbesondere bei schönem Wetter sind zwei Tage auf jeden Fall zu empfehlen, denn auch andere Stadtteile sind durchaus sehenswert, wie die Downtown, der Parc du Mont Royal mit Blick über die Skyline und der Parc Jean-Drapeau auf dem Gelände der Weltausstellung von 1967, um nur Einige zu nennen.
Es fällt uns ein wenig schwer, diesen Höhepunkt in der Provinz Québec zu verlassen, um uns nach Westen über die Grenze nach Ontario in Richtung Toronto aufzumachen.