03. bis 08.06.17 – Provinz Ontario, Teil 1

Nach unserem freien Tag im Upper Canada Migratory Bird Sanctuary nehmen wir auf der Fahrt nach Westen den schmalen Thousand Islands Parkway, der südlich des Highways dem Flussufer folgt. Die Thousand Islands bestehen aus ca. 1.800 kleinen Inseln im St.-Lorenz-Strom zwischen Brockville und Kingston. Viele von ihnen sind mit einzelnen oder mehreren Häusern bebaut und bieten von der Route aus einen malerischen Anblick. Hier sehen wir allerdings erstmalig die Auswirkungen der Überschwemmungen durch das Hochwasser des St.-Lorenz-Stromes, dass sich immer noch nicht vollständig zurückgebildet hat. Manche Häuser scheinen direkt auf dem Wasser zu „schwimmen“, da die flachen Inseln darunter ganz im Wasser liegen. Teilweise reicht dieses bis in die Vorgärten und Wege an der Straße. Auch vom Skydeck in Ivylea, einem 125 m hohen Beobachtungsturm direkt an der Grenze zum Bundestaat New York (USA), können wir bei schönem Ausblick auf die Insellandschaft die Auswirkungen des Wasserstandendes gut überblicken. Ein geplantes Schnellbootrennen musste hier vor ein paar Tagen abgesagt werden, weil noch Müll und wohl auch tote Tiere in den Wasserarmen treiben. Der Presqui‘le Provincial Park, den wir am nächsten Tag anfahren, ist daher auch wegen der Hochwasserfolgen vollständig gesperrt.
Am Nachmittag davor steht aber zunächst ein lohnender kleiner Rundgang durch Kingston an, welches immerhin für drei Jahre die erste Hauptstadt des modernen Kanada war. Die hübsche Lage am See und eine Reihe sehenswerter historischer Gebäude in der Innenstadt macht die Stadt als Zwischenstation zwischen Montreal und Toronto durchaus attraktiv.

In Toronto parken wir auf einem Campingplatz außerhalb des Zentrums mit entsprechender Bus-/Bahnanbindung in die City. Was von der Stadt zu erwarten ist, sieht man am besten vom CN-Tower aus oder bei einer Schiffstour mit den Toronto Island Ferries auf die vorgelagerten Inseln. Die gewaltige Skyline mit ihren mächtigen Wolkenkratzern prägt das sicher imposante Bild der Stadt. Bei starkem Regen und/oder sehr tiefhängenden Wolken macht allerdings der Turmbesuch keinen Sinn, sondern man sollte einen relativ klaren Tag wählen, zumindest aber, wenn absehbar, zwei klare Stunden. Das gelingt uns an einem eigentlich ziemlich regnerischen Tag mit etwas Glück.
Die Stadtrundfahrt auf dem offenen Bus-Deck fällt aber später leider zur Hälfte im Regen buchstäblich ins Wasser, ist (oder wäre) aber ansonsten zwischen den riesigen Gebäuden prinzipiell schon ein Erlebnis. Die Schiffstour zwischen den vorgelagerten grünen Inseln ist im Preis inclusive und wegen dem besagten Blick auf die Stadtfront auch das Geld wert.
Wir verzichten auf ausgiebige Fußwege zwischen den Glas- und Betonriesen und streichen unsere Zeit für die Stadt spontan auch auf einen Tag. Was vor allem im Gegensatz zu Montreal auffällt ist, dass die wenigen historischen Gebäude kaum zur Geltung kommen und zwischen der Macht der Wolkenkratzer quasi „verschwinden“. Da sind wir zumindest für unseren Geschmack gerade von Montreal verwöhnt. Aber das ist reine Ansichtssache und wir sind uns sicher, dass man insbesondere bei schönem Wetter und als „Fan“ solch pulsierender monumentaler moderner Städte auch mehrere Tage locker in Toronto verbringen kann.

Wir haben jedenfalls nach drei Städten erst einmal wieder Lust auf mehr Natur und die bieten die Niagara-Fälle natürlich im Überfluss, wenn uns auch die wahnsinnige Kommerzialisierung um dieses Naturwunder etwas abschreckt und stört. Die riesigen (architektonisch allerdings schon interessanten) Hotels, die Casinos und der Skylon-Tower allein auf kanadischer Seite sind genauso ein Zeichen dafür, wie das recht kitschige Gebiet Clifton Hill, in dem Frankensteins Haus, Schloss Dracula oder Madame Tussauds Wachsfigurenkabinett zu finden sind. Ein bisschen widerstrebt es uns daher auch, die teuren Mainstream-Attraktionen um die Fälle mitzumachen, wobei sich die Bootsfahrt auf dem Niagara-River sehr nah an die Fälle heran und die „Journey Behind the Falls“ aber letztlich doch lohnen. Erstere, weil wir die Urgewalt der wasserreichsten Fälle der Erde vom Boot aus hautnah spüren können. Letztere, weil wir dabei über eine Klippe recht nah an die Fallkante herankommen. Hier spüren wir, wie gigantisch die Naturgewalt dieser Wassermassen eigentlich ist. Von der überlaufenen Promenade her wirken die Fälle anfangs etwas verloren, zumindest wenn man sie mit den breitesten durchgehenden Fällen der Welt, den Victoria-Fällen in Simbabwe vergleicht, was wir aufgrund unseres Abstechers dorthin während unseres Botswana-Trips 2013 natürlich automatisch tun. Diese sind neben der extrem beeindruckenden Ausdehnung in die Breite zudem deutlich höher und man kommt ohne Boot viel näher an sie heran. Dennoch sind die Niagara-Fälle ohne Abstriche natürlich ein Naturerlebnis der besonderen Art und mit Recht eines der meistbesuchten Naturwunder der Erde.
Ein Mekka für Nachtfotografen ist zudem auch die nächtliche Beleuchtung der Fälle in verschiedenen Farben durch riesige Scheinwerfer vom Ufer aus.
Übernachtet haben wir übrigens auf einem Parkplatz am Skylon-Tower, auf dem wir 24 Stunden für 5 Dollar stehen dürfen, was sich von den sonstigen Preisen etwas versöhnlich abhebt.