19. bis 25.06.17 – Zügige Fahrt durch die Provinzen Manitoba und Saskatchewan

An der Grenze zu Manitoba wird der Highway 17 dann endgültig zum berühmten „Trans-Canada-Highway“ (Highway 1). Direkt an der Grenze gibt es wie in den anderen Provinzen bisher auch ein Information-Office, in dem man sich nach sehenswerten Zielen rund um seine geplante Strecke kundig machen und entsprechende Karten erhalten kann. Dementsprechend werden wir recht ausführlich und nett über Winnipeg informiert, darüber hinaus sind die Empfehlungen bis auf den von uns ohnehin geplanten Riding Mountain National Park recht dürftig. 

Die Provinzhauptstadt Winnipeg, die mit 1,2 Millionen Einwohnern die mit Abstand größte Stadt und das Zentrum der Provinz schlechthin ist, ist dafür aber wirklich einen Tagesaufenthalt wert. Die Innenstadt westlich des Red River lässt sich prima zu Fuß erkunden. Ähnlich wie in Montreal, wenn auch nicht so monumental, überzeugt die Integration der beeindruckenden historischen Gebäude und Fassaden neben der ebenso recht geschmackvollen modernen Architektur, wie dem wirklich gelungenen und stilmäßig beeindruckenden Canadian Museum for Human Rights. Das alte Gebäude der University of Winnipeg ist dabei genauso sehenswert wie die Kathedralen und Kirchen, die Law Courts und besonders das Manitoba Legislative Building (Sitz des Parlaments, des Gouverneurs sowie der gesamten Regierung der Provinz). Dieses lässt sich nach Passkontrolle und Abgabe der Rucksäcke wirklich bis auf die letzte Zimmertür besichtigen. Noch nie bis dato standen wir direkt und ohne Begleitung vor dem Büro eines Premierministers! Auf die Frage an die netten Security-Officer am Eingang des Gebäudes, ob sie denn bei so viel Offenheit keine Sorge vor eventuellen Anschlägen haben, werden wir lächelnd darauf hingewiesen, dass man sich die Freiheit nicht durch Ängstlichkeit und Bedrohung nehmen ließe. Eine tolle und mutige Einstellung, wie wir finden. Die Volksnähe der Politiker, zumindest in den Provinzen hier, scheint (scheint!) uns aber ohnehin größer zu sein, als wir das von Deutschland her kennen.Ein Abstecher in den Exchange District, in dem gerade ein Jazz-Festival im Gange ist und zum französischen Stadtviertel Saint Boniface über die Fußgängerbrücke „Esplanade Riel“ mit einer ebenso beeindruckenden Universität und Kathedrale, ist die Zeit ebenfalls wert. Hier finden sich auch sehr ruhige Wohnviertel mit schmucken kleinen Häusern und Gärten. Eine schöne Sache in Winnipeg, besonders bei schlechtem Wetter, sind zudem die sogenannten Skywalks. Über diese überdachten Verbindungsbrücken zwischen den Gebäuden kann man fast die gesamte Innenstadt auch bei Regen trocken überqueren und die wichtigsten Punkte erreichen.

Im Riding Mountain National Park ist, sofern geplant, eine Übernachtung am Lake Audy auf dem dortigen Campingplatz aufgrund der sehr schönen Lage direkt am See zu empfehlen, wo wir auch einige deutsche Reisende treffen. Hier können wir Pelikane im Wasser und in der Luft live erleben. Auf dem Geröllweg zum See überqueren einige Bison direkt vor uns die Straße und die kleine Herde grast dann gemütlich auf der anderen Seite weiter. Auch die benachbarten Ebenen sind Bisongebiet.
Den von uns eigentlich geplanten und auch ausgeschilderten Trail brechen wir ab, da er im Verlauf dschungelartig von Pflanzen zugewachsen ist. So macht das Wandern letztlich keinen Spaß und außerdem wird dann die ohnehin schon große Wahrscheinlichkeit, sich hier mehrere allgegenwärtige Zecken aufzuladen, zur Gewissheit. Wir laufen alternativ letztlich mehrere kleine, dafür aber schön angelegte Trails durch sehr urwüchsige Wald-, Wiesen- und Sumpfgebiete. Auch eine Wanderung am Ufer des Clear Lake bei Wasagaming, bei heute allerdings sehr stürmischen Wetter und hoher Brandung, ist recht nett.

Am frühen Abend überqueren wir dann nach ziemlich einsamer Fahrt die Grenze zu Saskatchewan. Auf der Durchfahrt zum Grasslands National Park bietet sich ein Zwischenstopp in der Provinzhauptstadt Regina zwar an, wir nutzen ihn aber nur zum Einkauf und zu einem einstündigen Bummel. Viel mehr gibt die Stadt unserer Ansicht nach nicht her, zumindest nicht im Stadtkernbereich um den Victoria-Park und die Victoria Avenue.

Die Fahrt auf dem Highway und den Landstraßen in Saskatchewan bietet einen schönen Blick auf flache, leicht hügelige Graslandschaften, unterbrochen von kleinen Seen. Uns gefällt das ruhige Ambiente unterwegs hier ganz gut. Die endlos erscheinenden Straßen sind zudem recht leer, wenn auch leider nicht immer im besten Zustand.
Den Grasslands National Park fahren wir über Val Marie an. Dort im Information-Office gibt es Karten und reichlich Prospekte vom Park. Durch die Grasslands fahren wir dann fast einen ganzen Tag auf Geröllstraßen und leichten Wellblechpisten. Diese sind auch mit normalem PKW oder Wohnmobil bei trockenem Wetter befahrbar, besser ist allerdings eine Geländebereifung mit entsprechendem Fahrwerk. Es zeigt sich uns eine wunderschöne, flache bis hügelige Prärielandschaft, die allein durch ihre Unberührtheit und Weite beeindruckt. Überall strecken Präriehunde ihre Köpfchen über die Steinhügel um ihre Höhlen. Sogar mitten auf der Straße haben die umtriebigen kleinen Tierchen gegraben und stehen so auch mal (gewollt oder ungewollt, wir rätseln) mittig unter dem fahrenden Auto. Die Tierwelt hier ist schon beeindruckend, obwohl einige Tiere so scheu sind, dass ein Foto einfach nicht gelingen will. Außer den allgegenwärtigen Präriehunden und den selteneren Bisons sehen wir Pronghorn-Antilopen und Kojoten und natürlich auch Rehe. Vor Klapperschlangen im hohen Gras und unter Steinen wird überall eindringlich gewarnt, zu sehen sind allerdings keine, dafür blühende Kakteen. Wir übernachten auf dem weitläufigen Campingplatz im Frenchman Valley und küren diesen Park am Ende des Tages zu einem (vielleicht dem) Favoriten bisher. Natürlich ist auch Landschaft immer Geschmacksache, aber diese urwüchsige Prärie, über die man die Indianer in der Fantasie noch reiten sehen kann, ist für uns schon außergewöhnlich. In der Nacht haben wir zudem klaren Sternenhimmel, der hier natürlich besonders romantisch erscheint.

Die Straßen in Richtung Alberta (mit Ausnahme der großen Highways) bleiben schlecht, sind notdürftig geflickt oder die Löcher sind auch nur mit Sand zugeschüttet, was bei einer gewissen Geschwindigkeit nicht ungefährlich sein kann. Über viele Kilometer fahren wir auch nur Geröllpiste als offizielle Landstraße. Die Graslandschaften neben uns bleiben jedoch interessant und sehenswert. Das zeigt auch der Cypress Hills Interprovincial Park zu beiden Seiten der Grenze zwischen Saskatchewan und Alberta. Wir legen hier nur eine kurze Verschnaufpause ein, aber der sehr idyllische Park mit klaren Seen und weitem Blick über die endlose Prärie ist sicher auch einen längeren Aufenthalt wert.