07.07. bis 15.07.17 – Weiter geht es durch die Provinzen Alberta und British Columbia, Teil 2

Den Kootenay National Park erreichen wir von Süden über Radium Hot Springs. Lust auf die heißen Quellen haben wir aber bei 40° in der Sonne nicht. Im Visitor Center erfahren wir, dass einige Trails, darunter auch der zum Olive Lake, wegen Bärenaufkommens gesperrt sind. Allerdings sind insgesamt auch eine Reihe Bauarbeiten im Park im Gange. Wir haben schon seit Beginn unserer Reise den Verdacht, dass der kostenlose Parkeintritt zum 150. Kanada-Geburtstag auch für umfangreiche Sanierungsarbeiten in den Nationalparks genutzt wird. Durch den kostenlosen Eintritt sind die Besucher dann wohl eher geneigt, diese klaglos hinzunehmen. Wie gesagt, dass ist nur unsere (allerdings begründete) Vermutung.
Der Kootenay National Park erstreckt sich in einem langen, baumgesäumten Tal. Im Marble Canyon hat sich ein schmaler, aber reißender Gebirgsbach in Schlangenlinien tief in den Fels eingeschnitten. Über mehrere Brücken bietet sich eine schöne Sicht in die schmale Schlucht. Überall sehen wir die Folgen des Waldbrandes von 2003, bei dem 12 % des gesamten Baumbestandes des Parks verbrannt sind. Immer noch stehen die großen, verkohlten hohen Bäume als schwarze Säulen über relativ weite Areale. Dazwischen wachsen neue Bäume sehr langsam nach, erreichen nach 14 Jahren jetzt ungefähr 2 Meter Höhe. Umso mehr wundern wir uns ein um das andere Mal, dass bei dieser Trockenheit noch Lagerfeuer auf den Campingplätzen gestattet ist. Die Feuerstellen liegen z.T. direkt unter den Bäumen und Funkenflug ist bei aller Vorsicht kaum vermeidbar. So schön die Lagerfeuer sind und wir selber gerne eines machen, wir empfinden das bei dieser Trockenheit als extrem fahrlässig. Erst recht auf Campingplätzen im dichten Wald, wo ggf. auch Menschenleben recht akut durch einen Brand gefährdet sein könnten. Aber wir sind eben halt auch keine Kanadier.
Wenige Kilometer weiter laufen wir einen kleinen Trail zu den Paint Pots. Hier glitzern kleine Seen durch Eisenoxid und -hydroxid im lehmigen Sand ockerfarben.

Auf dem Weg nach Banff nehmen wir nicht den Highway 1, sondern die parallel verlaufene 1A-Route (Bow Valley Parkway). Das sollte sich in der Frühe auszahlen, denn wir sehen auf den Wiesen am Straßenrand sowohl einen Schwarzbären, als auch eine Grizzlybärenmutter mit einem Jungen, die hier gemütlich vom hohen Gras fressen.
Im Banff National Park gönnen wir uns zunächst die Tour mit der Seilbahn auf den Mountain Sulphur. Bei der Hitze in den letzten Tagen (teilweise über 40°C in der Sonne) wollen wir uns die doch recht anspruchsvoll erscheinende Wanderung hinauf auf 2.400 m nicht zumuten. Oder anders gesagt: Wir haben keine rechte Lust zum Wandern. Der Ausblick auf die fast 3.000er an den Aussichtspunkten und auf die Stadt Banff ist dann sicher toll. Allerdings wirken beispielsweise die Alpen von der Zugspitze aus für unseren Geschmack beeindruckender. Wir neigen ja hin und wieder zu Vergleichen, das kommt automatisch, da wir nun schon Einiges gesehen haben.
Ein sehr schönes Ensemble von umgebenden hohen Bergen und steinigendem Ufer mit hellem Fels und kleinen Halbinseln bietet danach der Lake Minnewanka, einige Kilometer nordöstlich von Banff. Das Wasser glitzert in der Sonne dunkelblau und wirkt in der Nähe des steinigen Ufers olivgrün und klar. Am Tunnel Mountain gibt es die Hoodoos zu besichtigen, säulenartige Felsformationen, die der umgebenden Erosion standgehalten haben. Spektakulärer ist von dort allerdings der Blick auf den Bow River und die Bergkulisse im Hintergrund.
Die Stadt Banff erinnert uns sehr an eines der in der Saison überlaufenen Alpenstädtchen, ist aber dennoch einen kleinen Bummel wert. Die ausgewiesenen Parkplätze sind aber wie erwartet voll, wir finden trotzdem einen kostenlosen Platz in einer der Nebenstraßen. Wenigstens stehen hier nicht überall Parkverbotsschilder.

Unglaublich, dass wir kurz vor 9.00 Uhr am nächsten Morgen einen der letzten Parkplätze am Moraine Lake zugewiesen bekommen. Nicht etwa mehr auf den gar nicht so wenigen Plätzen am See, sondern doch relativ weit entfernt am schrägen Rand der Zufahrtstrasse. Wir hatten an diesem Sonntag mit Andrang gerechnet, dass er so früh so heftig ausfallen würde, haben wir nicht geahnt. Kurze Zeit später ist die Zufahrt zum See völlig gesperrt.
Am See sehen wir auch, warum. Viele Kanadier auf Wochenendtour haben es wohl schon besser gewusst. Der See befindet sich auf 1.800 m Höhe im Valley of the Ten Peaks, die sich wahrlich Gipfel für Gipfel im türkisblauen glatten Wasser des Sees am Morgen spiegeln. Da gibt es eigentlich im Deutschen kaum Worte für diesen Anblick. „Magnificent!!“ aus dem Englischen trifft es wohl am ehesten. Wir stehen mit offenem Mund vor sicher einer der wenigen Stellen dieser Erde, wo der Anblick der realen Natur die Postkartenansicht bei Weitem übertrifft. Das will bei den heutigen Bearbeitungsmöglichkeiten der Fotos schon eine ganze Menge heißen, denn die Ansicht auf der Karte hat uns schon in den Bann gezogen!
Schöner kann es heute nicht mehr werden und so ist es auch, obwohl wir von diesem Tag auch weiter hingerissen sind. Nicht ganz so sehr vom noch mehr überlaufenen Lake Louise, den man von Lake Louise Village am besten mit dem Shuttlebus erreicht, sofern man auf dem Parkplatz im Dorf noch eine Lücke findet, was uns zum Glück gelingt. Auch dieser als wohl prominentester und größter See der Region hat bei richtigem Lichteinfall die typisch türkisblaue Färbung und bietet einen gletscherbedeckten Berg, den Mount Victoria, als Hintergrundkulisse. Ein ganzes Stück romantischer und malerischer ist aber der kleinere Lake Agnes, den wir 400 Höhenmeter weiter oben nach einer Wanderung auf 2.100 m erreichen. Dieser steht dem Moraine Lake nach unserem Geschmack nur wenig nach. Ihn umgibt eine ebenso unglaubliche Kulisse aus säulenartigen steilen Felsen und er speist einen relativ tief ins Tal abstürzenden kleinen Wasserfall. Unterwegs ist auch der kleine Lake Mirror, der einen gewaltigen Felsen spiegelt, ein oder auch zwei Fotos wert.

Auf dem Icefields Parkway zwischen Banff und Jasper haben wir dann durchwachsenes Wetter. Eine Wanderung Richtung Gletscher müssen wir wegen Gewitter und Hagel abbrechen und werden nass bis auf die Haut. Es gibt hier einige schöne Aussichtspunkte zwischen Banff und Jasper, zum Teil mit kleinen Trails zu malerischen Bergseen, Wasserfällen und Canyons, allesamt sicher ein Naturerlebnis, zumindest dann, wenn die Sonne hin und wieder mal zwischen den Wolken durchschaut. Alles muss man aber sicher nicht sehen. In Lake Louise Village kann man im Visitor Center eine Karte vom Parkway und ein paar Tipps für die lohnendsten Stopps erhalten. Der als Höhepunkt gepriesene Columbia Icefield Glacier an der Grenze von Banff- und Jasper-Nationalpark ist ein Eisfeld bestehend aus mehreren großen Gletschern. Vom Parkway aus ist der Athabasca-Gletscher aus der Nähe zu bestaunen. Allerdings hat sich dieser in den letzten hundert Jahren derart zurückgezogen, dass nur noch eine kleine Gletscherzunge sichtbar ist. Natürlich haben wir den „Nachteil“, dass wir schon ein paar Mal vor verschiedenen isländischen und auch auf einem norwegischen Gletscher gestanden haben. Dagegen erscheint dieser hier – na ja, wohlwollend gesagt, etwas unscheinbar. Das empfinden diejenigen, die zum ersten Male einen Gletscherausläufer sehen, sicher anders. Viele nutzen deshalb für viel Geld eine Tour mit dem Bus auf den Gletscher…
Dafür übernachten wir auf dem Parkplatz des Icefield Centre (ohne Service) für 15 Dollar.
In Jasper selbst muss man nicht unbedingt halten. Es sei denn, man benötigt Informationsmaterial, muss etwas einkaufen oder möchte einfach nur rumbummeln. Einige gut bestückte Outdoorläden sind auch zu finden. Im gleichnamigen Nationalpark ist es schon so, wie Richard, unser Guide aus Kananaskis Country, es angedeutet hat: Die Berge erscheinen zumindest beim Durchfahren ein Stück weiter entfernt und nicht mehr so kulissenartig, wie auch z.T. noch im Banff National Park.

Für uns zahlt sich aber ein Abstecher in den Mount Robson Provincial Park aus, der sich nordwestlich an den Jasper National Park anschließt. In diesem unternehmen wir eine Wanderung von insgesamt 14 km zum Lake Kinney. Dieser zeigt sich, wie auch anders, als olivgrüner Bergsee vor grandiosem Bergpanorama und lässt sich sehr gut zur Hälfte umwandern. Letztlich haben wir nach Aufklaren von Hochnebel auch noch einen Blick auf den Mount Robson selbst, der das Gebiet mit seinen 3.954 m hoch überragt. Am nächsten Tag geht es in den Jasper National Park zurück und auf der Lake Maligne Road zum gleichnamigen See. Auch hier ist man gut beraten, morgens zeitig (mindestens 9.00 Uhr) da zu sein, um in der Saison selbst in der Woche noch einen Parkplatz zu finden. Wieder bilden die umgebenden Rockies den Badewannenrand für ein tolles Gewässer, eines eben schöner als das Andere. Wir haben natürlich unsere Favoritenreihenfolge festgelegt und stimmen da sogar ziemlich genau überein, aber letztlich sind alle diese Bergseen ein Naturerlebnis der Extraklasse. Das trifft auch wieder für den tiefen Maligne Canyon zu, den man über 6 Brücken bewundern kann.
Danach führt uns unser Weg aus den Rocky Mountains nach Norden Richtung Grande Prairie und Dawson Creek hinaus auf flacheres Land.