16.07. bis 31.07.17 – Vom Alaska Highway über den Klondike zum Arctic Circle und wieder südwärts

In Dawson Creek beginnt der Alaska Highway. Yukon Highway wäre sicher auch angemessen, da er die größte Strecke im Yukon Territory verläuft. Er zieht sich bis nach Fairbanks in Alaska auf einer Länge von 1.523 Meilen. Ihn befahren zu dürfen und zu können, gilt immer noch als eine große Besonderheit und Ehre und das ist es auch für uns.
Er ist eine mehr oder weniger moderne Straße, aber allein sein Name spricht für unendliche Abenteuer und die ungeahnte Möglichkeit, alles hinter sich lassen zu können. Sicher ist das heute nicht mehr ganz so, aber einen Hauch von alledem ist noch deutlich spürbar.
In einem beispiellosen Kraftakt mit Verlust von Menschen und einer gigantischen Materialschlacht wurde die Straße von tausenden amerikanischen und kanadischen Soldaten sowie Zivilisten unter schwersten Bedingungen von März bis November 1942 errichtet und am 20. November 1942 offiziell eröffnet.

In Dawson Creek erinnert eine Historic Walking Tour durch einige Straßen in der Nähe des Visitor Centers an die damalige Zeit in der Stadt, die eng mit dem Bau des Highways verbunden ist. Viele bunte Gemälde an den Häuserwänden zeigen Szenen und Persönlichkeiten aus der damaligen Zeit. Besonders lohnt sich ein Besuch des Alaska Highway House, in dem mit Filmen, Bildern und Ausstellungsstücken der entbehrungsreiche Bau der Straße nachempfunden werden kann.
Die Strecke selbst ist dann in mehr oder weniger mittelmäßigem Zustand, zum Teil mit Schotter überdeckt und damit vor allem für Motorradfahrer mit Vorsicht zu genießen. Man sieht viele 100 km lang fast nur Straße und Wald, hin und wieder Schwarzbären, die in der Regel gemütlich weiterfressen, oder einen Kojoten oder Elch, welche sich aber recht schnell wieder hinter die Bäume verziehen. Die kleinen, flachen Städte auf dem Weg sind eher als Versorgungsstationen mit Treibstoff und Verpflegung zu sehen, aber es gibt auch Ausnahmen.

So ist das Fort Nelson Heritage Museum auf jeden Fall eine Empfehlung, wenn man an der Geschichte des Highways und der 40er bis 50er Jahre dieser Region interessiert ist. Auch Liebhaber von exzellent erhaltenen und funktionsfähigen Oldtimern kommen hier besonders auf ihre Kosten.
Ein (sehr warmes) Bad auf dem Weg in den schwefelhaltigen Liard River Hot Springs im gleichnamigen Provincial Park ist bei den heutigen Außentemperaturen (ca. 18°C) sehr angenehm.
In Watson Lake treffen wir dann zufällig wieder auf Marion und Bernd, die hier ihr „Potsdam“-Schild im „Sign Post Forest“- Schilderwald verewigen wollen. So bleiben wir dann auch noch zusammen für einen leider etwas verregneten Abend auf dem weniger gemütlichen RV Park vor Ort, aber mit guter Stimmung.
Auf dem Weg nach Whitehorse bietet sich insbesondere bei Regenwetter (aber auch sonst) der Besuch des George Johnston Museums in Teslin für diejenigen an, die Interesse an indianischer Geschichte der Region haben.

In der Provinzhauptstadt Whitehorse treffen sich der Alaska Highway und der Klondike Highway, auf dem wir am Nachmittag Richtung Dawson City weiterfahren. In der kleinen, sehr überschaubaren Stadt lohnt sich ein Rundgang, vor allem auch ein Stück den Yukon River entlang. Kaum vorstellbar, dass hier die Regierung einer doch recht großen Provinz residiert, es ist aber so. Das Regierungsgebäude ist so unauffällig, dass wir es nur zufällig entdecken. Vom alten, gut erhaltenen Schaufelradampfer „SS Klondike“ aus, laufen wir den 5 km langen Millenium Trail, der über die Rotary Centennial Footbridge auf das gegenüberliegende Ufer führt. Gut und auch vergleichsweise preiswert essen kann man übrigens im Yukon Meat & Sausage in der Hanson Street, wo es auch Würstchen und Sauerkraut gibt.

Auch der Klondike Highway zieht sich in schier endloser Straße zwischen großflächigen Wäldern, hin und wieder unterbrochen durch einen hübschen See oder einen strömungsintensiven Fluss.
Teilweise fahren wir auch hier schon auf Geröll, die Gefahr von Steinschlägen ist also für die Frontschutzscheibe stets gegeben, wie wir an vielen kanadischen Autos beobachten können.
Eines „der“ Ziele auf unserer Reise erreichen wir 240 km südlich des Polarkreises, 1.200 km vom Beginn des Alaska Highways in Dawson Creek entfernt und nach nunmehr über 13.000 km Fahrt durch Kanada: Das Zentrum des Klondike Goldrausches von 1898, die alte Goldgräberstadt Dawson City. Dabei haben wir das unerwartete Glück, tatsächlich noch einen der letzten Plätze auf einem der Campgrounds zu bekommen, obwohl dieses Wochenende auch noch das jährliche Musikfestival stattfindet.
Der Großteil der Stadt ist mittlerweile historische Stätte und wurde bzw. wird ganz im Stil der alten Westernstadt teilweise hervorragend restauriert. Auch nach mehrmaligem Durchlaufen des Ortes wird es nicht langweilig und es lässt sich immer wieder ein neues kleines Detail entdecken. Hier steht die ehemalige Hütte des berühmten Schriftstellers Jack London, der u.a. „Wolfsblut“ und „Ruf der Wildnis“ geschrieben hat, inspiriert durch die Kulisse dieser einmaligen Gegend, in der auch er in der Goldrush Zeit unterwegs war. Daneben finden sich im Jack London Museum eine Menge Fakten und Bilder für Fans des Schriftstellers.
In der Nähe von Dawson City, wo der Eldorado Creek und der Bonanza Creek in den Klondike River fließen, der sich wenig später in der Stadt mit dem Yukon River vereint, wurde damals Gold im Wert von geschätzten 500 Millionen Dollar gefördert. Es gibt vereinzelt kleine Minenbetriebe und ein wenig Gold ist wohl immer noch zu finden. Ein paar Unverdrossene glauben weiterhin, dass irgendwo dort draußen in den Hügeln die „Mother Lode“, die ganz große Goldader, auf ihre Entdeckung wartet. Genau das macht den Reiz dieses magischen Ortes aus, an dem wir noch die alte „Westernatmosphäre“ schnuppern können. Eine Fahrt mit dem altem Schaufelraddampfer „Klondike Spirit“ auf dem Yukon, immerhin Nordamerikas drittgrößter Fluss hinter dem Mississippi und dem Missouri, mit der Ansicht des allerdings flachen Dawson City und der Einmündung des Klondike Rivers in den Yukon wagen wir noch als „Attraktion“ und sie ist auch ganz nett.
Am Abend erleben wir dann im Casino „Diamant Tooth Gerties“ eine Sing- und Tanzshow wie in den Saloons des Wilden Westens (War ein Wunsch von Annett, Ralf findet es nicht so toll. Natürlich!).

Am nächsten Morgen überqueren wir den Yukon River mit der kostenlosen Fähre, die uns zum Einstieg in den Highway 9, den Top of the World Highway, bringt. Bis zur 106 km entfernten Grenze zu Alaska führt die großenteils geröllige Straße auf einem Gebirgskamm entlang durch endlose Wälder mit gutem Ausblick über die Region. Wir begegnen einigen Caribous, die erstaunlich lange vor dem Auto die Straße entlang traben. Vor der Grenze wenden wir allerdings. Leider ist es so, dass wir ohne Visum nur für 90 Tage in die USA dürfen. Diese Zeit wollen wir insbesondere für die dortigen Nationalparks nutzen. Wie wir von anderen Reisenden wissen, wird es mit hoher Wahrscheinlichkeit so sein, dass mit Übertritt nach Alaska die 90 Tage bereits beginnen zu zählen, auch wenn man zwischendurch wieder nach Kanada zurückkehrt. Das wollen wir nicht riskieren. Was sind das allerdings für Gesetzgeber, die sich so etwas ausdenken?
Zurück in Dawson City treffen wir noch kurz Marion und Bernd, die gerade in der Stadt angekommen sind und wir tauschen noch einige Tipps aus. Bleibt gesund Ihr Beiden und weiter gute Fahrt!
Einen sehr schönen Ausblick über Dawson City, das Klondike Valley und den Yukon River haben wir vom Midnight Dome aus, auf dem wir auf dem Weg zum Dempster Highway eine Mittagspause einlegen.

Normalerweise hatten wir eine Fahrt auf dem berüchtigtem Dempster Highway, der bis Inuvik führt, nicht geplant, aber uns reizt dann doch das Abenteuer, noch ein Stück weiter Richtung Norden zu fahren. Die unbefestigte Geröllstraße  ist auf einem dickem Fundament aus Schotter angelegt, um den Permafrostboden darunter zu isolieren. Das Resultat ist eine zumindest bei relativer Trockenheit gut befahrbare Schotterpiste mit allerdings sehr wechselnden Eigenschaften. Von fast ganz glatt bis ziemlich steinig und mit Schlaglöchern aller Größe ist alles dabei. Wenn es geregnet hat, lässt zwar die Staubbildung nach, dafür kann die Oberfläche schmierig werden und es muss noch konzentrierter gefahren werden. Extreme und lange Wellblechareale wie in den isländischen Hochlandstraßen gibt es aber nicht. Häufig sind ambitionierte 90 km/h als Maximalgeschwindigkeit angegeben, wir fahren meist so um die 80. Dadurch wird so manches kleine Schlagloch und Wellblechareal einfach übersprungen. Das gilt natürlich für unsere Reifen- bzw. Rädergröße und kann bei kleineren Rädern ganz anders aussehen. Ohnehin würden wir die Piste für „normale“ PKW und normalbereifte Wohnmobile ohne Veränderung am Fahrwerk nicht empfehlen, genauso wenig würden wir sie mit dem Motorrad befahren (wir sehen auch nur sehr wenige auf der Strecke). Bei Geschwindigkeiten um 80 – 90 km/h muss man allerdings auch mit großen Reifen und gutem Fahrwerk höllisch auf größere Schlaglöcher (seltener, aber tückisch) aufpassen und diese umfahren, was nicht immer gelingt. Der stetigen Gefahr des Steinschlages in die Windschutzscheibe oder (noch schlimmer) in den Kühler, versuchen wir zu umgehen, indem wir zumindest bei LKW-Gegenverkehr ganz rechts heranfahren und in der Regel auch halten. Das scheint eine ganz gute Taktik zu sein, zumal wir Trucks relativ selten begegnen. Die Mühen des Fahrens werden jedoch durch eine grandiose, vielgestaltige Landschaft mehr als ausgeglichen. Allerdings sehen wir diese nur auf dem Hinweg Richtung Norden bei trockenem Wetter mit guter Sicht und hin und wieder einem Strahl Sonne.
Bunte Berglandschaften um den Tombstone Territorial Park, wie wir sie aus Island kennen, wechseln mit langgezogenen Gebirgsketten und schroffen, hohen Geröllbergen ab. Dazwischen gibt es Waldflächen soweit das Auge reicht. Allerdings sehen wir auch wirklich riesige Flächen frisch verbrannten Waldes, wobei der Brennholzduft noch in der Luft liegt. Nach der Informationstafel im Tombstone Territorial Park war der Highway wohl auch wegen dieser Brände vor kurzem gesperrt und man wird davor gewarnt, dass dies jederzeit wieder passieren kann. Es kann also durchaus sein, dass wir vom Polarkreis nicht mehr so ohne weiteres zurückkommen, falls es wieder anfangen sollte, zu brennen. Zur Mitnahme entsprechender Wasser- und Treibstoffvorräte wird geraten. Wir lassen uns dadurch nicht abschrecken und erreichen nach 405 km Piste unser Ziel: den Arctic Circle. Ganz in der Nähe stehen wir auf einem ruhigen Übernachtungsplatz mit herrlichem Ausblick über die hier flachere, aber sehr grüne Landschaft.

Leider müssen wir auf dem Rückweg zum Tombstone Territorial Park dann durch extrem tiefhängende Wolken und Dauerregen, dass bedeutet keine Sicht, seifiger, rutschiger Boden (Vorsicht!) und total versautes Auto. Aber da wir auf dem Hinweg Glück hatten, sind wir nicht so traurig. In Island hatten wir schon Hochlandtouren ohne jegliche Sicht, was dann auf Dauer wirklich frustriert. Im Tombstone Territorial Park wandern wir noch zwei kurze Trails, allerdings leider bei weniger gutem Wetter und schlechter Sicht.

Die Fahrt Richtung Süden führt uns dann bei sehr wechselhaftem Wetter wieder über den Klondike Highway und später den Robert Campbell Highway mit idyllischer Zwischenübernachtung am Ufer des Yukon Rivers zunächst in das Städtchen Faro für eine Pause, Wartungsarbeiten und Einkäufe. Der Robert Campbell Highway ist bis Faro zwar asphaltiert, aber zum Teil in solch bedauernswertem Zustand, dass die Schlaglöcher weitaus größer und zahlreicher sind, als auf dem Dempster. Man sieht sie zudem relativ spät und fährt dann gewagte Ausweichmanöver. Vorsicht also vor allem für Wohnmobile oder Fahrzeuge mit hohem Aufbau. Dennoch wollen wir nach unserem „Wochenende“ seinen geschotterten Teil weiterfahren Richtung Watson Lake, erfahren aber am nächsten Tag im Visitor Center in Faro, dass dieser wegen Überflutung durch die Regenfälle am Vortag nun gesperrt ist. Aus demselben Grund wird uns auch die alternative Schotterpiste Canol Road nicht angeraten und wir wollen dahingehend kein Risiko eingehen.
Also müssen wir leider über den Robert Campbell, den Klondike und den Alaska Highway die komplette Strecke über Whitehorse zurück, um dann nach Süden in den Highway 37 (Stewart Cassiar Highway) abzubiegen. Dieser ist 700 km lang und stößt schlussendlich weiter südlich auf den Highway 16 (Yellowhead). Die Straße ist durchgehend asphaltiert und führt durch einen der größten erhaltenen Wildnisgebiete von British Columbia. Endlose Wälder umsäumen klare Seen und in der Ferne sind die schnee- und gletscherbedeckten Berge zu sehen. Wir passieren nur wenige kleine Ansiedlungen. Leider sieht unser Zeitplan keine längeren Stopps vor, was die Landschaft sicher an vielen Stellen wert gewesen wäre.