01.08. bis 21.08.17 – Auf nach Vancouver Island

Vom Highway 37 biegen wir schließlich zu einem Abstecher nach Westen Richtung Alaska auf den Highway 37A ab. Die beiden benachbarten Grenzstädte Steward (Kanada) Hyder (Alaska) liegen an der Küste am Beginn des Portland Canal. Hier kommen wir also doch noch nach Alaska, denn es gibt keine US-Grenzbeamten und somit auch keinen Stempel in den Pass. Kurz hinter Hyder beobachten wir am Fish Creek Viewpoint laichende Lachse im flachen Wasser. Sie müssen hier nach ihrer langen Reise vom Ozean schlussendlich sterben und werden von Adlern und Bären verspeist, die in den Bäumen bzw. Büschen lauern, was sich mit etwas Geduld aus der Nähe gut beobachten lässt.
Unser eigentliches Ziel, der Salmon Glacier, liegt ca. 30 km hinter Hyder und seine breiten Zungen lassen sich über eine Schotter-Passstraße eindrucksvoll nah von oben überschauen. Das macht diesen Abstecher zu einem echten Naturerlebnis.

Unterwegs auf dem Highway 16 (Yellowhead) Richtung Prince George machen wir für eine kurze Stadtrunde Pause in der prima restaurierten Old Historic Town von Hazelton, ca. 5 km vom Highway entfernt, in der auch Touristenbusse halten. In Prince George übernachten wir lediglich, fahren dann aber vom nach Süden führenden Highway 97 (Cariboo) den Abzweig auf den Barkerville Highway ungefähr 80 km nach Osten zur gleichnamigen Historic Town. Hier erwartet uns eine komplette und exzellent erhaltene bzw. restaurierte Western-Museumsstadt. Barkerville ist nach Billy Barker benannt, der hier als Erster 1862 im Cariboo Gold fand. Durch den folgenden Goldrausch entstand an dieser Stelle zur damaligen Zeit eine der größten Städte Kanadas. Wie in einer Filmkulisse zu „Bonanza“ oder zu „Rauchende Colts“ fühlen wir uns beim Durchschlendern des Städtchens, dass zudem einen relativ großen und gut erhaltenen Chinatown besitzt. Überall können wir auch in die Häuser hineingehen und uns umsehen. So finden wir eine beeindruckende Sammlung von Requisiten aus der damaligen Zeit, ob von der Goldgräberei über alle damaligen Handgewerke bis hin zu Saloons und Bordellen. Zudem durchstreifen Leute in historischer Kleidung die Stadt, erklären handwerkliches und historisches oder spielen kurze Straßenszenen der damaligen Zeit, alte Post- und Reisekutschen fahren auf den staubigen Wegen. Insgesamt äußerst beeindruckend und unbedingt zu empfehlen.
Auf dem Rückweg legen wir noch einen kleinen Zwischenstopp in dem ebenfalls historisch interessanten Städtchen Wells ein, wenige Kilometer westlich von Barkerville. Wir erleben hier gerade die Vorbereitung auf ein Kunstfestival und die vielen kultigen jungen Musiker und Künstler erinnern uns in ihrem flippigen Outfits an die Szene der Dresdner Neustadt.

Eigentlich wollten wir auf dem Highway 97 weiter Richtung Süden über Whistler nach Vancouver. Aufgrund der ausgedehnten Waldbrände der Regionen westlich des Highways ist dieser jedoch nach wie vor teilweise gesperrt, so dass wir ab dem Ort mit dem eigentümlichen Namen 100 Mile House gezwungen sind, die Umleitung über den Highway 24 nach Osten und dann wieder den Highway 5 zunächst bis nach Kamloops zu nehmen, wo wir einen Tag Pause machen. Schon unterwegs und in den Städten entlang der 97, aber auch in Kamloops selbst sehen und riechen wir den Smoke, der sich von den Waldbränden ausgehend über die gesamte Region legt und teilweise regelrecht zur Verdunklung des Himmels führt.
So bleibt die Situation auch auf dem gesamten Weg Richtung Tsawwassen südlich von Vancouver, von wo wir die Fähre nach Swartz Bay auf Vancouver Island nehmen. Die Option, doch noch über Whistler zu fahren, lassen wir erst einmal beiseite, weil immer noch Straßen wegen den Bränden gesperrt sind und die Sicht auf das Bergpanorama dort ohnehin höchstwahrscheinlich, wie die ganze Region, von der Dunstwolke eingehüllt sein wird.
Selbst auf dem Weg über die Strait of Georgia nach Vancouver Island liegt die Wolke noch wie ein Tuch über dem Meer und der festlandzugewandten Seite der Insel. Erst als wir Victoria erreichen, dringt das Blau des Himmels endlich wieder durch. Wir übernachten im Hafen und schon am Abend zeigt die Provinzhauptstadt ihren Charme. Die historischen Gebäude um den Inner Harbour bieten um den idyllischen Jachthafen eine wunderbare Kulisse. Das Parliament Building, der Regierungssitz gegenüber dem Royal BC Museum, ist ein beeindruckendes Gebäude und am Abend wird die elegante Fassade wie ein Weihnachtsbaum beleuchtet. Kanadas ältester Chinatown hier am Ende der Government Street ist gewohnt recht bunt geschmückt, die Geschäfte und Restaurants hier machen aber einen etwas heruntergekommenen Eindruck. Am belebtesten und interessantesten, sowohl von der Architektur als auch vom Ambiente her, sind die Straßen unmittelbar am Inner Harbor, vor allem die Government Street, aber vor allem auch der David Foster Harbour Pathway. Am Abend bei erleuchteter Strandpromenade an den vielen (und guten) Straßenmusikern vorbeizuspazieren ist besonders romantisch. Der Pathway ist auch tagsüber eine kleine Wanderung wert. Er führt um eine kleine Halbinsel herum zum Beacon Hill Park, vorbei an Fisherman’s Wharf, einer kleinen Stadt bunter Hausboote die weitgehend privat genutzt werden und die einen ganz besonderen Charme ausstrahlen. Der Park selbst ist liebevoll angelegt, natürlich viel Grün mit zahlreichen kleinen Teichen, Springbrunnen und tollen Spielplätzen für die Kinder. Allerdings ist er mit Enten völlig übervölkert, so dass man viele Bänke und manche Wege wegen der Sch…. kaum nutzen kann (Mmmh, es gibt doch ausreichend Chinarestaurants in der Stadt ?!….) Die allgegenwärtigen Möwen tun wie überall in der Stadt ihr Übriges. Ansonsten finden wir den Start (die Meile 0) des Trans-Kanada-Highways, die allerdings recht unspektakulär markiert ist.
Wir bleiben noch eine Nacht länger als geplant in Victoria, da mal wieder etwas am Trinkwassertank zu reparieren ist (Kann denn nicht einfach mal was ein paar Jahre ohne Probleme halten, der Tank wurde 2014 neu installiert?!): Die Mutter, von welcher der Ansaugschlauch vom Tank abgeht, ist wohl entweder am Gewinde gebrochen oder zumindest ausgeleiert, so dass auch Festziehen nicht mehr hilft. Wasser fließt bei vollem Tank und auch beim Wasserentnehmen neben der Mutter nach außen und Luft wird stattdessen nach innen angesaugt. Resultat: nur noch tröpfelnder Wasserstrahl. Wir haben Bedenken, den Rat unseres hilfsbereiten und per whats app erreichbaren Kabinenbauers (danke, Julian!) zu befolgen, die Mutter ganz hinauszudrehen und mit Metallkleber wieder einzukleben. Wir befürchten den vollständigen Gewindeabbruch beim Ausschrauben und was dann?
So klebt Ralf (macht Spaß im Liegen unter dem Auto, man kommt an das Ding schlecht heran,)  die Mutter von außen mit 2-Komponentenkleber, der auch zum Kühlerabdichten verwendet werden kann, ringsherum am Eingang zum Tank fest, Aushärtdauer 24 Stunden. Daher ist Warten ohne Wasserentnahme und Aufschaukeln des Tankinhaltes während der Fahrt notwendig. Dann vorsichtshalber noch eine zweite Schicht Kleber aufgebracht und siehe da – nach Aushärtung haben wir zunächst wieder ein dichtes System. Wenn der Kleber hält, was er verspricht, müsste es so gehen. Warten wir es ab.

Wir laufen am nächsten Tag am Highway 14 zwei kleine, aber sehr schöne Trails am Strand bei French Beach und im Juan de Fuca Provincial Park zum malerischen Mystic Beach durch sehr feuchten, moosbewachsenen Wald mit vielen Farnen. Schon in Kamloops (von einem Einheimischen aus Nanaimo) und auch jetzt wieder auf unserem Recreation-Site an der Pacific Marine Road hören wir von Kanadiern, dass es sich sehr lohnen würde, ganz in den Norden der Insel, in den Cape Scott Provincial Park zu fahren, was wir eigentlich nicht wollten. Also entschließen wir uns kurzerhand, den Ratschlägen zu folgen und sehen weitere 3 Tage für den Trip in den Norden vor, wenn der Wetterbericht positiv ausfällt. Das werden wir morgen bei Internetempfang sehen…
Na ja, das Wetterradar zeigt zunächst noch Sonne für 2-3 Tage, dann aber ein großes Regengebiet vom Pazifik. OK. Cape Scott müssten wir vorher schaffen. Wir machen uns auf Richtung Nordwesten und zunächst eine Zwischenstation in Chemainus, einem kleinen Städtchen mit hübschen Straßenzügen und vor allem mit vielen interessanten Wandgemälden an den Gebäuden. Dazu gibt es sogar eine „mural tour“, sowohl zu Fuß (Annett geht sie auf eigene Faust) als auch mit der Kutsche.
In Coombs wollen wir im Old Country Market eigentlich eine angepriesen ermaßen dick belegte Pizza essen, finden aber das mehr als schlecht ausgeschilderte Restaurant im Trubel nicht. Ungewohnt dichte Menschenmengen drängen sich durch die Marktstände und Hallen mit Lebensmitteln und Kunstgegenständen. Das ist so recht nichts für uns, daher machen wir lieber noch einen schönen Strandspaziergang im flachen und warmen Wasser am Qualicum Beach. Dieser ist zwar recht lang, allerdings nur bei Ebbe breit und nur dann mit entsprechenden Sandbankanteilen. Wir übernachten direkt an der Strait of Georgia in der Nähe von Cortenay, bevor es dann etwas entschlossener nach Norden weitergeht.
Ein kleiner Abstecher nach Telegraph Cove ist aber lohnenswert. Die einstige Telegrafenstation ist heute eine „der“ Touristenattraktionen des Nordens. Den kleinen, etwas tümpeligen (und entsprechend riechenden) Yachthafen umgeben malerische bunte Pfahlbauten, unterbrochen von kleinen Restaurants und Cafés.

In Port Hardy machen wir nur kurze Zwischenstation im Visitor Center und auf dem Rückweg dann im Café Guido mit schönem Ambiente und gutem WLAN. Das kleine Städtchen ist nach Captain Hardy benannt, der Admiral Nelsons berühmtes Flaggschiff, die HSM Victory u.a. in der Schlacht von Trafalgar am 21.10.1805 befehligte. Die Victory ist (bestens erhalten und als Museumsschiff in Portsmouth zu besichtigen) auch heute noch offizielles Flaggschiff der englischen Flotte- was haben die Engländer für ein bewundernswertes Traditionsbewußtsein und Stolz in die eigene Geschichte!
Wir biegen dann in die Schotterstraße zum Cape Scott Provincial Park ein, den wir mit Rückweg insgesamt ca. 140 km befahren, was kein sonderliches Vergnügen ist. Große Schlaglöcher und Wellblechpisten rütteln uns ganz schön durch. Wie man hier wie die Kanadier mit normalem PKW fahren kann, ist uns schleierhaft – einen sehen wir auch mit aufgerissener Ölwanne am Straßenrand stehen….
Im Park wandern wir dann zum Sandstrand von San Josef Bay, der uns so gut gefällt, dass wir uns bei noch gutem Wetter entschließen, hier im Zelt zu übernachten. Also machen wir den 2 km langen Weg nochmals zurück und wieder hin, diesmal mit voller Campingausrüstung. Mit einem schönen Abend am Strand und einer ruhigen Nacht werden wir belohnt. Für den nächsten Tag ist ab Mittag das Regengebiet vom Pazifik her angesagt. Deshalb nutzen wir den noch trockenen Vormittag nach einigen weiteren Kilometern Schotterpiste etwas weiter südlich im Raft Cove Provincial Park. Hier laufen wir einen sehr urwüchsigen Trail bis zur gleichnamigen Meeresbucht durch dichten Regenwald, farn- und dicht moosbewachsen, mit riesigen Bäumen, deren große, bizarre Wurzeln den Weg zur Klettertour machen.
Das Regengebiet begleitet uns die nächsten 24 h nach Süden und wir legen zunächst auch eine kleine Pause in der Nähe von Campbell River ein.

Im größten Park von Vancouver Island, dem Strathcona Provincial Park, wandern wir dann einige kleine Trails nahe des langgezogenen Buttle Lakes. Am nächsten Tag nehmen wir vom Highway 19 Richtung Süden den Abzweig recht steil nach oben Richtung Mount Washington bzw. Forbidden Plateau und schließen eine Rundwanderung vom Startpunkt Paradise Meadows Trailhead an. Die Gegend erinnert uns ein wenig an die Landschaften um Oberwiesenthal, auch die Berghotels am Trailhead. Zwischen den Nadelwäldern finden wir mal eine Blumenwiese und sehr schön angelegte Wege durch das Sumpf- und Seengebiet, teilweise mit Holzplanken überbaut. Die Gegend eignet sich ebenfalls prima für Mehrtageswanderungen mit wunderbar an den Seen gelegenen Campingplätzen im gesamten Gebiet.
Einen Abstecher nach Cumberland nutzen wir für die Mittagspause und einen Kaffee, bevor wir in Qualicum Beach bei Sonne nochmal im Wasser waten wollen. Daraus wird nichts. Der Strand ist bei Flut auf ein paar Meter grobes Geröll geschrumpft. Dafür gibt es an der Promenade gutes Eis…. Auf dem Weg an die Westküste stoppen wir bei Cathedral Grove und sehen uns die bis zu 800 Jahre alten und entsprechend durchmesserstarken Giant Douglas fir trees an, die man in zwei Trails gut durch kleine Wäldchen bestaunen kann.
Port Alberni hat einen hübschen kleinen Hafen mit Imbiss- und Souvenirläden und ist für eine kleine Pause gut geeignet.

Sowohl im Internet als auch im Visitor Center am Pacific Rim Highway sind alle Campingplätze in und um Tofino und Ucluelet voll belegt. Wir suchen und finden daher einen Campground im Hinterland an der Toquart Bay, der über eine 14 km lange Schotterstraße erreichbar ist. Da wir keine besondere Lust auf tägliche Suche haben, buchen wir hier kurzentschlossen für 3 Nächte und nehmen ein paar Mehrkilometer für Sterntouren an die Küste in Kauf.
Tofino erinnert ein wenig an die Badeorte auf Usedom, hübsch aber flach. Hier ist alles auf den Touristen zugeschnitten. Allerdings finden wir hier auch die meisten Schilder mit „no“: no camping, no parking, no RV, no turning, no overnight parking, no fire, keep out, usw. usw. In einem Parkverbot am Straßenrand wird sogar im Fall des Verstoßes mit Zerstechen der Reifen gedroht…. Irgendwie müssen sich die Einwohner offenbar die aufdringlichsten Touristen irgendwie vom Leibe halten.
Es ist mittlerweile das beliebteste Outdoorziel auf der Insel für Wanderer und vor allem Surfer. Dementsprechend können diese Zielgruppen hier gut shoppen gehen. Natürlich gibt es entsprechend auch wunderschöne Strände in der Umgebung, wie an der Cox Bay. Es ist das reinste Surferparadies und entsprechend viele sind am (bei Ebbe) sehr breiten feinen Sandstrand zu finden, wo es flach in den windigen Pazifik geht.
Am nächsten Tag laufen wir zunächst die beiden Rainforest Trails. Die Wege durch das Feuchtgebiet sind mit Holzplanken überbaut und sehr schön angelegt. Der ähnliche, aber viel urwüchsigere Wald im Raft Cove Provincial Park hat uns aber doch noch besser gefallen. Ein weiteres Surferparadies sehen wir bei Ebbe und breitem flachen Sandstrand (viele Muscheln) an der Schooner Bay, die wir bis zur längsten Sandküste des Pacific Rim Parks, dem Long Beach ablaufen. Überall wird allerdings davor gewarnt, dass die Idylle des Pacific (Tsunamigebiet!) hier täuscht und plötzliche hohe Wellen mal überraschend einen Menschen ins Meer spülen können. Dazu kommen wohl sehr tückische Strömungen, die auch gute Schwimmer sehr schnell hinaustreiben können. Es wird tatsächlich (wortwörtlich) davor gewarnt, dem Meer den Rücken zuzukehren….
Danach schlendern wir durch das kleine aber urwüchsige Ucluelet, dass deutlich ruhiger und
vielleicht sogar etwas reizvoller ist als Tofino. Wir finden eine schön gelegenen Yachthafen mit angrenzenden Hotels und laufen noch einen kleinen Teil des Wild Pacific Trails mit wunderbarem Ausblick auf die Schären und vorgelagerten Inselchen (Broken Group Islands) vor der Küste der Barkley Sound Bucht. Am nächsten Vormittag wird noch der nördliche Teil des Trails über 8 km in Angriff genommen – auch schön, allerdings mit Nebel über dem Meer. Der Weg zur Ostküste führt uns wieder über Port Alberni und wir übernachten im Englishmen River Falls Park, wo wir auf Christine und Ralf treffen, die zwischendurch schon in den USA waren. Es folgt ein sehr fröhlicher, gesprächsintensiver gemeinsamer Abend mit Erfahrungsaustausch über die bisherigen Erlebnisse. Hallo Ihr Beiden, bleibt gesund, wir wünschen Euch eine tolle Weiterreise und hoffen mal auf ein Wiedersehen unterwegs oder auch in Old Germany. Am nächsten Morgen passen wir noch auf die 10.15 Uhr Fähre nach Vancouver – Tsawwassen, die am Ende vollbesetzt ist und finden in Surrey auch recht schnell einen akzeptablen Campingplatz mit Bus- und Bahnanbindung in die City. Was will man mehr.