121 Tage Kanada – Erfahrungen und Tipps

Im Folgenden möchten wir Euch unsere Erfahrungen, Erkenntnisse, Hinweise und Tipps zusammenfassend für Kanada niederschreiben. Vielleicht sind sie für den einen oder anderen Reisenden von Nutzen. Dabei muss es sich nicht immer um die „große“ Kanadareise handeln, sondern sie können vielleicht auch für einen „normalen“ Urlaub genutzt werden. Unsere Eindrücke sind sicherlich subjektiv. Andere Reisende machen andere Erfahrungen. Die einzelnen Themen sind alphabetisch geordnet.

Banken

In Kanada ist Zahlen mit Kreditkarte üblich, egal wie hoch der Betrag ist. Wir haben Kreditkarten der Deutschen Kreditbank (DKB), die uns die Auslandsgebühren, die dabei entstehen, rückerstattet. Geld abheben an Automaten ist kein Problem. Es gibt überall Geldautomaten. Wir haben trotzdem darauf geachtet, dass wir die Automaten direkt bei den Banken nutzen und nicht an Tankstellen o.ä.. Beim Geldabheben an Automaten werden in der Regel ebenfalls Gebühren fällig. Die DKB hat diese in den vergangenen Jahren erstattet, aber diese Leistung ist inzwischen weggefallen. Wer Geld bei der Scotiabank abhebt, kann sich diese Gebühren, sparen.

Einkaufen/Essen

In der Regel waren wir bei Walmart einkaufen. Allerdings schwankt das Angebot von Markt zu Markt. Für uns unvorstellbar war, dass es auch Märkte gibt, wo es überhaupt keine frischen Lebensmittel, wie Obst, Gemüse und Fleisch gibt. Dann hieß es immer noch einen zweiten Markt suchen. Bei Walmart gibt es manchmal Regale mit „International Food“. Mit etwas Glück sind dort sind auch deutsche Produkte zu finden. Wer also Appetit auf die Krönung oder Rügenfisch hat, Augen auf. Gute Alternativen zum Einkaufen sind unserer Meinung nach Atlantic Superstore oder Sobeys. Dort gibt es meistens auch Frischetheken. Wir fanden auch die kleineren Läden, z.B. im Yukon, waren sehr gut sortiert. Allerdings sind die Preise dann gleich mal noch etwas höher als sonst schon. Wir mussten uns daran gewöhnen, dass die ausgepriesenen Preise ohne Mehrwertsteuer sind und diese an der Kasse noch aufgeschlagen wird. Wir haben gar nicht groß versucht, die Preise umzurechnen. Essen müssen wir schließlich. Trotzdem haben wir natürlich darauf geachtet, ob es irgendwelche Angebote gibt. Restaurantbesuche fielen bei uns sehr rar aus. Erstens ist es auch da ziemlich teuer und das Angebot war meist auch mehr in Richtung Fast Food oder so kleinen Portionen, dass wir nicht wirklich satt werden konnten. Also, die bessere Wahl ist selber kochen.Fast-Food-Ketten gibt es in Massen. Freunde dieser Ernährung werden begeistert sein. Allerdings nimmt die Anzahl Richtung Norden auch ab.

Einreise

Die Einreise verlief völlig unproblematisch. Ein paar Fragen zur Länge und Art des Aufenthaltes und schon haben wir unseren Stempel erhalten. Wichtig ist bei der Beantragung der „Electronical Travel Authorization (eTA)“ auf die richtige Eingabe der Ziffer „Null“ und des Buchstabens „O“ zu achten. Wie wir von anderen gehört haben, gab es beim Einchecken auf dem Flughafen zum Teil Probleme aufgrund der falschen Eingaben, so dass Reisenden, die nicht rechtzeitig eine neue Genehmigung über das Internet vom Flughafen aus erhalten konnten, auf ihren ursprünglichen Flug verzichten und einen neuen Flug buchen mussten.

Entfernungen

Kanada ist ein riesiges Land. Deshalb ist es uns sehr schwer gefallen, die Entfernungen richtig einzuschätzen. Mehr als einmal haben wir uns gefragt, ob wir alles, was wir uns vorgenommen haben, in der zur Verfügung stehenden Zeit schaffen werden. Es gibt hier aber auch so vieles zu sehen. Es muss jedem klar sein, dass man sich nicht alles ansehen kann. Irgendwann haben wir uns dann doch so einen etwas genaueren Plan gemacht, wo wir festgelegt haben, welchen Zeitraum wir für die jeweilige Region zur Verfügung haben. Auch da hat es natürlich Abweichungen gegeben, aber es war zumindest ein grober Zeitplan.

Internet

Mit dem Internet ist das so eine Sache. Hatten wir im Osten Kanadas noch gute Möglichkeiten auf Campingplätzen, in der Stadt, Einkaufsmärkten und Fast-Food-Ketten, so wurde das Internet nach Westen hin spärlicher. Am besten funktioniert es bei Mc Donald’s und Tim Hortons. Dort ist Internet jederzeit verfügbar und auch schnell, so dass man ruhig ein oder zwei Stunden dort verbringen kann. Wir haben als Gegenleistung zumindest einen Kaffee getrunken und es hat nie jemand etwas gesagt. Auf angepriesenes Internet auf Campingplätzen darf man nicht allzu viel geben. In der Regel funktioniert das nur im Bereich der Anmeldung. Es gibt natürlich auch Campingplätze, wo man gemütlich von seinem Platz aus arbeiten kann, jedoch dann eher im Osten des Landes. Insbesondere wer an einem Blog schreibt, wird sich mehr als einmal die Haare raufen aufgrund des schlechten Internetempfangs.

Landschaft

Die Landschaft umfasst die gesamte Palette von ganz langweilig bis faszinierend. Besonders toll fanden wir die Rockies mit seinen Bergen und den wunderschönen Seen, die Prärie von Saskatchewan und den Yukon mit seinen unendlichen Wäldern. Aber wie immer gibt es auch Gegenden, wo wir uns aus heutiger Sicht sagen, da hätten wir nicht hingemusst. Aber das ist wohl bei jeder Reise so. In erster Linie müssen auch wir erst mal den Medien (Reiseführer, Internet) vertrauen, wenn bestimmte Gegenden groß angepriesen werden. Und natürlich liegt es auch im Empfinden jedes Einzelnen, ob er etwas toll findet oder nicht. Stimmung und Wetter spielen ebenso eine Rolle. Auf jeden Fall lohnt sich ein Besuch in Kanada der Landschaft wegen unbedingt. Diese Vielfalt, die hier vorzufinden ist, gibt es sicherlich selten. Dennoch ist uns auch hier bewusst geworden, wie viele faszinierende Gegenden wir auf unseren früheren Reisen bereits erleben durften. Oftmals werden Sehenswürdigkeiten als Highlight angepriesen, die wir irgendwo anders auf dieser Welt schon viel schöner gesehen haben und unsere Reisen beschränkten sich bisher auf Europa und Afrika.

Menschen

Von Anfang an und das hat sich auch bis zum Ende unserer Reise durch Kanada gehalten, finden wir die Menschen in Nova Scotia am freundlichsten, gefolgt von den Menschen in Dawson City. Aber so viel Freundlichkeit, gegenseitige Rücksichtnahme und Respekt wie in Nova Scotia haben wir noch nie erlebt. Wir haben auch bei allen Gesprächen gegenüber Kanadiern dies besonders lobend erwähnt. Die am zurückhaltendsten und im Straßenverkehr am wenigsten rücksichtnehmenden Menschen haben wir in Quebec und Ontario getroffen. Da ist uns beim Autofahren schon mal Angst und Bange geworden. Entgegen unseren Erwartungen sind wir immer wieder von Leuten angesprochen wurden, die es interessiert hat, wie unser Auto nach Kanada gekommen ist, was das gekostet hat, was wir so machen, wie lange wir bleiben. Obwohl unser Auto sicherlich zu den kleinen Fahrzeugen hier in Kanada gehört, war das Interesse immer groß und es ergaben sich sehr freundliche Gespräche. Der ein oder andere hatte auch meist einen Tipp, was wir uns unbedingt ansehen sollten. Vorfälle, bei denen sich uns gegenüber jemand mehr als unfreundlich verhalten hat, gab es keine.

Reiseführer, Infomaterial, Karten

Wir nutzen den Lonely Planet Reiseführer. Allerdings war er nur in einer älteren Ausgabe verfügbar und somit nicht mehr unbedingt aktuell. Jedoch nehmen wir den Reiseführer ohnehin nur als grobe Richtlinie. Im Internet, sofern es funktioniert, haben wir allerlei Information gefunden und dazu noch aktuell. Sehr geholfen bei der Reisevorbereitung haben uns die Berichte von anderen Weltenbummlern. Dort haben wir viele Tipps bekommen, was sehenswert ist und wie ungefähr die Strecke aussehen könnte. Unterwegs ergeben sich aber ohnehin noch Änderungen. Sehr gutes Material stellen die Visitor Centers in den Städten, an den Provinzgrenzen oder den einzelnen Parks, sowohl Nationalparks als auch Provincial Parks zur Verfügung. Es gibt viele Karten mit Wandervorschlägen oder anderen Möglichkeiten für Unternehmungen. Die Mitarbeiter sind wirklich sehr bemüht, allen zu helfen. Straßenkarten haben wir uns beim AAA besorgt. Diesen gibt es in vielen größeren Städten. Einfach die ADAC-Mitgliedskarte vorlegen, dann gibt es ebenfalls umfangreiches Informationsmaterial umsonst. Zu beachten ist noch, dass die Saison in den einzelnen Regionen unterschiedlich startet. Das kann im Mai, Juni, aber auch erst im Juli sein. Die Visitor Center haben vorher zum Teil geschlossen. Das gilt auch für die Campingplätze. Unbedingt nennen möchten wir auch noch die Homepage panamericana.info. Von dieser Seite beziehen wir nach wie vor viele Informationen auch von unterwegs. Viele Reisende geben immer wieder aktuelle Informationen, die man für sich nutzen kann. Ein wirklich toller Service.

Reisezeitraum

Aus unserer Sicht macht ein Start vor Anfang Mai keinen Sinn. Das Wetter ist noch zu unberechenbar. Parks und Campingplätze sowie sonstige touristische Einrichtungen haben geschlossen. Selbst im Mai war es zum Teil sehr kalt und hat oft geregnet. Wie wir sehen konnten, wird es ab Ende August schon etwas herbstlich. Die Saison ist also kurz.

Straßen

Wer denkt, wenn er auf dem Highway fährt, hat er Fahrgenuss pur, den müssen wir enttäuschen. Die Highways in Kanada sind von der Beschaffenheit sehr unterschiedlich. Abgesehen davon, darf ohnehin nur 90 bis 100 km/h gefahren werden. Wenn man Glück hat auch einmal 110 oder 120 km/h. Aber selbst auf dem Trans-Kanada-Highway lässt der Zustand der Straße manchmal sehr zu wünschen übrig. Und insbesondere auf den Highways im Yukon sind oftmals große Abschnitte mit Gravel zu befahren. Irgendwann haben wir festgestellt, dass fast jede Straße den Status eines Highways hat, ob nun asphaltiert oder mit Gravel versehen. Etwas nervig sind zum Teil die Baustellen auf den Highways. Entweder haben wir nicht verstanden, was da überhaupt für Arbeiten durchgeführt werden (aber die Kanadier werden es schon wissen) oder wir haben das System nicht verstanden, nach welchem die Fahrzeuge die Baustelle passieren dürfen. Wir standen manchmal Ewigkeiten an der Stopplinie und der Gegenverkehr kam uns schon dreimal entgegen. In der Regel gibt es an Baustellen auch keine Ampeln, sondern da stehen auf jeder Seite der Baustelle Bauleute mit einem Schild in der Hand. Auf der einen Seite steht „Slow“, auf der anderen Seite „Stopp“. Dieses wird also hin- und hergewendet. Na ja. Also auf jeden Fall immer genügend Zeit einplanen.So gar nicht recht konnten wir uns an die Vorfahrtsregelung an Stoppschildern gewöhnen. Wer zuerst da ist, darf  zuerst fahren. Bei höherem Verkehrsaufkommen ist das schon mal recht unübersichtlich. Die Ampeln stehen in der Regel hinter der Kreuzung. Auch das Ampelsystem erschien uns nicht immer ganz klar, insbesondere die Regeln für Linksabbieger.

Tanken

Der Bezug von Benzin ist problemlos möglich. Bei Diesel gab es im östlichen Teil schon mal Schwierigkeiten, so dass wir einige Tankstellen anfahren mussten, um letztendlich welchen zu erhalten. Das gilt durchaus auch für „große“ Tankstellen. In Richtung Westen war das Tanken kein Problem. Bei manchen Tankstellen ist es so, dass man vor dem Tanken seine Kreditkarte abgeben muss. Erst dann wird die Zapfsäule freigeschalten. Es wird getankt und anschließend bezahlt. Etwas gewöhnungsbedürftig.

Toiletten

In Kanada gibt es kaum Probleme mit öffentlichen Toiletten. Sie sind meist sauberer als in Deutschland und vor allem kostenlos. In den Nationalparks und abgelegenen Gebieten gibt es meistens nur Plumpsklos, aber auch die sind in der Regel sauber und nicht mit solchen aus früheren Zeiten zu vergleichen.

Übernachtungen

Übernachten ist in Kanada kein Problem. Für die, die es bequemer mögen, gibt es Hotels oder Motels. Für alle anderen stehen jede Menge Campingplätze zur Verfügung oder wer noch mehr seine Ruhe möchte, der sucht sich in der Natur ein schönes Plätzchen. Was Campingplätze anbelangt, so mögen wir mehr die naturnahen Plätze. Da gibt es zwar keinen Service hinsichtlich Strom und Wasser und nur Plumpsklo, aber sie sind meist schön gelegen, nicht zu groß, man hat mehr Privatsphäre und die Kosten sind gering. Auch Feuerholz gibt es dort in der Regel kostenlos. Gerade in Alberta, British Columbia und dem Yukon haben wir oft solche Plätze genutzt. Für große Wäsche und mögliches Internet sind wir dann auch mal auf RV-Plätzen gewesen, die meist nicht so gemütlich sind, aber für zwischendurch in der Regel mehr Komfort bieten, wenn wir mal wieder Ordnung in unsere Sachen bringen wollten. Im Juli und August ist es schwierig ohne Buchung einen Platz zu bekommen. Man kann es dann nur auf gut Glück versuchen oder möglichst vormittags auf dem entsprechenden Campingplatz sein. Dann bestehen auch gute Chancen außer wahrscheinlich in den Rockies. Eine Alternative sind dort die sogenannten „Overflow“-Plätze, z.B. Lake Louise oder Snapride River. In der Natur übernachten ist natürlich am Schönsten.  Bei der Suche nach solchen Plätzen hat uns die „iOverlander-App“ wirklich gute Dienste geleistet. Die Plätze haben wir immer gefunden, die Beschreibungen stimmten und es waren meist schöne Gegenden. Das sich immer mal wieder was ändern kann, ist klar und es gibt auch Plätze, die wir nicht unbedingt empfehlen würden. Eine weitere Hilfe war uns die App Wikicamps Kanada. Dort sind ebenfalls Campingplätze, Recreations Sites, Parkplätze, Trails etc. zu finden. Wir haben damit sehr unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Zum Teil stimmten die Angaben, zum Teil waren Koordinaten falsch oder die Campingplätze gab es nicht mehr. Wir denken, es ist trotzdem ein gutes Hilfsmittel. Insbesondere in British Columbia gibt es viele sogenannte Recreation Sites auf denen übernachtet werden darf. Zum großen Teil sind diese kostenlos, manchmal aber auch nicht. Dort sind in der Regel wenig „Übernachtungsgäste“. Allerdings sind diese nicht immer ausgeschildert und wir haben sie meist über die iOverlander-App gefunden. Unbedingt sollte eine Taschenlampe oder Stirnlampe im Gepäck sein. Auch auf vielen Campingplätzen gibt es in der Regel auf den Wegen kein Licht und man muss sonst durch die Finsternis stürzen, sollte das Aufsuchen der Toilette erforderlich sein.

Verschiffung

Die Verschiffung über Seabridge hat gut funktioniert. Eine frühzeitige Information über die verspätete Abfahrt des Schiffes in Hamburg hätten wir uns dennoch gewünscht. Diese kam jedoch erst nach der Abgabe unseres Autos. Die Verspätung des Schiffes in Halifax war zwar nicht erfreulich, aber auch dort hat man sich im Hafen sehr darum bemüht, die Fahrzeuge so schnell wie möglich an die Besitzer zu übergeben.