13.09. bis 22.09.17 – Wir starten zu den Naturwundern der Nationalparks

Der Zion National Park ist der eigentliche Beginn unserer „Nationalparkroute“ in den USA. Und was für einer! Rot-braun-weiße Felsen, zum Teil tafelartig, zum Teil klippenartig zerklüftet und extrem steilwandig, umrahmen das gesamte Gebiet, in das sich der Virgin River tief eingeschnitten hat. Wir sind bereits früh um 07.30 Uhr auf dem großen Parkplatz am Visitor Center, welcher um diese Zeit bereits mindestens zur Hälfte gefüllt ist und das an einem Mittwoch im September! Von Mai bis September sind nur Shuttles zugelassen. Diese fahren aber sehr frequent alle wichtigen Haltepunkte im Park ab. Wir wandern den 9 km langen Angels Landing Trail, der zwar nur 430 m Höhenmeter hat, die aber steil bergauf gehen und der zum Schluss über einen schmalen Grat mit senkrecht abfallenden Wänden führt, und das auch noch mit Gegenverkehr. Nichts für Leute mit Höhenangst! Wir sind zudem froh, dass wir früh unterwegs sind. Am Vormittag sind die Temperaturen noch erträglich. Die Aussicht unterwegs auf Felsen und Canyon, vor allem aber auf den „Landeplatz der Engel“ selber, sind ohnehin jeden Schritt wert. Bereits hier bleibt uns der Mund offener stehen, als er das an vielen Stellen der kanadischen Rockies getan hat. Die Felsformationen erscheinen einfach noch gigantischer und interessanter geformt. Auch eine anschließende Wanderung im Tal entlang des Virgin River ist sehr schön, allerdings haben wir nachmittags in der Sonne bereits 44 Grad.
Dafür gibt es nachts Dauergewitter bei pechschwarzen Wolken über Canyon und unserem Schlafplatz außerhalb des Parks. Am nächsten Morgen fahren wir den Highway 9 über enge Serpentinen hinauf und durch den 1,1 km langen Zion – Mt. Carmel Tunnel, der Ende der 1920er Jahre erbaut wurde. Eigentlich zweispurig angelegt, gab es damals die heutigen riesigen Wohnmobile und Busse natürlich noch nicht, daher ist er heute leider nur einspurig zu befahren.
Nach der Durchfahrt wandern wir den kurzen, aber tollen Canyon Overlook Trail, an dessen Ende wir tatsächlich einen sagenhaften Ausblick über den Canyon genießen können. Allerdings nicht lange, denn von einer Minute auf die andere treiben dichte schwarze Gewitterwolken über die Berge und wir müssen uns für eine halbe Stunde im Starkregen unter einen der Felsvorsprünge retten. Dadurch weichen wir wenigstens nicht durch, wie viele andere Wanderer.

Auf dem Weg zum Bryce Canyon machen wir einen Abstecher bis auf 3.200 m Höhe zum Cedar Breaks National Monument, was inmitten eines Hochgebirges liegt. Das merken wir bei der Anfahrt im Hagel und Nebel sowie eines Temperatursturzes auf bis zu 4°C. Daunen- und Regenjacken müssen ausgepackt werden. Gott sei Dank, lichten sich die Wolken hin und wieder für eine meist kurze Zeit, so dass wir von mehreren Aussichtspunkten auf dem Scenic Drive die Sicht auf den Talausschnitt haben. Ein in vielen Farben schillernder, hochwandiger Canyon, ausgekleidet mit vielen bizarren Felsnadeln bietet unter den aufziehenden Wolken ein einer Theaterbühne gleichendes Bild.

Das sollte eigentlich eine Einstimmung (laut Literatur) auf den Bryce Canyon National Park (2.400 – 2.700 m Höhe) sein, aber das ist schier unmöglich. Wir haben hier den Eindruck, an „dem“ Amphitheater dieser Erde zu stehen. Keine Worte können beschreiben, was dieses phänomenale Naturwunder von gigantischen erodierten Felsen mit pastellfarbenen Nadeln und Zinnen, Türmen, die wie Tempel geformt sind und Säulen jeder Größe an Schönheit, Erhabenheit und Einmaligkeit zu bieten hat. Wir versuchen es daher gar nicht erst, sondern wollen lieber ein paar mehr Bilder zeigen. Wir sind allerdings sicher, dass auch damit der überwältigende Eindruck nicht ganz zu vermitteln sein wird. Uns beiden standen die Tränen in den Augen. Deshalb haben wir eine solche Reise gemacht.
Wunderschön ist eine Wanderung am Boden des Canyons. Wir nehmen die Strecke vom Sunset Point über einen Teil des Navajo-Trails, die Verbindungsstrecke zum Queens Garden-Trail, der wiederum im Sunrise Point endet. Erstaunlich ist dabei die Größe der Areale zwischen den Felsen, die sich von den Aussichtspunkten so gar nicht einschätzen lassen. Wir laufen an ausgetrockneten Flussbetten entlang, finden aber auch Nadelbaum- und Buschvegetation auf dem steinigen Untergrund. Der Blick auf die in allen Farben schimmernden Felstürme ist auch von unten her ein einmaliges Erlebnis.
Man sollte alle Aussichtspunkte des Bryce Canyon Parks gesehen haben. Sie sind mit dem Auto, z.T. auch mit dem Shuttlebus, zu erreichen. Jeder für sich bietet unterschiedliche und unvergleichliche Aussichten. Unser Favorit ist der Inspiration Point, von dem aus man den Panoramaweg zum Sunset Point laufen kann und sollte! So oft wie auf dieser kurzen Strecke haben wir noch nie mit ungläubigen Kopfschütteln gestaunt und hundertfach fotografiert.
Am Nachmittag treffen wir dann ganz zufällig auf Romy und Michael aus Flöha, die in der Gegend für 5 Wochen unterwegs sind und die wir eigentlich etwas später treffen wollten. Es gibt natürlich ein großes „Hallo“.Wir haben uns über unseren Blog kennengelernt und die Beiden haben uns einige Ersatzteile für das Auto mitgebracht, wofür wir ihnen sehr dankbar sind. Wir verabreden uns noch mal für später.

Auf dem Weg Richtung Osten wandern wir noch den Panorama-Trail im Kodachrome Basin State Park und fahren die unbefestigte Cottonwood Canyon Road bis zu den Cottonwood Narrows. Sicher kein außergewöhnliches Erlebnis, aber immerhin können wir einen amerikanischen SUV, der sich in einem Schlammloch festgefahren hat, mit der Seilwinde befreien – ein kleiner Beitrag zur Deutsch-Amerikanischen Freundschaft.
Diese werden wir auch selber noch gut gebrauchen können, denn die Verklebung der Tankentnahmeschraube ist nun doch wieder undicht geworden, so dass das Wasser munter raus und die Luft ebenso hineinkommt. Die Schraube ist endgültig aus dem Gewinde gebrochen. Resultat: Wir können kein Wasser mehr entnehmen. Da muss dann wohl eine Ersatzschraube und spezielleres Werkzeug und Know-How her. Wir hoffen auf unseren Bekannten in Santa Barbara…. Bis dahin wird (hurra, wie in alten Zeiten!) aus dem Kanister gelebt.

Nach unserem „Ruhetag“ treffen wir uns mit Romy und Michael zum Abendessen, die heute in Torrey eingetroffen sind, zu anregenden Gesprächen und verabreden uns auch für den nächsten Abend.
Wir beginnen diesen sehr intensiven Tag im Capitol Reef National Park mit einer kleinen Wanderung zur Hickman Natural Bridge und werden belohnt durch eine wunderbar pfortenartig geformte Gesteinsformation, die durch die noch tief stehende Sonne ins warme Licht gesetzt wird. Es sollte aber noch besser kommen: Wir fahren zunächst die Hartnet Road, eine unbefestigte Strecke, die (unbeschildert!) außerhalb im Osten vor dem Park beginnt und später Richtung Nordwesten in den Park hinein- und hindurchführt. Nach einer kleinen Flussdurchquerung erwartet uns eine Mischung aus Sand- und teils recht grobsteiniger Geröllpiste mit vielen Querrillen und (heute) trockenen Flussbetten. Nichts für Wohnmobile oder normale PKW. An den Aussichtspunkten Lower South Desert und Upper South Desert Overlook gibt es herrliche Ausblick über die weite Ebene der buschbewachsenen Wüste, umrahmt von gigantischen rot-braun-weiß gefärbten Felsformationen, soweit das Auge reicht. Die Strecke von insgesamt ca. 45 km ist kaum befahren und so sind wir in dieser atemberaubenden Landschaft fast ganz allein – ein herrliches Gefühl.
Aber die Natur legt für uns noch einen drauf: Der Upper Cathedral Overlook im Nordwesten des Parks bietet einen unbeschreiblich schönen Ausblick auf weitgezogene Felsplateaus, die in vielen Farben schimmern und mehreren, Kathedralen ähnelnden Felsen, die mit ihrem aus weißen Gestein überzogenen Spitzen ein wirklich erhabenes Aussehen zeigen. Fasziniert von diesem Anblick fahren wir noch ein Stück auf der Cathedral Road (teilweise ziemlich ungemütliche Offroad-Passagen über grobes Gestein) nach Osten zwischen die Felsformationen hinein und genießen diesen wunderbaren Ort auch aus dieser Perspektive, wieder fast ganz allein in der weiten Ebene. Die Piste zurück nach Westen aus dem Park hinaus führt uns fast wieder über 3.000 m Höhe.
Den Abend genießen wir zusammen mit Romy und Michael bei gutem Steak und Lagerfeuer, sehr lustig und nett. Wir danken Euch für die schönen Stunden und hoffen vielleicht noch auf ein Wiedersehen auf der Tour!

Am nächsten Tag geht es zunächst die Notom-Bullfrog Road entlang der Waterpocket Fold, einer 160 Kilometer langen Falte („Reef“) innerhalb der Erdkruste, die wie eine riesige Kontinentalspalte anmutet.
Zunächst ist die Straße noch asphaltiert, geht dann aber in ziemlich unangenehme Wellblechpiste über. Diese verstärkt sich noch auf dem Burr-Trail Richtung Boulder und wird dann auf der Upper Muley Twist Road und dem Abzweig zum Strike Valley Overlook endgültig zur anspruchsvolleren Offroadstrecke. Wir fahren entlang eines trockenen Flussbettes eng an beeindruckenden Felsenkulissen und Felsvorsprüngen, zum Teil zwischen und über sehr große Steine. Keine Chance für normale PKW. Allradantrieb mit Untersetzung und eine gute Bodenfreiheit sind hier dringend zu empfehlen, wenn das Auto ganz bleiben soll.
Am Overlook haben wir dann einen weiten Ausblick in beide Richtungen über das Tal bzw. die Spalte und die aufgeworfenen Felsen, die die Ebene flankieren.
Weiter geht es zunächst wieder auf dem Burr-Trail Richtung Lake Powell auf sehr nervigen Wellblech, später auf dem Highway auf Asphalt.
Bullfrog am Lake Powell ist eigentlich kein Ort, sondern eine riesiger Schiffsanlegeplatz, besonders für eine Armada von Hausbooten. Man kann hier auch selber kleine Motorboote ausleihen für schlappe 500 Dollar pro Tag, was wir dankend ablehnen.

Am nächsten Morgen nehmen wir die erste Fähre um 09.00 Uhr über den Lake Powell nach Halls Crossing. Von dort erreichen wir nach ca. 100 km das Natural Bridges National Monument.
Hier finden wir einen Canyon aus weißem (ja, diesmal nicht rotem) Sandstein mit interessanten schwarzen, streifenförmigen Einschlüssen. Das Highlight sind aber die drei natürlichen Steinbrücken, die man sowohl von Aussichtspunkten auf der Panoramastraße von oben, als auch auf Trails ins Tal von unten bestaunen kann. Die Größe dieser Naturwunder kann man aber erst im Vergleich mit uns kleinen Menschlein von unten so richtig bestaunen, was wir uns bei allen dreien gönnen.