23.09. bis 04.10.17 – Weiter geht’s durch die Nationalparks

Wir starten im Canyonlands National Park zunächst über den Highway 211 in „The Needles“, benannt nach den Canyons mit den schon aus der Ferne beeindruckenden Felszinnen südlich des Elephant Hill. Da wir aber erst nach dem Mittag ankommen, wandern wir zunächst den kurzen Slickrock Trail, ausgehend vom Big Spring Canyon Overlook. Hier finden wir über das gesamte Gebiet bizarre, häufig ovale geschliffene Felsstrukturen mit relativ glatten Oberflächen, von denen viele wie Elefantenfüße geformt sind, auch wieder überwiegend aus hellem Gestein mit dunklen Einschlüssen.
Im Visitor Center wird uns von den Offroadstrecken südlich und westlich des Elephant Hill abgeraten, da zu heftig. Wir wollen allerdings an die aus der Ferne lockenden Needles heran, zu denen nach Auskunft ein Wandertrail führen soll. Also auf am nächsten Tag!
Der Trail am Vormittag, bei günstig stehender Sonne auf die meisten der Felszinnen, ist dann tatsächlich ein Naturerlebnis der besonderen Art. Vom Elephant Hill beginnend führt er mäßig anspruchsvoll mit ein bisschen Kletterei direkt bis in die „Needle-Gruppe“ hinein, die wir so von verschiedenen Seiten erleben können. Toll! Hier überwiegt wieder das rote Gestein mit auffälligen weißen „Mützen“ auf den Felsen, die bei den Needles wie Kirchturmspitzen, bei flacheren Felsblöcken wie Pilzköpfe aussehen. Wir wandern bis zum Chesler Park, einer Ebene zwischen den Rocks und haben dann sicher die schönsten Areale gesehen.
Am Nachmittag erreichen wir Moab, wo wir einen Tag Pause einlegen wollen und verbringen den Abend nochmals mit Romy und Michael, die am nächsten Tag weiterfahren.
Am nächsten Morgen starten wir in den zweiten Teil der Canyonlands, die „Island in the Sky“. Den westlich des Green River gelegenen Teil „The Maze“ sehen wir nicht. Er ist auch schwierig erreichbar.
Sind am Grand View Overlook Point die Felsenreihen der Canyons noch weit in der Ferne, so ändert sich das am Murphy Point, wo wir nach hübschem Trail einen wunderbaren Panoramablick über die im wahrsten Sinne des Wortes „Canyonlands“ haben. Es ist allerdings so wie so oft in diesen Tagen: Das gigantische Ausmaß dieser Naturwunder lässt sich einfach auf Fotos nicht real darstellen. So wirkt das oasenartige Flussbett des Green River mit wirklich lebendigen Kontrast zur roten Wüste in der Weite des Panoramas etwas verloren. Das ändert sich erst, als wir am Nachmittag nach einem Abstecher zum Upheaval Dome, der sich durchaus lohnt, den Shafer Trail und später die Potash Road zwischen den Felsblöcken nach unten fahren. Es geht auf sandigem Geröll, später auch auf gröberen Gestein und Fels, offroad ins Tal. Hier können wir die gewaltige Höhe und die bizarren Formen der Felsplateaus von der Nähe aus bewundern und auch der Green River ist in seinem grünen Uferbett viel besser zu sehen. Zudem finden wir einen einsamen und ruhigen Übernachtungsplatz mitten in der Ebene neben der Potash Road. Wunderbar.

Im Arches National Park haben wir zum ersten Mal seit langer Zeit mal wieder stark bewölktes Wetter mit Schauern und Gewittern. Dennoch kommen wir relativ trocken durch den Tag. Die größte Touristenattraktion scheint die Windows Section zu sein. Hier drängen sich Busse und entsprechend unsere asiatischen Reisenden um die sicher interessant geformten Felsformationen. Der Double Arch und auch die beiden Fenster (North und South Window) sind schon bemerkenswert. Mehr durch die Menschenmassen als das trübe Wetter wird leider der Eindruck etwas getrübt. Ein schöner, wenn auch recht steiler Trail führt uns von der Wolfe Ranch zum Delicate Arch, dem wohl bekanntesten der Steinbögen, den man aber unbedingt aus der Nähe gesehen haben sollte, um die Größe richtig einzuschätzen. Mit schöner Sonnenausleuchtung ist heute insgesamt nichts, beeindruckend sind die Gebilde trotzdem. Der Park besitzt die größte Anzahl an Sandsteinbögen weltweit. Im Norden finden wir noch Zeit, einen Teil des Trails durch den Devils Garden zu laufen, einem Bereich mit roten Felsplatten und -zinnen und natürlich einigen Arches, wie dem Landscape und Pine Tree Arch. Leider sind derzeit sehr viele Baufahrzeuge im Park unterwegs und blockieren z.T. die dann gesperrten Aussichtspunkte.

Auf dem Weg zum Mesa Verde National Park überqueren wir die Grenze zu Colorado. Der Park unterscheidet sich komplett von dem bisher gesehenen. Liebhaber von Naturbesonderheiten müssen ihn nicht unbedingt anfahren, es sei denn, sie sind zusätzlich an alter indianischer Geschichte und Lebensweise um 1300 n.Chr. interessiert. Dann finden sie hier in den gut erhaltenen Felsbehausungen und Klippenwohnungen der Ureinwohner von vor 700- 800 Jahren ein paar sehenswerte Plätze. Wir buchen noch am Vorabend eine Führung durch das Balcony House, bei der wir über Leitern klettern und enge Tunnel durchkriechen müssen. Etwas eng ging es bei unseren Vorfahren schon zu, die Fenster der kleinen Felswohnungen dienten gleichzeitig als Türen und Öffnungen und wurden zum Wetterschutz sehr schmal gehalten. Viel Mauerwerk und sogar alte Holzbalken sind original vorhanden und kaum durch moderne Technik gestützt. Die Ranger beantworten bereitwillig und kompetent alle Fragen. Requisiten im Inneren der Behausungen gibt es leider nicht mehr. Die wohl beeindruckendste der Felswohnungen, Cliff Palace, ist nicht mehr zugänglich (Saisonende) und wir sehen es nur vom Aussichtspunkt aus, ebenso das Spruce Tree House. Am Wetherill Mesa im Westen des Parks können wir aber nach kurzen Trail noch das gut erhaltene Step House aus der Nähe besichtigen, zum Long House kommt man wieder nur mit Führer.

Auf unserem Weg zum Monument Valley legen wir noch einige interessante Zwischenstopps ein. Nachdem wir wieder in Utah eingetroffen sind, sehen wir in der Nähe von Bluff die Twin Rocks, zwei dicht beieinanderstehende rot-weiß gebänderte Sandfelsen. Einen schönen Vorgeschmack auf das Monument Valley bekommen wir auf der hügeligen und mit Wellblechpiste bestückten Offroad-Strecke im Valley of the Gods, wo wir zwischen hohen Felsmonumenten durch das Tal fahren.
Nach einer Serpentinenpiste hinauf schauen wir am Muleys Point Overlook weit über die Ebene, bevor uns im Gooseneck State Park (5 Dollar Eintritt für die Aussicht) ein wunderschöner Overlook auf den schlangenförmigen Canyon des Juan River erwartet, der sich hier schichtenförmig im Verlauf von 300 Millionen Jahren 450 m tief in das graue Gestein eingegraben hat. Beeindruckend. Der kleine Ort Mexican Hat hat seinen Namen von einer bizarren Felsformation, die einem Mexicanerhut ähnelt – dass der Stein noch oben hält….

Am Nachmittag erreichen wir dann die wohl berühmteste Kulisse des Wilden Westens: Monument Valley zwischen Utah und Arizona. John Wayne und Co haben hier Western gedreht und Zigarettenreklamen haben die bis zu 300 m hohen Klippen, die aus dem Nichts der kargen Landschaft empor ragen, berühmt gemacht. Unsere Erwartungen werden sogar übertroffen. Nicht nur von John Waynes Lieblings-Aussichtspunkt auf die drei berühmtesten der Felsen, sondern auch im übrigen Valley ist die Landschaft einfach nur grandios. Wir fahren den Scenic Drive, der etwa 17 Meilen offroad (Wohnmobile und Trailer sind nicht erlaubt) durch das Valley führt und wirklich sagenhafte Aussichtspunkte auf die „Monuments“ bereithält. Die Mischung aus karger Ebene mit rotem Wüstensand und wenigen Büschen und den gigantischen, tatsächlich monumentalen Felsen ist ein weiterer Ort, der uns staunend und andächtig innehalten lässt. Das Gesicht Arizonas in diesem Teil des Landes wird beherrscht von den Navajo- Uramerikanern, die auch den Nationalpark verwalten. Wer sich diese allerdings (wie Annett- hehe, die Enttäuschung ist groß!) wie die Double von Gojko Mitić vorstellt, wird schwer enttäuscht. Leider hat das American Fastfood und die heutige Lebensweise auch die Körper der einst so stolzen und starken Indianer geformt (oder besser deformiert), deren Darstellung in John Waynes Western somit nur eine verblasste Illusion bleibt.

Schwer beeindruckt von diesem einzigartigen Naturschauplatz setzten wir unseren Weg durch Arizona fort bis nach Page am Lake Powell, wo wir einen Tag Pause einlegen.
Was uns sowohl auf dem Campingplatz, als auch in der Stadt und vorher schon im Navajogebiet aufgefallen ist: Viele der Navajos, insbesondere die Frauen, sind sehr unhöflich und flätzig, sitzen, übergewichtig wie sie sind, hinter ihren Tresen und geben patzige Antworten auf höfliche Fragen. Sicher, man darf das nicht pauschalisieren und es trifft natürlich nicht auf alle zu, aber immerhin ist es uns mehrfach aufgefallen.
Nach unserem „Ruhetag“ brechen wir sehr früh morgens zum Horseshoe Bend auf, einen der Canyons des Colorado-River. Allerdings zu früh, denn über einem Teil des hufeisenförmigen Felsens und des River liegt noch Schatten. Wir warten also geduldig und werden auch belohnt: Der klare Fluss hebt sich im grünen Flussbett satt von den rötlichen Felsen und dem blauen Himmel ab. Ein sehr schöner kontrastreicher Anblick, wenn wir nicht ständig von hunderten wie wild drängelnden und aus jeden Lagen fotografierenden Asiaten umgeben wären, deren Busse sich im Laufe des Vormittags natürlich vor so einer gut erreichbaren Attraktion sammeln.
Der Nachmittag bietet uns dann wieder mehr Natur. Noch einmal fahren wir die Cottonwood Canyon Road, diesmal vom Süden her etwas über 20 km (meist Wellblechpiste) bis zum Schild Hackberry Canyon. Von hier aus führt ein Trail zum Yellow Rock. Kurz vorher kann man eine ziemlich anspruchsvolle Offroadpiste nach rechts fahren, die in steilen Serpentinen über steinige Absätze nach oben führt (auf jeden Fall Allrad, Untersetzung und vor allem gute Bodenfreiheit notwendig!). Wir machen das wegen des Ausblickes auf den Yellow Rock, so richtig lohnenswert ist die Mühe aber nicht. Dafür aber der Felsen selbst! Nach einem ziemlich steilen Trail über Geröll überwinden wir ca. 200 Höhenmeter auf kurzer Strecke. Der „Gelbe Felsen“ bietet dann in der Nachmittagssonne ein wunderbares Farbenspiel von gelben, weißen und bräunlichen Gestein, dass zudem in einer bizarren Oberflächenstruktur geformt ist. Gut, dass wir zu zweit sind, damit die Dimensionen auf den Fotos überhaupt deutlich werden können.

Skeptisch waren wir ja nach unseren Erfahrungen mit solchen „Events“, als wir eine Schifffahrt auf dem Lake Powell gebucht haben. Aber diesmal war die Tour jeden Cent wert. Sie führt 80 km von der Wahweap Marina zu einer Anlegestelle im Forbidden Canyon mit nachfolgender kleiner Wanderung zum Rainbow Bridge National Monument. Die Felsenbrücke selbst ist sehenswert und so hoch, dass die New Yorker Freiheitsstatue darunter passt. Das weitaus Beste an der Fahrt ist aber die beeindruckende Felskulisse um den Lake, insbesondere die Fahrt durch den engen und tiefen Forbidden Canyon ist eine Augenweide und vor allem für Filmer mit Weitwinkelobjektiv ein wahrer Genuss. Übrigens hatten wir diesmal sehr nette und kompetente Navajo-Damen als Crew – es geht also auch anders.