12.10. bis 22.10.17 – Von der Route 66 bis ins Death Valley

Die Route 66 symbolisiert für Viele den amerikanischen Traum. Über 3.939 km Straße verbanden ab 1926 Chicago mit Los Angeles. Doch schon in den 1950er Jahren war die Straße dem ansteigenden Verkehr nicht mehr gewachsen und es wurden vielspurige Highways gebaut. Jedoch kann man noch einen Hauch vom Mythos der alten 66 auf etwa 140 km Originalverlauf der Strecke erleben. Auf dieser Historischen Route 66 fahren wir ab Seligman, einem kleinen Westernstädtchen, was nach dem Bayern Jesse Seligman benannt wurde, der als New Yorker Banker Geld in den Ausbau der Route 66 investierte. Ein Tässchen Kaffee im legendären Roadkill Cafe zu trinken, ist fast schon Kult.
Wie in allen erhaltenen kleinen Städtchen an der Strecke finden wir hier ein paar kultige, wenn  auch verrostete Oldtimer, aus denen Kakteen herauswachsen, außerdem originalgetreue Nachbauten des alten Gefängnisses.

Interessanter, weil museumsartig aufgebaut, ist allerdings die kleine Versorgungsstation Hackberry mit gut erhaltener alter Tankstelle und einer bunten Sammlung von Erinnerungen an die Hochphase der legendären Straße in den 50er und 60er Jahren im General Store. So finden sich Porträts von vergangenen Stars wie Elvis Presley, Humphrey Bogart und Marylin Monroe, alte Autoschilder und natürlich wieder Oldtimer.
Sehr schön im Wildweststil erhalten und repräsentativ für die damalige „wilde Zeit“ ist die alte Goldgräberstadt Oatman. Hier laufen wilde Esel durch die Stadt und gespielte Postkutschenüberfälle und Schießereien in Wildwestmanier unterhalten die Besucher.

Auf dem Weg zum Valley of Fire machen wir Station in Chloride, einer alten Goldgräberstadt in der Mohave Wüste, in deren Umgebung es 100 Minen gegeben hat. Neben einigen historischen Fassaden ist der einzige Laden des verstaubten Städtchens interessant, der gleichzeitig ein ziemlich chaotisches, aber liebenswertes und originelles „Visitor Center“ mit eben solchem Inhaber ist, der hier als Einzelkämpfer auf einfachen mehrmals kopierten Stadtplänen die interessantesten Stellen im Ort per Hand einzeichnet.
Der Hoover Dam genau an der Grenze zwischen Arizona und Nevada schafft mit dem Lake Mead den größten Binnensee des amerikanischen Kontinents, indem mal wieder, wie auch beim Lake Powell der Colorado River gestaut wird. Was wäre dieser Teil der USA ohne diesen Fluss! Der See dient nicht nur als Wasserspeicher für die Wasserkraftwerke des Staudamms, sondern auch als Wasserreservoir für die Wüstengroßstadt Las Vegas und große Teile des Südwestens der USA. Hübscher als die sicher imposante Staumauer ist der Lake Mead im Kontrast zu seiner Wüstenumgebung selbst, an dessen Ufer wir eine wunderbare, freie Campingfläche am Stewart’s Point finden.

Von dort aus ist es ein kurzer Trip zum Valley of Fire State Park. Dieser lockt mit einer wunderbaren Wüstenszenerie voller bizarrer Sandsteinformationen unterschiedlichster Farben. Überwiegen zunächst auf dem durchführenden Highway 169 mit vielen Parkmöglichkeiten wieder die roten, stark durchlöcherten und zerklüfteten Steine, so finden wir insbesondere um die Dome Road bis hin zum White Dome eine farbenfrohe Mischung aus Yellow Rock und White Pocket. Insbesondere der Trail zu „The Fire Wave“ bietet mal wieder braun-gelb-weißes, wellenförmig geformtes Gestein mit z.T. schneckenhausähnlichen Oberflächenformen. Auf der gegenüberliegenden Seite der Straße klettern wir einige hundert Meter ins Hinterland und werden mit regenbogenartig gefärbten Sandsteinflächen und -felsen belohnt. Das Umherlaufen macht allerdings in dieser sandigen Wüste bei 40°C in der Sonne schon etwas Mühe. Wir finden kaum Schatten und müssen sehr viel trinken. Der Trail zum White Dome führt dann durch den gleichnamigen schmalen Canyon, in den allerdings kaum Licht fällt. Trotzdem ein schöner Anblick. Insgesamt bietet der Park einen prima Ausklang unserer einmaligen Naturerlebnisse in den Nationalparks, den wir am Abend wieder am Lake Mead beschließen und uns auf unseren Trip nach Las Vegas vorbereiten.

Zum ersten Mal seit Beginn unserer Reise werden wir für einige Tage nicht im Auto schlafen, worauf wir uns auch mal wieder freuen. Las Vegas bietet eine surreale Welt. In jedem Hotel, auch im Excalibur, in dem wir wohnen, ist fast die gesamte untere Etage mit Spielautomaten und Spieltischen ge(über)füllt. Allein das Durchlaufen bis zur Rezeption oder zu unserem Zimmer durch das bunte Geblinker vernebelt einem den Kopf. Kaum vorstellbar, hier stundenlang vor so einem Apparat zu sitzen. Das dabei auch mal jemand durchdrehen kann, wie vor Kurzem erst geschehen, wundert uns nicht.
Es gibt hier übrigens keine Uhren – bewusst, denn beim adrenalingeladenen Glücksspiel wird die Zeit wohl bedeutungslos. Abgesehen von den allgegenwärtigen, flächenmäßig riesigen Spielcasinos (Geschmackssache wie immer, uns zieht da nicht viel hin) ist die Stadt im Bereich des „Strips“, also der 6 km langen Hauptstraße der Attraktionen, natürlich schon ein Erlebnis. Verschiedene Städte aus aller Welt (New York, Venedig, Paris, Kairo u.a.) sind hier im Kleinformat mit ihren wesentlichen Wahrzeichen nachgebildet und zwar architektonisch wirklich fantastisch und zudem recht funktionell. Eine Gondeltour auf dem „Canale Grande“ mit sehr gut singenden Gondolieri (durchschnittlich aber wesentlich fülliger als die Originale in Venedig, dadurch sind zumindest die Gondeln ohne Passagiere etwas hecklastig) erscheint durchaus realitätsnah, auch vom Ambiente her. Bekannte Künstler wie Elton John, Celine Dion, David Copperfield und andere geben hier eine Show nach der Anderen. Offensichtlich bekommen sie gerade hier und ohne ständigen Ortswechsel immer volle Säle bei über 40 Millionen Besuchern pro Jahr. Die kulturellen Möglichkeiten sind dadurch natürlich sehr hoch und die Shows typisch amerikanisch, zwar sehr grell und effektbetont, aber auch sehr professionell gemacht. Wir sehen uns die Michael Jackson ONE Show im Hotel Mandalay Bay an, eine Tanz- und Lasershow zur Musik des legendären Pop-Giganten mit Einspielungen alter MJ-Videos. Sehr gut gemacht.
Das man Las Vegas bei Nacht mal gesehen haben muss, ist ja nichts Neues. Nicht wegen den Hunderten von Werbebildschirmen und Reklamen, sondern wegen des meisterhaften Beleuchtungskonzepts der Gebäude und Attraktionen, wie der tollen Wasserspiele nach Musik oder nachgestellter Vulkanausbrüche mit meterhohen Flammen. Wer etwas genauer hinschaut, der erkennt, dass man hier offensichtlich ständig technisch updatet. Kaum eine Beleuchtung ist noch nicht auf LED umgestellt, die meisten Bildschirme haben eine wohltuend hohe Auflösung.
Wenigstens scheint also ein Teil des „verspielten“ Geldes auch wieder in die Ausstattung der Stadt hineinzufließen….
Natürlich sind die sozialen Unterschiede wieder krass und die Bettler auf den Straßen allgegenwärtig. Das ist schon auf dem Strip auffällig, mehr noch in der sehr flippigen Downtown. Diese ist baulich wenig interessant, bietet aber eine Menge kultige Szene bis hin zu zweifelhaften „Attraktionen“ am Straßenrand, die an Geschmacklosigkeit kaum zu überbieten sind. Nachts würden wir hier nicht unbedingt durchlaufen…
Im Übrigen: Wir lassen in Vegas eine Steinschlagschutzfolie (Stone impact protection foil) auf die Frontschutzscheibe aufbringen, die diese besonders dann in Südamerika vor Einschlägen schützen soll… Mal sehen, ob das wirklich so ist. In Deutschland sind diese nicht erlaubt.
Außerdem kommt das Paket mit den Ersatzteilen für unseren Wassertank, was wir per UPS an das Hotel haben schicken lassen, pünktlich und ohne Zollprobleme an. Vielen Dank an Tom zuhause für die Arbeit damit!  Nach drei Tagen voller vielfältiger Eindrücke verlassen wir Las Vegas mit einem weinenden Auge. Trotz allen Klischees hat die Stadt doch einen gewissen Charme, der einen durchaus gefangen nehmen kann.

Auf unserem Weg zum Death Valley National Park fahren wir auf der Panoramastraße des Red Rock Canyon National Conservation Area nahe Las Vegas. Der sogenannte Canyon ähnelt dann doch eher einem relativ weitem Tal und wir haben nur zu Beginn des Drives „rote“ Felsen im Areal gesehen. Zumindest von dem Scenic View aus wirkt das Alles nicht sehr attraktiv. Er ist wohl eher etwas für die Stadttouristen, die mal den Casinos entfliehen wollen. Allerdings verspüren wir bei uns eine gewisse Müdigkeit im Hinblick auf Felsformationen… Zu viel Tolles haben wir auf der bisherigen Tour schon gesehen.
Der Name Death Valley National Park führt etwas in die Irre. Denn außer dem sicher etwas öden Talflächen finden wir hier zerklüftete Berge, vom Wind und Wasser geformte Canyons und Sanddünen sowie eine artenreiche Tier- und Pflanzenwelt. Am Zabriskie Point beginnen wir die „südliche“ Tour und wandern zur Red Cathedral und zurück, einem eher angedeutet roten Felsen, der aber schon recht gewaltig aussieht. Interessanter sind aber die wie gemischtes Vanille-Schoko-Softeis aussehenden verfestigten Dünen, über und zwischen denen wir hier laufen. Auch wenn wir schon Mitte Oktober haben, ist es im Tal sehr heiß. Wir haben zwar „nur“ 35°C, die Sonne wird aber vom hellen Sandboden gnadenlos reflektiert und heizt uns auch von unten zusätzlich ein. Kein Wunder, dass hier schon Wanderer zu Tode gekommen sind, wenn es im Sommer noch heißer ist (bis zu 57°C) und die Hitze unterschätzt wird. „Death Valley“ stimmt letztlich also doch.
Am Dante’s View haben wir einen sehr schönen weiten Ausblick über das Tal und die weiß glitzernden Salzseen, auch auf die große Badwater Salzpfanne, die gleichzeitig mit 85 m unter dem Meeresspiegel den tiefsten Punkt der kontinentalen USA bildet. Später laufen wir von unten noch ein kleines Stück auf die Pfanne, wobei das gesamte Tal vom „Boden“ aus natürlich sehr flach ist und dem entsprechend wirkt.
Einen schöne kleine Tour mit dem Auto durch die „festen“ Dünen führt durch den Twenty Mule Team Canyon. Nicht ganz so attraktiv, da durch eine schwarze (!) asphaltierte Straße etwas verunstaltet, die so gar nicht in die Sandsteinlandschaft passt, ist der Artist Drive, dessen Highlight durch verschiedene Mineralien gelb-grün-violett gefärbte Sandsteine sind.
Wieder sehr heiß von oben und unten, aber schön anzusehen ist der Golden Canyon mit gelblichen zerklüfteten Felsgestein. Auf dem gleichnamigen Trail laufen wir diesmal von der anderen Seite kommend, wieder fast bis zur Red Cathedral.

Am nächsten Tag stehen die  „nördlichen“ Strecken, zunächst in die Geisterstadt Rhyolite, an.
„Touristenfalle“ ist vielleicht zu hart, aber wenige unattraktive Ruinen mit verblichenen, unleslichen Beschriftungsschildern lohnen die Meilen über die Daylight Pass Route dorthin nicht. In Richtung Nordwesten entlang der Scottys Castle Road liegt der 2.000 Jahre alten Vulkankrater Ubehebe, der mit einem Umfang von 800 m und einer Tiefe von 150 m schon eine Hausnummer ist und der umwandert werden kann. Wer noch keinen Vulkankrater gesehen hat, dem sei ein Abstecher hierhin durchaus empfohlen. Wer diejenigen z.B. aus La Palma, Lanzarote oder Island kennt, für den ist das zumindest nichts Neues. Bevor wir den Park verlassen, schauen wir noch zu den Mesquite Flat Sand Dunes. Hier zeigen sich mal keine verfestigten oder versteinerten, sondern „richtige“ wenn auch relativ flache Sanddünen. Es ist allerdings durch die Reflexion auf dem hellen, feinen Sand wieder so heiß, dass wir diese nicht unbedingt bewandern wollen.