03.11. bis 15.11.17 – Entlang der Küste bis Los Angeles

Die erste Nacht an der Küste verbringen wir in der Sandbucht von Half Moon Bay, wo man sehr schön am Strand spazieren kann.
Das Städtchen Santa Cruz bietet sich für eine Pause an, auf dem Beach Boardwalk findet sich der älteste Vergnügungspark an der Westküste, der fast die gesamte Promenade einnimmt, aber leider geschlossen hatte. Für die nächsten zwei Tage haben wir zudem seit langen Sonnenwochen mal wieder sehr wolkenreiches Wetter mit kurzen Schauern.
Monterey hat ein historisches Zentrum mit Gebäuden aus mexikanischen Zeiten und bewahrt so die Wurzeln Kaliforniens. Im Historic State Park finden wir Backsteinbauten aus dem 19. Jahrhundert und besichtigen am Point Pinos den ältesten Leuchtturm an der Westküste im altenglischen Stil. Zehntausende wandernde Monarchfalter auf Eukalyptusbäumen lassen sich im Monarch Grove Sanctuary bewundern. Im Hafen und im Bereich des Fishermans Wharf entlang der Küste gibt es eine vielfältige Tierwelt zu beobachten: Seehunde, Seelöwenkolonien, Seeotter und viele Pelikane, die sehr elegant in Formation über das Wasser gleiten.
Der sogenannte 17 Meilen Scenic Drive an der Küste der Halbinsel entlang ist allerdings Abzocke. Wir bezahlen über 10 Dollar, um letztlich eine durchschnittliche Küstenstraße entlangfahren zu dürfen, wie wir sie die ganze Westküste hinab immer wieder sehen und auch ohne zu zahlen den Blick auf Sandbuchten und felsige Küste genauso gut oder besser haben.
Eine lange Bucht mit breitem weißem Sandstrand laufen wir in Carmel Beach entlang und können vom Ufer aus der Nähe Delfine beobachten, die sich im flachen Wasser tummeln.
Der Küstenhighway 1 ist noch aufgrund der Erdrutsche im Frühjar von Lucia Richtung Süden für ein Teilstück gesperrt, so dass wir die Nacimiento-Fergusson-Road nach Osten über die Berge und durch US-Militärgebiet als Umweg zum Highway 101 nehmen und dann weiter bis Avila Beach fahren.
In Pismo Beach erreichen wir dann den breiten, dünigen Sandstrand des Oceano Dunes State Vehicular Recreation Area. Für 10 Dollar können wir den langen Strand entlang fahren oder auch über die Dünen und vor allem übernachten.

In Santa Barbara sind wir dann für eine Woche die Gäste von Alfred. Er ist in Kanada geboren, spricht aufgrund seiner deutschsprachigen Eltern recht gut Deutsch und lebt bereits seit einigen Jahrzehnten in Kalifornien. Wir trafen ihn zufällig in Kanada auf einem Campingplatz, kamen ins Gespräch und er hatte uns zu sich eingeladen. So stehen wir bei ihm am Haus auf dem Hof und können sogar seine Wohnung und das Gästezimmer mit nutzen. Zudem vermittelt er uns einen Termin in der Autowerkstatt eines deutschen Freundes, der hier ein Autohaus für deutsche Marken sehr erfolgreich betreibt. So können wir hier Herrn Fuchs mal wieder wartungsmäßig (Austausch Keilriemen, Ölwechsel, Wechsel von Ölfilter und Dieselfilter, Abschmieren der Kreuzgelenke, Kardanwellen, Homokinet und sonstiger Schmierstellen) auf den neuesten Stand bringen, zudem die längst überfälligen Reparaturen an Heizung und Wassertank durchführen lassen. Sämtliche benötigte (Austausch-)Teile müssen wir selber mitbringen. Alles wird an einem Nachmittag erledigt und Ralf darf sogar dabeibleiben, so dass er ein paar Hinweise (natürlich nicht professionell, aber immerhin) geben kann, damit die Mechaniker am für sie „unbekannten“ Auto gar nicht erst groß rätseln und probieren müssen. Die Heizung funktioniert nach dem Tausch zwar leider nicht so, wie sie sollte, da das Steuerteil wahrscheinlich nicht ganz kompatibel ist und daher wohl der Temperaturfühler nicht richtig funktioniert, der Höhenkit ohnehin nicht. Aber eine gewisse Warmluft kommt zumindest wieder. Mal sehen was geht, wenn es wieder kälter wird.
Vielen Dank Henry , auch Deinen Mechanikern, für die gute Arbeit und Euer Entgegenkommen!
Zudem lassen wir nicht weit von Alfreds Haus beim Reifenservice gleich neue (identische) Reifen aufziehen. Eigentlich dachten wir (etwas blauäugig), wir kommen mit den „alten“ durch.
Allerdings waren wir nach jetzt insgesamt 40.000 gefahrenen Kilometern mit diesen erschrocken, als wir deren Profiltiefe mit der des Ersatzrades verglichen haben (man muss wirklich mal vergleichend nachmessen!). Das fällt bei den großen 4×4 Reifen mit dem groben Profil auch auf den 2. Blick gar nicht so auf, aber die Profilhöhe war bereits auf 1/3 der Ursprungshöhe abgefahren. Da droht dann irgendwann ein Nachlassen des Grip. Da wir möglicherweise noch ca. 40.000 bis 50.000 km vor uns haben, mussten wir daher handeln.
Santa Barbara selbst erinnert uns mit den weißen Gebäuden mit roten Ziegeldächern sehr an die größeren kanarischen und spanischen Städte, sowohl im Baustil, als auch vom Ambiente her. Hier überwiegt eindeutig der mexikanische Einfluss. Die palmengesäumten Strände und der Stearns Wharf, der älteste ununterbrochen betriebene Holz-Pier der Westküste bringen zudem mediterranes Flair hier am Pazifik. Einen Panoramablick in alle Richtungen über die Stadt, Küste und die Berge landeinwärts bietet der Glockenturm El Mirador im County Courthouse, dem 1929 im spanischen Stil erbauten Gerichtsgebäude.

Alfred lädt uns ein, mit ihm etwas außerhalb der Stadt zum Lake Cachuma zu fahren. Dort geht er als aktiver Freizeitsportler fast jeden Tag Kanu fahren und heute folgen wir ihm dorthin. Er hat nicht nur ein einfaches Kanu, sondern eine Wettkampfmaschine aus Carbon, leicht und schmal wie ein Pfeil. Beeindruckend, wie er damit mit seinen 58 Jahren loslegt. Respekt. Fitness kommt eben nicht von ungefähr, man muss und sollte regelmäßig eine ganze Menge dafür tun. Er macht es uns vor.
Wir mieten uns für eine Stunde einen Wassertreter (ja ja, lacht ruhig) und fühlen uns im Vergleich zu Alfred damit ein bisschen wie Oma und Opa auf dem See. Aber na ja, Wassersport ist nicht unbedingt unser Gebiet. Spaß macht es trotzdem und wir relaxen ein wenig. Danach fahren wir in das Städtchen Solvang, welches von dänischen Einwanderern gegründet wurde und im Stil einer kleinen dänischen Stadt insbesondere für den Tourismus, weiterentwickelt wurde. Soviel dänisches (typisch amerikanisch, immer ein wenig übertrieben) haben wir noch nicht mal in Dänemark gesehen. Sogar zwei Windmühlen wurden in die Stadt integriert. Dementsprechend finden sich wieder viele asiatische Touristen zum Fotografieren ein…
Auf dem Rückweg fährt uns Alfred noch über die Bergkette hinter Santa Barbara, die zum Los Padres National Forest gehört. Von dort gibt es einen schönen Überblick über die Stadt und die Küste und auf der Gegenseite hinter der Bergkette finden wir sogar einen kleinen hübschen Canyon. Den Abend beschließen wir mit sehr gutem Schnitzel und ebensolchen Sauerbraten in einem deutschem Restaurant. Danke Alfred, für einen wirklich schönen Tag!
Nach sechs Tagen Santa Barbara, in denen wir bei allen nötigen Arbeiten die Gastfreundschaft von Alfred wirklich genossen haben, reisen wir etwas wehmütig in Richtung Los Angeles weiter.
Alfred, Du bist ein großartiger Mensch und Gastgeber und bist uns sehr ans Herz gewachsen. Wir bedanken uns nochmals herzlich bei Dir für Deine selbstverständliche Hilfe, Unterstützung und natürlich die immer interessanten und auch lustigen Gespräche im Mix Englisch – Deutsch.

Vom Pacific Coast Highway fahren wir zunächst Malibu an und machen einen Strandspaziergang in der Nähe des Malibu Pier. Ein toller, aber schmaler Strand, wobei die Häuser auf Pfählen im Prinzip bis ins Meer hinein gebaut sind (bei Flut). Die Baywatch-Türme erinnern uns daran, wie David Hasselhoff mit seiner Rettungsschimmer-Crew hier in unserer Kindheit im (West-)Fernsehen über den Strand gesprintet ist. Hier wohnen natürlich viele Promis, trotzdem wirkt die Strandstadt keinesfalls so elegant, wie uns die Hochglanzmagazine glauben machen wollen. Im Gegenteil: So mancher Ostsee-Kurort kann vom Ambiente und erst recht von der Infrastruktur her locker mithalten. Es wird eben überall nur mit Wasser gekocht.
Das gilt ebenso für unsere zweite Station an der Küste: Venice Beach. Der auf der Promenade etwas schmutzig wirkende Venice Boardwalk ist dennoch erlebenswert: Hier treffen sich die Freaks verschiedener Stilrichtungen, über Bodybuilder, Models, Bodenakrobaten, Skateboardfahrer, Surfer sowie natürlich Bettler, Straßenverkäufer und wir finden an der „Promenade“ Geschäfte aller Art. Ralf interessiert natürlich vor allem das Muscle Beach, wo heute an traditionsbehafteter Stätte leider nur bestenfalls Bodybuilding-Anfänger trainieren. Dennoch weht das Flair der großen Bodybuilder-Generationen um Arnold Schwarzenegger und vieler anderer Mr. Universum und Mr. Olympia, die auf Schildern verewigt sind, noch durch die Pazifikluft. Bemerkenswert ist der sehr breite und feinsandige palmengesäumte weiße Strand, der im November wohltuend leer ist und damit der kultigen Szene eine schöne Naturkulisse bietet.
Wir parken schließlich über Nacht in der Nähe des Pier in Santa Monica, der Stadt, in der die legendäre Route 66 endet und zwar mit dem absoluten Ende an eben diesem Pier. Wir sind dort zum Sonnenuntergang und genießen das Ambiente aus Spielhallen, Jahrmarkt mit Riesenrad und Achterbahn und den viele guten Straßenmusikanten am ebenfalls wieder tollen breiten Sandstrand.

Am nächsten Morgen geht es von der Metrostation in der Nähe (Tagesticket 7 Dollar) mit Umsteigen ca. 45 Minuten bis zur Union Station in die Downtown von L.A.
Eines vorweg: Man verpasst nicht viel, wenn man sie nicht sieht, doch ist sie keinesfalls uninteressant. Eine richtige „Altstadt“ gibt es nicht. Das Gebiet um den Chandler Civic Park, die Walt Disney Concert Hall und der Blick von der City Hall mit gutem Überblick über die Stadt sind aber einen Besuch wert. Im Grand Central Market gibt es einen deutschen Würstchenstand mit Fotos vom ehemaligen Ostberlin! Chinatown ist etwas unscheinbar und kein Vergleich zu dem in San Francisco. Das kleine mexikanische Viertel El Pueblo ist bestenfalls ein sehr kleiner Vorgeschmack auf Mexico…
Im Financial District finden wir dann die typische gläserne Skyline der großen Bankhäuser, mehr oder weniger architektonisch gelungen. Quantitativ auffällig hoch ist die Polizeipräsenz in der Stadt, dafür sehen wir zumindest in der Downtown kaum Bettler und Obdachlose…
Wir nutzen den späten Nachmittag dann lieber doch für einen ausgiebigen Spaziergang von Santa Monica aus die breite Strandpromenade entlang nach Venice Beach, was allein durch die vielen schrägen und lustigen Typen, die wir hier beobachten können, schon ein Erlebnis ist. Ralf hatte zwischendurch die (übrigens sehr lehrreiche) Biografie von Arnold Schwarzenegger wieder aus aktuellem Anlass überlesen und daher schauen wir uns in Venice doch noch das Mecca of Bodybuilding, das Gold‘s Gym, an (man kann einen Blick hineinwerfen), in dem Arnie und andere berühmte Mr. Olympia (Weltmeister der Bodybuilder) trainiert haben und es immer noch tun. Zudem können wir nun doch noch einige Posen am Muscle Beach bestaunen, wenn auch nicht von den Besten der Besten.

Den nächsten Tag nehmen wir uns die Zeit, ein wenig in Hollywood rumzuschlendern. Hier auf dem Boulevard herrscht irgendwie sowohl von der Architektur als auch vom Ambiente her noch das Flair der 50er und 60er Jahre. Veraltete Bildschirme und Werbeschriften lassen Las Vegas vermissen, wenig Modernes, in den Ecken recht schmutzig und auch hier wieder viele Straßenlagerer und Obdachlose. Auch im filmhistorisch sehr interessanten Hollywood Museum überwiegen die alten Zeiten u.a. um Marylin Monroe, John Wayne, Humphrey Bogard und die Requisiten und Fotos der ganz alten Disneyfilme. Das Dolby Theatre wirkt noch leidlich modern, hier werden auch die Academy Awards verliehen. Zufällig treffen wir hier gerade Musik-Altstar Lionel Richie, der, umringt von ein paar Bodyguards, eine junge Sängertruppe begrüßt. Im Hollywood Walk of Fame finden sich über 2.600 Berühmtheiten aus Film- und Musikgeschäft im Bürgersteig verewigt, vor dem TCL Chinese Theatre auch noch mit Hand- und Fußabdrücken im Beton.
Unter dem Strich ist L.A. sicher einen Besuch wert, den wir nicht missen wollen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Sehr angetan sind wir aber von den Strandstädten Santa Monica und Venice, die zwar nicht legendenbildend sind, aber recht kultig und durch die tollen Strände und Promenaden von hohem Freizeitwert für Einheimische und Touristen sind.