16.11. bis 25.11.17 – Durch den Südwesten Kaliforniens

Auf dem Weg zum Joshua Tree National Park machen wir Station in der Wüstenstadt Palm Springs. Sie ist das Zentrum im Coachella Valley, in dem sich mehrere Wüstenstädte aneinanderreihen. In der überschaubaren Downtown gibt es eine schöne Flaniermeile mit Restaurants, Geschäften und einigen attraktiven Gebäuden im spanisch-mexikanischen Stil. Eigentlich erwartet man vom Ambiente her um die Ecke eine Strandpromenade am Meer, aber in der Umgebung gibt es nur karge Wüste mit ganzen Feldern von Windrädern im Tal und auf den nahen Hügeln. Die Stadt scheint ein Sammelort für betagte und betuchte Herrschaften zu sein, die Golf spielen, gut essen und promenieren wollen.
Auf dem Campingplatz wird unser Auto dann auch sehr misstrauisch begutachtet. Wir wirken offensichtlich nicht elegant und groß genug für den „noblen“ Platz und unser Anliegen, für eine Nacht einen Stellplatz zu bekommen, wird erstmalig auf unserer Reise abgewiesen. Erst nach nochmaligen Bitten und versichern, dass wir im Auto schlafen und im Prinzip auch eine kleine Wohnmobil-Infrastruktur haben, wird uns einer der freien Stellplätze zugewiesen. Was für ein Theater um einen bestenfalls guten, aber sonst nicht außergewöhnlichen Campingplatz.

Der Joshua Tree National Park ist eine Mischung aus den uns bereits gut bekannten rundgeschliffenen hellen Felsformationen mit den dunklen Einschlüssen und einer gartenartigen, für diese Wüstengegend überraschend üppigen Vegetation aus den namengebenden Joshua-Palmlilien, Kakteen, Wüstenpinien, Mojave-Yuccas (die wie kleine Joshua Trees aussehen) und anderer exotischer Gewächse. Leider sind die Campingplätze alle überfüllt, nur der Cottonwood Campsite ganz im Süden soll noch freie Plätze haben, was freilich nicht verwundert, da sich die meisten Attraktionen, auch die Trees, im Norden befinden. Gute Übernachtungsmöglichkeiten gibt es aber auf freien Plätzen in der Steppe unmittelbar nach dem Nord- bzw. Südausgang des Parks, welche wir somit nutzen.
Im Gegensatz zu den Campingplätzen sind die Trails nicht überlaufen und durch die Mischung von Felsen und abwechslungsreicher Vegetation durchaus nett zu wandern. Wir laufen zunächst den Skull Rock- sowie den Split Rock-Trail und fahren noch einen Teil der Geology Tour Road (Rundkurs) für Allradautos (Allrad braucht man aber zumindest für den Rundkurs nicht, ein etwas kräftigeres Fahrwerk wie beim SUV reicht aus). Landschaftlich flach und mit nur vereinzelt bewachsener Steppe lohnt die Strecke aber nur für Leute, die ihre Stoßdämpfer unbedingt mal auf Wellblechpisten und über ein paar Steinchen testen möchten.

Am zweiten Tag laufen wir zur Fortynine Palms Oasis, einem Palmenwald mit ziemlich originell aussehenden hohen Bäumen, dann im Hidden Valley wieder zwischen Felsformationen und schließlich hinauf auf den Mount Ryan. Letzterer Trail ist auf dem Hinweg mit 300 Höhenmetern etwas schweißtreibend, obwohl die Temperaturen im Schatten hier unter 20°C liegen. Auf dem Gipfel des Mount Ryan (1.670 m) gibt es dann einen Überblick über die (allerdings recht flach wirkende) Landschaft des Parks. Zwischen den Parkplätzen zu den Trails kommen wir nun auch durch größere Felder mit dichter stehenden Joshua Trees. Letztlich lässt sich im Cholla Cactus Garden auf dem Weg zum Südausgang ein ganzes Feld von bis zu mannshohen Kakteen bewundern.
Fazit: Insgesamt ein hübscher kleiner Naturpark mit exotischem Flair durch viele Pflanzenarten, in dem man auf einem relativ begrenzten Areal in der Nordhälfte fast alle sehenswerten Stellen und Trails nah beieinander hat und relativ relaxt ablaufen bzw. fahren kann. Sollte hier allerdings irgendwann mehr Betrieb sein (im Sommer ist es dann möglicherweise aber zu heiß), dann sind die jetzt schon relativ vollen Parkplätze auf jeden Fall zu klein, die Kapazität der Campingplätze reicht ohnehin nicht aus.

Der Weg nach San Diego beschert uns einen Abstecher in den Anza Borrego Desert State Park. Dieser ist immerhin der größte State Park der USA außerhalb Alaskas. Was wir sehen, ist viel ebenes Ödland, auf dem überall die großen Wohnmobile und Trailer stehen, die ihre Quads zum Fahren auf der Steppe mit an Bord haben. Vom Fonts Point, den wir nach 6 km Fahrt auf sandiger Wellblechpiste erreichen, überblicken wir mit den Borrego Badlands einen hübschen kleinen Canyon mit kleckerburgartigen zerklüfteten Sandfelsen, der sehr fotogen ist. Eigentlich wollen wir durchaus zumindest punktuell noch mehr vom Park sehen und uns dazu Informationen im Visitor Center in Borrego Springs einholen. Das Parken vor und damit auch das Erreichen (zu Fuß nicht vorgesehen!) des Visitor Centers ist aber nur gegen eine Gebühr von 10 Dollar möglich, was gleichzeitig eine Tageskarte für den Parkplatz wäre. Nur, was sollen wir mit einem Tag dort auf dem Parkplatz anfangen, zumal das Center etwas außerhalb der Stadt liegt? In der Wüste spazieren gehen? Unverständlich. Eine Gebühr für den gesamten Park an dessen Grenze hätten wir ja noch verstanden. Wir verzichten also dankend und machen uns ohne weitere Station im Park auf nach San Diego.

Auf dem dortigen Campingplatz treffen wir auf Christine und Felix, die auch im Landcruiser unterwegs sind und die wir schon kurz zuvor im Joshua Tree National Park getroffen hatten. Wir haben zwei nette Abende zusammen. Vielen Dank, Ihr Beiden, vor allem für das tolle Abendessen. Wir freuen uns, Euch später in Mexiko wiederzusehen.
San Diego erinnert etwas an Vancouver durch seine Küstenlage, die vorgelagerte Halbinsel Coronado, die langgezogenen Uferpromenaden und die großen Yachthäfen. Gut parken kann man am Hafen an den Piers. Von hier sind das Maritime Museum mit U-Booten und ein paar sehenswerten alten Segelschiffen sowie der Flugzeugträger USS Midway schnell zu erreichen. Letzterer hatte seinen letzten operativen Einsatz im Golfkrieg, vorher u.a. in Vietnam, und liegt nun seit einigen Jahren als Museumsschiff am Pier, was pro Besucher 20 Dollar in die Kasse bringt. Das riesige Gefährt ist einschließlich von 25 Kampfflugzeugen bzw. Hubschraubern unter und an Deck relativ komplett zu besichtigen. Für Fans der Marine und von Flugzeugen ist es auf jeden Fall zu empfehlen, aber auch sonst durchaus interessant und Teil der Geschichte. Natürlich ist die gezeigte Technik mittlerweile veraltet und natürlich spielt das „Heldentum“ der US-Soldaten in diversen Kriegen in solcherart Museen immer eine Rolle, was wir als Europäer natürlich differenzierter sehen dürfen und sollten.
Die Downtown ist recht sauber und gut anzusehen, insbesondere durch die 5th Street im Gaslamp Quarter lässt sich schön schlendern. Allerdings liegt oder sitzt auch wieder in fast jeder Nische ein Obdachloser und viele von ihnen ziehen mit Handwagen ihr armseliges Gut durch die Straßen. Auch auf den Bänken am Hafenkai liegen sie direkt gegenüber den teilweise gigantisch großen Yachten der Multimillionäre mit Hubschrauber auf dem Dach…. Größer und bedrückender könnten die Kontraste nicht sein.
Die nette Old Town ist im Grunde eine kleine mexikanische Siedlung und erinnert daran, dass Kalifornien einmal unter mexikanischer Herrschaft stand. Der Point Loma bietet einen guten Überblick über die Stadt, der von dem riesigen Militärgelände auf der Halbinsel Coronado allerdings etwas gestört wird. Wir sehen uns noch zwei Strandregionen an, wobei Ocean Beach strukturell recht einfach wirkt und nicht besonders sauber ist. Der Sandstrand ist keinesfalls so schön und breit wie z.B. in Venice oder Santa Monica. Die Buchtenküste des Nobelviertels La Jolla ist hübsch anzusehen. Gegenüber den Buchten finden sich Privatresidenzen und Hotels, nicht dazu passend auffällig verschmutzte öffentliche Toiletten entlang der Promenade. Tagsüber ist es jetzt wieder sehr heiß, in der der Sonne weit über 30°C.
Ein letztes Mal kaufen wir in den USA bei Walmart ein, dann geht es ein Stück nach Osten Richtung Potrero, wo wir noch zwei Tage auf dem Campingplatz verbringen, um dann über Tecate Richtung Mexiko aufzubrechen.

Wir verlassen ein tolles Land mit einmalig grandioser Natur und sehr freundlichen, unkomplizierten und aufgeschlossenen Menschen, welches wir als Reiseland uneingeschränkt empfehlen können.
Mal sehen, was uns jetzt in einer ganz anderen Kultur erwartet.
Wir sind sehr gespannt….