03.12. bis 28.12.17 – In der Südhälfte der Baja California

In Guerrero Negro passieren wir die Grenze zwischen der Baja California Nord und Süd. Hier werden wir wieder gefragt, woher und wohin, überraschenderweise aber nicht, ob wir Obst und Gemüse mitführen, was über die Grenze nämlich nicht gestattet ist. Sinnloserweise (von Afrika gut bekannt) müssen wir über eine Spalte mit Unterboden-Sprühdesinfektion fahren. Jeder Hund ein paar Meter weiter läuft so über die Grenze hin und her. Sinn macht das eigentlich nur, weil dafür 20 Pesos Gebühr fällig sind. Es wäre schon interessant, ob da wirklich noch etwas Desinfektionsmittel drin ist oder wir für 20 Pesos nur Wasser angesprüht bekommen… Dann würde das wenigstens für den Betreiber der Anlage einen Sinn ergeben.
Guerrero Negro selber ist als Stadt nicht sehr attraktiv, wir schlafen hier auf dem Campingplatz, der nicht besonders schön, aber sauber ist und schnelles Internet hat – der BLOG soll ja weitergehen und einige Dinge sind immer online zu erledigen. Zudem haben wir unsere Vorräte wegen der erwarteten, aber ausgebliebenen Kontrolle verbraucht und kaufen im relativ großen hiesigen Supermarkt ein. Auch eine Stelle mit gefilterten Wasser gibt es wieder im Ort, was wir fast immer für die Auffüllung des Tankes nutzen.
Am nächsten Morgen geht es einen Sandweg zwischen Salzsalinen hindurch nach Ojo de Liebre. Hierher kommen die Grauwale, wenn sie ihre Jungen gebären, allerdings ist jetzt leider noch keine Saison, wahrscheinlich beginnt diese erst Mitte Dezember. Dennoch ein schöner Platz zum Laufen mit Campingmöglichkeiten entlang der Küste und einem Pier, welches ein Stück aufs Meer hinausführt. Am Strand liegen die Koyoten ein paar Meter von uns entfernt friedlich in den Dünen und warten wohl auf hinterlassene Abfälle. Kurz vor San Ignacio erwartet uns mal wieder eine Militärkontrolle, die diesmal auch hinten ins Auto sehen will, warum auch immer. Durchsucht wird nichts. Der Sinn dieser Kontrollen erschließt sich kaum. Will man nach Drogen suchen, dann wären doch Hunde die erste Wahl. Waffen? Da müssten sie alles auf den Kopf stellen und auch unter dem Fahrzeug suchen. Na ja. Beides könnte man mit dem richtigen Fahrzeug oder im Rucksack ebenso abseits der Straße auf Schleichwegen durch die Steppe befördern, zumindest, wenn man sich auskennt.  Immerhin ist der junge mexikanische Soldat recht freundlich und spricht auch etwas englisch.

San Ignacio ist ein netter kleiner Ort mit einer imposanten Kirche auf dem Dorfplatz und üppigen grünen Dattelpalmen oasenähnlich im und um den Ort herum. Es lohnt sich, mal die Dorfstraße mit recht hübschen kleinen Häusern entlangzulaufen. Auf dem staubigen Campingplatz werden wir dann von riesigen amerikanischen Trailern umringt, die leider jegliche Idylle zunichtemachen. Davon ein wenig haben wir dann in Santa Rosalia, zumindest ist es hier recht mexikanisch. Bis auf das vorgelagerte Industriegebiet wirkt das Städtchen recht sauber mit bunten Häuserreihen, in denen wieder nur die unzähligen Elektrokabel, die überall wirr umherhängen, und die mit Autos verstopften engen Straßen stören. Außerdem gibt es nur Einbahnstraßen, die miserabel gekennzeichnet sind, so dass man schon mal in der falschen Richtung unterwegs ist. Gott sei Dank sehen das die Einheimischen nicht so eng und nehmen meist Rücksicht. Wir können häufig nur an der Richtung der parkenden Autos erkennen, ob wir denn in eine Straße hineinfahren dürfen oder nicht. Auch das Navisystem berücksichtigt das hier nicht und ist so keine echte Hilfe. Trotz allem lohnt ein kleiner Bummel, schon allein wegen der berühmten Kirche Santa Barbara, entworfen vom Pariser Turmerbauer Conrad Eiffel.

In Mulege treffen wir uns schließlich auf dem schön angelegten Campingplatz mit Ina und Manfred, die wir seit Halifax (erscheint für uns unendlich lange her zu sein) unterwegs nicht mehr gesehen haben und die wir auch später in Loreto noch einmal kurz sehen. Wir verbringen schöne Stunden mit interessanten Gesprächen über Land, Sprache und Leben hier und überhaupt über den Sinn, die Licht- und Schattenseiten dessen, was wir auf Reisen so erleben. Liebe Ina, lieber Manfred, es ist immer toll und anregend mit Euch einige Zeit zu verbringen und wir hoffen natürlich, dass wir Gelegenheit finden, das zu wiederholen.
Mulege selbst hat eine hübsche kleine, einfach eingerichtete Mission auf einer Anhöhe, von der aus wir einen schönen Blick auf die Palmenoase um den Ort herum haben. Einen Spaziergang hierher am Fluss entlang können wir empfehlen, im Dorf gibt es mehrere recht ordentliche Geschäfte und auch eine  Bank mit funktionierenden Geldautomaten. Händler verkaufen auf dem Campingplatz Backwaren und Tamales. Wir probieren letzteres, eine Mischung aus Fleisch (wahrscheinlich Geflügel), Kartoffeln und Gemüse, eingewickelt in Maisblättern. Schmeckt durchaus gut, wir verfeinern es noch mit der (wirklich scharfen!) Salsa vom netten Grenzbeamten.

Weiter nach Süden von der Mex 1 aus haben wir wunderbare Blicke auf die Meeresbuchten des Golfs mit azurblauen Wasser und weißen Muschelstränden. Überall kann man entlang der Strände campen und wir finden ein schönes Plätzchen an der Playa El Coyote. Hier ist das Wasser ufernah relativ flach und warm, der Untergrund feinsandig und das Baden bei Sonnenwetter ist heute ein Genuss.
Zum Abendbrot kosten wir zum ersten Mal auch eine Kaktusfrucht, die man wie eine Kiwi auslöffeln kann und die ein bisschen wie Granatapfel schmeckt, aber noch süßer ist.
Nachts ist es sehr stürmisch, Herr Fuchs wackelt und wir sind frühmorgens etwas erschrocken, dass das Wasser nachts schon halb unter das Auto gelaufen war. Wir hatten so einen Wellengang hier in der Bucht nicht erwartet. Diesmal kein Problem, die Räder sind nicht eingesunken, das nächste Mal sollten wir aber weiter weg von der Brandung parken! Vor Loreto haben wir wieder mal eine Militärkontrolle, der junge Mann in Uniform (ein zweiter mit Maschinengewehr steht immer dabei!) steigt diesmal gebückt hinten ins Auto und öffnet ein paar Reißverschlüsse unserer Wäschehängeschränke. Er spricht ein wenig englisch und fragt, ob wir in Deutschland Schnee haben und ob wir Rammstein hören (er freut sich, als wir bejahen – na ja, mal so unter Fans). Nach Drogen oder Waffen wird nicht gefragt und auch nicht gesucht. Da wir in Mexico sicher öfters Militärkontrollen haben, werden wir diese im Folgenden nicht immer erwähnen, es sei denn, es gebe mal einen besonders positiven oder negativen Anlass.

Loreto ist ein kleines, sehr sauber erscheinendes Städtchen mit relativ langer, schön angelegter Strandpromenade. Heute ist sie leider nur eingeschränkt zu begehen, da durch den Sturm die Uferstraße teilweise überspült wurde. Die 1697 gegründete Mission ist die älteste in ganz Kalifornien und Loreto soll wohl auch die älteste Ansiedlung von Menschen auf der Baja überhaupt sein. Die Straßen mit den vielen Hotels, kleinen Geschäften und Restaurants erinnern uns wieder sehr an die Kanaren.
Wir nehmen nicht den geraden Weg nach La Paz sondern machen mal wieder einen Ausflug über die Berge. Von Loreto geht es zunächst über asphaltierte Serpentinen mit prima Ausblicken bis ins kleine Bergdörfchen San Javier. Hier führt eine breite, mit Zitronenbäumen gesäumte Allee direkt zum Highlight hier oben, der Mission de San Francisco Javier Vigge Biaundo. Hinter dem imposanten Gebäude findet sich ein Garten mit einem schlangenartig geformten, 300 Jahre altem Olivenbaum.
Links der Mission beginnt jetzt eine 70 km lange Offroadpiste, über die man in südwestlicher Richtung letztlich die Mex 53 und die Mex 1 wieder erreicht. Sie führt durch staubige, kakteen-gesäumte Pisten, teils grobsteinig durch fast trockene breite Flussbetten, teils grobe Wellblechpisten, die nur mit hoher Geschwindigkeit (hohes Risiko durch Bodenwellen oder Tiefsandareale!) oder wenig Luft in den Reifen einigermaßen zu ertragen sind. Dazwischen haben wir kurze, tückische Tiefsandareale, vor denen unbedingt Allrad und besser auch Untersetzung hinzugeschaltet werden sollte. Wer das Hinterland der Baja noch gar nicht erkundet hat, der findet hier sicher interessante Naturpassagen. Wer aber schon wie wir dahingehend Einiges gesehen hat, für den gibt es nicht viel Neues zu entdecken und der sollte sich die für Material und Mensch ziemlich anstrengenden 70 km sparen und lieber wieder über Loreto zurückfahren.

Für La Paz haben wir eigentlich zwei Tage geplant, stellen aber schnell fest, dass einer völlig ausreichend ist. Leider ist zur Zeit die lange, sehr schön angelegte Strandpromenade eine einzige große Baustelle. Erwähnenswert ist der Hafen, in dem erstaunlich viele Jachten ankern, die meisten unter mexikanischer Flagge. Das eigentliche Stadtzentrum ist überschaubar klein, bietet außer viel bunten Markt und einer Vielzahl kleiner Geschäfte recht wenig attraktives. Die Menschen sind wieder sehr freundlich, viele grüßen spontan und selbst zwischen den Marktbuden wird hier niemand aufdringlich. Im Gegensatz zu Ensenada wirkt La Paz für uns insgesamt recht sauber. Sicher gibt es ärmliche Hütten und Unterkünfte, aber selbst dort stehen meist Autos oder Motorräder davor und Bettler oder Obdachlose auf den Straßen haben wir bisher noch nicht gesehen. Der Campingplatz ist überraschenderweise relativ leer, nach Aussage der Inhaberin bleiben offenbar vor allem die US-Amerikaner wegen des Trump-Effektes derzeit aus. Wir können jedenfalls bisher nicht erkennen, warum man nicht auf die Baja reisen sollte.
Wieder an der Pazifikküste zurück, sehen wir uns als nächstes Todos Santos an, bis dahin für uns die schönste Stadt der Baja. Wimpel geschmückte, saubere Straßen, viele kleine Kaffees, Restaurants, Museen und Galerien laden zum Bummeln und Verweilen ein. Anders als in den bisherigen Städten sehen wir wesentlich mehr englischsprachige Touristen. Das beste Brathähnchen bisher in Mexiko bekommen wir allerdings nicht in einem der eleganten Restaurants, sondern an einer ziemlich unscheinbaren Imbissbude am Straßenrand direkt vom Grill. Am breiten Sandstrand mit hohen Wellen bis ans Ufer – ein Surferparadies – übernachten wir direkt in den Dünen. Geschätzte 300 – 400 m vom Strand entfernt springen die Wale und blasen ihre Fontänen in die Luft. Endlich lassen sie sich mit bloßem Auge wunderbar beobachten.

Cabo San Lucas an der südwestlichen Spitze der Baja schließlich ist dann dermaßen touristisch, dass wir unseren Augen kaum trauen. Entlang der Hafenpromenade fühlen wir uns wie an der Playa de las Americas auf Teneriffa, allerdings ist es hier noch viel eleganter. Was für ein extremer Kontrast z.B. zu Ensenada oder sogar zu La Paz. Riesige Jachten im noblen Hafenviertel, meist amerikanische, erinnern eher an San Diego, als auch nur entfernt an eine mexikanische Stadt. Massenhaft Hotels und Restaurants sind rein auf den (amerikanischen) Tourismus ausgelegt. Ein riesiges Kreuzfahrtschiff ankert in der Bucht. Dabei bietet Lands End, das Kap mit dem Übergang vom Pazifik zum Golf von Kalifornien jede Menge schöne Natur. Wir genehmigen uns daher eine kleine Bootstour zu den zerklüfteten Felsnasen und dem El Arco, einem Felsbogen. Dazwischen finden sich weiße kleine Badebuchten mit herrlich flachen, klaren Wasser und einer bunten Fischwelt. Ein Paradies für Pelikane und die allgegenwärtigen Seelöwen.
Die Nacht verbringen wir am Strand von San Jose del Cabo, direkt neben einem Hotel am Hafen. Eigentlich ein hübscher Platz, allerdings trifft sich hier auch die mexikanische Jugend zum abendlichen Feiern…. Der Hauptboulevard der Stadt bis zur Kirche ist eine einzige Baustelle, so dass wir uns eine Besichtigung sparen und nur einkaufen gehen.
Die Strandstrasse Camino Cabo Este führt dann an vielen wunderschönen Badebuchten des Golfs vorbei, wir übernachten ganz einsam an einer von ihnen. An den wunderbaren Stränden in beide Richtungen lässt sich herrlich barfuß im flachen Wasser spazieren gehen. Nach Einbruch der (frühen) Dunkelheit ist es wirklich stockdunkel und bis auf das Rauschen des Meeres fast unheimlich ruhig. Man kann sowohl in den etwas grasbewachsenen Dünen als auch noch näher am Strand stehen, wo der Sand aber ziemlich tief ist – Einsinkgefahr. Wir sind schon sehr erstaunt, dass wir auf dem gesamten Weg nur vereinzelt Camper stehen sehen.

In der Nähe des kleinen Ortes Cabo Pulmo schlagen wir unser Lager dann in einer kleinen Bucht mit Korallenstrand auf. „Richtige“ Krebse gibt es massenhaft, aber die krebsartigen Tiere mit den Muschelgehäusen in verschiedensten Formen und Farben auf dem Rücken, in dem sie sich bei der kleinsten Bewegung von außen komplett verkriechen, sehen wir heute zum ersten Mal im Leben.
Bevor wir unser „Weihnachtsquartier“ in Los Barilles beziehen, machen wir uns noch mal auf an den Fuß der Berge im Inneren der Baja. Über den sandigen und später auch engen und buschgesäumten Camino A. Matanacitas geht es zu den heißen Schwefelquellen von El Chorro auf den (bis kurz vor Erreichen nicht ausgeschilderten) Campingplatz Elejido Aqua Caliente mit einigen Stellplatzbuchten. Ohne gutes Offroad-Navigationssystem (normales Straßennavi findet die kleinen Sandwege nicht mehr) ist es eigentlich kaum vorstellbar, ihn ohne großes Suchen zu erreichen. Hier ist es sehr ruhig und friedlich, in den gut temperierten Quellen lässt es sich gut baden und ein kleiner Fluss bildet hinter den Quellen einen schmalen Canyon, in dem man im halbtrockenen Flussbett ein Stück hineinwandern kann. Einige Kanadier verbringen hier den Winter in kleinen Häusern im „Busch“. Der alte, sehr nette Platzwart bringt uns zweimal frisch gepflückte Pomelos vorbei. Auf einer kleinen, einfachen Ranch lebt er mit seinen Kühen und einer kleinen Imkerei und erzählt uns stolz, wie „feliz“ (glücklich) er mit seinem Leben hier sei. Das glauben wir gerne. Auf dem Rückweg schauen wir noch zum Wasserfall Sol de Mayo, der sehr romantisch in eine Landschaft mit Felsen, Palmen und Kakteen eingebettet ist. Sehr lohnenswert, allerdings sind die Verwalter des Geländes sehr „geschäftstüchtig“ (200 Pesos für uns, nur um mal zu schauen. So viel haben wir auf dem kleinen Campingplatz in El Chorro für 2 Übernachtungen bezahlt.)

Im sehr touristischen (Amerikaner und Kanadier im Winterquartier) Los Barriles treffen wir dann – wie lange geplant – Marion und Bernd wieder und lernen auch Dati und Wolzow nun endlich persönlich kennen, ebenso Silvia und Marita, die mit ihren Wohnmobilen unterwegs sind. Gemeinsam verbringen wir nette und lustige Stunden in unserem „Weihnachtsurlaub“.
Natürlich kommt hier direkt an der Golfküste bei häufig über 30 Grad nicht die „richtige“ Weihnachtsstimmung auf. Dafür können wir an einem wunderbaren Strand spazieren gehen und haben bei Meer und Sonne eben mal ein etwas anderes Fest. Die Mexikaner feiern es im Übrigen auch mit kugelgeschmückten Weihnachtsbäumen, die Weihnachtsgeschichte nachbildenden Krippen und sogar deutschen (!) Weihnachtsliedern. Allerdings haben sie nur einen Feiertag und die Geschenke gibt es erst am 06. Januar.
Für uns ist das aber die Ruhe vor dem Sturm, denn bald erwartet uns das mexikanische Festland. Die Spannung steigt….