10.01. bis 28.01.18 – Auf dem Weg nach Mexiko-Stadt

Durango ist die Hauptstadt des gleichnamigen Wüstenstaates und liegt tatsächlich recht isoliert in der mexikanischen Savanne. Dennoch finden wir sie einen Besuch wert, denn das koloniale Zentrum mit z.T. interessanter Architektur um den Plaza de Armas mit seiner imposanten Kathedrale und die Constitućion als Fußgängerzone mit vielen Restaurants und Cafes laden zum Bummeln ein. Zudem gibt es ähnlich wie in Hollywood einen (allerdings kurzen) Walk of Fame mit den Statuen bekannter Schauspieler, wie Burt Lancaster, Richard Gere, Kevin Costner oder Penelope Cruz, die hier viele Filme in der unberührten Wüsten- und Berglandschaft um Durango produziert haben. Allerdings werden die zumindest im Zentrum sehr sauberen Straßen auch bestimmt von Bettlern und vor allem sehr auffällig von der Polizei, die hier mit Autos, auf Motor- und Fahrrädern und zu Fuß in großer Zahl und an jeder Ecke präsent ist.

Dasselbe Bild sehen wir auch in Zacatecas, hier allerdings noch weitaus mehr Fahrzeuge mit schwerbewaffneten Polizisten mit Schutzwesten auf dem Verdeck. Die Menschen auf den Straßen nehmen es beiläufig zur Kenntnis – offenbar gewohnte Bilder. Das ist aber auch das Einzige, was uns an Zacatecas stört. Mit vollem Recht gehört die Stadt zum UNESCO-Weltkulturerbe mit ihren fantastischen Kathedralen, Palästen und Theatern und vielen anderen prächtigen Gebäuden aus der Kolonialzeit. Vom Gipfel des Cerro de la Bufa, den wir zu Fuß besteigen, haben wir einen fast kompletten Überblick über die Stadt. Hier oben gibt es eine Kapelle und ein Museum über die Schlacht von 1914 und Denkmäler von den damals siegreichen Revolutionären, an deren Spitze Pancho Villa stand. Rund um das Zentrum um den Plaza de Armas kann man locker einen Tag verbringen und vor allem am Nachmittag in das typisch mexikanische Menschengetümmel um die vielen Marktstände und Cafes eintauchen.

Über 350 km zum Teil sehr schlechte Straße mit Unebenheiten sowie unzähligen Topes und Schlaglöchern Richtung Süden erreichen wir den kleinen Ort Santa Elena und somit Charly’s Restaurant. Der unglaublich nette und hilfsbereite Schweizer betreibt hier seit 28 Jahren eine hübsch gelegene Bungalowanlage und ein vorzügliches Restaurant mit unbeschreiblich gutem Rindersteak – ein absolutes Muss, wenn man in der Gegend ist. Auch die anderen Gerichte und das selbstgemachte Brot sind ein Gaumenschmaus vom Feinsten. Es gibt auch Plätze für Camper-Vans oder Wohnmobile mit Wasser- und Elektroanschlüssen. Gemeinsam mit seinem Freund Eddie verbringen wir drei lustige Abende am Stammtisch, genießen die Gourmetgerichte und lachen viel.
Charly nimmt uns in seinem Wagen mit nach Atotonilco (immerhin 50.000 Einwohner) und organisiert für uns zunächst eine kleine Führung durch die Käsefabrik QuesArt, die auch einen Werksverkauf hat – gut für Annett. Endlich wieder richtig leckeren Käse! Der mexikanische Käse ist ansonsten eher geschmacksneutral. Danach bekommen wir sozusagen eine Privatführung und auf Englisch durch die Tequilafabrik Siete Leguas, ein Familienbetrieb, in dem der Schnaps teilweise noch auf alte traditionelle Weise hergestellt wird. Traditionell bedeutet, dass die blauen Agaven, wir fahren an vielen Feldern in der Gegend vorbei, noch per Hand zu gehackt (eine Knochenarbeit, das Herz der Pflanze ohne Blattwerk kann bis zu 150 kg wiegen!) und in die Öfen gestapelt werden, wo sie dann 3 Tage zunächst bei ca. 140°C kochen müssen. Bevor sie fermentiert werden, werden sie dann in einer Art Mühle zerkleinert und gepresst, die von 2 Maultieren (!) angetrieben wird. Eddie erzählt uns später, wie immer augenzwinkernd, dass der besondere Geschmack dieses Tequila eben auch von der unausbleiblichen Notdurft der Maultiere stammt. Der Rest des Betriebes mit den Fermentationsbehältern, Destillationsanlagen und dem architektonisch sehr interessanten Gebäude für die Lagerung des Tequila in Eichenfässern erscheint dann trotz der Traditionalität recht modern. Natürlich erhalten wir eine Verkostung (ja, sogar Ralf nippt ein paar mal, aber er verträgt halt nichts). Uns schmeckt der weniger lang gelagerte Tequila (Tequila reposada) am besten, der noch nicht so sehr den Geschmack aus dem Eichenholz angenommen hat. Preiswerter ist er zudem. Aber wir sind da natürlich kein Maßstab.
Charly, wir danken Dir für Deine Gastfreundschaft und Hilfe und vor allem für das sensationelle Essen und Dir, Eddie, für die lustigen Gespräche am Abend. Der Abschied aus dieser Oase fällt uns ziemlich schwer.

Unsere nächste Etappe liegt im nördlichen Zentralhochland – Guanajuato, Weltkulturerbe und wahrlich eine tolle Stadt, für uns bisher die Beeindruckendste in Mexiko. Schon bei der Anfahrt sehen wir die bunten Häuser an den steilen Hängen des relativ schmalen Tals, es wirkt fast italienisch.  Die Hauptstraßen der Stadt schlängeln sich an den Bergen entlang und durch viele Tunnel hindurch, durch die man auch laufen kann. Das auch durch die 20.000 Studenten der hiesigen Universität sehr belebte Stadtzentrum wird bestimmt durch eine prächtige Basilika, sechs (!) ebenso ansehnliche Tempel, das weltberühmte Teatro Juarez und mehrere Plazas, umgeben von prächtigen Kolonialbauten und bunten Häuserreihen. Vom Mirador am El-Pipila-Monument, den wir natürlich wieder zu Fuß erreichen, können wir die prächtigen Gebäude der Stadt in der Übersicht fotografieren. Um die Stadt per Fuß zu erkunden ist der kühlere Vormittag die beste Zeit, hier sind die Straßen noch relativ leer. Am Nachmittag wimmelt es dann in allen Ecken, überall wird musiziert und getanzt und wir genießen das ungezwungene mexikanische Flair. Für uns auffällig und angenehm: Die Stadt ist nicht von Touristen überlaufen, obwohl sie dafür prädestiniert wäre und wir sehen hier vergleichsweise wenig Polizei. Annett (nichts für Ralfs Geschmack) besucht noch das Museo de las Momias hinter dem Friedhof. Die Mexikaner haben einen gewissen Hang zum Morbiden – man sieht daher auch sämtliche Arten von Skeletten als Statuen oder Puppen auf den Straßen und in den Geschäften. Um auf dem Friedhof Platz zu schaffen, wurden Leichen ausgegraben (die Ersten 1865) und aufgrund der Trockenheit fand man sie nicht skelettiert, sondern mumifiziert. Anstatt nun den Leichen zumindest die 2. Ruhe zu gönnen, stellte man sie kurzerhand in einem Museum aus und die Mexikaner strömen aus allen Landesteilen dahin.

Ein weiteres Weltkulturerbe wartet mit San Miguel de Allende auf uns. Eine sehr touristische Stadt, warum gerade hier so viel Amerikaner überwintern und 12.000 Ausländer sogar wohnen, ist sicher geschichtlich gewachsen und erschließt sich uns auf den ersten Blick nicht. Aber eines wird wieder deutlich: Mexiko erscheint wohl auch den (wissenden) US-Amerikanern keinesfalls so unsicher oder gewalttätig, wie die öffentliche Meinungsbildung das in den USA gerne beteuert.  San Miguel ist trotzdem durchaus ein schönes Städtchen, wenn auch ein wenig laut, da sich sehr viele Busse und Taxis durch die engen Gassen quälen müssen und nur der absolute Kern des Zentrums verkehrsberuhigt ist. Wir quetschen „Herrn Fuchs“ auf der Suche nach dem ziemlich zentral in der Stadt liegenden RV-Platz ebenso abenteuerlich wie nervtötend durch die mit Menschen, Straßenhunden, hupenden Taxis und Bussen verstopften „Straßen“, aber gelangen schließlich zum Ziel. Das „Centum historico“ hat dann auch nur wenige, allerdings durchaus prächtige Sehenswürdigkeiten mit der Hauptplaza und der Parroquina, der großen Kirche im Zentrum.

Schon auf dem Weg in Richtung der Grutas de Tolantongo gibt es in den Bergdörfern unterwegs überall Geschäfte mit Schwimmbekleidung, Schwimmschuhen und Spielsachen zum Baden für die Kinder. Clever sind sie schon, die Mexikaner. Wir kommen gegen 15.00 Uhr bei den heißen Quellen an und wollen 2 Nächte dort bleiben, d.h. nach der 2. Nacht gleich frühmorgens wieder aufbrechen. Das bedeutet insgesamt einen Aufenthalt für einen und einen halben Tag. Zunächst will man uns volle 3 Tage dafür abkassieren. Wir sagen aber energisch „dos dias“ und nach einigem hin und her bezahlen wir „nur“ für 2 Tage und 2 Personen und das Auto, insgesamt 600 Pesos (ca. 25 Euro). Akzeptabel, denn wir stehen sehr schön direkt am Fluss, der durch die heißen Quellen gespeist wird und durch kleine Steindämme zu vielen kleinen Badebecken angestaut wurde. Wunderbarer Badespaß im hellblauen Quellwasser. Da wir wochentags hier sind, ist es relativ leer, zumindest nicht überlaufen, wie möglicherweise an den Wochenenden. Es gibt hier auch eine Grotte. Allerdings muss man erst mal durch einen kalten Wasserfall hindurch, um dann in das dampfende, heiße Wasser in der Höhle zu gelangen, welches hier direkt aus dem Fels kommt. Auch außerhalb des Flusses kann man in vielen, von üppiger Vegetation umgebenen oder innerhalb von Hotelanlagen schön angelegten heißen Pools baden.

Gefühlte 500 Topes später treffen wir auf dem Trailer-Park in San Juan Teotihuacan wieder auf Christine und Felix. Apropos Topes: Die Mexikaner übertreiben es eindeutig mit diesen angeblichen Geschwindigkeitsregulatoren in Form von Betonhügeln oder -klumpen auf den Straßen. Vor Schulen oder an wichtigen Fußgängerüberwegen wären sie noch einzusehen, aber es gibt sie in Massen, zum Teil auch auf Hauptstraßen außerhalb der Städte ohne warnende Geschwindigkeitsbegrenzung davor! Wir halten diese zum Teil für hochgefährlich, da nicht immer ausgeschildert und manchmal sehr schwer rechtzeitig zu erkennen. Außerdem bremsen diese, wie heute zweimal gesehen, auch die notwendigermaßen schnell fahrenden Notarzt- und Krankenwagen aus (Feuerwehren etc. natürlich auch). Wenn diese aber dadurch nur 2-3 Minuten später am Zielort ankommen, kann das bereits die Entscheidung über Leben und Tod gewesen sein…. Wer verantwortet diesen fahrlässigen Unsinn? Genug aufgeregt.
Wir verbringen einige schöne Stunden mit Christine und Felix. Wir haben uns sehr gefreut, Euch wieder zu treffen und wünschen Euch eine sichere Weiterfahrt und weiterhin tolle Erlebnisse. Sicher sehen wir uns auf der Tour wieder.
Teotihuacan ist die größte altertümliche Stadt Mexikos, die um 100 n.Chr. angelegt und bis 600 n.Chr. ausgebaut wurde. Die Pirámide del Sol (Sonnenpyramide), die drittgrößte der Welt, wurde bereits 150 n.Chr. aus 3 Millionen Tonnen Steinen fertiggestellt. Die späteren Azteken glaubten, dass das Bauwerk dem Sonnengott gewidmet war, was wohl auch stimmte. Nach den 248 steilen Stufen hinauf haben wir einen inspirierenden Ausblick über die als Schachbrettmuster angelegte Stadt. Die langgezogene Calzada de los Muertos (Straße der Toten) führt zur ebenso beeindruckenden Pirámide de la Luna (Mondpyramide) am Ende der Allee. Auch die Bauten zu beiden Seiten der Allee entlang wurden pyramidenförmig angelegt. Mehrere Paläste zeugen vom Reichtum und Wohlstand der früheren Kulturen. Insbesondere der Palacio Quetzalpapálotl und angrenzend der Palacio de los Jaguares an der Plaza de la Luna zeigen im Innenhof noch gut erhaltene Wandgemälde und mit Steinhauarbeiten verzierte Säulen. Im Museo de Sitio hinter der Sonnenpyramide können noch sehr gut erhaltene Ausgrabungsstücke neben echten Skeletten (typisch Mexico) besichtigt werden. Insgesamt ein sehr lohnenswerter Ausflug in die Vergangenheit. Das Können und Wissen der damaligen Kulturen ist wahrlich respekteinflößend.