29.01. bis 09.02.18 – Mexiko-Stadt und Umgebung

Mexiko-Stadt ist mit über 20 Millionen Einwohnern eine der größten Städte der Welt und das Herz des Landes. Es liegt am südlichen Ende des 60 Kilometer langen und 100 Kilometer breiten Tals von Mexiko auf einer Höhe von durchschnittlich 2.310 m über dem Meeresspiegel (daher auch tagsüber die recht „winterlichen“ Temperaturen) und ist auf drei Seiten von Bergen umgeben – unter anderem von den berühmten Zwillingsvulkanen Popocatépetl und Iztaccíhuatl sowie der Sierra Nevada. Wir verzichten darauf, mit dem Auto hineinzufahren, was sich im Nachhinein als goldrichtig erweist. Von unserem Campingplatz in Teotihuacán aus ist das Zentrum mit Bus und Metro in insgesamt knapp 90 Minuten mit einigem Umsteigen gut erreichbar. Wir haben ein Hotel für zwei Nächte nah an der Plaza de la Constitución im Centro Histórico gebucht. Das erste beeindruckende Erlebnis ist die Fahrt mit der Metro, die täglich von einigen Millionen Menschen genutzt wird. In den wenigen Sekunden, in denen die Türen geöffnet sind, strömen die Massen in die vollen Züge hinein und egal, ob noch jemand zwischen den Türen steht, schließen diese auch wieder. In einer Heringsdose ist sicher mehr Platz und wir erleben auch schon mal Handgreiflichkeiten der Drängler. Es ist dringend anzuraten, seinen Rucksack (wenn möglich, ganz ohne fahren!) vor die Brust zu nehmen!
Die Stadt in knapp zwei Tag zu erkunden ist schlicht unmöglich und wir beschränken uns daher auch im Wesentlichen auf das Centrum Histórico. Aber selbst hier gibt es so viel zu sehen, dass eine genaue Beschreibung den Rahmen unseres kleinen Blogs sprengen würde. Wir beschränken uns daher auf einige Eindrücke und Erlebnisse. Auf der Plaza de la Constitución,  einer der größten städtischen Plätze der Welt, wird jeden Morgen eine überdimensional große mexikanische Flagge von einer Armeeeinheit unter großer Zeremonie gehisst und unter ebensolcher abends wieder eingeholt. Das Procedere erinnert etwas an diejenigen in der ehemaligen DDR. An wirklich jeder Ecke und Kante in jeder Straße stehen Polizisten, die entweder nur beobachten; versuchen, den chaotischen Verkehr zu regeln oder als Schutz vor öffentlichen Gebäuden stehen. Dazu kommen vor oder in fast jedem größerem Geschäft private Sicherheitskräfte. Während wir in der Stadt sind, gibt es zwischen der Plaza de la Constitución und dem langgezogenen Park Almeda Central Großdemonstrationen, die den Verkehr im Zentrum einige Zeit ziemlich lahmlegen. Wenn wir das richtig interpretieren, demonstrieren hier die Bauern aus allen Landesteilen lautstark für bessere Arbeits- und Lebensbedingungen. Alles läuft, soweit wir das sehen, friedlich ab.
Im historischen Zentrum finden sich dann natürlich auch sehenswerte Gebäude wie die beeindruckende Cathedral Metropolitana, der langgezogene Palacio Nacional (Sitz des mexikanischen Präsidenten und des Finanzministeriums), den Annett auch von innen besichtigt (und voller Entsetzen mitbekommt, wie ihr Originalpass, ohne den man nicht reinkommt, aufbewahrt wird), der Templo Mayor und in Richtung Almeda Central (einem großen Park mit vielen Skulpturen) der Palacio de Bella Artes, um nur einige zu nennen. Gerade am Nachmittag, wenn die recht kühlen Temperaturen etwas steigen, spüren wir in den Einkaufspassagen, wie viele Menschen hier wohnen. Das Getümmel und die Geräuschkulisse der unsäglichen Leierkastenspieler (grausam falsche Töne, wohin wir auch hören, es ist kaum auszuhalten), der Straßenverkäufer und der Anpreiser vor den unzähligen Restaurants und Geschäften ist riesig und erdrückend. Für uns interessant ist, dass es Einkaufszentren für spezielle Dinge in bestimmten Straßenabschnitten gibt: z.B. finden wir in einer Straße fast ausschließlich Lampen- und Elektroläden, in einer anderen nur Geschäfte für Handyzubehör und in der nächsten nur Schmuckläden. Für den Kunden ist dies ein ganz gutes Konzept, da man alles konzentriert beieinander hat, wenn man etwas Spezielles sucht. Für die Verkäufer bedeutet dies natürlich immense Konkurrenz vor der Tür. Wir empfinden die Stadt auch als einen Ort der rapiden Gegensätze und erleben diese am eigenen Leib. Auf der einen Seite tragen viele Leute das Christuskind als Puppe durch die Straßen, bekreuzigen sich vor jeder der vielen Kirchen und sind auch sonst in der Mehrzahl warmherzig und freundlich, während auf der anderen Seite auch die Polizisten mit Maschinengewehren bewaffnet nicht verhindern können, dass Ralf an einer Ampel als Ablenkungsmanöver ins Gesicht gespuckt und während der Überraschung und damit verbundenen Unaufmerksamkeit unbemerkt (und zugegebenermaßen geschickt) das Handy aus der mit Klettverschluss geschlossenen Hosentasche gestohlen wird. Sicher ist das kein großer materieller Schaden, gesichert und verschlüsselt war es zudem, aber ärgerlich ist es allemal und ein Beispiel für die andere Seite der Medaille. Glücklicherweise hatte Ralf aus Vorsicht die SIM-Karten vorher entfernt, sonst wäre der Schaden größer gewesen. Wir lernen daraus und sind das nächste Mal noch besser vorbereitet….
Das nächste Ungemach erhalten wir per Mail. Die Bank hat aus Sicherheitsgründen Ralf’s VISA-Karte gesperrt, eine Begründung könnten sie uns nicht geben. Wir würden umgehend per Post eine neue Karte (natürlich nach Deutschland) erhalten. Wir prüfen alles (wie immer), aber alle Buchungen waren und sind ordnungsgemäß. Allerdings sind wir im Minus, weil die Bank schon vor 8 Tagen ohne Benachrichtigung das Guthaben der gesperrten Karte auf die noch nicht vorhandene neue selbstständig übertragen hat.  Auf Nachfrage per Mail wird wieder auf Sicherheitsgründe verwiesen, die aber nicht genannt werden können. Gibt es diese überhaupt? Was ist denn das für ein Umgang mit langjährigen Kunden, von denen man genau weiß, dass sie die Karte im Ausland derzeit dringend benötigen? Wäre eine Rückfrage und Rücksprache bei eventuellen Bedenken nicht zunächst angemessen gewesen? Am Ende unserer Reise werden wir sicher für andere Reisende so eine Bank nicht weiterempfehlen…
Was gibt es sonst noch zu berichten? Wir laufen in einer der Straßen durch einen kleinen Chinatown, der sogar im Reiseführer nicht auftaucht. Knapp außerhalb des Centrum Histórico finden sich dann auch bereits eine Vielzahl von Bettlern und Obdachlosen auf den unattraktiver werdenden Straßen verteilt. Hier fallen wir als Touristen schon extrem auf und es wird unangenehm. Uns ist klar, dass es eben auch ein anderes Mexiko-Stadt außerhalb der Sehenswürdigkeiten gibt, wie es sicher in jeder Weltstadt der Fall ist. Wir verzichten darauf, dies weiter zu erkunden….

Unseren Bogen westlich um Mexiko-Stadt beginnen wir mit der Besichtigung der alten Toltekenstadt in Tula. Sie ist kleiner als Teotihuacán, aber dennoch äußerst sehenswert. Auf den ersten Blick erkennt man den toltekischen Architekturstil, der sehr speziell ist, insbesondere bei den Statuen und der Darstellung von Tieren, Menschen und Göttern auf Steinarbeiten in den Wänden, von denen noch viele recht gut erhalten sind. Selbst die Azteken verehrten die Tolteken als ihre königlichen Vorfahren. Die Gebäude wirken im Vergleich zu Teotihuacán graziler und sind aus kleineren Steinen aufgebaut.
Nach Erklimmen der gut erhaltenen Pyramide B stehen wir den vier beeindruckenden 4,50 m hohen toltekischen Kriegerstatuen Angesicht zu Angesicht gegenüber. Am Eingang zum Park zeigt ein Museum viele gut erhaltene Ausgrabungsstücke wie Schmuck, Keramik, Metallarbeiten, Skulpturen und (offenbar unvermeidlich) auch Skelette. Zur alten Stadt gelangt man durch einen sehr schön angelegten Kakteenpark.

Unsere nächste Station liegt auf 3.300 m Höhe in Sierra Chincua, wo wir uns einen Teil der Reserva Mariposa Monarca ansehen, einem Naturschutzgebiet, das sich über mehrere Areale erstreckt . Millionen Monarchfalter von der Grenze zwischen der USA und Kanada haben sich dieses Gebiet zum Überwintern gewählt und nach 4.500 km Flug lassen sie sich hier in großen Trauben auf den Bäumen nieder. Wir können vom Parkplatz aus das Gebiet sehr gut in einer halben Stunde zu Fuß erreichen, aber auch das geführte Reiten auf Pferden wird angeboten. Zwischen den Kronen der Bäume flattert es dann emsig, wenn die hübschen orange-goldfarbenen Tierchen durch die Wärme der Sonne geweckt, aktiv werden. Die Millionen Schmetterlinge, zusammengedrängt zu Trauben in den Ästen der hohen Tannen sind aber hier recht weit weg, so dass schon ein gewaltiges Objektiv notwendig ist, um etwas Genaues zu erkennen. Das haben wir an der kalifornischen Westküste in der Nähe von Monterey schon viel näher und damit für uns beeindruckender gesehen. Die Mexikaner stört das wenig, sie heben auch die toten Schmetterlinge, von denen viele am Wegesrand liegen, auf und fotografieren sich mit diesen in allen Positionen….
In der Nähe von Valle de Bravo campen wir für zwei „Pausentage“ am Lago Avandaro, einem See, der genau wie die gegenüber am Berg liegende Stadt ein wenig italienisch wirkt. Wir machen einen kleinen Spaziergang durch das koloniale Stadtzentrum, was leider mit Autos ziemlich zugeparkt ist.

Der erloschene Vulkan Nevado de Toluca ist Mexikos vierthöchster Berg und für uns beide sowie Herrn Fuchs (der HD-T-Motor nimmt die sauerstoffärmere Luft bestenfalls zur Kenntnis, für uns aber von der Leistung her nicht spürbar, so soll es sein) der bisherige Höhenrekord: Nach unzähligen Serpentinen hinauf, davon 17 km unbefestigte, steinige Straße zum Krater, parken wir Herrn Fuchs auf 4.200 m Höhe. Die Luft ist schon spürbar dünner hier oben, aber wir haben Glück mit viel Sonne und gutem Blick. So laufen wir unter viel Geschnaufe bis über den Kraterrand (4.300 m hoch, der höchste Rand des Kraters liegt bei über 4.700 m) und dann eine ganze Runde um die beiden Kraterseen, die mit sehr klarem Wasser tief blicken lassen. Interessant ist, dass die Baumgrenze sehr weit oben liegt, fast an die 4.000 m heran. In den Rocky Mountains lag diese noch etwa bei 2.400 m. Darüber wuchsen höchstens noch ein paar Büsche. Ist der Boden hier so viel fruchtbarer?

Auf dem Weg südlich um die Hauptstadt herum besuchen wir noch die Grutas de la Estrella in der Nähe von Tonatico. Da wir erst am späten Nachmittag ankommen, wollen wir die Grotte erst am nächsten Tag besichtigen. Der Besitzer des kleinen Restaurants vor dem Eingang zur Grotte lässt uns dann gegen kleines Entgelt auf seinem daneben liegenden Grundstück campen. Eine seit langem wirklich mal wieder ruhige Nacht ohne Hundegebell und mexikanischer Musik.
Durch die teilweise mit buntem LED-Licht ganz nett beleuchtete Tropfsteinhöhle mit mehreren hundert Jahre alten übermannshohen Stalagmiten und Stalaktiten werden wir dann durch einen Guide etwa eine halbe Stunde hindurchgeführt. Leider verstehen wir nur „un poco“ von seinen spanischen Erklärungen.

In Richtung Osten nach Cholula führt uns die Vulkanroute über den 3.700 m hohen Pass zwischen den Vulkanen Popocatépetl (5.452 m) und Iztaccíhuatl (5.230 m) hindurch. Der kraterlose Iztaccíhuatl ist inaktiv, der Popocatépetl („rauchender Berg“) dagegen äußerst lebendig. Wegen seiner Aktivität evakuierte man zwischen 1994 und 2001 insgesamt 16 Dörfer. 2013, 2015 und 2016 schleuderte er erneut Asche in die Luft. Heute haben wir wahrlich Glück: Durch die gute Sicht sehen wir ihn sehr klar vom Mirador auf dem Passgipfel. Rauch steigt von einigen Arealen in Gipfelnähe auf. Beeindruckend. Da hat man schon etwas Ehrfurcht vor Mexikos zweithöchstem Berg. Auch hier oben finden wir noch eine durchaus üppige Baumwelt. Bis zum Mirador ist die Straße asphaltiert, die sehr unebene Piste hinab nach Cholula ist dann allerdings kein Vergnügen. Die Einheimischen fahren sie aber auch mit normalem PKW – da kommt es auf eine gebrochene Feder, abgerissene Stoßdämpferaufhängung oder aufgerissene Ölwanne nicht so an. Die werden in der Dorfwerkstatt für ein paar Pesos wieder geflickt….

In Cholula lassen wir Herrn Fuchs seit ewigen Zeiten mal wieder waschen und siehe da: Er ist tatsächlich unter dem Staub noch weiß.
Hier steht die größte jemals weltweit erbaute Pyramide, die Pirámide Tepanapa. Sie ist von den Grundrissen mit Außenlängen von 380 m mal 439 m auch größer als die ägyptischen Pyramiden. Leider wurde sie im Laufe der Jahrhunderte stark vernachlässigt und so ist sie weitgehend von Buschwerk überwuchert. Sehr schade. Die Spanier erbauten auf dem so entstandenen Hügel eine große Kirche ohne wohl zu wissen, dass sich darunter die größte Pyramide aller Zeiten befindet. Bei Ausgrabungen wurde festgestellt, dass hier im Laufe des Pyramidenbaus mehrere Pyramiden übereinander errichtet wurden. Einige Bauabschnitte und Treppenstufen wurden wieder freigelegt und geben einen kleinen Einblick in dieses kulturhistorische Wunderwerk. Es existiert ein 8 km langes Tunnellabyrinth im Innern der Pyramiden, von denen wir 800 m enge und stickige Meter hindurchlaufen können. Wir erkennen auch alte Treppen und Schächte, die sich in unzugängliche Pyramidenabschnitte erstrecken. Abenteuerlich, aber etwas gruselig.Vom Pyramidenhügel haben wir eine schöne Aussicht auf die Vulkane Popocatépetl und Iztaccíhuatl. Cholula selbst ist eine sehr lebendige Stadt mit guten Restaurants, farbenfrohen Häusern und einer sehenswerten Plaza.