10.02. bis 24.02.18 – Unterwegs Richtung Yucatán

Auf dem Weg nach Oaxaca legen wir einen „Wandertag“ in dem kleinen Dörfchen San José del Chilar ein. Hier gibt es die kleine Hacienda von Isidro Lopez Santiago. Er bietet geführte Wanderungen in einen Canyon in den Bergen im Tehuacán-Cuicatlán Biosphärenreservat an, in dem es die größte Population grüner Papageien auf dem amerikanischen Kontinent gibt – Sanctuario del Amor del la Guacamaya Verde. Wir können auf dem Grundstück campen. Nach unserer Bitte um einen englischsprachigen „Führer“ für den nächsten Tag kommt am Abend Awi, ein Tourismusstudent aus der nahen Stadt Cuicatlán auf Isidros Bitte mit seinen Eltern und seiner Schwester. Er spricht recht verständlich englisch und ist glühender Rammstein- und AC/DC-Fan, so dass wir sehr viel zu erzählen haben. Natürlich interessiert ihn vor allem die Bedeutung der deutschen Texte. Er übersetzt für seine Familie alles ins Spanische und es wird ein richtig lustiger Abend. Da die Wanderung in die Berge erst 14.00 Uhr startet (die Papageien sollen erst gegen halb sechs in den Canyon kommen), lädt uns Awi für den nächsten Vormittag ein, mit ihm Cuicatlán anzusehen, was wir gerne annehmen. Zunächst sind wir aber Gäste im Haus seiner Eltern und werden sehr herzlich empfangen und erhalten schon peinlich viele Geschenke. Awi spielt Rammstein auf der Gitarre und Ralf kann so leidlich dazu singen, hört sich aber gar nicht so schlecht an. Natürlich wird dann noch spanische Musik gespielt, bevor wir eine kurze Rundfahrt durch die Stadt machen.
Pünktlich um 14.00 Uhr startet dann bei glühender Hitze unsere Wanderung zu den Papageien in die Berge. Javier, Isidros Sohn, begleitet uns als Guide. Er ist aktiver Fußballer und kennt sich in allen europäischen Ligen bestens aus, was trotz der Sprachbarriere immer reichlich Gesprächsstoff bietet.
Awi begleitet uns zunächst wie geplant als Dolmetscher, muss dann aber nach den ersten Bergen leider umkehren, da es um seine Ausdauer bei der Hitze nicht zum Besten steht. So schnaufen wir die 600 Höhenmeter hinter Javier zu dritt weiter nach oben, zwischen riesigen 500 Jahre alten Kakteen hindurch. Am Canyon trocknet dann der Schweiß, denn wir warten in der Vogelbeobachtungsstation fast 2 Stunden lang auf die Papageien, von denen wir aber leider nur zwei kurz sehen, bevor sie zum Schlafen in den Felshöhlen verschwinden. Sehr schade, aber das ist nun mal Natur. Sie richtet sich nicht nach uns. So haken wir es als hübsche, wenn auch sehr anstrengende Wanderung ab und folgen im Stockdunkeln im Taschenlampenlicht Javier wieder ins Tal.

Am nächsten Morgen starten wir sehr früh über die Berge nach Monte Albán. Die Zapoteken besiedelten den historischen Ort erstmals um 500 v.Chr.. Zwischen 300 und 700 n.Chr. erreichte die Stadt ihre Blütezeit mit sage und schreibe 25.000 Einwohnern. Neben einem mit Ausgrabungsstücken gut ausgestatteten Museum findet sich der teilweise wunderbar erhaltene historische Stadtkern um die Gran Plaza, das Herzstück von Monte Albán. Zwei großen Plattformen im Norden und Süden bieten einen tollen Überblick über die Tempel und Wohnhäuser der damaligen Eliten, die vor allem Priester waren. Interessant ist wieder die Architektur (wir sehen das natürlich als Laien, hoffentlich liest das kein Archäologe), die sich vor allem durch rechteckige Bauelemente in den Tempeln von der der Tolteken oder Azteken abhebt. Auch die in Stein gehauenen Figuren sind von anderer Gestalt und sollen wohl nackte Männer als geopferte Krieger darstellen. Monte Albán ist wieder ein erstaunlich gut erhaltenes Zeugnis damaliger Hochkultur und Baukunst und liegt natürlich (militärisch) strategisch wieder günstig auf einem Hochplateau mit Panoramablick ins Tal und auf die umgebenden Berge.
10 km östlich von Oaxaca schauen wir dann noch zum El Árbol del Tule (Baum von El Tule) in der gleichnamigen Stadt, der mit 14 Metern (!) Durchmesser der dickste Baum der Welt ist. Es handelt sich um eine tatsächlich gewaltige 2.000 Jahre alte mexikanische Sumpfzypresse, gegen welche die daneben stehende Kirche eher niedlich wirkt.

Die zum Teil verkehrsberuhigte Innenstadt von Oaxaca, mit vielen Kathedralen, Kirchen, Tempeln, guten Restaurants und riesigen Markthallen lädt auf jeden Fall einen Tag zum Schlendern ein. Auffällig sind der Prunk der Kirchen und Tempel an den Fassaden außen und vor allem innen. Insbesondere der Templo Santo Domingo zeigt im krassen Gegensatz die Obdachlosen und Bettler vor dem Kircheneingang und ein paar Meter weiter den (unserer Meinung nach mal wieder völlig übertrieben) prunkvollen Innenraum mit aufwendig gestalteten vergoldeten Motiven….Trotz seines kulturellen Reichtums ist der Bundesstaat Oaxaca einer der Ärmsten in Mexiko und viele Menschen, vor allem auch außerhalb der Städte, leben in Armut und ohne ausreichende Gesundheitsvorsorge. Vielleicht sollte man das viele Gold und Silber, welches die zahlreichen Kirchen und andere „Kulturstätten“ ziert, für humanitäre Hilfen freigeben (Natürlich nicht nur Mexiko!)?
Am abenteuerlichsten ist für uns die Fahrt mit dem Taxi zurück zum Campingplatz. Aus ökonomischen Gründen werden die Taxis überladen, so dass sich hinten und vorne (!) schon mal jeweils drei Personen den engen Platz teilen. Angeschnallt wird sich grundsätzlich sowieso nicht, schon deshalb, weil es hinten gar keine Gurte gibt (Gurtpflicht gibt es aber schon!). Ein Wunder, dass der Fahrer den Schalthebel zwischen den Beinen des mittleren Mitfahrers noch bedienen konnte….

Ungefähr 50 km von Oaxaca entfernt, verbringen wir einen Nachmittag und eine Nacht an den Hieve el Agua („kochendes Wasser“). Hier fällt das Wasser aus Mineralquellen seit Jahrtausenden über Abbruchkanten einer Steilwand in die Tiefe und bildet dadurch Mineralsäulen, die wie eingefrorene Wasserfälle aussehen. Auf dem Plateau vor den Abbruchkanten gibt es Badebecken, wobei das Wasser nicht heiß ist, wie es der Name vermuten lässt. Hier hat man einen tollen Überblick in die eindrucksvolle benachbarte Bergwelt. Noch schöner ist es morgens, wenn noch keine weiteren Besucher da sind.

Nach 2 Tagen „Ruhepause“ an der Pazifikküste in Puerto Arista – schöner breiter Sandstrand, aber Temperaturen im Schatten um die 35°C – geht es jetzt weiter Richtung Nordosten. In Chiapa de Corzo nahe Tuxtla Gutierrez, immerhin einer Stadt mit 550.000 Einwohnern, schlafen wir mal wieder preiswert und recht gut im Hotel und auch Herr Fuchs darf mit hinein – er steht nämlich mangels Alternativen direkt vor den Zimmern im Innenhof des Gebäudes. Das gibt es nur in Mexiko!
Der Grund unseres Stopps hier sind allerdings auch nicht die Städte, sondern der Cañón del Sumidero. In die bis zu 800 m tiefe Schlucht hat sich der Río Grijalva eingegraben und sie ist von mehreren Aussichtspunkten hoch über der Stadt, besonders gut aber vom Mirador Los Chiapa, einzusehen. Eine zweistündige Tour auf dem Río Grijalva führt uns am nächsten Tag mit einem Schnellboot durch den Canyon. Die Steilwände sind nett anzusehen, wir haben Glück und sehen auch Krokodile und Affen am Ufer. Allerdings wird der Eindruck durch zahlreichen Müll im Fluss und vor allem an den Uferrändern stark geschmälert. Selbst die Krokodile müssen zwischen Plastikflaschen liegen. Unwürdig für einen Nationalpark….

Ein kaum enden wollender Anstieg in die Berge führt uns aus dem Tal auf 2.100 m Höhe nach San Cristóbal de las Casas. Dementsprechend kühler ist es hier vor allem wieder nachts mit einstelligen Temperaturen. Die Stadt gilt als eine der früheren Hochburgen der Zapatisten, einer linksgerichteten Guerrillaarmee, die 1994 unter anderen San Cristóbal besetzte. Ziel war und ist es, die Jahrhunderte bestehenden Seilschaften zu stürzen, die derzeit Macht und Ressourcen des Landes innehaben oder verwalten. Schnell wurden sie von der mexikanischen Armee wieder vertrieben, führen aber immer noch einen Propagandakrieg gegen die Regierung. Viele Plakate in der Stadt sympathisieren mit oder erinnern zumindest noch an die Rebellen. Die Stadt lässt sich wunderbar zu Fuß erkunden. Schön sind die zum Teil autofreien breiten Fußgängerzonen mit unzähligen Restaurants und Geschäften. Die Strassenreihen werden nicht so sehr von Kirchen und Tempeln (obwohl es diese auch gibt), sondern von sehr gut erhaltenen kolonialen Häuserreihen, den großen Plazas und den weitläufigen Märkten geprägt.
Wie in San Miguel de Allende treffen wir recht viele englischsprachige Touristen, aber San Cristóbal ist nicht so überlaufen und eng und daher für uns angenehmer zu besichtigen. Von zwei Aussichtspunkten, der Cerro de San Cristóbal und der Cerro de Guadalupe, jeweils mit Kirchen auf den Anhöhen, haben wir teilweise einen ganz guten Überblick über Stadt und Umgebung. Warum beide Gebiete bei Nacht als gefährlich gelten, erschließt sich uns tagsüber nicht, aber wir wollen es auch nicht unbedingt wissen.

Die Straße nach Palenque ist dann nervtötend: Effektiv fast 6 Stunden brauchen wir für die 200 km kurvenreiche Strecke, die einen wahrhaften Rekord an (zumeist sinnlos willkürlichen) Topes
bietet. Teilweise versteckt man diese offenbar ganz bewusst hinter uneinsehbaren Kurven. Eine …..nerei. Wieder sehen wir Ambulanzwagen mit Blaulicht, die ständig abbremsen müssen, damit das Fahrwerk nicht wegfliegt. Unverantwortlicher Umgang mit Menschenleben und Material.
Die häufig auf dieser Strecke beschriebenen Straßenblockaden haben wir nicht, dafür spannen Händler einfach mal so bewimpelte Stricke über die Landstraße. Hält man dann an, stürzen alle auf die Straße und wir werden von allen Seiten bestürmt, irgendetwas zu kaufen. Das empfinden wir auf einer Landstraße bei theoretisch 80 km/h schon als ziemlich dreist. Eigentlich hätte man einfach durchfahren sollen….
Abwechslung von der Misere bietet auf der Strecke der Wasserfall Agua Azul, in dem das Wasser kaskadenförmig auf einer Steinterasse ins Tal fließt.

Später stehen wir dann mitten im Dschungel auf einem schön angelegten Stellplatz in Nähe der Ruinen von Palenque, die sich aus dichtem Urwald erheben und ein Paradebeispiel der Maya-Architektur sind. Die Stadt wurde erstmals um 100 v.Chr. besiedelt. Auch hier spüren wir in den drei Stunden, die wir die alten Gemäuer besichtigen, den Zauber der damaligen hohen architektonischen und künstlerischen Kultur. Wir können auch als Laien wieder den Maya-Stil durchaus von dem der Tolteken, Azteken oder Zapateken unterscheiden. Die Treppenstufen hinauf zu den Tempeln sind größtenteils schmaler und besser für kurze Beine (wie z.B. die von Annett), allerdings ebenso steil beim Absteigen. Charakteristisch für die Tempel sind die Mansardendächer. Teilweise erheben sich kleine turmähnliche Bauten auf den Plattformen der Ruinen. Die Steinhauereien in den Wänden zeigen hier nicht nur Götter oder Tiere, sondern sehr reale wirkende Menschen, die recht natürlich im Detail dargestellt sind. Die Philosophie, die Stadt nicht auf einer lichten Anhöhe, sondern mitten im Dschungel anzulegen, ist genauso neu wie interessant und bietet mal ein ganz anderes Ambiente. Wir sind jedenfalls beeindruckt und begeistert. Auch die Nachbildung der Grabkammer des Pakal, eines der berühmten Herrscher der Stadt, ist sehr gelungen und lohnt sich zu sehen. Die natürliche Grabkammer in den Tiefen des Templo del las Inscripciones ist für Besucher leider nicht zugänglich. Hier fand man das mit Juwelen bedeckte Skelett und die Totenmaske des Pakal im Sarkophag.

Etwa 50 km vor Campeche gibt es für uns die nächsten Maya-Ruinen und die haben es wirklich in sich: Edzná. Da sie etwas weg vom „Schuss“sind, treffen wir hier nur vergleichsweise wenige Besucher. Dafür sehen wir nicht nur eine Menge großer Iguane, die sich an jeder Ecke in der heißen Mittagssonne auf den Steinen wärmen, sondern auch einige der bisher beeindruckendsten und besterhaltensten Ruinen. Mit der Plaza Principal und den sie umgebenden Gebäuden, insbesondere der Gran Acropolis, gibt es ein Amphitheater, was auch heutzutage noch als riesige Eventfläche durchgehen würde. Und dies hier wurde 600 v.Chr. errichtet! Die beeindruckende Gran Acropolis ist eine erhöhte Plattform, auf der sich mehrere Gebäude befinden, im Zentrum der Edificio de los Cinco Pisos, eine riesige Mischung aus Pyramide und Palast mit 5 Stockwerken. Das Ganze hätten wir gerne vor 2.600 Jahren mal im Original gesehen. Die Münder wären uns wohl offen stehen geblieben….