25.02. bis 21.03.18 – Auf der Halbinsel Yucatán

Campeche, am Golf von Mexico, war einst der Haupthafen der Halbinsel Yucatán, aber auch immer wieder Opfer von Piratenüberfällen. Daher wurde von den Spaniern ein Schutzwall um die Stadt errichtet, der zum Teil heute noch um das Zentrum gut erhalten ist. Schön restaurierte pastellfarbene Gebäude und die lange Promenade am Meer laden zum Bummeln ein.
Ein Abstecher nach Uxmal führt uns zu einer weiteren beeindruckenden Maya-Stadt. Am Ankunftstag besuchen wir zunächst das in der Nähe der Ruinen liegende Museo del Chocolate. Hier wird die Herstellung von Original-mexikanischer Schokolade von der Ernte der Kakaobohnen an gezeigt, man kann entsprechend kosten und natürlich auch kaufen. (Es gibt nicht so viele Möglichkeiten in Mexiko, mexikanische Schokolade zu kaufen, leider). Zusätzlich können wir einer Maya-Zeremonie beiwohnen, die recht authentisch gestaltet ist.

Gleich am nächsten Morgen, bevor die Touristenbusse eintreffen, stehen natürlich die Ruinen auf dem Plan. Beeindruckend sind hier die exzellente Erhaltung mancher Gebäude, deren aufwendige steinhauerischen Verzierungen die Jahrtausende erstaunlich gut überstanden haben. Der Tempel Casa del Adivino ist ungewöhnlicherweise im ovalen Stil erbaut und seine Abrundungen haben ihn gegen Wind und Wetter weitgehend immun gemacht. Ein phantastisches Zeugnis der damaligen hohen Baukunst, genauso wie die lange verzierte Fassade des Palacio del Gobernador. Aufgrund des sehr trockenen Wetters haben die Maya sich Zisternen als Wasserspeicher angelegt, die teilweise bis zu 35.000 Liter Wasser fassen können. Sagenhaft. Das Einzige was uns stört ist die Abzocke der Touristen hier. Der District Yucatán kassiert zusätzlich zu den Eintrittsgeldern zu den Ruinen (140 Pesos für uns beide, was in Ordnung ist), zusätzlich weitere 328 Pesos „Steuer“ , was wir für mexikanische Verhältnisse als unverschämt empfinden. Daher entschließen wir uns spontan, in Yucatán nur noch eine der Maya-Stätten zu besuchen und die möglichen Weiteren auszulassen. Wenn das eine gute Tourismuspolitik sein soll, dann ist das wohl auf Dauer zu kurz gedacht.

Direkt am weißen Muschelstrand von Celestún finden wir einen wunderschönen Stellplatz am Meer, wo wir ein paar Tage relaxen. Es ist zwar tagsüber mit teilweise an die 40°C sehr heiß, wir haben aber eine Palapa für ein schattiges Plätzchen und paar gute und relativ preiswerte Restaurants in der Nähe. Mit einem Schnellboot vom Strand geht es die Küste hinunter zur Mündung der ria und dem Flussverlauf hinauf. Neben einer bunten Vogelwelt (Pelikane, Kormorane u.a.) sehen wir direkt in der breiten Mündung einige Delphine, die munter um das Boot springen und dann natürlich die Attraktion der Tour: Die Flamingos. In der Ferne schon wie ein roter Teppich zu sehen, kommen wir mit dem Boot an einige Gruppen der hellroten bis pinkfarbenen Vögel, die im flachen Wasser stehen, recht nah heran. Ihre zum Teil intensive Rotfärbung erhalten sie, wie auch die Lachse, durch das Carotinoid Astaxanthin, das stärkste Antioxidans überhaupt. Sie nehmen es über den Verzehr von kleinen Krebsen auf, die es wiederum aus Algen beziehen. Die Fahrt führt uns außerdem durch einen Mangrovenwald und zu Süßwasserquellen, an deren Ufern sich Kaimane aufhalten.

Für einen Bummel durch das touristische Mérida reichen uns ein paar Stunden. Wir parken diesmal genau im Zentrum. Die zentrale Plaza unter Lorbeerbäumen ist groß und sehenswert und war früher ein spanischer Exerzierplatz. In den anliegenden Restaurants kann man sehr gut und auch nicht touristisch überteuert essen und gemütlich das Leben um den Hauptplatz beobachten. Ansonsten empfinden wir es in den Straßen um die Plaza herum eher etwas schmutziger, als wir das von anderen Städten her kennen und durch den Verkehr ist es auch relativ laut.

Unser Ziel für heute liegt ohnehin in der Natur: Die Cenote Kankirixche. Cenoten sind mit Süßwasser gefüllte Kalksteinlöcher, die entstehen, wenn die Kalksteindecke einstürzt, die eine unterirdische Höhle überdeckt. Auf der Halbinsel Yucatán soll es über 6.000 davon geben, die wohl zum Teil auch durch unterirdische Flüsse verbunden sind. Taucher finden hier Reste von Dinosauriern und auch Utensilien aus der Maya-Zeit. Wir genießen das Baden im tiefen, vielleicht 25°C warmen, klaren Wasser, das tiefblau schimmert, wenn die höhersteigende Sonne am späten Vormittag hineinscheint. Zum fünften Mal in Mexiko und immer zufällig treffen wir hier auf Cedric, Celia, Lana und Maddy, eine französische Familie, die mit ihrem Wohnmobil und ihren zwei Hunden ebenfalls auf der Panamericana unterwegs ist. Wir bewundern Euch, wie ihr mit Eurem (tiefliegenden und schweren) Wohnmobil die doch sehr tückischen mexikanischen Straßen und sogar leichte Offroadpassagen bisher meistert.  Es wird wohl nicht das letzte Mal sein, das wir uns sehen, wir wünschen Euch weiter eine sichere Reise.
Auf dem Weg Richtung Osten besuchen wir noch zwei weitere Cenoten in Homun: Die Cenote Tza-Ujun-Kat und die Cenote San Antonio, wo wir auf der gleichnamigen Hazienda auch übernachten.
Beide sind am heutigen Sonntag durch die Mexikaner etwas überlaufen, aber sonst natürlich auch wunderbar zum Baden geeignet. Sie liegen etwas tiefer in der Erde, so das künstliche Beleuchtung in den Höhlen notwendig ist.

Izamal wird auch „Die Gelbe Stadt“ genannt, da fast alle Gebäude im und um das Stadtzentrum gelb angestrichen sind. Die Spanier zerstörten den größten Maya-Tempel der Stadt und bauten aus dessen Steinen das Kloster Convento de San Antonio, das heute mit einem Atrium und einer ebenfalls gelb gestrichenen Kirche das Zentrum der Stadt  bildet. Das Städtchen ist auch sonst recht schmuck mit eigenem Flair und weniger touristisch und laut wie Mérida. Sehr gern wird man hier an den Besuch von Papst Johannes Paul ll. erinnert, der die Stadt 1993 besuchte und der Statue der Schutzheiligen in der Kirche eine Silberkrone schenkte.

Chichén Itzá ist sicher eine der interessantesten antiken Siedlungen Mexikos: Nachdem die Maya als Erstbewohner die Stadt verlassen hatten, wurde sie durch die Tolteken besiedelt und durch deren Architektur weiter geprägt. Für uns „das“ Highlight, die exzellent erhaltene Burgpyramide El Castillo sowie die Plataforma de Venus sind tolle Beispiele der hohen Baukunst der Tolteken, die sich auf die der Maya gewissermaßen aufbaut. Allerdings ist die Stätte durch die Yucatán-Steuer noch teurer als Uxmal und durch die Nähe zur Karibik und Cancún durch Touristen hoffnungslos überlaufen. Wir sind schon vor 8 Uhr früh (am Dienstag) zur Stelle und müssen uns bereits in eine Autowarteschlange einreihen. Entsprechend bildet sich schon um diese Zeit eine Schlange vor den Kassenhäuschen. Als wir nach fast 3 Stunden wieder gehen, ist es dann so voll, dass wir froh sind, wieder fahren zu können. In der Ruinenstadt kommt hinzu, dass man sich durch die maßlos übertriebene Anzahl von Händlern, die mit ihren Tischen wirklich jeden Weg auf beiden Seiten säumen und ihre Waren anpreisen, eher wie auf einem Marktplatz, denn in einer antiken Stätte fühlt. Das wird auch durch den beeindruckenden Ballspielplatz der Maya, die Gruppe der tausend Säulen oder das Observatorium El Caracol nicht so recht wettgemacht. Schade, im Gegensatz zu Uxmal oder Edzná geht somit unserer Meinung nach das Flair dieser Stätte etwas verloren, was sie von der Substanz her eigentlich nicht verdient hätte.

Um uns nach dem ganzen Treiben etwas abzukühlen, fahren wir noch mal zu den Cenoten. Im X’Keken Jungle Park befinden sich die gleichnamige Cenote X’Keken und die Cenote Samulá. Erstere finden wir aufgrund der herabhängenden Stalaktiten besonders schön und auch die künstliche Beleuchtung schafft eine angenehme Atmosphäre.
Über Rio Lagartos an der Nordspitze der Halbinsel führt uns eine teilweise extrem schmale Landzunge zwischen Meer und Salzlagune über Las Coloradas nach El Cuyo. Auf dem sandigen, mit Büschen begrenztem Weg passt Herr Fuchs teilweise geradeso durch. Die Spiegel klappen zeitweise durch die seitlichen Äste unfreiwillig ein. Interessant, zumindest farblich, ist der Pink Lake in Las Colorades, der seine rosa Farbe durch astaxanthinhaltige Mikroorganismen erhält und dementsprechend fotogen ist. Aber auch hier wird mal so ein Teil des Ufers abgesperrt, den man erst nach Zahlen eines Eintrittsgeldes betreten darf. Unnötig, man sieht auch außerhalb der Absperrung genug.
Wir vermeiden bewusst die Karibik-Touristenzentren Cancún und Playa del Carmen und treffen in Xpu-Ha auf dem dortigen Campingplatz wieder auf Marion und Bernd, die hier schon eine Weile stehen. Da wir uns auf unseren ersten Karibikstrand hier in Mexiko gefreut haben, sind wir schon ein bisschen enttäuscht: Wir finden einen schmalen Strand mit viel angetriebenen und aufgehäuften Seetang vor und zudem sitzen wir den halben Tag wegen Starkregen nur im Auto. Das ist das erste Mal überhaupt (welches Glück hatten wir doch bisher mit dem Wetter) seit Beginn unserer Reise vor über 10 Monaten, dass wir wegen Regen ein paar Stunden im Auto sitzen müssen – und das ausgerechnet hier am Karibikstrand. Dafür haben wir wieder nette Gespräche mit den beiden Potsdamern und freuen uns schon auf unser nächstes Wiedersehen. Etwas weiter südlich finden wir dann einen tollen Platz unter Palmen direkt am Meer an der Soliman Bay nahe Tulum und treffen dort auch Christine und Felix wieder, die hier schon einige Tage campen. Auch mit ihnen verbringen wir wieder zwei schöne Abende und hoffen auf ein Wiedersehen in Mittelamerika. Leider ist auch hier der Strand mit Seetang überhäuft. Die Mexikaner bemühen sich, diesen vor den Hotels zu räumen, was aber ein hoffnungsloses Unterfangen ist. Die Pflanzenberge türmen sich so noch mehr auf und es fängt dann durch die Trocknung an zu stinken. Baden kann man teilweise in freien Schneisen zwischen den dichten Pflanzen, ein richtiges Vergnügen ist es aber nicht.

So ein rechtes Karibikfeeling will hier daher genauso wenig aufkommen, wie im Biosphärenreservat Sian Ka‘an weiter südlich. Trotz der hohen Touristendichte hier in den Hotelketten vor dem Reservateingang sind die Strände auf der gesamten Strecke nicht nur mit Seepflanzen zugespült, sondern im wahrsten Sinne des Wortes auch zugemüllt, teilweise so schlimm, dass es fast an afrikanische Zustände an den Küsten erinnert. Durch das Reservat selbst führt eine Sandpiste durch den Dschungel, den man von einem (stark schwankendem) Aussichtsturm aus Holz an der Touristeninformation auch teilweise überblicken kann. Dennoch zeigen sich außer den allgegenwärtigen Leguanen kaum Tiere und wir kehren dann auch etwa auf der Mitte der Strecke wieder um. An der Playa Paraiso nördlich von Mahahual haben wir dann dasselbe Problem: Wunderbarer Campingplatz unter Palmen direkt am Meer, aber den ganzen Tag den perfiden Gestank des faulenden Seetangs in der Nase (auch hier wieder mit Müll gemischt, der offensichtlich vom Meer her mit angespült wird). Leider sind die Meerespflanzen offenbar dieses Jahr in der ganzen Region eine richtige Plage. Baden ist hier unmöglich – sehr schade.
Etwas besser, weil wohl mit viel Arbeit über Nacht geräumt, ist der Strand in Mahahual. Hier ist alles auf die (US-) Passagiere der großen Kreuzfahrtschiffe ausgelegt, die fast täglich hier ankern und deren Passagiere die Strandpromenade bevölkern. Bars, Pools, Restaurants und natürlich unzählige Marktstände erwarten die zahlungsfreudigen Gäste aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Leider treten einige von ihnen auch entsprechend touristisch überheblich auf, so dass wir uns über die Einstellung mancher Mexikaner zu den „Gringos“ nicht zu wundern brauchen. Manchmal würden wir uns am Liebsten „ALEMANIA“ auf unsere T-Shirts drucken lassen, um uns als Europäer auch sofort erkennbar von ihnen zu unterscheiden.
Viel besser mit dem Baden sieht es dann am Lake Bacalar aus. Wir campen an dessen Ufer im gleichnamigen Ort am azurblauen, warmen Wasser. Selbst von diesem See aus haben die karibischen Piraten die Küste unsicher gemacht, wie wir bei der Besichtigung des kleinen Forts im Ort in der dortigen Ausstellung erfahren. Berühmte und berüchtigte Seeräuber wie Sir Francis Drake oder Sir Henry Morgan haben hier vor den Küsten gewissermaßen ihren Arbeitsalltag gehabt.

Auch in Calderitas bei Chetumal, unserer letzten Station in Mexiko, ist die Strandmauer unseres Campingplatzes mit Kanonen bestückt. Hier treffen wir wieder auf Marion und Bernd, die sich ebenfalls auf den Grenzübertritt nach Belize vorbereiten. Wir kümmern uns vor allem um Herrn Fuchs, der nach 40.000 gefahrenen Kilometern dringend neue Bremsbacken benötigt (die vielen Topes!), die wir Gott sei Dank dabei haben, und auch wieder komplett abgeschmiert werden muss. Ansonsten stehen Aufräum- und Wartungsarbeiten am Equipment an und noch einige administrative Dinge (die unsägliche Steuererklärung z.B.), die noch zu erledigen sind. Wir verbringen einige Tage hier und lassen unsere Reise durch Mexiko noch mal auf uns wirken: Ein Land einiger Gegensätze: Relativ moderne, saubere Städte, aber sonst Müll in allen Ecken, an den Straßenrändern, auch an den Stränden…. Wir erlebten dennoch wunderschöne Natur und natürlich die äußerst interessanten und lehrreichen alten Städte der Ureinwohner, über die wir mehrfach berichtet haben, sehr angenehme, freundliche bis herzliche Menschen, die trotz der Sprachbarriere sehr zugänglich sind und selbst die Händler sind meist sehr unaufdringlich. Beunruhigt haben uns bestenfalls die schwerbewaffneten Soldaten und Polizisten an allen Ecken, ansonsten haben wir uns hier nie unsicher oder gar bedroht gefühlt (obwohl uns in der Kupferschlucht manchmal schon ein wenig mulmig zumute war). Alles in Allem: Wir halten Mexiko bei angemessenen Verhalten für ein sicheres Reiseland und sind froh, auf anders lautende Ratschläge nicht allzu viel gegeben zu haben.