22.03. bis 02.04.18 – Unsere Reise durch Belize

Mit etwas Wehmut verlassen wir Mexiko früh am Morgen und fahren zum Abschied nochmal eine Runde durch Chetumal zur Grenze nach Belize. Das Procedere an der Grenze haben schon so viele Reisende detailliert beschrieben, dass wir es nicht wiederholen wollen. Alles klappt reibungslos und relativ freundlich, keiner will außer einem kurzen Blick wirklich ins Auto sehen. Die obligatorische Haftpflichtversicherung für Herrn Fuchs holen wir uns wie die meisten Reisenden gleich nach der Grenze für 14 Tage und tauschen dort auch die restlichen Pesos in Belize Dollar um. Da der Diesel hier deutlich teurer als in Mexiko sein soll, haben wir bereits in Chetumal vollgetankt. Der erste Eindruck für uns nach ca. 80 km Straße und einem kurzen Einkaufsstopp in der Stadt Orange Walk: Die Straßen sind zwar asphaltiert, zum Teil aber in mäßigen Zustand und gehen schon mal unvermittelt in Geröllpisten über. Topes (hier Bumps oder Humps) gibt es leider auch hier. Alle Angaben sind jetzt wieder in amerikanischen Einheiten (Meilen, Fuss u.a.). Spezifische Verkehrsregeln (Rechtsverkehr) gibt es hier wohl nicht, jedenfalls finden wir keine im Netz oder im Reiseführer. In einem Flyer, den wir an der Grenze erhalten haben, steht: Belize orientiert sich an den internationalen Verkehrsregeln – aha.
Verkehrsschilder sind sehr rar, das Verkehrsaufkommen ist überschaubar. Die Menschen wirken freundlich, winken vom Straßenrand. Im kleinen Supermarkt in der Stadt ist alles recht teuer und das Angebot, insbesondere beim Fleisch, Obst und Gemüse sehr dürftig. Wesentlich preiswerter bei viel besserem Angebot kaufen wir das Gemüse und Obst in einem Mini-Markt am Straßenrand. Auf unserem ersten Stellplatz (Campingplatz im Crooked Tree Wildlife Sanctuary) ist es sauber, die Menschen in dem kleinen Ort wirken fast afrikanisch, grüßen alle sehr freundlich und erscheinen aufgeschlossen. Mit Englisch klappt auch die Verständigung natürlich eine Spur besser.
Während unserer Fahrt durch die Dorfstraßen am nächsten Tag werden uns zwei Dinge deutlich, die wir erwähnen wollen: Die Belizianer, insbesondere die Kinder, sind im positiven Sinne im Durchschnitt weniger „wohlgenährt“ als die Mexikaner und die Gegend ist durch Unwetter gezeichnet. Wir sehen Hurrican-Shelter und viele Häuser sind wegen der Flut nach Starkregen auf Pfählen gebaut.

Im Baboon Sanctuary führt uns unser Guide Robert ein Stück durch den Dschungel zu den wildlebenden Brüllaffen. Diese leben in kleinen Gruppen, natürlich auf Bäumen und werden bis zu 30 Jahre alt. Die kleine Tour mit Führer zu machen, lohnt sich, da dieser den wilden Affen schon vertraut ist, sie auf seine Rufe hören (und auch antworten, was beeindruckend ist) und ihm kleine Früchte aus der Hand nehmen, so dass wir recht nah an sie herankommen. Das Ganze läuft im Rahmen eines Artenschutzprojektes, um den natürlichen Lebensraum der gefährdeten Tiere zu erhalten.
Im Belize Zoo finden sich dann nach Angaben der Betreiber nur Tiere, die in offener Wildbahn ohnehin nicht überleben könnten oder würden, die also sozusagen nach Verletzungen, Nestflucht o.ä. in den Zoo gerettet wurden. Na ja, vielleicht stimmt das bei einigen auch, unsere Zweifel sind natürlich sehr subjektiv. Ein Zoo ist und bleibt ein Gefängnis für viele Tiere, auch wenn dieser im Dschungel sehr schön angelegt ist und sicher für einige (aber längst nicht für alle) Arten hinter den Zäunen ein einigermaßen akzeptables Zuhause bietet. Neben dem Nationalvogel Belizes, dem Tukan finden wir u.a. Jaguare, Tapire (das Wappentier), Affen, Pumas und viele andere.

Der Manatee „Highway“, oder auch als Coastal Highway bekannt, von Belize Zoo nach Dangriga ist eine ungefähr 60 km lange festgefahrene Schotterstraße mit Schlaglöchern, zum Teil auch gröberen Geröll. Mit Wohnmobil würden wir sie nicht unbedingt befahren wollen. Kurz vor der Stadt biegen wir auf einem Feldweg zur „Fabrik“ des Cassava Bread ab. Das ist ein knäckebrotähnliches Gebäck, das aus der kartoffelähnlichen Cassava hergestellt wird. In der kleinen, unscheinbaren Bäckerei läuft alles per Hand (nein, europäischen Qualitätskriterien in der Lebensmittelindustrie würde sie sicher nicht standhalten) und Annett kann sich ein paar Packungen Brot aus dem „Werksverkauf“ mitnehmen. In Dangriga selbst wirkt alles wie eine Mischung aus etwas heruntergekommener amerikanischer Westernstadt, jamaikanischer Reggae-Atmosphäre und immer auch ein wenig afrikanisch (wir werden nicht nur wegen der Hautfarbe der Menschen und ihren Rasterlocken an Namibia erinnert). Auf jeden Fall stehen Land und Menschen dem amerikanischen Lebensstil weit näher, als z.B. dem mexikanischen. Architektonisch lehnt sich Dangriga ohnehin an die amerikanischen Kleinstädte an, keine Spur mehr vom kolonial-spanischen Einfluss, der in Mexiko bestimmend ist.
Die Menschen begegnen uns sehr freundlich, oft werden wir gegrüßt und Grüße stets lächelnd erwidert. Da wir auf den ersten Blick wahrscheinlich nicht als Europäer, sondern vermutlich eher als Amerikaner durchgehen, scheinen die Menschen hier den vermeintlichen „Gringos“ wohl mehr zugeneigt als die Mexikaner, was natürlich geschichtlichen und aktuellen Hintergrund hat.
Leider reicht ein kurzer Blick am Ufer der Karibik entlang um festzustellen, dass auch hier die Seegrasplage keinen Bogen um den hiesigen Strand gemacht hat. Ein Jammer.
Auf der Suche nach einem kohlensäurehaltigen Mineralwasser finden wir in mehreren Supermärkten als einziges ein kanadisches und merken erst beim Bezahlen, wie überteuert es angeboten wird. Die Geschäfte sind häufig in chinesischer Hand, die Preise werden wohl kartellmäßig festgelegt. Also gibt es nächstens wieder stilles Leitungswasser aus dem Tank….

Im Cockscomb Basin bleiben wir zwei Nächte im Dschungel und wandern dort mehrere Trails. Schön sind besonders diejenigen, die im Tal direkt durch dichte Vegetation führen, die in unsere Vorstellungen vom Dschungel passt: feucht, moosbewachsene Bäume, Lianen hängen von den Bäumen, dichte und hohe Farngewächse, diverse Vogelgeräusche, Jaguarterritorium….
Hier existiert ein Jaguarreservat und in der Gegend soll es 60-80 Tiere geben. Auf unsere Frage, ob denn für Wanderer keine Gefahr bestünde wird von Seiten der Touristeninformation verneint. Ok, es sind nachtaktive Tiere, die Fotos in der kleinen Ausstellung zeigen es. Aber sind sie ausschließlich nachts unterwegs? Im Jaguargehege im Zoo hatten wir einen anderen Eindruck…. So wandern wir mit gemischten Gefühlen, aber dadurch wird es natürlich noch etwas spannender. Jaguare begegnen uns keine, dafür ein Flugzeugwrack eines früheren Mitarbeiters des Reservates mitten im Dickicht. Wir haben das typische schwülfeuchte Wetter: Ist die Sonne draußen, wird die Hitze teilweise unerträglich, ist sie hinter Wolken, haben wir um die 35°C tagsüber. Dazu viele kleine Stechfliegen, die lang juckende Stiche hinterlassen. Abends kommen dann zusätzlich die klassischen Moskitos (die passen wenigstens nicht durchs Moskitonetz von Herrn Fuchs – die kleinen Stechfliegen teilweise schon – Fehlkonstruktion für tropische Länder!). Mückendichte Kleidung – grauenhaft bei Hitze und ständig durchgeschwitzt – und ein Repellent für die freien Stellen sind ein Muss, helfen aber auch nicht in jedem Fall.

Wir wollen noch einmal Strand etwas südlicher sehen und landen nach ca. 60 km auf einer schmalen Landzunge zwischen Karibik und Lagune in Placencia. Wir finden einen kleinen, schmucken Strandurlaubsort, der wieder ein wenig an amerikanische Kleinstädte erinnert. Der wunderschöne langgezogene Sidewalk mit kleinen Geschäften und Gewerben hinter dem palmenbewachsenen weißen Sandstrand ist filmreif, wenn nicht auch hier das Seegras allgegenwärtig wäre, leider auch vom Geruch. So finden wir kaum jemanden der vielen amerikanischen Touristen am Strand. Dafür fahren umso mehr mit ihren ATV‘s durch die Stadt.

Auf dem Weg nach Belmopan machen wir Station im St. Herman’s Blue Hole National Park. Zum kleinen See mit dem Namen Blue Hole (nicht zu verwechseln mit dem Blue Hole vor der Küste von Belize) führt ein halbstündiger Trail durch den Dschungel, ein weiterer kurzer Trail zur sehr dunklen St. Herman’s Höhle, in der wir unsere stärkste Taschenlampe brauchen, um überhaupt etwas zu sehen. Man kann hier mit Guides eine geführte Schwimmtour mit Reifen in den Gewässern machen, die die Höhle durchziehen. Die Stirnlampen der Teilnehmer reichen aber häufig nicht für gutes Licht, so dass die Fahrt wohl ziemlich dunkel wird. Kurz vor Belmopan kaufen wir dann Original-Schokolade aus Belize, nachdem wir alle Sorten durchprobiert haben.…

Auf dem Campingplatz Rockfarm bei Belmopan stehen wir erneut neben Marion und Bernd. Belize ist eben klein und man trifft sich häufig wieder, was uns natürlich immer freut. Auf dem Gelände der Farm befindet sich eine Vogelauffangstation, wo verletzte und pflegebedürftige Papageien, aber auch andere Vögel, wieder aufgepäppelt werden und wenn möglich, anschließend ihr Leben in der freien Natur fortsetzen können. Die hübschen Vögel fliegen zum Teil frei herum und schauen uns schon mal neugierig vom Baum aus zu.
Belmopan
ist zwar die (zweckgebaute) Hauptstadt von Belize, aber als Stadt kaum sehenswert. Wir essen aber sehr gut im Restaurant am Markt. Überhaupt schmecken uns die Gerichte (außerhalb der Fastfood-Angebote) in den Restaurants im Land recht gut, sind zwar teurer als in Mexiko, aber durchaus mit ungefähr 10 US-Dollar (20 Belize-Dollar) pro Gericht nach europäischen und auch amerikanischen Maßstäben vergleichsweise günstig. Was selbst hier in der Hauptstadt positiv auffällt: Im Gegensatz zu Mexiko sehen wir nirgendwo bewaffnete Polizei oder gar Armee, was wir eher als positives Zeichen deuten. Zumindest ist uns ohne diese wohler, sei das nun berechtigt, oder nicht. Und noch etwas sei erwähnt, bevor wir es vergessen: Belize erscheint von der Müllsituation, insbesondere um die Straßenränder, wesentlich sauberer als Mexiko. Sicher, das Land ist überschaubar, die Einwohnerzahl mit knapp über 300.000 auch, dennoch wollen wir es positiv erwähnt haben. Wir laufen in Belmopan noch zwei nette kleine Trails im Guanacaste National Park durch den Dschungel und machen uns am nächsten Tag auf zu den Ruinen nach Caracol.

Caracol an der Grenze zu Guatemala war in seiner Glanzzeit um 650 v. Chr. eine der mächtigsten und größten Mayastätten überhaupt. Wahrscheinlich haben hier auf 180 km² (die man natürlich nicht ablaufen kann) bis zu 150.000 Menschen gelebt – halb so viel, wie heute in ganz Belize. Sehenswert ist in der mitten in den Dschungel gebauten Stadt natürlich wieder vor allem das Zentrum mit der zentralen Acropolis (sehr steile Treppe in riesigen Absätzen hinauf), Tempeln und Palästen. Einige gut erhaltene Wandreliefs sind zu bestaunen. Die Straße durch das Mountain Pine Ridge Reserve und den Chiquibul National Park bis nach Caracol ist allerdings zumeist grobsteinig und ausgewaschen oder mit Wellblechpiste, am Ende zwar mit Teerschicht, dafür dann aber mit gefährlichen Schlaglöchern. Der Plan war, im Nationalpark zu übernachten. Am Parkeingang erklärt man uns aber, das wir hierfür ein Permit bräuchten, was in San Ignacio! zu bekommen wäre. Wussten wir nicht und haben wir nicht, daher fahren wir gleich nach Caracol durch. Eigentlich wollten wir erst am nächsten Tag zu den Ruinen, da um 09.30 Uhr eine Militärkolonne die Touristen die letzten 35 km bis nach Caracol begleitet. Hintergrund ist wohl, dass es vor Jahren zu Überfällen durch Banditen aus Guatemala auf die Autos gekommen ist. Offenbar die letzten Jahre aber nicht mehr, denn heute können wir (da wir natürlich zu spät am Militär-Checkpoint eintreffen) nicht mehr in der Kolonne mitfahren. So fahren wir, wie einige andere auch, allein bis zur antiken Städte und am Ende wieder zurück, da wir nicht auf die Soldaten warten wollen. Banditen sehen wir keine, dafür gibt es später auf der Strecke nach San Ignacio zurück am Rio on Pools und dem Big Rock Falls schöne Bademöglichkeiten zur Abkühlung.

San Ignacio selbst ist eine ziemlich lebendige Stadt, u.a. wieder mit ein paar Häusern, die an Dawson City erinnern, mit einem ziemlich großen Markt und Belizianern verschiedener Bevölkerungsgruppen (u.a. Mayas, Garifuna, Mestizen). Eine Mennonitengemeinde finden wir ca. 30 km nördlich von San Ignacio, in Spanish Lookout. Hier können wir im hiesigen Farmers Market supermarktähnlich, wenngleich auch nicht sehr preiswert, einkaufen. Vom traditionellen Leben der Mennoniten bekommen wir außer der typischen Tracht allerdings wenig zu sehen. Die Farmen und Betriebe ringsherum erinnern uns ein wenig an ehemalige LPGs (für Altbundesländler: Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften der ehemaligen DDR). Alles ist sauber und der Rasen kurzgeschnitten.

Die Mayastätte Xunantunich erreichen wir mit einer kostenlosen handgetriebenen Kabelfähre, die Passagiere und Autos über den Mopan River bringt. Wir sehen eine vergleichsweise kleine Maya-Stätte, vor allem das Hauptgebäude (heißt wieder mal Castillo) ist spektakulär, 42 m hoch und wir können bis auf die Spitze eines Plateaus klettern. Von dort haben wir die Gebäude um die zentrale Plaza sehr schön im Überblick.
Über das Osterfest bleiben wir noch in San Ignacio auf dem stadtnahen Campingplatz, um den Trubel zu Ostern zu entgehen. Wider Erwarten ist es aber über die Feiertage tagsüber eher ruhig in der Stadt. Lauter wird es erst am Nachmittag und vor allem abends bis in die Nacht, wenn wir schlafen wollen, dann drehen sie die Musik auf dem kleinen Rummelplatz in der Stadt richtig auf. Auf dem Campingplatz treffen wir auch mal wieder Cedric mit seiner Familie – immer wieder nett, die vier zu sehen.

Belize ist ein Land, das wir auf unserer Reise nicht missen wollen. Die Mischung aus Maya-Kultur, amerikanischen und karibischen Einflüssen macht die Atmosphäre und Lebensart hier einzigartig.
In den 12 Tagen haben wir überwiegend positive Eindrücke sammeln können. Durch die vielen Kulturen trifft man Menschen sehr unterschiedlicher Mentalitäten, die allermeisten begegnen uns äußerst freundlich und respektvoll, natürlich sollte dies auch umgekehrt stets der Fall sein.
Belize empfinden wir als sicheres Reiseland, auch ohne ständige Polizei- und Militärpräsenz (oder gerade deshalb), obwohl es diese in den Grenzgebieten zu Guatemala natürlich auch gibt.