03.04. bis 27.04.18 – In 4 Wochen durch Guatemala

Der Grenzübergang von Belize nach Guatemala von San Ignacio aus ist von vielen Reisenden ebenfalls vielfach detailliert beschrieben worden und wir können nicht viel Neues berichten. Wir erwähnen das jetzt noch mal, werden das aber aus demselben Grund für die nächsten Grenzübergänge nicht tun, sondern nur einige subjektive Anmerkungen aus unserer Sicht einfügen.
Es hat sich für uns auch diesmal als günstig herausgestellt, gleich früh morgens 08.00 Uhr an der Grenze zu sein, denn die Schlangen vor den Schaltern werden im Laufe des Vormittages länger. Das wir beim Verlassen von Belize jeweils 40 Belize-Dollar „Ausreisegebühr“ bezahlen müssen, ist schon eine ziemlich offensichtliche Abzocke. Außer der Passkontrolle mit Einreisestempel, die schnell geht, erscheint die sonstige Bürokratie, vor allem zur passageren Einfuhr des Autos, wenig sinnvoll und eigentlich nur eine Einnahmequelle für die jeweiligen Länder. Auch diesmal interessiert sich weder jemand für den Inhalt von Herrn Fuchs, noch werden wir danach gefragt. Immerhin sind die guatemaltekischen Grenzbeamten allesamt sehr freundlich und wir kommen  ohne viel Spanisch oder gar Grenzhelfer gut durch das Procedere. Die restlichen Belize-Dollar können wir gegen Quetzales an der Grenze tauschen. Man sollte jedoch beim angebotenen (schlechten) Kurs zu handeln versuchen, da es mehrere Geldwechsler gibt.
Die 100 km nach Tikal sind zum großen Teil vernünftig geteert, auch in Guatemala kommen sie allerdings nicht ohne Topes (hier Tumulos genannt) aus. Etwa 18 km vor den Ruinen müssen wir bereits unsere Tickets hierfür und auch für den der Stätte gegenüberliegenden Campingplatz kaufen. Was uns von Anfang an auffällt: Sowohl im Supermarkt gleich nach der Grenze als auch hier am Ticketschalter stehen mit Gewehren bewaffnete junge Männer als „Sicherheitspersonal“ – es geht also wieder los, wie es in Mexiko aufgehört hat. Auch den Reisepass(!) müssen wir am Ticketschalter vorzeigen und das Autokennzeichen wird registriert – was für eine „Kontrollitis“ für den Besuch einer Mayastätte.
Tikal liegt mitten im Urwald und von einigen der teils hochaufragenden Tempel und Pyramiden haben wir einen schönen Blick auf den Dschungel und die Spitzen der durch die Bäume ragenden Gebäude der antiken Stadt. Die Größe wird allein durch das Zentrum mit 16 km² und mehr als 4.000 Bauten deutlich. Wir starten sofort in der Früh um 06.00 Uhr nach der Öffnung und brauchen zum Ablaufen, Besichtigen und Besteigen der wichtigsten Gebäudekomplexe etwa 4 Stunden. Um die Hitze zu vermeiden, empfiehlt es sich also, früh aufzustehen. Ins Schwitzen kommen wir trotzdem, denn die begehbaren Tempel und Pyramiden sind sehr steil. Sicher sehen wir eine der beeindruckendsten Mayastätten bisher und wenn wir uns den Urwald dazwischen mal wegdenken, um uns die Dimensionen der Stadt richtig vorzustellen (oder uns die ausgestellten Modelle ansehen), dann war und ist das, durchaus auch für heutige Verhältnisse, eine erneut beeindruckende Leistung menschlicher Baukunst. Im Gegensatz zu Chichen Itza werden wir hier kaum von Händlern belästigt, das Durchwandern ist auch durch die relativ gute Beschilderung sehr angenehm.

Die Inselstadt Flores beeindruckt uns durch ihr fast italienisches Aussehen und Flair. Sie passt nicht so recht zum sicher armen Durchschnitt des Landes, ist daher natürlich recht touristisch, aber dennoch von Lage und Ambiente her sehenswert. Allein die Bootsfahrt von der Bootsanlegestelle von San Miguel aus zur Stadt über den Lago de Petén Itzá ist schon ein Erlebnis. Historisch interessant ist, dass die Stadt auf der alten Maya-Stätte Tayasal steht, deren Tempel, Pyramiden und Statuen von den Spaniern im 17. Jahrhundert allerdings zerstört wurden. Ansonsten  können wir in 1-2 Stunden wunderbar durch die Stadt bummeln und in einem der Restaurants am See relativ preisgünstig (diesmal kein Vergleich zu Italien!, allerdings teurer als größtenteils in Mexiko) und gut essen. Die Sauberkeit in der Stadt beeindruckt uns schon, die Freundlichkeit der Menschen ist wieder ausgesprochen hoch. Allerdings haben wir es mehr noch als in Mexiko mit immenser Waffenpräsenz zu tun: Vor und in jeder Bank stehen mehrere bewaffnete Sicherheitskräfte, im Supermarkt fast zwischen allen(!) Regalen, am Geldautomaten sowieso, auch vor Geschäften, Tankstellen und sogar Restaurants. Übertreibung, Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen oder wirklich notwendig? Warten wir mal die weitere Zeit im Land ab, bevor wir uns eine Meinung bilden.
Die Dieselpreise sind mit ca. 65 Cent/Liter sehr günstig. Im Supermarkt, zumindest in Flores, ist das Angebot wieder ähnlich gut wie in Mexiko. Auch die Preise für die Lebensmittel (einschließlich der Nichtessbaren) erscheinen etwas höher als in Mexiko, aber preiswerter als in Belize, wo das Angebot aber überschaubar war, und auch natürlich im Vergleich zu Europa. „Billig“ ist es hier nicht wirklich, da vieles Importware ist.
Die Räder von Herrn Fuchs lassen wir in einer großen zentralen Werkstatt mal wieder auswuchten und bezahlen noch nicht mal 4,50 Euro/Rad. (Die Instabilitäten in der Vorderachse des Toyota bei nur etwas Unwucht im Reifen sind, wie in den Toyota-Foren beschrieben, offenbar ebenso legendenbildend wie das „Buschtaxi“ selbst. Von „Heavy Duty“ ist das jedenfalls weit entfernt, auch wenn sich Herr Fuchs ansonsten bis jetzt ja wirklich prima schlägt.) Wir wollen und werden jetzt nicht in jedem der nächsten Länder über Preise reden, es sei denn, es gebe da Bemerkenswertes zu berichten. Da wir aber häufig gerade von deutschen Landsleuten gerne mal nach den Kosten hierzulande gefragt werden, wollten wir es zumindest hin und wieder erwähnen. Fakt ist seit Mexiko: Die Lebenserhaltungskosten (natürlich immer nach unseren mitteleuropäischen Maßstäben, die man hier eigentlich gar nicht zugrunde legen kann und vielleicht auch nicht sollte) sind hier deutlich geringer als bei uns zuhause und noch deutlich geringer als in den USA und Kanada.

Von Rio Dulce aus wandern wir nach San Felipe zum dortigen kleinen El Castillo, welches in einem hübschen Park am Lago de Izabal liegt und kaufen uns unterwegs ständig Getränke nach, da wir bei brütender Hitze gewaltig schwitzen. Auf dem Rückweg nehmen wir dann ein „Collectivo“, ein stets überfülltes Gemeinschaftstaxi, was immer noch gerade so fährt und daher stets ein Erlebnis ist.Die Bootsfahrt auf dem Lago de Izabal und dem Rio Dulce nach Livingston mit dem Sammelboot, welches 09.30 Uhr von Rio Dulce aus startet, ist weniger spektakulär, als im Reiseführer angekündigt, da der Fluss doch recht breit ist und wir nur hin  und wieder das Leben am Ufer genauer sehen können.
Auch Livingston hat uns nicht zu Freudensprüngen veranlasst, da es vor allem in den Hauptstraßen sehr touristisch ist und wohl auch auf den Umsatz durch die Bootstouristen fast ausschließlich ausgelegt und angewiesen ist. So reihen sich Marktstände und Restaurants aneinander. Aber es wird doch noch interessant, da wir Phillip treffen. Der 67jährige Garifuna spricht uns in gutem Englisch an und fragt überraschenderweise, aus welchen Teil Deutschlands wir kommen. Er war bereits selbst in Leipzig, Potsdam und am Bodensee. Hintergrund sind deutsche Hilfsprojekte für die Garifuna in Guatemala, speziell gibt es wohl auch welche für Livingston. Offensichtlich ist Phillip für diese der Ansprechpartner in Livingston und eine Art „Leader“ der Garifuna hier. Bereitwillig führt er uns durch das „wahre“ Livingston, nämlich in das Wohngebiet der Garifuna. Nach seinen Angaben wird diese schwarze Bevölkerungsminderheit in Guatemala unterdrückt (Er spricht sogar von Rassismus). Tatsächlich sieht man in den Geschäften und Restaurants in den Hauptstraßen kaum Garifuna, sondern fast ausschließlich Maya. Die Garifuna-Frauen seien für den Gelderwerb zur Prostitution gezwungen, da sie sonst kaum Jobs bekommen und das sei ein Grund, warum die HIV-Rate gerade unter den Garifuna recht hoch ist. Tatsächlich sind die Lebensverhältnisse, die wir im Dorf vorfinden, sehr ärmlich. Viele Häuser sind zudem noch vom letzten Hurrikan 2004 zerstört und wurden nicht wieder aufgebaut. Eine Schule, die aus Hilfsgeldern aufgebaut werden sollte, steht derzeit nur mit 4 Mauern als Investruine ohne Dach mitten im Dorf. Neben den sozialen Nöten der Garifuna sprechen wir auch kurz über Deutschland. Phillip erzählt uns, dass die Deutschen nie Zeit hätten, was er überhaupt nicht verstehen könne. Er schüttelt dabei den Kopf und lacht. Über den deutschen Ehrgeiz und das Streben nach hohem Einkommen, um sich materielle Dinge leisten zu können (ein Grund für das geringe Zeitbudget), hat er auch eine eigene Auffassung. Er meint, was er in Deutschland gesehen hat, wäre doch, dass immer mehr materieller Wohlstand für diejenigen, die ihn anstreben und vielleicht auch bekommen, doch nur mit immer mehr Sorgen und neuen Problemen einhergehen würde, aber selten mit mehr Glück und Zufriedenheit. Was will man dazu sagen? Dem ist nichts hinzuzufügen.
Ohne die Garifuna-Siedlung hätten wir Livingston also wohl eher als langweilig empfunden, genau wie die Bootsfahrt dorthin. Dahingehend werbende Abschnitte im Reiseführer sind unserer Meinung nach übertrieben. Aber bitte, das ist natürlich wie immer Geschmacksache und sehr subjektiv. Wie immer in unseren Berichten soll das keinesfalls eine pauschale Wertung sein, auf andere mag das ganz anders wirken.

Das gilt ebenso für unseren Ausflug nach Semuc Champey. Der Fluss Rio Cahabon bildet hier wieder terrassenartige Kalksteinbecken, die zum Baden einladen. Von einem Aussichtspunkt, den wir schwitzend bei der hohen Luftfeuchtigkeit über viele Stufen nach oben erreichen, haben wir einen guten Überblick über die Flussterrassen. Leider ist es stark bewölkt und regnet hin und wieder auch sehr heftig. Die Nacht zuvor hatten wir bereits lange andauernden Tropenregen beim Camping im Orchideenschutzgebiet Orquigonia südlich von Cobán.
Aber zurück zu Semuc Champey: Im Reiseführer als möglicherweise schönster Ort in ganz Guatemala angepriesen, ist er zunächst extrem schlecht zu erreichen: Bereits die Straße von Cobán nach Lanquin ist von Schlaglöchern wie ein Schweizer Käse durchsetzt, die immer wieder zu waghalsigen Ausweichmanövern oder eben ständigen Abbremsen zwingen. Selbst die Straßenhunde weichen den Löchern großräumiger aus als den Autos selbst, weil sie beim Hineinfallen wahrscheinlich nicht mehr herausklettern könnten…. Einmal werden wir an einer Straßenblockade von vermeintlichen „Bauarbeitern“ angehalten, die 5 Quetzales für was auch immer, einfordern. Wir stellen uns dumm, für diese katastrophale Straße und auf diese Art und Weise wollen wir noch nicht mal einen Quetzal geben. Auch die Einheimischen im Gegenverkehr winken sofort ab und zahlen nichts. Schließlich gibt man auf und lässt uns ohne „Maut“ hindurch. Die Strecke geht dann bereits 10 km vor Lanquin in grobe Stein- und Geröllstraße über, die sich über Berg und Tal bis nach Semuc Champey fortsetzt.
Wir brauchen etwa drei Stunden für die etwa 60 km, fahren Teile des letzten Abschnittes in Untersetzung. Ein no go für Wohnmobile und normale PKW. Die Flußterassen sind sicher ganz nett, aber der Aufwand zum Erreichen erscheint uns für dieses Ziel im Nachhinein doch zu groß, denn schließlich muss man das Ganze (wir leider im Regen) auch wieder zurück….
Da die Inhaberin des Campingplatzes in Semuc Champey um 05.30 Uhr (wir glauben es kaum, als wir auf die Uhr sehen) die Musik so laut aufdreht, als wollte sie den ganzen Ort wecken und wir im Bett sitzen (stehen können wir oben im Bett nicht, da müssten wir mit dem Kopf durch die Decke), machen wir uns sehr früh am Morgen auf den unangenehmen Rückweg.

Mit einem schlammbespritzen Herrn Fuchs wieder in Cobán angekommen, besichtigen wir eine Kaffeeplantage in der Chicoj Cooperative und erfahren  von unserem Guide Alvaro in Englisch eine Menge über Anbau und Verarbeitung der Bohnen bis hin zur Auslese und Trocknung. Die Röstung findet dann an einem anderen Ort statt. Ein sehr schönes Bild bieten die Plantagen mit Kaffeesträuchern, Bananen- und Avocadobäumen. Die beiden Letzteren werden in den Plantagen mit angepflanzt, damit die Kaffeepflanzen ihren notwendigen Schatten bekommen. Hier auf 1.300 m Höhe bei Wechsel von Sonne und feuchtem Wetter gibt es ideale Bedingungen für die Plantagen. Die Kaffeebauern (und Besitzer der Felder) bekommen für 46 Kilogramm reife Kaffeebohnen, die sie in Säcken aus den Feldern zur Trocknerei tragen, 130 Quetzales, also ungefähr 14 Euro. Eine völlig unterbezahlte schwere Arbeit. Die Familien pflücken gemeinsam, die Kinder gehen nach der Schule, am Wochenende oder in den Ferien mit aufs Feld….
Die Strecke zum Lago de Atitlán gestaltet sich schwieriger als wir denken. Wir haben den Campingplatz am See für denselben Tag gebucht, wollen also die eigentlich locker machbaren 170 km durchfahren. Das Navi gibt dafür 3 Stunden an. Tatsächlich führt die Route aber direkt westlich von Cobán auf einer machbaren, aber ungemütlichen und langsamen Offroad-Strecke über die Berge, enge Strecke, staubig und LKW-Gegenverkehr. Mehr als 20 km/h sind hier nicht möglich, wir müssten mit fast 10 Stunden Fahrt rechnen, zu lange, um heute noch anzukommen. Also nach den ersten Kilometern Kehrtwende und zurück Richtung Cobán, von dort Alternativroute über Guatemala-Stadt, in der Hoffnung, auf der geteerten Landstraße schnelle Kilometer zu machen. Weit gefehlt!
Zunächst warten wir an einer Baustelle über eine Stunde und dann erfüllen sich unsere schlimmsten Befürchtungen in Guatemala-Stadt. Selten haben wir eine derart überfüllte Stadt mit einer legendenbildenden chaotischen Verkehrsführung erlebt, durch die wir uns fast drei volle Stunden regelrecht durchquälen und durchkämpfen müssen. Verkehrsregeln scheint es keine zu geben, es wird nach Belieben rechts und links überholt, Motorradfahrer drängen sich unter ständigem Hupen zwischen den Autoschlangen hindurch, die Busse wechseln rücksichtslos andauernd die Spur, um unter großen Gedränge Leute ein- und aussteigen zu lassen, dazu ein dichter Smog über der Stadt, die schon beim Durchfahren völlig überbevölkert wirkt. Was wir unterwegs noch sehen können, sind dichtgedrängte, ärmlichste und verfallene Häuser in den Stadtvierteln an den Hängen der Hügel um die Stadt, die slumähnliche Zustände erahnen lassen. Wir kommen zwar heil, aber müde und völlig kaputt auf einem Ausweichplatz westlich der Stadt kurz vor Einbruch der Dunkelheit an. Ziel heute nicht erreichbar, erstmal schlafen und morgen geht’s weiter.

Der Lago de Atitlán erinnert uns vom Ambiente und von der Lage seiner Städte rund um das Ufer sehr an den Gardasee. Als Zugabe haben wir von unserem idyllischen Campingplatz in San Marcos einen tollen Blick auf die drei Vulkane San Pedro, Tuliman und Atitlan (alle über 3.000 m hoch). Die Orte selbst sind durchaus sehenswert, wenn natürlich nicht italienisch und auch nicht mit dem Glanz mexikanischer Kolonialstädte. Mit dem Boot erreichen wir nach Umsteigen in San Pedro am Sonntag Santiago Atitlán, die größte Stadt am See, mit einem weitläufigen und äußerst lebendigem Markt, auf dem wir die ausgeprägte indigene Identität und Lebensart hautnah erleben. Hier werden wir allerdings auch von Händlern teilweise etwas bedrängt, die nicht so zurückhaltend sind, wie wir das von den Mexikanern her kennen. Weniger Marktatmosphäre erleben wir in den Straßen von San Pedro, was dennoch als Städtchen am Hang des Vulkans hübscher wirkt als Santiago. San Marcos selber ist klein, aber in den schmalen Gassen verstecken sich recht gute Restaurants, sehr viel Kunsthandwerk, Spanischschulen und viele Yoga- und Meditationszentren. Überhaupt erscheint uns das kleine Städtchen der Mittelpunkt für (häufig englischsprachige) „Aussteiger“ und Esoteriker.
Wer uns schon wegen unserer Auszeit als Aussteiger bezeichnet (und das machen nicht wenige), der müsste mal die Szene hier erleben. Da sind wir die reinsten Spießer dagegen. Wir bleiben sechs Nächte am See, da Annett vormittags noch die Spanischschule besucht. Ihr junger Spanischlehrer Otto (ja richtig gelesen oder auch Ottoniel) gibt sich redlich Mühe ihr in der kurzen Zeit die spanische Sprache zu vermitteln. Das erfolgt mit viel Spaß und die 5 Tage sind im Nu vorbei. Besonders interessant ist es aber, während des Unterrichts mehr über Land und Leute kennenzulernen und auch einige Irrtümer über Deutschland können aus dem Weg geräumt werden.
Die Guatemalteken hier (meist Maya) sind auf Touristen eingestellt und wirken daher etwas zugänglicher als bisher. Ein Lächeln wird nun öfter mal erwidert, freundlich sind die meisten Menschen ohnehin. Die Nachfahren der alten indianischen Kulturen erscheinen hier (aber auch schon in Mexiko) insgesamt etwas zurückhaltender, vor allem im Vergleich mit den fröhlichen Mexikanern.
Was wir nicht vergessen wollen, positiv im Vergleich zu Mexiko zu erwähnen, sind zwei Dinge: Die Sanitäranlagen, sowohl auf den Campingplätzen als auch in den Restaurants und anderen öffentlichen Plätzen, haben (unerwartet) meist europäischen Standard und werden obendrein in der Regel sehr sauber gehalten. Das können wir als Reisende ohne eigene Sanitärräume gar nicht hoch genug schätzen. Zum zweiten erscheint uns die Infrastruktur in Guatemala im Vergleich zu Mexiko mindestens ebenso gut. Die Angebote in den Supermärkten sind fast vergleichbar, die Technikläden, z.B. Computer, Elektronik, sind deutlich besser und moderner bestückt. Auch das überrascht uns etwas. An den durchschnittlich an europäischen (oder besser deutschen) Verhältnissen gemessenen armseligen Verhältnissen im Land ändert das natürlich nichts, dennoch scheint die Mehrheit der Menschen hier durchaus „leben“ zu können, was ja z.B. in Teilen Afrikas kaum noch der Fall ist.
Auf unserem Weg Richtung Antigua fahren wir südlich um den Lago de Atitlán herum. Dazu müssen wir zunächst in San Pedro auf die Polizeistation, um eine Eskorte anzufordern. Hintergrund: Ein Stück der sonst gut asphaltierten Straße zwischen San Pedro und Santiago ist eine Staub- und Geröllpiste durch etwas unübersichtliches Gelände um den Vulkan herum. Auf diesem Stück kann man nur sehr langsam fahren und das wurde und wird von bewaffneten Straßenräubern benutzt, um Autos anzuhalten und die Insassen mit vorgehaltener Waffe auszurauben. Berichte darüber sind in Reiseforen zu lesen, auch die Einheimischen warnen davor. So werden wir also dieses Stück Offroadpiste von zwei bewaffneten Polizisten auf dem Motorrad begleitet. Der erste, aber vermutlich nicht letzte Begleitschutz auf unserer Reise.

Antigua ist die ehemalige Hauptstadt des Landes und gilt als die schönste Stadt Guatemalas. Sicher ist sie nicht mit der Pracht mancher mexikanischer Kolonialstädte vergleichbar, dazu sind die Relikte aus der Kolonialzeit nur noch zum Teil erhalten bzw. rekonstruiert. Viel Struktur fiel den Vulkanausbrüchen, Überflutungen und Erdbeben zum Opfer und existiert nur noch als Ruinen, die man gegen Entgelt („westliche“ Touristen mehr als Mittelamerikaner, diese wiederum mehr als Guatemalteken) natürlich auch besichtigen kann. Die noch erhaltenen oder rekonstruierten Gebäude geben aber einen Eindruck ehemaliger Glanzzeiten. Drei Vulkane, der Volcán de Agua südlich, die Volcanes de Fuego und Acatenango südwestlich bieten die spektakuläre Umgebung der Stadt, die wir vom Mirador Cerro de la Cruz, der gut zu ersteigen ist, vor der Vulkankulisse gut überschauen können.

Unsere französischen Freunde Celia und Cedric empfehlen uns die 2-Tages-Camptour auf den Volcán Acatenango (3.976 m) zu unternehmen, was wir dann auch tun. Die Tour startet morgens 07.00 Uhr, die Guides holen uns von unserem Stellplatz in Antigua ab. Beide haben wir relativ schwere Rucksäcke mit ausreichend Wasser für 2 Tage, Fotoausrüstung, warmer Bekleidung, Notfallausrüstung, Lunchpaket, Snacks u.a. dabei. Jedes Kilo davon sollen wir zu spüren bekommen! Ungefähr 5 Stunden wandern wir die 1.600 Höhenmeter bis zum Base Camp auf 3.600 m steil nach oben. Unsere wirklich bemühten Guides machen zwar regelmäßig ein paar Minuten Pause, dennoch kommen wir beide an die Grenze unserer körperlichen Leistungsfähigkeit. Insbesondere die immer dünner werdende Luft und die schweren Rucksäcke machen sich bemerkbar, wahrscheinlich auch, dass wir die mit Abstand ältesten Teilnehmer und natürlich als Traveller mit dem Auto derzeit nicht im allerbesten Fitnesszustand sind, was Bergwanderei in dieser Höhe anbelangt. Aber wir kämpfen uns mühsam und verbissen durch (es gab durchaus jüngere Teilnehmer, die aufgeben mussten) und kommen bei deutlich kühleren einstelligen Temperaturen im Base Camp über den Wolken an. Der Blick auf den unter uns liegenden Wolkenteppich und den gegenüberliegenden aktiven Volcán de Fuego (3.763 m) ist, trotz zeitweise durch hohe, bei böigem Wind schnellziehende Wolken versperrtem Blick, überwältigend. Mehrfach in der Stunde spuckt der Fuego unter lautem Getöse Asche und glühende Lava in den Himmel, was wir vor allem nach Eintritt der Dunkelheit wunderbar und in Augenhöhe live erleben können. Grandios! Wir schlafen bei Temperaturen um den Gefrierpunkt in Zelten mit etwas zu dünnen Schlafsäcken und Thermomatten und daher mit sämtlichen Sachen am Körper, die wir mithaben. Dennoch ist die Nacht alles andere als gemütlich….
Am nächsten Morgen geht es um 04.00 Uhr in der Dunkelheit extrem steil bergauf weitere 400 Höhenmeter zum Gipfel des Vulkans. Auch dieser erneute Anstieg auf sehr losen Untergrund (Geröll und Asche) bringt uns noch einmal sehr dicht an die Grenze dessen, was wir körperlich bewältigen können, denn der knapper werdende Sauerstoff macht uns mehr und mehr zu schaffen. Bei klarem Himmel auf fast 4.000 m Höhe und Temperaturen unter dem Gefrierpunkt mit böigem eiskalten Wind haben wir bei klarem Himmel und gigantischem Ausblick vom Kraterrand des Acatenango kaum noch die Möglichkeit, zu fotografieren. Völlig erschöpft und mit steifen Fingern gelingen uns doch noch ein paar Aufnahmen.
Zurück im Base Camp gibt es ein mageres Frühstück und dann geht es über 3 Stunden steil bergab zum Ausgangspunkt unserer Wanderung. Am Nachmittag ist dann Regeneration angesagt und wir schlafen die kommende Nacht etwa 10 Stunden durch!
Als Naturerlebnis ist diese 2-Tagestour sensationell und kann jedem empfohlen werden, der gesund, körperlich fit (Herz und Kreislauf sollten unbedingt stabil und belastbar sein, gesunde Knie sind Voraussetzung!), und am Besten im Bergwandern mit Rucksack und in dünnerer Luft geübt ist. Für uns war das mit unseren derzeitigen Möglichkeiten jedenfalls eine Grenzerfahrung. Unserer Meinung nach waren wir vielleicht deswegen mit um die 50 Jahre auch über alle Wandergruppen hinweg, die wir getroffen haben, die ältesten Teilnehmer. Das muss  nicht unbedingt etwas besagen, gibt aber doch einen Hinweis darauf, dass die Tour mit 20 bis 30 Jahren und entsprechendem Trainingszustand im Durchschnitt sicher doch noch besser bewältigt werden kann.
Wir mussten an Arnold Schwarzenegger in „Terminator“ denken, der als alte und gebrauchte Maschine mit sehr zittrigen Händen sein Maschinengewehr ungeschickt nachlädt und daraufhin in seiner unnachahmlichen Art mit Blick auf seinen viel jüngeren menschlichen Gefährten, der das beobachtet, nur ein einziges Wort sagt: „Alt“. Sein Kampfgefährte daraufhin: „Aber noch nicht veraltet“ und Arnie sagt: „Noch nicht“.

Am nächsten Tag brechen wir mit noch schmerzenden Oberschenkeln Richtung Westküste nach Monterrico auf. Interessanter als schließlich die ziemlich müllige Pazifikküste (schade) und das kleine Städtchen Montericco ist die Fahrt mit einer schmalen Holz-Autofähre durch einen von Mangrovenwald gesäumten Fluss. Nach Monterrico selbst führt nämlich keine befahrbare Straße. Es ist auch nicht der größte Kick, dass die Fähre mit Herrn Fuchs’ 3,5 Tonnen und noch einem zweiten kleineren Fahrzeug einen ziemlichen Tiefgang hat. Mulmig wird uns erst, als wir während der halbstündigen (eigentlich sehr schönen) Fahrt immer tiefer ins Wasser sinken, weil die Fähre nicht dicht ist und durch ein (sichtbares!) Leck mehr und mehr voll Wasser läuft, so dass Herr Fuchs mit den Rädern schon einige Zentimeter im Nassen steht! Auch unser Bootsführer macht ein zunehmend besorgtes Gesicht und treibt den kleinen Außenbordmotor zur Höchstleistung, was sicher kein gutes Zeichen ist. Mit knapper Not und einem Wasserspiegel, der noch 10 cm (!) von der Reling Oberkante entfernt ist, erreichen wir so Monterrico. Das war richtig knapp. Hätten wir noch 15 Minuten weiterfahren müssen (und eine Not-Landungsmöglichkeit am Ufer sahen wir unterwegs nicht), wären zumindest die Autos (und die Nichtschwimmer) im Fluss geblieben. Mann o Mann, die Guatemalteken! Der Rückweg läuft dann mit einer auch nicht dichten, aber besser erhaltenen Fähre etwas sicherer ab und wir fahren bis kurz vor die Grenze von El Salvador.

Nach fast 4 Wochen Guatemala können wir wieder ein kurzes Resümee ziehen: Größtenteils liebe, freundliche Menschen; teilweise grandiose Natur; gute Infrastruktur bei dennoch relativer Armut; sicher auch große soziale Unterschiede in den Städten; gute bis sehr gute Sanitäranlagen an öffentlichen Orten, Restaurants und Campingplätzen; viele bewaffnete Sicherheitskräfte oder Polizei an allen Ecken; ähnliche große Müllprobleme und ein ähnliches schlechtes Umweltbewusstsein dahingehend wie in Mexiko; etwas weniger Topes (Tumulos) aber genauso viele oder mehr Schlaglöcher und unberechenbare Straßenverhältnisse.
Insgesamt haben wir uns nie unsicher oder bedroht gefühlt (ob wir es jemals objektiv waren, wäre schon interessant), ohne dass wir extrem übervorsichtig gewesen wären. So stand Herr Fuchs schon mal ohne uns auf einem Parkplatz in der Stadt und wir sind auch durch sehr enge Gassen und volle Märkte in den Städten gelaufen. Allerdings haben wir wildes Camping oder zu einsame Stellplätze sowie Nachtfahrten oder Spaziergänge möglichst strikt gemieden, was wir in den mittelamerikanischen Ländern generell auch unbedingt empfehlen würden. Also nun auf nach El Salvador!