28.04. bis 09.05.18 – Auf nach El Salvador

Nach einer mal wieder, vor allem wegen der passageren Einfuhr von Herrn Fuchs (der nimmt alles gelassen zur Kenntnis, was wir so mit ihm anstellen, beneidenswert), genauso bürokratischen wie praktisch sinnfreien Procedere an der Grenze (wen es am Ende z.B. interessiert, dass Herr Fuchs 4.2 Liter Hubraum hat, bleibt ein Rätsel) beginnen wir unsere Fahrt durch El Salvador auf der Ruta de las Flores. Viele Blumen sehen wir auf der „Blumenroute“ zwar nicht, dafür aber mit Ataco und Juayúa zwei ganz reizvolle kleine Städtchen. Vor allem Annetts Augenmerk liegt auf den Wandgemälden verschiedenster Themen, die viele Häuserwände zieren. Wunderschöne Kirchen aus der Kolonialzeit, Kopfsteinpflaster und die sogenannte Lebensmittelmesse in Juayúa, ein riesiger Markt, der über die ganze Stadt verteilt ist, liefern einen ersten Eindruck von der Kultur und den Menschen des Landes. Auch hier begegnen uns wieder Neugierde und große Freundlichkeit und gefühlt sehen wir bisher etwas weniger Burschen mit Gewehren als in Guatemala.

Auf asphaltierten, wenn auch wieder mit Schlaglöchern und Tumulos verzierten Straßen geht es über Sonsonate hoch in die Berge auf unseren Campingplatz in den Parque Naciónal de Cerro Verde am Fuße des Vulkans Santa Ana (2.382 m) auf 1.840 m. Am nächsten Tag wandern wir die 500 recht steilen Höhenmeter zum Krater des Vulkans empor, belohnt durch einen grünen, dampfenden und nach Schwefelgasen riechenden Kratersee. Mit uns klettern auch einheimische Schülergruppen mit nach oben, so dass es am Kraterrand recht belebt ist. „Beschützt“ wird das Ganze durch die bewaffnete Touristenpolizei. Von oben haben wir einen guten Blick hinunter zum aktiven Vulkan Izalco (1.952 m). Fast regelmäßig haben wir jetzt gegen Abend Gewitter und Regen – Vorboten der Regenzeit? – Auf jeden Fall sind die Nächte hier oben bei ca. 18°C recht angenehm.

Das soll sich in der Stadt Santa Ana wieder ändern. Hier schlafen wir nach einiger Zeit wieder drei Nächte im Hotel, zum einen mangels eines anderen Stellplatzes, zum anderen, weil wir mal wieder einen verlässlichen Internetzugang brauchen. Außerdem wollen wir Herrn Fuchs sicher parken, denn von hier möchten wir einen Ausflug nach San Salvador unternehmen. So haben wir bei brütenden Hitze nachts eine Klimaanlage, was uns deutlich besser schlafen lässt. Das Wesentliche von Santa Ana selbst sehen wir uns rund um die zentrale Plaza in einer halben Stunde an. Die Kathedrale, das Rathaus und das Theater sind aber sehr prunkvolle und sehenswerte Gebäude. Außerdem essen wir fantastisch zu Mittag. Der Inhaber des Hotels fährt uns sogar als Service vom Hotel in die Stadt und holt uns auch wieder ab.

Auch in die Hauptstadt San Salvador fährt uns der Hotelinhaber, da er einen Hotelgast vom Flughafen abzuholen hat. Abenteuerlicher als die Autofahrt, die am Rand der Hauptstadt (immerhin 1,1 Millionen Einwohner) endet, ist allerdings die Weiterfahrt in die Innenstadt und später auch die Rückfahrt mit dem Bus. Wie wir es aus Guatemala-City kennen, schwenkt dieser ständig auf den Spuren hin und her, um Gäste auf deren Winken hin aufzunehmen oder rauszulassen. Daneben entern auch immer wieder Händler mit verschiedensten Waren den Bus, über Taschenlampen, Bonbons, Obst, Adapterkabel, Tortillas und Bücher wird alles inmitten des Verkehrslärms lautstark angepriesen und findet in der Enge des Busses manchmal sogar Käufer. Beeindruckend sind dann die Gebäude um die zentrale Plaza Barrios mit der gewaltigen Catedral Metropolitana, dem Palacio Nacional, der bis 1986 Regierungssitz war, dem Teatro Nacional und etwas weiter östlich der Iglesia El Rosario. Hinter der unscheinbaren Betonfassade Letzterer verbirgt sich innen ein Lichtband, das sich durch die bunten Fenster bei Sonneneinstrahlung über den Altar zieht. Der Bereich um die zentrale Plaza ist teilweise verkehrsberuhigt und so lässt es sich hier schön schlendern. Leider finden wir nirgendwo ein Restaurant, wo wir landestypisch essen können, in der zentralen Innenstadt jedenfalls merkwürdigerweise nicht und um diese herum scheint ganz San Salvador (und zwar in alle Himmelsrichtungen) ein einziger großer, unübersichtlicher Marktplatz zu sein, in dessen dichtes Getümmel wir uns nicht auch noch stürzen wollen. Die Busfahrten waren da Erlebnis genug und wir hören und lesen natürlich auch von erheblichen sozialen Unterschieden (wie zu erwarten war, wenn man sich in eine größere Stadt wagt), so dass Gewalt und Kriminalität zum Lebensalltag gehört. Das testen wir als Touristen natürlich nicht unnötig aus.
Eine interessante Notiz am Rande: Wir erfahren im Hotel, dass der Mindestlohn in El Salvador bei 300 Dollar (250 Euro)/Monat liegt. Wenn wir das zur Relation zu den Preisen im Supermarkt setzen, kann der durchschnittliche El Salvadorianer eigentlich dort kaum einkaufen gehen.

Die Straße nach Suchitoto Richtung Osten ist zwar asphaltiert, allerdings fehlen häufig die Kanaldeckel mittig auf den Straßen. Kommt man mit dem Rad in das so entstehende tiefe Loch hinein, dürfte die Fahrt wohl vorläufig beendet sein. Äußerst tückisch also, nachts ein „no go“.
Suchitoto wird im Reiseführer als die Kulturhauptstadt El Salvadors beschrieben, was sich aber wohl auf die Kunst- und Lebensmittelmärkte am Wochenende dort bezieht. Ein hübsches kleines Städtchen ist es aber, wochentags relativ ruhig und für hiesige Verhältnisse sauber und natürlich mit einer attraktiven spanischen Kirche an der zentralen Plaza. Im Centro Arte para la Paz, einem gemeinnützigen Projekt in einem alten Dominikanerkonvent, das von Sister Peggy, einer sehr netten und herzlichen Amerikanerin seit über 30 Jahren geleitet wird, können wir gegen eine freiwillige Spende stehen und die Nacht verbringen. Hier wird vor allem Kindern Einiges geboten, von Musikevents bis Karatekursen. Es beherbergt zudem ein kleines Museum und eine Galerie. Sehr empfehlenswert für Overlander!

Auf dem Weg zur Südostküste fahren wir über Berlin und verbringen wir zwei Nächte im Krater des Vulkans de Tecapa (1.593 m) bei Alegria. Zumindest am Wochenende bietet der Krater ein beliebtes Ausflugsziel für die Einheimischen, die tagsüber rund um unser Auto parken und um den Kratersee spazieren gehen oder mit ihren Motorrädern wild herumfahren. Sogar einen Fußballplatz haben sie auf dem Boden des Kraters angelegt, der auch fleißig genutzt wird. Der Schwefelgeruch und die gelbe Färbung des Bodens um den See rufen in uns wieder Erinnerungen an Island wach.
Das spannendste Ereignis aber haben wir am Morgen, wo wir, ganz einsam im Krater stehend, durch ein kräftiges Gerüttel am Auto geweckt werden. Wir springen in die Sachen und  nach draußen – nichts und niemand ist zu sehen. Hat ein Hund unter dem Auto geschlafen und sich beim Aufstehen am Unterboden gestoßen – die Räder sind, wie häufig jedenfalls vollgepinkelt, oder versteckt sich ein großer Marder im Motorraum? Wir sehen alles nach – Fehlanzeige. Außerdem erschien uns das Rütteln zu kräftig, um von überschaubar großen Tieren zu stammen – Grizzlys gibt es hier nämlich nicht. Des Rätsels Lösung erfahren wir am Vormittag, als wir gemütlich vor dem Auto in den Campingstühlen sitzen. Diese fangen plötzlich an zu zittern, wir mit und das Auto schwankt erneut – ein kleines Erdbeben mitten im Vulkankrater. Wir fragen bei den Torwächtern am Eingang des Kraters nach und bekommen das bestätigt. Das sei aber „no problema“. Auch später im Städtchen Alegria, was wir nach 2,5 km Fußmarsch erreichen und wo wir gut an der Plaza essen, bebt die Erde nochmal kurz.
An der Playa El Cuco, an der wir am Pazifik noch zwei Tage verbringen, erfahren wir dann, dass es in der ganzen Region Erdbeben gegeben hat, sogar mit eingestürzten Häusern – von wegen „no problema“. Auch in El Cuco selbst bebt die Erde hin und wieder noch ein wenig.
Wir finden zwar einen eigentlich schönen (bei Ebbe auch breiten) Sandstrand vor, der jedoch, besonders nach der Flut, ebenfalls sehr zugemüllt ist. Insofern sehen wir keine Besserung der Zustände seit Mexiko. Katastrophales Umweltbewusstsein, wohin man auch blickt, von einigen Ausnahmen vielleicht abgesehen.

So bleibt von El Salvador am Ende der Eindruck von wieder sehr freundlichen Menschen, einem sehr grünen Land mit sehenswerter Natur und befahrbaren Straßen, allerdings mit den beschriebenen Fallen. Auch hier haben wir uns mit unserer derzeitigen Art zu reisen (nachts sicher stehen, einsame Nebenstraßen möglichst meiden, das Auto wenn irgend möglich nicht einsam allein stehen lassen, Wertgegenstände, Laptop, Kamera etc. möglichst nicht zeigen usw.), nicht gefährdet gefühlt. Die Polizei- und Militärpräsenz war gefühlt deutlich geringer als noch in Guatemala, Verkehrspolizisten haben wir zudem kaum gesehen. Jetzt geht es schnell durch Honduras und dann auf nach Nicaragua!