21.05. bis 16.06.18 – Costa Rica zu Zweit

In Costa Rica beginnen wir unsere Tour auf der Finca Cañas Castilla im grenznahen Dschungel, die von Guido und Agi, einem Schweizer Ehepaar, geführt wird. Hier treffen wir wieder auf Conny und Christoph, die wir bereits in Nicaragua kennengelernt haben. Über uns auf den Bäumen tummeln sich die Affen und ein Faultier macht es sich den ganzen Tag in der Baumkrone gemütlich. Meist ist es in den Vormittagsstunden trocken und teilweise sonnig, nachmittags regnet es dann schon einmal ein paar Stunden am Stück. Wir nutzen den Morgen für einige kleine Rundtrails, die von der Finca ausgehen und haben am Abend nette Gespräche mit Conny und Christoph, die in Panama umkehren und zunächst wieder in die Heimat zurückkehren wollen. Euch Beiden weiter eine glückliche Reise!
Über Liberia geht es dann zunächst weiter Richtung Parque Nacional Rincon de la Vieja. Die Straßen bis hierher sind glatt asphaltiert und wir sehen kaum Müll rechts und links der Straßenränder, auch nicht in der Stadt. Im Supermarkt spüren wir dann aber schmerzlich das hohe Preisniveau im Land, zumindest für Lebensmittel, die deutlich über den deutschen Preisen liegen. Auch die Preise für die Campgrounds ziehen an.
Der Inhaber des El Sol Verde Campgrounds erzählt uns, dass die Situation in Nicaragua wohl immer noch sehr angespannt sei und derzeit keine Autos mehr auf die Insel Ometepe gelassen werden – da haben wir ja Glück gehabt.
Immer wieder gibt es jetzt heftigen Starkregen, manchmal einige Stunden, oft von Gewittern begleitet. Das Wetterradar ist nur begrenzt hilfreich, weil sich das Wetter lokal sehr schnell ändert. Da es für den Vormittag trocken angezeigt ist, stehen wir bereits 06.00 Uhr auf, um im
Parque Nacional Rincon de la Vieja (15 Dollar Eintritt pro Person) zwei Trails zu wandern. Diese sind zunächst schwierig aufzufinden, da die Beschilderung im Park zur Seiten der Straßen bemitleidenswert schlecht ist. Etwas besser sind die Trails selber ausgeschildert (wenn man sie denn gefunden hat) und führen durch teils unbefestigte, teils sogar betonierte Wege durch den Dschungel. Wir kommen vorbei an Wasserfällen und heißen Quellen, die kleine und große Schlammlöcher bilden und den Dschungel „dampfen“ lassen. Schwefelgeruch legt sich über die dichte Vegetation. Auf dem Rückweg werden wir dann doch von einem Tropenregenguss erwischt. Der Regenumhang schützt zwar den Rucksack, führt aber in der schwülen Hitze dazu, dass wir von innen derart durchschwitzt sind, dass das auch der Regen von außen hätte besorgen können. Dasselbe passiert übrigens mit den Füßen, wenn man sich auf dem schlammigen Untergrund bei den Temperaturen für Gummistiefel entscheidet. Auch hier gießt man dann am Ende den Schweiß aus dem Stiefel.

Im sintflutartigen Regen fahren wir auf sehr guten Straßen (bis auf einige wenige Topes in den Städten) weiter Richtung Pazifikküste. Hier ist es zwar auch wolkig, aber Gott sei Dank erst einmal etwas trockener. Zunächst schlafen wir eine Nacht frei am Strand von Tamarindo, einem ziemlich touristischen (US-amerikanischen, daher auch „Tamagringo“ genannt) und teuren Strandort, der vor allem Surfschulen, viele Geschäfte für die Surfausrüstung und natürlich Kneipen und teure Restaurants bietet. Hier ein (recht kleines) italienisches Eis zu essen (wie wir es tun), das macht man nur einmal, denn dann ist das Tagesbudget sehr schnell erschöpft. Die Amerikaner, die in den noblen Hotels residieren, sehen das offenbar anders… Der Strand ist wunderbar breit und vor allem sehr sauber. Das Schlendern macht ebenso Laune wie weiter südlich in Samara. Bei Ebbe laufen wir eine ganze Weile, bis wir wenigstens hüfthoch im Pazifik stehen. Es werden viele Muscheln und Krebse angespült, der Strand ist ebenfalls sauber – vorbildlich. Leider heißt es dann für zwei Tage „Land unter“, es gießt sintflutartig Tag und Nacht ohne Unterlass, so das auch Weiterfahren wenig Zweck hat, da die ganze Halbinsel (und wohl auch der größte Teil des Landes) unter dem Regengebiet liegt. Wir stehen aber immerhin vor einem Shelter und können zeitweise etwas draußen sitzen, elektrischer Außenanschluss und mittelmäßiges WLAN reichen aus, um u.a. am Blog weiterzuarbeiten, also wird es nicht langweilig. Trotz der massiven Niederschläge sinkt das Thermometer kaum unter 27°C, so dass es sogar Spaß macht, in Badehose unter dieser riesigen „Dusche“ am Meer entlang zu wandern, oder unser Fitnessprogramm „abzuarbeiten“ (der Regen hindert die extrem penetranten Moskitos erstaunlicherweise aber nicht am Stechen – Caramba!).
Wir machen uns dann auf, die Westküste der Halbinsel weiter nach Süden zu fahren, hier geht es aber nur offroad auf ausgewaschenen Lehm-Geröllstraßen weiter und es ist Endstation an mehreren Flüssen, die nach dem Regen wohl kaum noch überquerbar sind. In Island hätten wir es versucht, dann wäre Ralf vorher hindurch gelaufen, um Tiefe und Untergrund zu checken. Aber hier durch die tropischen Flüsse? Erscheint zu gefährlich, nicht nur wegen möglicher Krokodile. Bevor wir den Rückweg antreten, schauen wir am Pazifik noch kurz zur Playa Coyote, einem langgezogenen, flachen, palmenbewachsenen Sandstrand.
Dann nehmen wir die ebenfalls unbefestigte Verbindungsstraße in Richtung Ostküste und von dort aus die Landstraße wieder Richtung Norden. Rechtzeitig am Nachmittag setzt der Regen wieder ein…

Am nächsten Morgen müssen wir erst mal ins Hospital in Cañas – Annett geht es nicht gut und wir lassen lieber mal checken. Es ist nichts Schlimmes, alle Werte sind OK. Wir sind beruhigt und haben somit ein mittelamerikanisches Krankenhaus von innen gesehen und erlebt – auch eine Erfahrung.
Den so schon gebrauchten Tag nutzen wir, um noch mal nach Liberia zurückzufahren. Ralfs eigentlich recht neues Handy (der Leser erinnert sich – erzwungenermaßen gekauft in Mexiko-Stadt) hat wohl einen Hardwaredefekt. Starten, auch Hard-Reset nicht mehr möglich. Nach zwei Tagen testen und probieren hilft alles nichts – ein neues Handy muss her, denn ganz ohne geht es nicht, zumal das Tablet über keine Telefonfunktion verfügt.
So fahren wir erst am Tag darauf sehr früh (die Wahrscheinlichkeit, vormittags trockenes Wetter zu haben, ist bisher größer) in das Reserva Santa Elena auf meist asphaltierten Straßen mit einigen unbefestigten Passagen. Hier gibt es einige schöne Trails durch den sattgrünen, wie im Bilderbuch wirkenden Nebelwald. Wir wandern vorbei an bizarr geformten, moosbewachsene Bäumen, klassischen Lianen wie in den Tarzanfilmen und immer wieder ziehen Nebelschwaden durch den Wald. Santa Elena, ein kleines touristischen Bergstädtchen, was auch ein Alpenörtchen sein könnte, sehen wir uns vor dem obligatorischen Regen noch an.
Wir sind bisher sehr erfreut über die Sauberkeit im Land, sogar Mülltrennung wird meist angeboten. Auch von der Infrastruktur her macht Costa Rica seinem Ruf als „Schweiz Mittelamerikas“ alle Ehre, allerdings auch von den teils unverschämt hohen Preisen. So kostet in Santa Elena eine 100 g-Tafel Schokolade, Made in Costa Rica, satte 7 Dollar. Auch in einem kleinen Outdoorladen kann man deshalb leider nichts kaufen. Es wird zum Teil übertrieben abgezockt. Im Wesentlichen zielt man wohl auf amerikanische Touristen ab.

Das ändert sich auch am Lago Arenal nicht, der von der umgebenden Infrastruktur an die bayrischen und schweizer Seen erinnert. Auf dem Weg über meist unbefestigte Straßen dorthin passieren wir wieder viele kleine  Ortschaften und haben schon den Eindruck, dass der zumindest durchschnittliche Lebensstandard der Menschen hier höher ist, als in den anderen mittelamerikanischen Ländern. Neben der um Klassen höheren Sauberkeit überall, ist die Bausubstanz (auch der ärmlicheren Wohnhäuser in den Dörfern) im Großen und Ganzen deutlich besser. Polizei sehen wir bisher eher selten, vor allem bemerken wir keine bewaffneten Sicherheitskräfte oder wer auch immer bis hinunter nach Nicaragua ein Maschinengewehr hatte, auch in einer großen Stadt wie Liberia nicht. Das ist so wesentlich angenehmer.
So richtig wie in den Alpen fühlen wir uns dann bei Franz und Silena, wieder einem Schweizer Ehepaar, die sich am Lago Arenal einen Traum erfüllt haben. Außer einem Hotel gibt es Wirtschaftsgebäude, eine kleine Kirche und einen Zug zum Panoramarestaurant. Wir genießen das gute Essen und erkunden das Gelände.
Leider ist es mal wieder regnerisch im Parque Nacional Volcán Arenal und der Vulkan selbst ist (wohl wie so oft) in dichte Wolken gehüllt. Und da wir heute ohnehin nicht die große Lust zum Wandern verspüren, sparen wir uns die 20 Dollar Eintrittsgeld und ziehen weiter.

So machen wir uns auf in Richtung San Jose und schauen uns auf dem Weg über die Berge (hinauf über 1.700 m) die kleinen Bergstädtchen Zarcero und Sarchi an. Beide erinnern uns an Alpenörtchen, haben beide charakteristische und sehr ansehnliche zentrale Kirchen, die sich endlich mal wieder von den Kolonialbauten seit Mexiko deutlich unterscheiden.
In Sarchi kann man eine Fabrik für Ochsenkarren (auch im Miniaturformat) besichtigen. Diese sind das offizielle Symbol der costa-ricanischen Arbeiter. Hübscher als diese sind aber die tollen Wandgemälde am Gebäude, die mit Ölfarben handgemalt werden.

Wir streifen die Hauptstadt San Jose zunächst nur kurz zum Einkaufen. Der von uns anvisierte Outdoorladen bietet leider nicht viel, eine neue Stirnlampe wird es zumindest. Im Walmart sind dann die Preise für die notwendigen Lebensmittel einigermaßen erträglich und Annett kann sogar noch zum Friseur. Den Rest der Stadt heben wir uns für später auf und übernachten in „Frogs Heaven“, nah der Stadt Guapiles. Hier haben Jose (Pura Vida Jose!) und sein Vater ein kleines Paradies für unterschiedlichste Pflanzen- und Tierarten geschaffen, einen Biotop, in dem es ideale Bedingungen für beeindruckende tropische Froscharten gibt. Am nächsten Tag führen uns Jose und sein Vater zwei Stunden lang durch die wunderbare Anlage. Die kleinen Tierchen sind in der Tat bemerkenswert, natürlich vor allem „der“ Frosch der Red Eye Leaf Frog (Rotaugenlaubfrosch), der bilderbuchreif  zu sehen ist und uns recht nah heranlässt. Eine unbedingte Empfehlung für alle Costa-Rica-Fahrer!

Die Karibikküste bietet in Cahuita mit der Playa Negra einen kleinen, aber wiederum sauberen Sandstrand und warmes, allerdings wieder ziemlich regnerisches Wetter. Wer z.B. die dominikanischen oder vor allem jamaikanischen Karibikstrände kennt, ist hier ein bisschen enttäuscht, denn dieses typisch karibische Flair will nicht so recht aufkommen, auch der Reggae (wenn er denn überhaupt gespielt wird) wirkt eben nicht so authentisch. Aber das sind wie immer natürlich sehr subjektive Eindrücke. Es mag ja auch an der beginnenden Regenzeit liegen…

Wir erfahren, dass die Situation in Nicaragua wohl weiter eskaliert, es hat schon wieder Tote gegeben…. Touristen kommen wohl kaum noch in das Land hinein und heraus. Wir können uns wirklich glücklich schätzen.
Auch aus Guatemala kommen schlechte Nachrichten: Der Vulkan Fuego, den wir vor kurzem selber noch aus nächster Nähe aus Augenhöhe vor uns hatten (siehe Guatemala-Bericht), ist mehrfach ausgebrochen und hat in den durch Lava und Asche betroffenen Dörfern viele Todesopfer gefordert. Und wir hatten uns noch über seine kleinen „Ausbrüche“ gefreut. Mit der Natur ist eben nicht zu spaßen und ein aktiver Vulkan bleibt gefährlich und genauso seine Besteigung oder das Wandern in seiner Nähe. Wir hatten wieder Glück und sind dankbar dafür.

Als wir im Parque Nacional Cahuita eine dreistündige Wanderung entlang der Küste unternehmen, sehen wir dann wirklich mehr „Karibik“: die Strände werden heller, die Palmen dichter und Flora und Fauna sind sehenswert. Neben den allgegenwärtigen Krebsen in allen Formen, Farben und Größen begegnen uns Waschbären, Affen, Faultiere und farbenfrohe Heuschrecken.

Einen sehr schönen Stellplatz finden wir weiter südlich an der Punta Uva direkt am palmengesäumten weißen Sandstrand. Juchu, doch noch Karibikfeeling! Hier spüren wir das Lebensmotto der Costa Ricaner: Pura Vida, das Reine Leben.
Bei trockenem und wie immer sehr schwülem Wetter schlendern wir noch durch Puerto Viejo, bevor es wieder Richtung Berge gen Westen geht. Wenn schon Berge, dann richtig. Es geht zunächst hinauf auf 2.600 m Höhe zum Mirador Quetzales. Hier unternehmen wir eine geführte Tour, die um 6.00 Uhr in der Früh startet. Tatsächlich sehen wir einige der berühmten Quetzales, allerdings nur mit dem Fernglas in den hohen Baumkronen. Zum Fotografieren sind sie einfach zu weit weg, dennoch natürlich sehr hübsche Vögel, die mit ihrem bunten Outfit gar nicht so recht in den tristen, nebligen Wald passen. Dafür sind die fast zahmen und ebenso schönen Kolibris vor der Finca wunderbar fotogen und setzen sich dabei sogar auf den Fotoapparat!
Danach geht es über die Wolken auf den Cerro de la Muerte, mit 3.480 m der höchste Punkt der Panamericana in Mittelamerika. Hier haben wir bei Sonnenschein (dabei soll es eigentlich nur regnen) einen Blick über die Wolken bis zum Pazifik.

Über 200 km weiter durch grüne Landschaften und Palmenwälder bei insgesamt sehr guten Straßenverhältnissen kommen wir nachmittags wieder am Pazifik an. Genauer gesagt zunächst am Golfo Dulce in Puerto Jimenez auf der Halbinsel Osa. Interessanterals das kleine Städtchen und die Küste am Golf ist das Anwesen von Adonis, auf dessen Campground wir zwei Nächte schlafen. Hier tummeln sich die allgegenwärtigen großen und kleinen Echsen, große rote Aras, die am Morgen einen Riesenspektakel machen und sogar Tukane, die allerdings wieder sehr weit oben in den Kronen sitzen. Außerdem schwimmen Krokodile im nahen Fluss, die auf Adonis hören (und folgen!). Beeindruckend ist, dass sie nach Eindruck der Dunkelheit auf dessen Rufe nicht nur auf die Wiese gekrochen kommen (natürlich für einen Leckerbissen), sondern danach auf seinen Befehl auch brav umdrehen und wieder in den Fluss kriechen. Was für eine Dressur! Adonis meint, die riesigen Tiere würden sonst schon mal von allein auf die Campingwiese kommen, aber nicht, wenn Besucher da sind, dann hätten sie Angst. Na ja, nach Angst sahen die irgendwie nicht aus….
Eigentlich wollten wir noch ein Stück weiter in den Westen der Halbinsel, aber die unbefestigten Wellblechpisten mit unzähligen Schlaglöchern dorthin sind zwar prinzipiell kein großes Problem, aber derart nervig, dass wir nach 10 der insgesamt 40 km umdrehen, zumal wir nicht wissen, ob sich die Westküste hier überhaupt so richtig lohnt. Bei etwas besseren Straßenverhältnissen wäre es einen Versuch wert gewesen. So geht es wieder Richtung Norden die Pazifikküste entlang zunächst an die Playa Uvita, wo wir am langgezogenen Sandstrand bei Ebbe ausgiebig spazieren gehen können. Der Stellplatz am Meer für den wir uns entscheiden, hat nicht weniger als 20(!) Überwachungskameras. Auf dem nächsten Stellplatz in Bandera, einem Anwesen von Schweizern und Deutschen, wird über Nacht trotz Umzäunung und Hunden eingebrochen und gestohlen. Soviel zum Thema Sicherheit. Man hat nicht immer den Eindruck, muss aber insgesamt sehr aufmerksam und vorsichtig bleiben. So verbringen wir noch einige Tage an der Pazifikküste, bevor wir den ersten Teil unserer Costa Rica-Rundreise zunächst in San Jose beenden.

Bei sehr durchwachsenem Wetter (immer wieder auch Gewitter und Regen, aber immer sehr warm, teilweise über 50 Grad) haben wir bisher ein sehr grünes und blühendes Land kennengelernt mit tollen Küsten (wenn auch nicht überall) und sehr sauberen Stränden und Nationalparks. Die Eintritts- und Lebensmittelpreise sind überteuert und übersteigen teilweise europäisches Niveau deutlich. Die meisten Menschen sind schon freundlich, wir vermissen allerdings die herzliche Wärme, die wir bei Begegnungen in Guatemala und El Salvador empfunden haben.