17.06. bis 28.06.18 – Costa Rica zu Viert

Endlich Besuch aus Deutschland! Christiane und Dirk kommen aus Hamburg zu uns nach San José. Wir freuen uns schon lange darauf, mit den Beiden ein paar Urlaubstage weit weg von der Heimat gemeinsam zu verbringen.
Wir haben bei unserer bisherigen Rundfahrt durch das Land bewusst einige Stellen, die von der Hauptstadt mit Sternfahrten gut erreichbar schienen, ausgelassen, um sie mit den Beiden gemeinsam zu erkunden. Den ersten Tag nutzen wir aber zur Eingewöhnung und zum Einkaufen in der Hauptstadt San José.
Die Innenstadt ist recht ansehnlich, wenn auch laut und mit dem typisch städtischen Getümmel in den Geschäftsstraßen und Märkten. Da wir uns zu viert einen kleinen beweglichen Mietwagen geleistet haben und uns nicht mit Herrn Fuchs durch das Stadtgedränge quetschen müssen, sind die Fahrt durch das Verkehrschaos und die Parkplatzsuche etwas entspannter. Mehr als einen Vormittag muss man sich die Stadt aber nicht antun. Einen Eindruck von der costa-ricanischen Lebensweise und den Leuten erhält man aber schon. So liegen ein paar Meter von der prunkvollen Catedral Metropolitana auf dem Parque Central mal wieder die Obdachlosen und die Kiffer unter den Bänken. Die „Schweiz“ Mittelamerikas ist es eben längst nicht für alle.

Am nächsten Morgen machen wir uns sehr früh auf zum Parque Nacional Volcán Irazu mit dem gleichnamigen Vulkan, der mit 3.432 m der höchste des Landes ist und 1723 bei einem Ausbruch die Stadt Cartago zerstört hat. Auch seit dem 18. Jahrhundert hat es weitere kleinere Eruptionen gegeben.
Vor 10.00 Uhr sind die Chancen, hier wolkenfrei in den Krater zu sehen, am größten und wir fahren pünktlich nach Öffnung 08.00 Uhr auf den Parkplatz vor dem Gipfel. Von hier lässt sich über die Wolken blicken und wir haben erneut, wie schon vom Cerro de Muerte, einen guten Ausblick bis hin zum Pazifik. Zwar zieht später mehr Nebel auf, aber den blau schimmernden Kratersee am Boden des Hauptkraters können wir noch sehen. Leider lässt sich nicht am Kraterrand entlang wandern und ein Ranger passt peinlich genau auf, dass die Absperrungen nicht übertreten werden.
Auf dem Rückweg sehen wir uns noch das Sanatorium Durán an, ein seit 1973 leer stehendes Klinikgebäude. Von dem alten Tuberkulose-Krankenhaus werden die wildesten Geistergeschichten erzählt, und davon lebt wohl auch die landesweite Bekanntheit der mehr oder weniger verfallenen Anlage. Natürlich lockt der Geisterkult auch die Touristen an, die die leeren Räume für ein paar Dollar besichtigen dürfen. Geister sehen wir keine, dennoch kann man sich vorstellen, wie bedrückend es für die Kranken hier in der Abgeschiedenheit und mit der schweren Krankheit gewesen sein muss.

Bei bestem Wetter, aber auch wieder 06.00 Uhr in der Früh machen wir uns auf nach Norden in die Nähe des Örtchens La Virgen. Dort gibt es einige wunderbare Dschungeltrails (insgesamt 9 km) im Reserva biológica Tirimbina. Das private Schutzgebiet und die Sarapiquis Rainforest Lodge sind durch zwei lange stählerne Hängebrücken (die längere ist 262 m lang) über den Regenwald und den durchziehenden Fluss miteinander verbunden. So sehen wir den Dschungel in Höhe der Baumkronen aus anderer Perspektive, was sehr reizvoll ist.
Am nächsten Tag schauen wir zunächst von der Tarcoles Crocodile Bridge über den gleichnamigen Fluss auf die riesigen Tiere, die sich unten im Flussschlamm suhlen und auf Beute lauern. In den Bäumen am Fluss lassen sich herrlich bunte Papageien bestaunen. Beeindruckend. Genauso interessant gestaltet sich die Wanderung durch den Regenwald im Parque Nacional Carara. Neben riesigen Ameisen und Schildkröten am Boden turnen die Affen hoch in den hohen Baumgipfeln der Dschungelriesen herum. Trotz Regenzeit haben wir bisher am Vormittag stabil trockenes Wetter, unbeständig wird es erst am Nachmittag oder Abend. Ideal.
So schlendern wir noch ein Stück an der Playa Herradura am Pazifik entlang, einer Badebucht mit azurblauen Wasser und essen später im Restaurant mit Blick auf den Ozean. Was wollen wir mehr?

Das Valle de Orosi ist berühmt für seine Berglandschaft, den Stausee und die Kaffeeplantagen.
Von einem Mirador haben wir eine gute Aussicht auf das gesamte Tal. Der See zeigt sich allerdings von Wasserpflanzen weitgehend zugewachsen, so dass er von weitem eher wie eine Wiese wirkt. In der Stadt Orosi selbst ist eigentlich nur die älteste Kirche (was sonst?) Costa Ricas von 1743 erwähnenswert.
Weitaus interessanter ist unsere Führung durch eine private Kaffeerösterei auf der Finca Christina. Die Bio-Kaffeefarm liegt 2 km östlich von Paraiso. Die Tour auf Englisch gibt uns einen äußerst lehrreichen Einblick in den Anbau, die Ernte und das Rösten von Biokaffee.
Der Witz ist, dass es den berühmten costa-ricanischen Kaffee im Land kaum gibt, da die besten Qualitäten exportiert und nur die minderen im Land selber verbraucht werden. Jetzt wissen wir, warum uns der Kaffee bisher nicht begeistert hat. Sehr schade.

Der La Paz Waterfall Gardens Nature Park etwa 60 km nördlich von San Jose bietet für die sehr (zu) teuren 44 Dollar/Person allerdings eine Menge an Naturerlebnis. Neben den namengebenden Wasserfällen gibt es Tiere verschiedener Arten in freier Natur und (leider nicht so schön) auch in Käfigen zu beobachten. Die erstaunlichen Kolibris werden mit Blumenimitationen und süßen Flüssigkeiten angelockt und schwirren uns um die Köpfe. Sie schlagen bis zu 60 mal pro Sekunde mit den Flügeln, haben an ihrer kleinen Größe gemessen das größte Gehirn und auch das größte Herz aller Tiere und fliegen durchschnittlich über 70 km/h schnell. Meist sind sie zu schnell für den Fotoapparat.
Auch bunte Schmetterlinge (allerdings indoor) sind wieder zu sehen und natürlich die typischen Frösche, mit unserem Favoriten, dem Red Eye Leaf Frog (Rotaugenlaubfrosch), der wie immer sehr fotogen ist und Christiane und Dirk genauso beeindruckt wie uns ja schon vorher (siehe letzten Bericht). Er ist einfach ein cooles kleines Tier, das sich angstfrei fotografieren lässt und nach der Störung gleich wieder schlafen legt, da er eigentlich nachtaktiv ist.
Außerdem laufen wir auf sehr schön angelegten Trails durch den Regenwald, wo es dermaßen feucht ist, dass selbst die Steinwege und die Kunststoffzäune mit einem Moosteppich bewachsen sind.
Außerdem gibt es ein recht gutes und bezahlbares Buffet-Restaurant und wir erleben das extrem spannende WM-Spiel Deutschland gegen Schweden gemeinsam – die Costa-Ricaner an den Nebentischen interessieren sich offenbar gar nicht dafür.

Noch einmal zieht es uns zu einem langen Strandspaziergang an die Pazifikküste und wieder haben wir prima Wetter. Jaco ist als Ort nicht besonders attraktiv, der Strand dagegen schon und wir können über 8 km barfuß im warmen Wasser schlendern. Der Pazifik ist sehr bewegt und die hohen Wellen bieten ideale Bedingungen für Surfer.
Dichten und wiederum extrem feuchten Dschungel finden wir im Parque Nacional Braulio Carrillo, 50 km nördlich der Hauptstadt. Die Trails sind zwar relativ kurz, wir sehen aber einige Schlangen, Frösche, Affen und ein Faultier. Manche Baumstämme sind vor lauter Moos kaum noch als Holz erkennbar.

Christiane hat den unbedingten, aber verständlichen Wunsch, vor der Heimreise noch in den Parque Nacional Manuel Antonio zu fahren. Die Beiden müssen natürlich ihren Urlaub richtig nutzen und so legen wir los. Die 170 km von San Jose bis zur Pazifikküste zum kleinsten, aber am meisten frequentierten Nationalpark des Landes, kostet uns drei Stunden Fahrtzeit pro Strecke. Aber es hat sich am Ende wirklich gelohnt, denn wir haben mal wieder Glück mit dem Wetter und die Wege im Park sind wirklich schön angelegt. Da wir bereits um 08.00 Uhr frühmorgens am Wochentag dort sind (was wir unbedingt empfehlen), ist die Masse der Touristen noch nicht ganz so groß, wie später gegen Mittag. Dann wird es allerdings wirklich selbst in der Woche (zu) voll. Der Park grenzt an wunderbar romantische Sandbuchten am Pazifik mit vorgelagerten felsigen Landspitzen. Wir sehen Kapuzineraffen, Waschbären, Agutis, einige Faultiere und Christiane und Dirk staunen (für uns mittlerweile fast Alltag in Mittelamerika) über die prächtigen Leguanexemplare.

Natürlich sind wir alle etwas patriotisch und sehen uns das Länderspiel gegen Südkorea gemeinsam an. Aber auch das Ausscheiden der Deutschen Nationalmannschaft in der Vorrunde der WM trübt unsere Stimmung nur wenig.

Wir erleben 10 intensive, interessante Tage mit sehr viel Natur, für uns ungewohnt gutem Essen (Danke Dirk!) und immer lustige und nette Unterhaltung. Leider müssen die Beiden wieder zurück und wir bald unsere Reise Richtung Panama fortsetzen. Wir danken Euch für die schöne Zeit und freuen uns schon darauf, etwas ähnliches irgendwann und irgendwo mit Euch nochmals zu erleben.