29.06. bis 19.07.18 – Einige Tage in Panama

Nach der Abreise von Christiane und Dirk verbringen wir noch einige Tage in San José, um manches zu ordnen und ein paar wichtige organisatorische Dinge zu erledigen, bevor wir uns weiter auf den Weg Richtung Süden machen.

Die Grenze von Costa Rica nach Panama am Übergang in Paso Canoas ist der bisher am meisten chaotische und vom Ablauf her unlogische Grenzübergang überhaupt. Wir werden von einem zum anderen Schalter gejagt, mit dem jeweiligen Hinweis, wir müssten doch erst zu dem Anderem. Alles allerdings, nachdem wir zuvor brav an der Schlange angestanden haben. Wozu wir schon für den Einreisestempel im Pass eine Fahrzeugversicherung vorlegen müssen (die in einem anderen Gebäude zu erwerben ist, aber nicht etwa im Gebäude, wo später das Auto eingeführt wird), bleibt ein Geheimnis. Dazu kommt diesmal für uns die unbedingte Notwendigkeit, dass die Papiere für das Auto auf panamaischer Seite ohne Fehler ausgestellt sein müssen, ansonsten erwarten uns möglicherweise erhebliche Schwierigkeiten bei der Verschiffung nach Kolumbien. Und prompt hatte der bis dato leidlich nette panamaische Beamte die Motornummer im Dokument falsch eingetragen. Auf unsere Bitte hin, diese zu korrigieren (eine Zahl!), wird er plötzlich sehr unwirsch, macht uns nunmehr darauf aufmerksam, dass diese gar nicht in der deutschen Zulassung stünde (was auch stimmt). Da sie aber ins Einfuhrdokument von Panama gehört, bitten wir ihn, doch einen Blick in den Motorraum zu werfen, um diese einfach abzulesen, was sicher zu seinen  Aufgaben gehören würde. Doch dazu hatte er absolut keine Lust und nach einigen unnötigen Diskussionen korrigiert er sie doch und händigt uns das Dokument aus, ohne uns eines weiteren Blickes zu würdigen.

Als wir dann in David, Panamas zweitgrößter Stadt, einkaufen, spüren wir die extreme feuchte Hitze, die hier pazifiknah herrscht. Der Unterschied zwischen den klimatisierten Räumen im Supermarkt und den Außentemperaturen ist gefühlt derart hoch, dass wir glauben, wir kommen aus dem Tiefkühlfach direkt in die Sauna.
Das ändert sich dann Gott sei Dank auf 1.000 m Höhe in Boquete, was für sein kühleres Klima bekannt ist. So haben wir tagsüber um die 25°C, was sehr angenehm, allerdings auch von einigen Regenschauern begleitet ist. Dennoch lässt es sich um Boquete recht gut durch sehr fruchtbares Hochland wandern (viele Kaffeeplantagen).  Die Freundlichkeit der Menschen hier fällt uns im Vergleich zu Costa Rica sofort auf, fast jeder grüßt lächelnd, auch aus vorbeifahrenden Autos.
Boquete selber ist ein eher unauffälliges Städtchen ohne große Highlights. Wahrscheinlich wurde es aber gerade deswegen, aufgrund des Klimas und seiner Umgebung zu einem der besten Altersitze weltweit erkoren und es strömen entsprechend viele Ausländer in den Ort. Außerdem dient der Ort als Ausgangspunkt für Wanderungen in den Nationalpark Vulkan Baru. Wir campen drei Nächte im Garten der Pension eines Deutschen, der hier seit 30 Jahren lebt und wohl ganz zufrieden hier ist. Anders als in Costa Rica sehen wir doch hin und wieder schwerbewaffnete Sicherheitskräfte auf den Straßen patrouillieren, wenn auch zurückhaltend. Dennoch zeigen sich auch in einem kleinen Ort wie Boquete die Fenster und Türen der meisten Häuser vergittert….

Noch einmal zieht es uns auf Straßen im Bestzustand (juchu, wieder ohne Topes!) zum Pazifik, wenn auch diesmal nur für eine Nacht. Am 12 km langen flachen Sandstrand der Playa Las Lajas tummeln sich nur wenige Einheimische, noch weniger Touristen und bei 30°C sowie einer leichten Brise können wir uns das warme Wasser um die Füße spülen lassen. Es ist zum Glück hier und heute nicht so heiß, wie wir befürchtet hatten.
Auch in Panama ist es auf der bisherigen Strecke sowohl um die Straßen und in den Orten, als auch am Strand relativ sauber und müllarm, so dass sich der dahingehende positive Trend aus Costa Rica fortsetzt.
Das trifft auch auf El Valle zu, ein Bergstädtchen, dass direkt im Krater eines gigantischen erloschenen Vulkans liegt, dessen bewaldete Ränder es wie eine Badewanne umschließen. Hier ist es im Juli wie bei uns im April: Sonnige Abschnitte wechseln mit heftige Regenschauern ab und es ist beim Wandern durch den Regenwald dermaßen feucht, dass wir nicht mehr wissen, ob es nun Schweiß ist oder die extreme Luftfeuchtigkeit, von der wir durchnässt sind. Die auffällig schön angelegten Landsitze und Villen im Ort gehören meist nordamerikanischen Rentnern, die hier ihren Ruhestand genießen. Panama und speziell die etwas kühleren Bergregionen sind sicher nicht die schlechteste Wahl dafür. Die netten hiesigen Feuerwehrleute lassen uns auf ihrem Gelände für zwei Nächte campen, wofür wir sehr dankbar sind.

Mit dem Überqueren der Autobrücke „Puente de las Americas“ über den Panamakanal vor Panama-Stadt beginnt für uns das Abenteuer Verschiffung des Autos nach Kolumbien. Viele Reisende vor uns haben mehr oder weniger ausführlich das extrem bürokratische Procedere beschrieben, so dass wir uns im Wesentlichen auf die sehenswerten Dinge außerhalb der bürokratischen Erledigungen in Panama-Stadt und Umgebung beschränken. Da wir einige Anfragen von Freunden bekommen haben, warum wir das Auto überhaupt verschiffen müssen, noch eine kurze Erläuterung dazu. Es gibt keinen offiziellen Landweg von Panama nach Kolumbien. Es fehlen ungefähr 100 km, die im Wesentlichen durch Dschungel und von Drogenbanden und Paramilitärs kontrolliertes Gebiet führen (bekannt unter dem Namen Darien Gap). Warum das in Absprache der beiden Länder nicht längst geändert wurde, kann nur vermutet werden. Warum allerdings die bereits einmal geprobte Autofähre von Colón nach Cartagena nicht sehr lange in Betrieb war, ist allerdings ein offenes Geheimnis: Zu viele Leute (Zoll, Polizei, Agenten, Reedereien, Hafen, Flughäfen, Hotels usw.) verdienen mehr oder weniger Geld mit den Touristen, die auf die Verschiffung mit den Containerschiffen angewiesen sind. So hat keiner wirklich Interesse, die Situation zu verändern.
Herr Fuchs muss damit zunächst zu einer „Inspektion“ beim Zoll in der Hauptstadt, wo allerdings nach 3stündiger Wartezeit einfach nur die VIN-Nummer nochmals kontrolliert wird, die aufgrund des Grenzübertrittes längst im landesweiten System ist und worüber wir auch entsprechende Dokumente haben.  Nun ja, wir sehen uns am Tag vorher noch die Skyline von Panama-Stadt von der Insel Perico aus im Überblick an, die wir später noch aus der Nähe betrachten werden.

Nach Erhalt der Fahrzeugdokumente finden wir auf den Weg zum Hafen nach Colón an den Miraflores-Schleusen noch ein paar Stunden Zeit, den Panamakanal anzusehen und die gigantischen Schleusen mit den ebenso beeindruckenden Schiffen in Aktion zu erleben. Das Wunderbauwerk Panamakanal führt über 80 km von Panama-Stadt am Pazifik bis nach Colón am Atlantik, wobei durch mehrere Schleusen insgesamt 27 Höhenmeter vom Meeresspiegel über den höher gelegenen Gatúnsee in beide Richtungen zu überbrücken sind. Über 14.000 Schiffe pro Jahr, vom Containerschiff bis zum Kreuzfahrtriesen, passieren die Landenge und generieren gewaltige Einnahmen für das Land. Die größten Schiffe zahlen 450.000 Dollar für die Passage. Nach dem Ausbau des Kanals, der im Jahr 2016 fertiggestellt wurde, können Ozeanriesen von 366 m Länge und 49 m Breite diesen passieren. Diese Größe ist also auch für die meisten Werften der Welt aus diesem Grunde limitierend für die Baugröße der Schiffe. Sicher gilt der Kanal mit Recht als eines der gigantischsten Bauwerke in der Geschichte der Menschheit.

In Colón wollen wir eigentlich „nur“ Verschiffen, kommen aber noch in den zweifelhaften Genuss, durch die Stadt zu fahren, um Herrn Fuchs endlich mal wieder waschen zu lassen (hätten wir es mal gelassen).
Eine derart vernachlässigte und zerfallene Stadt haben wir überhaupt noch nicht gesehen. Die meisten Straßenzüge sehen aus wie nach Bombenangriffen, die Substanz der teilweise entkernten Kolonialbauten ist größtenteils kaum noch zu erkennen. Wir trauen uns kaum, zu fotografieren, weil wir die Apparate hier lieber stecken lassen. Wie ein sonst relativ fortschrittlich erscheinendes Land eine Stadt dermaßen verwahrlosen lassen kann, bleibt ein Rätsel. Der Freihandelshafen ist eine Insel in einem Meer von Armut und Arbeitslosigkeit. Kaum verwunderlich, dass die Stadt für ihre hohe Verbrechensrate berüchtigt ist und schwerbewaffnete Sicherheitskräfte an jeder Ecke stehen.
Nur wenige Kilometer von der Stadt entfernt, finden wir dagegen ein kleines idyllisches Plätzchen am Gatúnsee. Wir verbringen dort das Wochenende und bereiten das Auto für die Verschiffung vor.

Am Morgen der Verschiffung regnet es wie aus Eimern. Zu allem passend erfolgt die Verladung des Autos in den Container in irgendeiner schmuddeligen Ecke außerhalb des Hafens, was uns nicht so geheuer ist. Aber was sollen wir machen, als dem Agenten zu vertrauen. Auch das fällt schwer, weil der Kontakt sehr zäh ist und nur auf wiederholte Anfragen von uns geantwortet wird und sich auch der Erhalt der Dokumente für die Verschiffung per mail trotz Nachfrage immer wieder verspätet.

Zurück mit dem Bus in Panama-Stadt erleben wir eine Stadt der Gegensätze. In der gewaltigen Skyline wechseln sich 6-Sterne-Hotels, Bankenhäuser und Geschäftskomplexe ab, immer neue Wolkenkratzer sind am Entstehen. Eine breite und gut gepflegte Promenade führt am Pazifik entlang und zieht sich moleartig in einem großen Bogen vor der Küste um die halbinselähnliche Altstadt. Hier können wir wunderbar schlendern und haben eine prima Übersicht über die Stadt. In großen und hochmodernen Einkaufszentren können diejenigen mit den nötigen Dollars shoppen, die Preise sind mindestens auf amerikanischen Niveau, teilweise weit darüber. So kostet eine Tafel Schokolade für normalerweise knapp 3 Dollar hier mal locker 5 Dollar (zu Ralfs Leidwesen) und es gibt noch wesentlich mehr Beispiele.
Auf der anderen Seite sehen wir verfallene Stadtviertel, wo diejenigen zuhause sind, die hier sicher nicht einkaufen gehen können. Es ist dann auch wieder deutlich mülliger, der Abfall wird einfach in die häufig offenen Kanäle entsorgt, die dann verstopfen. Wenigstens kann man dann nicht mehr so leicht hineinfallen. Leider haben wir nur wenige Bilder davon, da wir uns kaum trauen, in diesen Gegenden den Fotoapparat aus der Tasche zu holen, geschweige denn zu benutzen. Obdachlose oder offensichtliche Junkies sehen wir zwar keine, aber natürlich sehen wir längst nicht alle Teile der Stadt.
Die Rate an schwerbewaffneten Polizisten ist vielleicht nicht ganz so hoch wie in Mexiko-Stadt, aber wesentlich geringer auch nicht. Zumindest vor allen Banken wird man mit Sicherheit fündig, viele patrouillieren mit Motorrädern und per Fahrrad.

Hübsch ist die Altstadt mit gut erhaltener bzw. renovierter Bausubstanz, die allerdings sehr touristisch ist. Entsprechend hoch sind die Preise, essen gehen kommt für uns nicht in Frage. Schade, dass es an solchen Orten immer gleich so mit der Abzocke übertrieben wird. So essen wir lieber etwas außerhalb der Altstadt in einem kleinen Imbiss und man gibt sich wirklich Mühe mit uns. Recht gutes Hähnchen mit Reis und Gemüse oder Salat geht fast immer, wenn man mit etwas Geduld sucht und die allgegenwärtigen Fastfood-Ketten möglichst vermeidet. Übrigens ist das Fahren mit der Metro in Panama-Stadt recht komfortabel und sehr kostengünstig für 35 Cent/Fahrt. Auf jeden Fall ist damit ein wesentlich besseres Vorankommen als mit Bus/Auto oder Taxi, falls der jeweilige Zielpunkt hiermit zu erreichen ist.
Der Flughafen ist es leider (noch) nicht, so dass wir uns ein Taxi zum Flieger nach Cartagena nehmen. Gott sei Dank haben wir nach mehrfachen nervigen Rückfragen vom Agenten jetzt auch die Trackinginformationen für unser Schiff und die Unterlagen für die Abholung in Cartagena erhalten. Der Container mit Herrn Fuchs scheint bereits dorthin unterwegs zu sein.
Von Panama bleiben uns vor allem die zumindest im Vergleich zu Costa Rica spürbar freundlicheren und zugänglichen Menschen, die sicher nicht weniger attraktive Natur (wenngleich wir diese nur stichpunktartig erleben konnten), sehr gute Straßenverhältnisse, eine teilweise attraktive Hauptstadt und natürlich das Jahrhundertbauwerk Panamakanal in guter Erinnerung.