29.08. bis 15.09.18 – Ecuador – Im Norden und entlang der Vulkanroute

Bereits vor 07.00 Uhr in der Früh stehen wir am Grenzübergang Ipiales Richtung Ecuador, was sich als richtig herausstellen sollte. Das ganze Procedere dauert nämlich nur etwas über eine Stunde. Wieder will niemand das Auto sehen, diesmal weder von innen, noch von außen. Selbst die Fahrgestellnummer wird nicht mehr kontrolliert. Umso besser. Aufgrund der schweren Unruhen in Venezuela haben sowohl die kolumbianischen als auch die ecuadorianischen Behörden mehr mit dem nicht abreißenden Strom von Flüchtlingen zu tun, die wohl meist Richtung Süden nach Argentinien wollen. Sie liegen mit ihren teils sehr kleinen Kindern und den wenigen Habseligkeiten unter notdürftig aufgestellten Zeltplanen. Schlimm. Wieder einmal müssen wir feststellen, wie gut es uns doch geht und wir sind voller Dankbarkeit dafür.
Häufig ist die erste Anlaufstation für Overlander in Ecuador die Finca Sommerwind an der Laguna de Yahuarcocha nahe der Stadt Ibarra, so auch für uns. Hans, ein deutscher Auswanderer, betreibt hier seit 8 Jahren eine recht große Finca mit eigenem Café und Biergarten sowie einem natürlich großen und sehr einladenden Campingplatz. Für Overlander sehr zu empfehlen.
Hier treffen wir endlich wieder auf Katrin und Till, die wir seit unserer kurzen Begegnung in Nicaragua nicht mehr gesehen haben. Danke euch Beiden für den schönen Abend am Lagerfeuer und den späten, aber wunderbaren Kuchen. Sicher sehen wir uns wieder, spätestens in Deutschland, bleibt gesund und weiter eine gute Reise!

Auch Pia und Felix treffen zwei Tage später ein und begeben sich wie wir am nächsten Tag mit dem Bus (Hans fährt uns zur Haltestelle) in die „Marktstadt“ Otavalo. Hier findet seit Jahrhunderten einer der bedeutendsten Märkte Südamerikas statt. Die indigenen Bewohner der umliegenden Dörfer tragen noch immer ihre traditionelle Kleidung – die Frauen bestickte weiße Blusen und lange Wollröcke, Leinensandalen und Perlenketten, die Männer Filzhüte und wadenlange Hosen, unter dem Hut sind die Haare zum Zopf geflochten. Außer den Märkten bietet die Stadt nicht viel, diese sind jedoch auf jeden Fall einen Bummel wert. Am Beeindruckendsten ist für uns der Viehmarkt. Hier werden u.a. „arme“ gefesselte und quiekende Schweine, Hundewelpen, Kühe, Säcke voller Meerschweinchen, an den Füßen gefesselte Hühner, die kopfüber transportiert werden, den begutachtenden Kunden angeboten. Viel besser als die Massentierhaltung bei uns sind diese Behandlungsweisen auch nicht.
In einer riesigen Markthalle gegenüber dem Viehmarkt findet der tägliche Markt statt, der ganz im Zeichen von Gemüse, Obst und Fleisch aller Art steht. Hier essen wir extrem preiswert, wenn auch sehr rustikal. Die abgetrennten Schweine- und Schafsköpfe sowie deren Hufe schwimmen in den großen Suppentöpfen, unzählige gerupfte blasse Hühnerleichen strecken ihre Krallen in die Luft, der Geruch der Eingeweidetheke (sehr gut sortiert und sehr sauber erscheinend) weht ständig durch die Halle… Die gebratenen Meerschweinchen, die hier als Delikatesse gelten, lassen wir vorerst aus. Satt wird man davon wohl ohnehin nur schwer…
Auch der Kunsthandwerksmarkt zieht sich durch viele lange Straßen und bietet vor allem auf der Plaza de Ponchos unzählige Waren aus Wolle (u.a. Teppiche, Wandbehänge, Ponchos, Schals, bestickte Blusen, Gemälde und Schmuck aller Art) an.
Die Ecuadorianer, auch die Nachfahren der Ureinwohner, begegnen uns ausgesprochen warmherzig, ähnlich wie wir das aus Guatemala oder El Salvador kennen. Hoffentlich bestätigt sich der Eindruck im Folgenden. Zudem erscheinen die Mehrheit der Händler und Geschäftsleute wesentlich rühriger und aufgeweckter, als wir das von Kolumbien her kennen. Aber das ist natürlich zunächst nur ein erster subjektiver Eindruck.

Das erste Naturerlebnis in Ecuador für uns ist die 14 km Wanderung um die Laguna Cuicocha, keine 50 km von der Finca Sommerwind entfernt. Der See, der einen riesigen eingebrochenen Vulkankrater füllt, liegt auf 3.100 m Höhe, ist 3 km breit und immerhin 200 m tief. Der Wanderweg Sendero Las Orquideas führt recht anspruchsvoll bergauf und bergab am Kraterland entlang, teilweise bis auf 3.500 m Höhe. Für uns eine willkommene Akklimatisierung in Vorbereitung auf demnächst noch höhere Anstiege. Wenn die Sonne hin und wieder durch die Wolken schaut, bietet die Lagune mit ihren zentralen Inseln sehr schöne Motive. In der Nähe steigt der wolkenumhüllte Vulkan Cotacachi auf 4.944 m empor.
Nach kurzem Einkaufsstopp in Otavalo geht es wieder hinauf auf einer sehr grob gepflasterten, löchrigen Straße zur Laguna Mojanda, einem Bergsee auf 3.700 m Höhe am Fuß des Vulkans Fuya Fuya (4.263 m). Wir übernachten direkt an der Lagune bei 5°C Nachttemperatur. Das heißt doppelter Schlafsack, seit langer Zeit mal wieder (das letzte Mal… wir glauben in den Nationalparks in den USA). Mitten in der Nacht wachen wir bei extrem böigem Wind auf, das Zelt flattert uns um die Ohren und wir fürchten, dass uns das Hubdach wegfliegt. So quälen wir uns aus den Schlafsäcken und mit viel Mühe gelingt es uns, das Dach zu schließen. Dann richten wir es uns unten im Auto ein – etwas enger, aber viel ruhiger. Trotzdem haben die Böen kein Problem, Herrn Fuchs mit seinen 3,5 Tonnen tüchtig zu schaukeln.
Am nächsten Morgen geht es bei kaltem, aber teilweise sonnigen Wetter den Trail bis knapp unter den felsigen Gipfelgrat des Vulkans steil nach oben auf fast 4.200 m. Aufgrund der dünnen Luft müssen wir am steilen Anstieg öfter pausieren, damit sich das Keuchen wieder legt. Die Aussicht von oben auf die von steilen Bergen umgebene Lagune ist jedoch die Anstrengung wert.

Am frühen Nachmittag brechen wir dann zu einem noch höheren Ziel auf: Dem Fuß des Vulkans Cayambe (5.790 m). Vom gleichnamigen Städtchen geht eine wiederum sehr grob gepflasterte und löchrige Straße zum Vulkan empor. Auf den letzten beiden Kilometern zum Refugio Oleas Ruales, der am höchsten anfahrbaren Stelle am Vulkan, geht es auf einer sehr steinigen und ausgewaschenen Offroadpiste steil nach oben. Hier benötigt man unbedingt Allrad mit Untersetzung und eine gute Bodenfreiheit! Auch für große Trucks ist der Weg zum Refugio nicht zu empfehlen, da die Piste recht schmal ist. Wir übernachten am Refugio auf 4.600 m Höhe, unser bisheriger Rekord. Es ist unabdingbar, sich vorher an die Höhe adaptiert zu haben. Trotzdem merken wir sie, man keucht nach einigen Schritten und der Kopf dröhnt ein wenig.
Zum Glück können wir den schneebedeckten Gipfel des Vulkans am Nachmittag noch kurz durch die Wolken sehen, denn am Abend setzt dann ein Schneesturm ein, der die ganze Nacht und auch noch am Morgen das Auto und uns durchschüttelt. Es sind früh dann zwar nur -1°C, durch den eisigen Wind gefühlt aber viel kälter. Der Motor läuft 45 Minuten, damit wir das Eis überhaupt von den Scheiben bekommen. Standheizung funktioniert trotz Höhenkit nicht mehr. Wir sind schon froh, dass das Auto in dieser Höhe und bei dieser Kälte überhaupt anspringt. Der Sauerstoffmangel macht sich zumindest beim Starten schon bemerkbar (man braucht viel Zusatzgas), beim Fahren sorgt dann der Turbo dafür, dass wir auch in dieser Höhe kaum Leistungsverlust spüren. Durch den Schnee und die Glätte gestaltet sich der Weg bergab auf dem ersten Offroad-Stück dementsprechend ziemlich schwierig und ist nur im 1. Gang mit Untersetzung einigermaßen sicher zu bewältigen.

Fast 2.000 Höhenmeter tiefer erreichen wir Quitsato und damit den Äquator.
Eine hohe orangene Säule kennzeichnet ihn und steht direkt auf der Nulllinie. Das Navigationssystem zeigt tatsächlich prompt Lat -0.00000 Lon -78.17495. Also stehen wir tatsächlich mit einem Bein auf der Nord- und mit dem anderen auf der Südhalbkugel. Wir erhalten auf Englisch sehr interessante Erklärungen zum Sonnenstand (die Mittags genau über dem Zenit über der Säule steht) und den Jahreszeiten sowie einige astrologische Erklärungen. Bemerkenswert ist, dass schon die Ureinwohner, also die Population vor den Inkas, die Lage des Äquators kannten und entsprechende archäologische Strukturen findet man auf den umliegenden Bergen.
Wir stehen auf dem nahen Campsite Mitad del Mundo, der von einer sehr gastfreundlichen und rührigen ecuadorianischen Familie geführt wird. Sie laden uns zum Kaffee und Abendbrot in ihr Haus ein. Abends wird die traditionelle Speise Pachamanca zubereitet und auf heißen Steinen am Lagerfeuer in der Erde gegart. Sehr lecker. Mit einem astronomischen Fernrohr werden wir außerdem in die Gestirne am Äquator eingewiesen. Im Gegensatz zu Deutschland sehen wir nicht nur die Sternzeichen der Nordhalbkugel, sondern zusätzlich auch die der Südhalbkugel. Phänomenal. Hier treffen wir nochmals auf die Schweizer Pia und Felix. Danke Euch Beiden für die immer netten Gespräche und unsere besten Wünsche für Eure Weiterreise! Auch die beiden französischen Overlander Marie und Daniel mit ihrem Unimog, stehen neben uns auf dem Platz. Leider können wir kein Französisch und sie nur wenig Englisch, aber die Beiden sind sehr liebe und lustige Leute. Auch Euch eine gute Weitereise.

Quito, die Hauptstadt Ecuadors, liegt hoch in den Anden (auf unserem Stellplatz mitten in der Stadt sind es 2.850 m). Sie liegt langgezogen in einem Becken, dass von mehreren Vulkanen und Bergketten eingerahmt wird und beherbergt immerhin 2,2 Millionen Menschen. Wir finden einen durch Straßenlärm zwar etwas lauten, aber dennoch sicheren Stellplatz mit guter Infrastruktur mitten in der Stadt im Hof des Hostal Zentrum, welches seit 13 Jahren von Gerd, einem 87 Jahre alten Hamburger geführt wird. Er zeigt uns nach unserer Ankunft das ganze Haus mit seinen Appartements, Suiten und einfachen Doppelzimmern, die aber alle auf gutem europäischen Niveau sind und zu akzeptablen Preisen angeboten werden. Von hier aus können wir per Bus die wichtigsten Stadtteile gut erreichen. Es ist phänomenal, in welch guten gesundheitlichen Zustand sich der für sein Alter äußerst fitte Inhaber befindet. Das kommt natürlich, wie immer, nicht von ungefähr. Er demonstriert uns an seinem Spezialgerät im Sportzimmer stolz, dass er seit 40 Jahren(!!) täglich eine Stunde mit diversen Übungen für Rücken, Bauch und Nacken auf dem Kopf hängend(!!) verbringt. Gerd ist durch die ständige Rückenstreckung und das Training der die Wirbelsäule stabilisierenden Muskeln natürlich bis heute ohne jegliche Rückenbeschwerden (welcher 87jährige ist in Deutschland ohne Rückenprobleme?) und arbeitet zusätzlich noch an Gewichten und Reck. Beeindruckend und beispielhaft.
Beeindruckend ist für uns der Blick vom Mirador de los Volcanes, nachdem wir mit der Teleferico (Seilbahn) am Rande der Stadt auf über 4.000 m Höhe gefahren sind. Unter anderem der Cayambe (5.790 m), der Cotopaxi (5.897 m) und der Chimborazo (6.310 m) sind hier zu sehen, wenn sich auch die Gipfel meist wolkenverhüllt zeigen. Davor erstreckt sich über mehrere Kilometer die Stadt wie in einer großen, schmalen Badewanne. Oben kann man außerdem mehrere Stunden wandern, wenn man das möchte. Wir verzichten und nehmen im „Tal“ den Bus in die Altstadt.
Mit den restaurierten Kolonialbauten, Plazas, Kirchen, Kathedralen und Klöstern ist das Centro Historico sicher ein absolut empfehlenswerter Ort für einen oder zwei Bummel. Wir besteigen die Türme des vielleicht beeindruckendsten Gebäudes, der Basilica de Voto Nacional, einer riesigen gotischen Kirche. Über eine wackelige Holzplanke, die den Dachstuhl des gewaltigen Gebäudes überspannt und über sehr steile freie Treppen und Leitern aus Stahl geht es in die hohen Türme des Gebäudes. Vorsicht bei Höhenangst! Der Lohn ist ein wunderbarer Rundumblick auf große Teile der Stadt. An der Plaza Grande steht dann auch der Palacio de Gobierno, der ecuadorianische Präsidentensitz. Aber auch die anderen kleineren Plätze sind von prächtigen Kolonialbauten umsäumt. Wir werfen einen Blick in den Convento San Francisco an dem gleichnamigen Platz. Der Altar und das Kirchenschiff sind an Goldornamenten und buntem Prunk kaum noch zu überbieten. Gerade leitet ein Priester in prächtigem Gewand den Gottesdienst. Wir wollen an dieser Stelle nicht so viel werten, aber wir glauben, Jesus hätte Angesichts dieser (unnötigen?!) Pracht nur den Kopf geschüttelt und sich draußen auf dem Kirchenvorplatz zu den geringsten seiner Brüder, den dort liegenden und sitzenden Bettlern und Wegelagerern, gesellt. Ob der elegante Priester das in seinem Leben auch nur einmal getan hat? Irgendwie stimmen die Werte ganz und gar nicht mehr, aber natürlich nicht nur hier….
Was gibt es sonst noch über Quitos Altstadt zu sagen? Sie spiegelt das ecuadorianische Stadtleben sicher recht gut wieder. Überall lärmen Straßenverkäufer, hupen Unmengen von gelben Taxis und blasen die rücksichtslos fahrenden röhrenden Busse ihre Qualmwolken auf die ohnehin ziemlich smogverpesteten Straßen. Die Menschen sind ausgesprochen freundlich und warmherzig, in Geschäften und Restaurants werden wir beflissen und gastfreundlich bedient. Englisch spricht kaum jemand, aber wenn man sich freundlich begegnet, spielt die Sprache eigentlich gar keine so große Rolle. Dann kann man sich immer irgendwie verständigen und dabei sogar eine Menge Spaß haben, wenn Missverständnisse aus dem Weg geräumt werden müssen. Als wir an den Wohnvierteln vorbeifahren, die sich weit an den Berghängen entlang erstrecken, erscheinen uns die Wohnbedingungen für sicher große Teile der Bevölkerung ähnlich wie diejenigen, die wir in Medellin (Kolumbien) beschrieben haben, natürlich weit entfernt vom Glanz der Altstadt. Dennoch bleibt uns Quito als eine hochentwickelte und angenehm zu erkundende Hauptstadt in toller Lage in Erinnerung.

Wir übernachten am Fuße des Vulkans Cotopaxi (5.897 m) auf etwa 3.000 m Höhe, weil es in weit größeren Höhen aufgrund des nächtlichen Sauerstoffmangels im Liegen manchmal erhebliche Schlafstörungen geben kann. Zum Vulkan starten wir zeitig am Morgen, zunächst in den gleichnamigen Nationalpark. Es geht (natürlich immer bergauf) auf asphaltierter Straße bis zur Laguna de Limpiopunga. Da der Vulkan selbst noch wolkenverhüllt ist, laufen wir den 2,6 km langen Rundweg um die Lagune. Erstaunlich ist immer wieder, dass in diesen Höhen zwischen 3.000 und 4.000 m noch Blumen (Gräser sowieso) wachsen und gedeihen. Von der Lagune aus führt eine sehr grobe Wellblechpiste hinauf zum Parkplatz unterhalb des Refugios am Fuße des Cotopaxi und wir werden tüchtig durchgeschüttelt. Die Wolken zeigen jetzt mehr und mehr Lücken und wir können den schneebedeckten Gipfel des Vulkans teilweise prima sehen. Herrn Fuchs parken wir auf 4.650 m Höhe. Erwartungsgemäß hat er in diesen Höhen in sauerstoffarmer Luft etwas Schwierigkeiten innerhalb des (Gott sei Dank erträglich großen) Turboloches, auf Touren zu kommen (z.B. beim Anfahren am Berg). Greift dann der Turbo bei entsprechenden Drehzahlen, geht es gewohnt flott weiter. Eigentlich kaum vorstellbar, dass sich ein reiner Saugdiesel hier hochquälen kann. Wir gehen zu Fuß (wir kommen in sehr dünner Luft entsprechend langsam voran) weiter bergauf bis knapp oberhalb des Refugio auf 4.900 m Höhe. Da haben wir mal wieder einen Höhenrekord für uns. Das Refugio selbst liegt auf 4.864 m. Von hier aus könnte man noch bis zum Rand des Gletschers laufen. Da der Vulkan und auch das Refugio nun wieder in Wolken liegen und wir einen leichten Schneesturm haben, verzichten wir darauf.

Der Quilotoa-Loop führt uns von der Panamericana westwärts ins Hinterland der Provinz Cotopaxi. Die Straße ist in den meisten Abschnitten geteert und führt in Serpentinen auf und ab. Die kleinen Dörfchen, die wir passieren, lohnen das Anhalten kaum. Allerdings sind heute auch keine Markttage, die traditionellen Märkte sollen sehenswert sein. Wir übernachten an der Laguna Quilotoa, einem blaugrünen Kratersee auf 3.800 m Höhe. Diesen könnten wir komplett auf dem allerdings sehr steilen Kamm des Vulkans umrunden, haben aber auch schon vom Mirador einen ausgezeichneten Blick. Die Einheimischen, die den Campingplatz Shalala führen, behaupten der See wäre so unendlich tief, dass es gar keinen Grund gebe. Offiziell ist er immerhin wohl um die 250 m tief. Die Nächte in diesen Höhen werden mittlerweile recht kalt, heute Nacht haben wir bei sternenklarem Himmel um die 3°C.
Nach einem kurzen Stopp in Riobamba, die Stadt selbst ist eher sehr mäßig attraktiv, zum Mittagessen und Einkaufen übernachten wir am Fuße unseres nächstes Zieles der „Vulkanroute“ des Chimborazos (6.228 m).
Juan, der Besitzer der Finca Castillo de Altura, ist ein sehr gesprächiger (wir können uns gut auf Englisch unterhalten) und warmherziger Gastgeber. Er führt uns durch sein Haus und erklärt uns mit ausdauernder Hingabe die langen Ahnengalerien auf alten Fotos, welche die Flure zieren. Für uns sehr interessant, weil wir nebenbei viel über das frühere und heutige Leben in Ecuador erfahren.
Erika, die 9jährige Tochter der Bauern des benachbarten und befreundeten Hofes, zeigt sich an uns Fremden aus Deutschland sehr interessiert. Wir versuchen uns, soweit es geht, auf Spanisch zu verständigen. Als die Vokabeln ausgehen, hilft das Tablet mit dem dortigen Übersetzungsprogramm weiter und Erika kann gut damit umgehen. So erfahren wir eine ganze Menge über das Leben der ecuadorianischen Familie und können auf dem Hof etwas bei der Arbeit zusehen. Die Kleine gibt uns außerdem eine perfekte Wettervorhersage für unseren Trip zum Vulkan Chimborazo (6.228 m) am nächsten Tag: Sonniges Wetter.

Trotz des Regens am Vorabend behält sie recht und wir haben an einem weitgehend sonnigen Tag mit ein paar hohen und schnell ziehenden Wolken einen perfekten Aufstieg zum Vulkan. Zunächst geht es mit Herrn Fuchs auf 4.850 m (bisheriger Rekord für ihn) bis zum Refugio 1, wo er entsprechend geparkt werden kann. Dann müssen wir zu Fuß weiter, zunächst zum Whymper-Refugio auf 5.000 m Höhe, dann noch 100 Höhenmeter weiter nach oben. So sind die 5.100 m auch für uns der bisherige Höhenrekord. Doch das Wichtigste ist: Über die gesamte Strecke haben wir immer wieder gigantische Ausblicke zum gletscherbedeckten Gipfel des Vulkangiganten, wo schnell ziehende bizarre Wolkenformationen immer wieder ein tolles Schauspiel liefern. So entstehen hier wohl mindestens so viele Fotos wie am Grand Canyon und die Auswahl fällt sehr schwer, daher zeigen wir auch etwas mehr Bilder. Nicht nur für uns bedeutet der Ausflug zum Chimborazo Rekorde: Er ist selber eine Legende, denn wir stehen hier tatsächlich am höchsten Punkt des Planeten. Wegen der äquatorialen Wölbung der Erdkugel ist der Chimborazo sowohl der am weitesten vom Erdkern entfernte Punkt als somit auch der den Sternen nächstgelegene Punkt der Erde. Näher als der Mount Everest. Das er hierin den von Meeresspiegel an gemessenen wesentlich höheren Mount Everest übertrifft, liegt daran, dass die Erde aufgrund der Rotation und der sich daraus ergebenden Fliehkraft keine Kugel ist, sondern ein Rotationsellipsoid, dessen Radius an den Polen kleiner und am Äquator größer ist. Nimmt man den Erdmittelpunkt als Bezugspunkt, so übertrifft (nach Senne (2000)) der Chimborazo (1° südl. Breite, 6.384,557 km vom Erdmittelpunkt) den Mount Everest (28° nördl. Breite, 6.382,414 km vom Erdmittelpunkt) um mehr als zwei Kilometer!
Das ganze steinige Areal um den Vulkan ist Tierschutzgebiet, hier leben Hunderte von Vikunjas (wilde Verwandte der Lamas). Auch hier gibt es auch in 5.000 m Höhe noch vereinzelt Blumen. Erstaunlich.
Damit hatten wir einen tollen Höhepunkt unserer ersten Etappe durch Ecuador, denn nun machen wir uns auf Richtung Südwesten in die größte Stadt des Landes, nach Guayaquil (2,4 Millionen Einwohner), um von dort unsere Reise auf die Galapagos-Inseln anzutreten. Es bleibt spannend.