24.09. bis 03.10.18 – Ecuador – Im Süden

Etwas geschafft von unserer Reise auf die Galapagos-Inseln machen wir uns von Guayaquil auf Richtung Südosten. Beide waren wir auf dem Pazifik etwas seekrank und haben dies mit Tabletten kaschiert, allerdings auf Kosten der auch nicht viel besseren Nebenwirkungen. Jetzt ohne die Tabletten (Entzugserscheinungen?) haben wir an Land immer noch hin und wieder Schwank- und Schwindelgefühle, die nur langsam besser werden.
Die Straße nach Alausi ist weitgehend in einem gutem Zustand und führt uns wieder auf 2.300 m Höhe in Ausläufer der Anden. Wir passieren sehr schöne Berggegenden und fahren ein ganzes Stück über einem beeindruckenden und sehr tief liegenden Wolkenteppich.
Alausi liegt malerisch in einem Kessel in der Schlucht des Rio Chanchan, umgeben von relativ hohen Bergketten. Über dem Städtchen mit seinen kopfsteingepflasterten Gassen und denen im Bereich des Bahnhofes fast westernähnlich anmutenden Häusern thront der Heilige Petrus (San Pedro), eine große mosaiksteinbesetzte Statue. Es macht Laune durch die kleine, einladende Stadt zu schlendern. Die Menschen sind wie immer freundlich und die Atmosphäre in den Bergen wirkt recht entspannt.
Wir relaxen einige Tage auf dem Hof eines hübschen Hostels etwas außerhalb der Stadt und erholen uns von den Nachwirkungen der Schaukelei auf dem Ozean. Zudem ist Wäsche waschen mal wieder angesagt und finden wir auch eine gute Schneiderei. Langeweile kommt wie immer nicht auf: Hunderte von Bildern und Videos sind zu sichten und aufzubereiten, wir arbeiten am BLOG und müssen Wartungsarbeiten an Herrn Fuchs durchführen.
Natürlich nehmen wir uns Zeit für eine Zugfahrt mit der berühmten Ferrocarril Transandino (Transandenbahn) auf der Strecke von Alausi nach Sibambe, welche die Nariz del Diablo (die Teufelsnase) hinunterführt. Dabei handelt es sich um eine 765 m hohe Felsklippe. Meister der Ingenieurskunst konstruierten bereits im Jahr 1902 die Bahnstrecke, um den Berg zu bezwingen. So wurde eine Zickzackroute in den Berg gehauen und gesprengt, wobei viele Arbeiter leider ihr Leben verloren. Das Ergebnis ist aber eine Meisterleistung: Der Zug fährt ein Stück nach Norden, wechselt dann das Gleis, tuckert ein Stück nach Süden usw. und bewegt sich so abschnittsweise die Teufelsnase hinauf oder hinab. In Sibambe besichtigen wir das kleine Bahnmuseum und eine örtliche Tanzgruppe präsentiert traditionelle Tänze.
Auf dem Weg nach Cuenca sehen wir die Teufelsnase an einem Aussichtspunkt noch einmal von oben und können die Zickzackführung der Gleise gut erkennen.

Cuenca ist nach Quito Ecuadors bedeutendste Kolonialstadt. Sie entstand, nachdem die Spanier um 1540 aus den Ruinen der Inkastadt Tomebamba begannen, eine neue Stadt mit ihrer eigenen Architektur zu erbauen. Sie nutzten dazu teilweise die behauenen Steine der Inkas. So finden wir im Zentrum eine Vielfalt unterschiedlich gebauter Kirchen und verschieden angelegter Plazas. Jede ist auf ihre Art architektonisch durchaus sehenswert, leider ist die Stadt durch relativ enge Straßen und die hohen, eng stehenden Gebäude etwas verbaut, so das insbesondere das Fotografieren sich als äußerst schwierig gestaltet. Dennoch zeigen sich neben leider auch verfallenen Gebäuden teilweise sehr schön gestaltete und bunte Fassaden, die den ehemaligen Prunk erahnen lassen. Am beeindruckendsten für uns ist die Catedral de la Inmaculada Conception mit ihren gewaltigen Kirchenkuppeln, die mit blauen Fliesen besetzt sind.
In dem vorgelagerten Parque Calderon treffen wir dann auf Michaela und Günter aus Österreich („Herr Mozart geht auf Reisen“), mit denen wir schon seit April letzten Jahres, also vor dem Beginn unserer Reise, in Kontakt sind. Unterwegs mit ihrem Defender nach Süden hatten sie bisher eine sehr ähnlich Route, aber erst jetzt hat sich die Gelegenheit zu einem Treffen ergeben. Passend dazu verbringen wir einige Zeit mit netten Gesprächen im Cafe Austria, in dem es guten Kaffee und tatsächliche einige Spezialitäten aus Österreich gibt. Vielen Dank, Michaela und Günter, für den schönen Nachmittag. Wir wünschen Euch tolle Erlebnisse auf der weiteren Tour und hoffen, dass es bis zum nächsten Wiedersehen nicht wieder so lange dauert.
Cuenca gilt auch als das Handelszentrum für die berühmten Hüte aus paja toquilla (Toquillastroh). Seit 100 Jahren gibt es das Gerücht, dass der berühmte „Panamahut“ auch aus Panama stamme. Das ist aber falsch. Er ist der berühmteste Export aus Ecuador, wo der Sombrero de paja toquilla hergestellt wird. Die bekannteste Hutmacherstadt in Ecuador ist Montecristi. Die falsche Bezeichnung „Panamahut“ stammt aus dem frühen 19. Jahrhundert, als spanische Händler den Hut über Panama exportierten und die panamaischen Einwohner begannen, die Hüte als Sonnenschutz zu tragen.

Auf dem Weg nach Vilcabamba stoppen wir für eine verlängerte Mittagspause in Saraguro.
Das kleine Städtchen ist vor allem wegen der dort lebenden Nachfahren der indigenen Saraguro-Kultur berühmt. Diese lebten ursprünglich am Titicacasee in Peru und wurden im 15. Jahrhundert hierher umgesiedelt. Es sind auch viele von ihnen auf den Straßen zu sehen, die traditionellen Trachten haben uns aber in Alausi besser gefallen, da die Farben dort schöner sind. Viel mehr als die zentrale Plaza mit der obligatorischen Kirche bietet der Ort für das Auge sonst nicht.
Da gilt auch für Vilcabamba, zumal wir hier das Pech haben, dass sämtliche Straßen der Stadt zum Verlegen von Kabeln derzeit aufgerissen werden und die Stadt eine einzige Baustelle ist. Dennoch unternehmen wir eine sehr schöne Wanderung durch das Rumi Wilco Ökoreservat nordöstlich des Ortes, welches in Privatbesitz ist. So führen einige Trails auch auf die umliegenden Berge, von denen wir einen schönen Ausblick über die Stadt haben.
Wie Alausi, liegt Vilcabamba in einem Talkessel, malerisch umgeben von Bergzügen. Die Stadt war und ist für ihre vielen Hundertjährigen berühmt. Die Landschaft, die entspannte Atmosphäre und das milde Klima auf hier „nur“ 1.500 m Höhe sollen die Langlebigkeit bewirken. So wurden auch Scharen von Besuchern und Auswanderern hierher angezogen. In der Stadt sehen wir mindestens so viel Amerikaner wie Einheimische und die Hauptsprache scheint Englisch zu sein… So sind viele Grundstücke und Betriebe mittlerweile in ausländischer Hand. Das führt im positiven Sinne immerhin dazu, dass die ecuadorianische Jugend in der Bau-und Tourismusbranche viele Jobs findet und so ein Exodus in größere Städte vermieden wird.

Am nächsten Morgen geht für uns ganz früh los, da wir heute noch die Grenze zu Peru passieren wollen. Von den 150 km sind nur 100 km größtenteils asphaltiert, dann geht es auf Lehm- und Geröllpiste bis zur Grenze weiter, so dass wir mit Mittagspause fast 4 Stunden benötigen. Kurz vor dem Grenzübergang gibt es noch einen Tankstopp an der letzten ecuadorianischen Grenze, in Zumba, denn der Diesel ist in ganz Ecuador unschlagbar günstig: ungefähr 27 Dollarcent/Liter. Der Treibstoff wird vom Staat subventioniert und offensichtlich lohnt es für die wenigen Ausländer mit Auto nicht, für diese eine (teurere) Ausnahme zu machen. Glück für uns.  In Peru soll wieder das Vierfache fällig sein. Allerdings hat die Sache hier einen Haken: Der Diesel an besagter Tankstelle ist auf 20 Gallonen per Auto begrenzt, so dass wir nicht volltanken können. Wahrscheinlich quält sich nur hin und wieder ein Tanklaster über die Piste hierher…
Übrigens gibt es hier auf vielen Straßenschildern den Slogan: „Primero Ecuador“, also Ecuador first, der auch gelebt wird. Das ist also keine Erfindung von US-Präsident Trump. Für Ecuador, dessen Exportvolumen (sicher im Gegensatz zur USA) wohl auf relativ niedrigen Niveau liegt und dafür das Importvolumen deutlich höher sein dürfte, macht das allerdings mehr Sinn. Die eigenen Produkte sind dadurch im Vergleich zu den Importwaren deutlich preiswerter und die Bevölkerung wird entsprechend zum Kauf ihrer eigenen Produktionen angehalten, was die Binnenstruktur des Landes natürlich stärkt.
Nicht nur wegen der billigen Spritpreise ist Ecuador als Reiseziel, auch für Urlaubstourismus mit dem Mietauto für z.B. 3 Wochen, sehr zu empfehlen. Das Land ist überschaubar groß, bietet viel Natur, die Pazifikküste im Westen und einige ansehnliche Städte, hat ein sehr gut ausgebautes Straßennetz auf europäischen Niveau und erschien uns subjektiv als ein sehr sicheres Reiseland. Außerdem kommt man auch Last-Minute für einige Tage auf die großartigen Galapagos-Inseln, wenn man will und kann. Die freundlichen Menschen haben uns wieder sehr berührt, viele Europäer (Schweizer, Deutsche, Spanier) und auch Amerikaner finden hier ihr zweites Zuhause. Auch aus diesem Grund gibt es gerade für Overlander in der Umgebung der Panamericana eine ganze Menge perfekte Stellplätze und wir waren dadurch fast ein wenig verwöhnt. Nun aber freuen wir uns natürlich auch auf das nächste Abenteuer im südlichen Nachbarland.