04.10. bis 19.10.18 – Unterwegs im Norden Perus und der Cordillera Blanca

Das Procedere am Grenzübergang in La Balsa ist absolut locker. Wir benötigen insgesamt 45 Minuten – neue Rekordzeit. Die peruanischen Grenzbeamten sind sehr freundlich, vor allem die Einfuhr des Autos geht reibungsloser vonstatten als gedacht, da der Beamte Englisch spricht und wir beim Ausfüllen der Formulare am PC direkt helfen dürfen. Lustig ist, dass wir von der Migracion, wo wir unseren Einreisestempel in den Pass erhalten, sogleich ins Nebenzimmer zu einer Impfschwester geschickt werden, die kein Wort Englisch spricht, aber wohl unseren Impfstatus kontrollieren soll und will. Sie blättert planlos durch Annetts drei (!) Impfausweise mit natürlich einer Vielzahl an Impfungen. Einer stammt noch aus DDR-Zeiten, den sie unmittelbar nach ihrer Geburt erhalten hat. Da die Impfungen in den Ausweisen nur auf Englisch und Französisch beschrieben sind und die Schwester die aufgeklebten deutschen Präparatenamen unmöglich kennen kann, überzeugt sie wohl nur die Vielzahl der Impfungen, die über die Jahrzehnte durchgeführt wurden. Wonach sie eigentlich sucht, kann oder will sie uns nicht mitteilen. Als Ralf dann seinen Arztausweis zeigt und versucht, deutlich zu machen, das wir alle notwendigen Impfungen haben, will sie seinen Impfausweis gar nicht mehr sehen und lässt uns mit einem Lächeln ziehen. Wir werden noch von den Beamten des Zolls nach frischen Lebensmitteln befragt, was wir verneinen. Sie schauen hinten ins Auto, hineinklettern will aber keiner.
Die erste Nacht verbringen wir 30 km hinter der Grenze in einem Hotel in San Ignacio für 10 Dollar pro Doppelzimmer und abgeschlossener Garage für Herrn Fuchs, da wir sonst keinen anderen sicheren Stellplatz für ihn und uns finden können und heute keine Lust auf mehr Kilometer haben.
Über die zumindest beim Durchfahren wenig attraktive Stadt Jaen, in der es vor Tuk-Tuks nur so wimmelt (die dreirädrigen Motorräder, die in Peru offenbar überall und von jedem zum Transport verwendet werden, die keine Verkehrsregeln einhalten und die ein Signal geben, wenn sie die Straßenseite wechseln oder halten), geht es weiter nach Süden.
Leider werden wir aufgrund der Müllberge auf beiden Seiten der Landstraßen und zum Teil auch in den Städten wieder an die unschönen Ansichten aus Mittelamerika erinnert. Wieder fliegt aus vorausfahrenden Autos völlig ungehemmt anorganischer und organischer Müll auf die Straße. Sehr schade, wie man mit dem eigenen Land umgeht. Den Nachfahren der Inkas fehlt offensichtlich in dieser Hinsicht die Weisheit und hohe Kultur ihrer Vorfahren. Die Menschen wirken insgesamt auch reservierter, als wir das noch von Kolumbien und vor allem Ecuador kennen. Aber natürlich treffen wir auch auf sehr liebenswerte Menschen und lassen wir uns von den ersten Eindrücken zunächst nicht leiten.
Allerdings haben wir unterwegs, wie in großen Teilen Mittelamerikas, unsere heißgeliebten Topes als Verkehrshindernisse in und um fast jede Ortschaft. Leider auch wieder an sinnlosen und/oder schlecht einsehbaren Stellen. Aber gut, damit müssen wir leben.
Schön ist jedenfalls die Landschaft um den drittgrößten Wasserfall der Erde, den 771m hohen Catarata de Gocta. Wir campen im kleinen Örtchen Cocachimba und wandern von hier aus etwa 1,5 Stunden bergauf- und bergab zum Wasserfall. Selbst der untere Anteil des Falles ist schon für sich genommen gigantisch anzusehen, wenn man davor steht. Den oberen Anteil, der auf eine Plattform in geschätzt 350 m Höhe fällt, sehen wir nur aus der Ferne, nicht aber von unten.

Die Straße Richtung Karajia ist größtenteils unasphaltiert und führt auf Lehm/Geröll serpentinenartig in die Höhe. Jedoch haben die Peruaner den größten Teil des Untergrundes geglättet und verdichtet, so dass das Fahren ein wenig ruhiger und schneller vonstattengeht als auf den üblichen Wellblechpisten.
Die Grabstätte Karajia, die wir in 20 Minuten Spaziergang von dem kleinen Örtchen Cruz Pata aus erreichen, zeigt uns sechs Sarkophage ziemlich weit oben an einem Vorsprung einer steilen Felswand. Die Gräber wurden aus Holz, Lehm und Stroh in Form von Gestalten geformt, die von ihrem Standort aus das Tal weit überblicken können. Sie wurden nicht von den Inkas errichtet, sondern von den Chachapoya, den „Wolkenmenschen“, die vor der Eroberung durch die Inkas von 500 n. Chr. bis ungefähr 1500 n. Chr. gelebt haben. Zwei der ursprünglich acht Sarkophage brachen zusammen und in ihnen entdeckte man Mumien und Grabbeilagen. Unter den Särgen sind noch verstreut Knochen zu sehen, die Schädel über den Gräbern waren möglicherweise Trophäen getöteter Feinde. Man nimmt an, dass nur höhergestellte Chachapoya hier begraben wurden: Stammesführer, berühmte Krieger oder Schamanen.
Eine wiederum recht glatte und gut zu fahrende Lehmpiste führt uns zur zweitgrößten Festungsruine Perus: nach Kuelap. Auf 3.100 m Höhe findet sich eine im Schnitt 20 m hohe und 700 m lange ovale Festungsmauer. Innerhalb der gigantischen Verteidigungsanlage finden wir Überreste von etwa 400 für die Chachapoya typischen Rundbauten. Natürlich zeigen sich leider nur noch die steinernen Reste des Unterbaus, die steilen Strohdächer sind nicht mehr erhalten. Einige der steinernen Überreste sind mit rautenförmigen Ornamenten geschmückt. Die Festung ist nur durch drei sehr schmale Tore zu betreten, sehr wahrscheinlich, um mögliche eindringenden Feinde in kleine Gruppen zu spalten.
Wir schlafen dann in der Nähe des Parkplatzes vor der Ruine, an der oberen Seilbahnstation. Man kann nämlich prinzipiell auch mit der Seilbahn zur Ruine gelangen, diese ist allerdings auf nicht absehbare Zeit, wegen Wartungsarbeiten, gesperrt.

Wieder führt uns eine durch Lehm zusammengehaltene Geröllpiste bergauf zu unserem nächsten Ziel. Diesmal ist sie wegen der Regenfälle in der Nacht sehr glitschig. Wir fahren in Untersetzung, da das Reifenprofil mit Matsch zu ist und Herr Fuchs wieder mal schlammverziert. Wir parken im kleinen Ort San Bartolo und laufen von hier eine weitgehend grobgepflasterte Straße zu den Revash.
Hier finden wir wieder hoch im Felsen einige mit roter Farbe verzierte Bauten, die auf einem kleinen Vorsprung in den Kalksteinfelsen errichtet wurden. Trotz Plünderungen fand man im Inneren der Stätten noch menschliche Skelette und Gegenstände, wie Werkzeuge aus Knochen oder Musikinstrumente. Obwohl es sich laut Literatur um Grabbauten handeln soll, erscheinen sie uns eher wie kleine Wohnhäuser, die zur Sicherheit der Bewohner hoch im Felsen angelegt wurden. Eine bauliche und vor allem körperliche Meisterleistung in dieser Lage sind sie allemal.
In Leimebamba besuchen wir das dortige Museum 3 km außerhalb der Stadt. Hier finden sich zahlreiche Mumien und viele Fundstücke, die an der Laguna de los Condores gefunden wurden. Die Mumien werden allerdings in einem speziell temperierten Glasraum aufbewahrt, so dass wir sie nicht besonders gut sehen können. Ausgestellt sind aber anatomische Untersuchungen an ihnen. Die Präparate und MRT-Bilder zeigen, wie gut erhalten sogar die inneren Organe noch sind. Tatsächlich fand man sogar noch erhaltene Bandwurmeier unter dem Mikroskop im Dickdarm der Toten. Außerdem ausgestellt sind Keramiken, Textilien, Schmuck und viele andere Fundstücke, die einen Eindruck der damaligen Lebensart geben.
Von Leimebamba gelangen wir zunächst nicht sehr weit über den Pass in Richtung Cajamarca, da der Hänger eines LKW, beladen mit einem Bagger, in einer Kurve halb in den Graben gerutscht ist und so die schmale Straße komplett blockiert. Die Bergung wird mit Spitzhacke(!) versucht, wir vermuten aber, dass hier nur schweres Gerät helfen kann. Das kann dauern. So kehren wir erstmal um und übernachten in der Nähe der Stadt abseits der Straße am Flussufer.

Am nächsten Morgen finden wir um 08.00 Uhr dieselbe Situation vor: Sämtliche wartenden Fahrzeuge, die den langen Weg von Cajamarca bis hierher zurückgelegt haben, einschließlich Busse und Trucks, stehen immer noch vor dem schräggestellten LKW. Sie mussten hier übernachten. Der flache Hänger hängt immer noch schräg in dem tiefen Graben – nur der Bagger steht nun nicht mehr darauf, sondern ist kopfüber in den Graben gefallen. Das war wohl der der einzige Effekt der Bergearbeiten bis dato.
Wir beschließen, uns in die Schlange einzureihen in der Hoffnung, die Bergungsarbeiten würden nun bei Licht erfolgreicher vonstattengehen. Weit gefehlt. Zwei weitere Bagger bringen es nicht zustande, den schrägstehenden Hänger nun endlich wieder auf die Straße zu bekommen. Keiner von den vielen Peruanern, die hier beteiligt sind, einschließlich der Polizei und der Bauarbeiter, haben einen erfolgversprechenden Plan oder es fehlt der Mut zum letzten Schritt, z.B. den Hänger mit der Baggerschaufel etwas anzuheben und in Richtung Straße aus dem Graben zu drücken oder den LKW samt Hänger beherzter aus der Position zu ziehen. Ohne den im Graben liegenden Bagger wäre dies vom Gewicht her sicher möglich gewesen. So diskutiert man endlos und probiert über 5 Stunden lang, ohne sichtbaren Erfolg. Unter zunehmenden Protest der Wartenden entschließt man sich dann, die Straße einfach neben dem LKW zu erweitern, indem ein Bagger den lehmigen Abhang abträgt. Das gelingt schließlich und zumindest die PKW und auch Herr Fuchs passen gerade so zwischen LKW und Abhang hindurch und können die Reise fortsetzen. So kommen wir am Nachmittag zumindest noch einige Kilometer über den Pass in Richtung Cajamarca. Bei sehr enger Straße an der Schlucht entlang, engen, uneinsehbaren Kehren bei Gegenverkehr und Schlaglöchern ist allerdings kein schnelles Vorankommen möglich. Wir übernachten daher erneut in freier Landschaft direkt an der Straße.
Die Landschaft auf dem Pass ist aber sehenswert und wir können einige Berge der Anden und den in der Tiefe liegenden Canyon recht gut überblicken. Weiter auf dem Andenpass in Richtung Cajamarca passieren wir den kleinen Ort Polloc mit der dortigen Kirche Virgen del Rosario. Dies ist eine außen und innen mit Mosaikmotiven geschmückte kleine Kirche, der rechteckige Kirchhof ist ebenfalls mit Portraits u.a. des Kreuzweges aus Mosaiksteinen verziert. Da der sonst unscheinbare Ort ohnehin auf dem Weg liegt, lohnt der kleine Abstecher, wenn man in dieser Richtung künstlerisch interessiert ist.

Cajamarca mit heute 250.000 Einwohnern hat eine sehr interessante Geschichte. Hier wurde der Inka-Herrscher Atahualpa von den spanischen Eroberern gehängt, nachdem diese 7.000 Inkakrieger mit ihren Kanonen moderneren Waffen (die den zahlenmäßig weit überlegenen Inkas unbekannt waren) getötet hatten. Atahualpa hatte während seiner Gefangenschaft noch versucht, sich mit Gold freizukaufen. Dafür wurden künstlerische Gegenstände der Inkas, wie z.B. Ornamente eingeschmolzen und zu Barren gegossen. Insgesamt 6.000 kg Gold und 12.000 kg Silber konnten die gierigen Spanier so anhäufen. Hingerichtet wurde der Herrscher allerdings trotzdem und zwar ziemlich genau an dem Platz der heutigen Plaza de Armas.
Um die Plaza de Armas herum ist die Stadt ganz ansehnlich, wenn sie sich auch nicht mit den mittelamerikanischen Kolonialstädten vergleichen kann. Die an der Plaza liegenden Kathedrale und die Iglesia San Francisco sind ein Foto wert. Immerhin gibt es die Heladeria Hollanda, eine Eisdiele in holländischem Besitz, wo zumindest einige Eissorten sehr gut schmecken und den Käseladen Los Alpes, wo Annett Schweizer Käse bekommt. Sonst gibt es auch eine Reihe ganz ansehnlicher Häuser, die allerdings wie so oft durch die unsäglichen Elektrokabel oben sowie die Massen parkender und fahrender Autos und Tuk-Tuks unten mehr oder weniger verdeckt werden. Insgesamt wirkt es in der Stadt deutlich sauberer, als auf dem Weg rechts und links der Landstraße sowie den kleinen Ortschaften.

Danach geht es drei Tage durch die Anden, ohne Handyempfang, ohne Internet, zum größten Teil auf unasphaltierten Geröllpisten oder sehr engen Pässen mit Schlagloch an Schlagloch. Dabei führt die Strecke zwischen 1.500 m und 3.600 m Höhe ständig bergauf und bergab. Mehr als 30 km/h im Durchschnitt sind kaum möglich und so bewältigen wir pro Tag etwa 160 km.
Vor allem zwischen der Laguna Sacaycocha und Caraz werden die Anden dann landschaftlich interessanter. Leider fahren wir durch einen Teil des farbenprächtigen Cañon des Rio Tablachaca im Regen, bekommen aber am nächsten Tag bei Sonne noch die verschiedenen Farben der Mineralgesteine der umliegenden Berge zu besser zu sehen. Der Cañon del Pato auf der Strecke vor Caraz ist dann zwar immer noch gut anzusehen, aber recht einfarbig. Durch unzählige einspurige Tunnel bewegen wir uns am Fels entlang. Jedes Mal muss gehupt werden, wenn wir in einen Tunnel einfahren, damit der Gegenverkehr entweder wartet oder zumindest gewarnt ist. Trifft man sich im Tunnel, dann muss ein Fahrzeug manchmal eine ganze Strecke rückwärts zurück. Im Falle eines Buses sind wir dann die Betroffenen.
Ein Phänomen der Anden bisher für uns ist , das die 4.000 er Berge um uns gar nicht so hoch wirken, da wir uns selbst in der Regel in Höhen um 2.500 – 3.500 m bewegen. Dieser Eindruck sollte sich später in noch höheren Lagen fortsetzen.
In Caraz treffen wir dann wieder auf Michaela und Günter, die hier schon einige Tage stehen und sich gleich am nächsten Tag wieder auf die Weiterfahrt nach Süden begeben. Außerdem machen wir die Bekanntschaft mit Katrin und Hans aus Hof, die mit ihrem MAN-Laster ebenfalls in Richtung Süden unterwegs sind. Gemeinsam genießen wir ein schönes Abendessen mit netten Gesprächen in Caraz, das wir vom Campingplatz aus in einer immer wieder abenteuerlichen Tuk-Tuk-Fahrt erreichen.
Wir bleiben noch zwei Tage und besorgen uns zunächst in der Stadt eine Handyhalterung für Herrn Fuchs, da Ralfs Tablet, mit dem wir die ganze Reise bisher navigiert haben, den Dienst quittiert hat. Der Akku war wohl nah an der Aufgabe, gast und spreizt dadurch das Gerät richtiggehend auseinander. Technik, die begeistert.

Am nächsten Tag starten wir einen Ausflug zur Laguna Parón, die wir von Caraz aus in Richtung Osten über eine steinige, steile Piste mit etliche Haarnadelkurven erreichen. Die Lagune selbst liegt auf 4.200 m Höhe und wenn die Sonne mal kurz lacht, glänzt der See türkisfarben und im Hintergrund zeigt sich hin und wieder der schneebedeckte Gipfel der Piramide de Garcilaso (5.885 m). Wir wandern am Nordufer, das links vom Parkplatz gesehen liegt, fast die gesamte Längsseite der Lagune ab.
Am Nachmittag entdeckt Ralf dann, dass die in Ecuador getauschten Gummibuchsen am Stabilisator schon wieder dahin sind. Bei den zunehmend längeren und gröberen Pisten sowie dem offenbar minderwertigen Gummi auch kein Wunder. Hans empfiehlt uns eine Werkstatt in der Stadt und die steuern wir gleich an. Eigentlich wollen wir dort die Buchsen nur besorgen lassen und selber einbauen, aber so einfach ist das natürlich nicht: Statt der zwei in Ecuador getauschten stellen wir fest, das alle vier verschlissen sind, so dass der ganze Stabilisator ausgebaut und mit neuen Buchsen wieder eingebaut wird. Die in der Stadt besorgten Ersatzbuchsen, angeblich für Toyota passend, sind dann aber doch größer als die Originale, so das der Einbau (natürlich am Boden liegend, ohne Bühne) zur Bastelei wird und satte 3 Stunden dauert. Die Hoffnung auf nunmehr besseres Material und längere Haltbarkeit stirbt zuletzt.

Am nächsten Tag warten wieder 130 km Piste auf uns und den armen Herrn Fuchs. Nach einer kurzen Wanderung an der bei jetzt noch gutem Wetter ebenfalls hellblauen Laguna Chinancocha geht es hinauf auf 4.780 m Höhe auf den Pass von Portachuelo, dem höchsten in den Cordillera Blanca. Bei anfangs noch recht guter Sicht und wechselnder Bewölkung haben wir von hier oben einen wunderbaren Ausblick auf die Lagunen Chinancocha und Oroncocham, die sich eingebettet in einem Gletschertal, türkisblau von den Bergriesen zu beiden Seiten abheben. Leider sehen wir deren gletscherbedeckte Gipfel immer nur kurz durch die hohen Wolken schimmern, aber immerhin sind einige von ihnen sichtbar. Alle sind über 6.000 m hoch, der höchste (Huascaran) genau 6.768 m. Leider ist der weitere Weg durch die Cordillera Blanca verregnet, die Straße wäscht mehr und mehr aus. Wir kämpfen uns und den total verdreckten Herrn Fuchs den restlichen Tag durch den Schlamm bis San Luis, wo wir an einer Tankstelle erstmal übernachten.
Am nächsten Morgen wartet der nächste Anstieg in die Cordillera Blanca bis zur Durchfahrt auf den ganz oben am Pass durch den Berg gebauten 1.384 m langen Tunnel Punta Olimpica auf 4.736 m Höhe. Die Straße von San Luis bis hierher ist weitgehend asphaltiert, auch dann wieder hinunter nach Huaraz.
Auf der Passhöhe ist es recht kalt und es hagelt ein wenig, die 6.000er Berge, die uns umgeben, sind aber heute recht gut zu sehen und werden nur zum Teil durch Wolken verdeckt. Trotz der besseren Straße mit allerdings unzähligen Haarnadelkurven kommen wir erst nach Mittag in Huaraz wieder „unten“ auf 3.000 m Höhe an. Hier lassen wir den völlig verschlammten Herrn Fuchs mal wieder waschen, die Schönheit hält aufgrund des Regenwetters allerdings nicht sehr lange.

Auch zwischen uns gibt es durchaus einen Disput – nicht der erste -, ob sich eine solche, auch zeitliche Strapaze mit Nerven- und Materialverschleiß über die Cordillera Blanca gelohnt hat. Die Fotos bei zumindest mittelmäßigem Wetter zeigen natürlich eine schöne Landschaft, insbesondere der Blick nach unten auf die Lagunen. All das, einschließlich der schneebedeckten Gipfel sieht man natürlich in europäischen Gebirgen (Alpen, Karpaten) durchaus ähnlich auch oder hat es bereits gesehen. Sicher liegt das alles in den Anden in doppelter Höhe, was einem schon das Gefühl für etwas Besonderes gibt. Aber wir standen ja vor kurzem auch schon auf 5.100 m am Chimborazo und nicht viel tiefer am Cotopaxi. Also wiederholen sich die Eindrücke. Die Wahrscheinlichkeit, dass wir die Anden in Richtung Süden sicher noch mehrfach überqueren müssen, um geplante Ziele zu erreichen führt bei Ralf (Nutzen-Aufwand-Verhältnis) im Nachhinein eher zum Abraten der Strecke über die Cordillera Blanca . Annett sieht das natürlich anders. Für absolute Liebhaber der Höhe mit entsprechendem Auto, denen stunden- und tagelange langsame Pistenfahrt (bei schlechtem Wetter möglicherweise ohne Aussichten und schlammigen sowie ausgewaschenen Straßenverhältnissen) nichts ausmacht, mag man sie empfehlen. Ansonsten ergeben sich sicher im Süden bei ohnehin nötigen Andenquerungen mit hoher Wahrscheinlichkeit ähnliche Aussichten. Wir werden sehen.