09.11. bis 18.11.18 – In 10 Tagen durch Bolivien

Unsere Eindrücke von Bolivien beginnen wieder mit dem Titicacasee, diesmal natürlich von der anderen Seite. Die Grenze passieren wir hinter dem Ort Yunguyo in Richtung Copacabana. Dieser Grenzübertritt gestaltet sich wiederum unkompliziert, wenn auch die Beamten auf bolivianischer Seite alles andere als freundlich wirken. Ins Auto schauen sie diesmal nur auf peruanischer Seite bei der Ausreise, warum auch immer. Sie steigen aber nicht ein, sondern machen nur ein paar von außen erreichbare Reißverschlüsse unserer Kleiderhängeschränke auf. Sinnfreie Aktion.
An der in einer malerischen Bucht gelegenen Stadt Copacabana fahren wir zwar nur vorbei, der Blick auf den Titicacasee ist aber bei weitem schöner als von peruanischer Seite. Im Übrigen hat Copacabana eine 3.000 Jahre alte Tradition, wurde auch von den Inkas bewohnt, war und ist ein Wallfahrtsort für Pilger. Sie ist es auch, zu deren Ehren diejenige Kapelle in Rio de Janeiro am Meer errichtet wurde, die später Namensgeber des berühmtesten Strandes Brasiliens wurde (also nicht etwa umgekehrt). Um aufs bolivianische Festland zu gelangen, ist eine Fahrt mit einer Holzfähre notwendig, die Herrn Fuchs und uns diesmal sicher über den Titicacasee bringt, ohne fast unterzugehen (siehe Bericht Guatemala).

Das erste Ziel in Bolivien ist La Paz, mit zwei Millionen Einwohnern die Hauptstadt und Andenmetropole, die sich auf einer Höhe zwischen 3.100 und 4.100 m, zwischen und am Hang von mehreren 6.000er Bergen erstreckt und damit der höchstgelegene Regierungssitz der Welt ist. Um zu unseren Stellplatz südlich der Stadt zu gelangen, haben wir tatsächlich keine andere Chance als zumindest einen Teil der Stadt zu durchfahren. Erwartungsgemäß ein Grauen, dass wir mit Worten schlecht beschreiben können. Mit nur Millimetern Abstand schieben sich vor allem die Minibusse hupend an uns vorbei, Spuren werden völlig ignoriert, Ampeln werden bei Rot überfahren, die Polizei steht und winkt ratlos in diesen Chaos herum. Überflüssigerweise stehen auf den Hauptverkehrsstraßen beidseitig noch Marktstände, so dass es eigentlich eine Frage der Zeit zu sein scheint, bevor mindestens ein Tier überfahren oder ein Stand gerammt wird. Die in alle Richtungen laufenden Menschen drängen sich vor und um die Autos. Um überhaupt voranzukommen, müssen wir ebenfalls hupen, drängeln und dabei das Risiko der ein oder anderen Beule in Kauf nehmen. Gott sei Dank haben wir Glück und können uns nach einiger Zeit auf eine südliche Umgehungsstraße retten, wo es dann weniger dramatisch zugeht.
Wir stehen auf dem Parkplatz eines Hotels südlich der Stadt und haben keine Probleme, mit dem Taxi in 20 Minuten das Zentrum zu erreichen. Das erste Mal auf unserer Tour engagieren wir uns dazu einen deutschen Stadtführer, der uns einen ganzen Tag lang durch die Stadt begleitet. Gert wohnt schon seit 37 Jahren in Bolivien, spricht perfekt spanisch und so wird der Ausflug zu einem einprägsamen Erlebnis. Durch den Höhenunterschied gibt es in der Stadt Temperaturunterschiede bis zu 10°C. Bei einer Besichtigungstour zu Fuß kann man durch die unzähligen steilen Straßen und durch die Höhenlage ganz schön außer Puste kommen… Kommen wir aber nicht, denn wir fahren meistens über die Stadt hinweg. Bisher fertiggestellte 27 km Hochseilbahnstrecke verbinden mittlerweile verschiedene Stadtteile miteinander und werden in den nächsten Jahren noch auf 33 km Strecke zur längsten Seilbahnanlage der Welt ausgebaut.
Mit den verschiedenfarbigen Seilbahnen führt uns Gert an diesem Tag bergauf und bergab in die verschiedenen Stadtviertel und es ist ein wahres Vergnügen, so über der Stadt zu schweben. Eine österreichische Firma hat dieses gigantische Seilbahnprojekt errichtet und ist noch immer dabei. Eine bauliche, statische und finanzielle Höchstleistung, denn die zahlreichen Masten müssen im nicht sehr festen Sandstein mit umso festeren Fundamenten verankert werden, im Tal genauso wie an den Berghängen. Das beeindruckt uns schon, fast mehr als die Spaziergänge durch die Stadt selbst. Hier ist nämlich bis auf ein kleines  Zentrum rund um den neu errichteten Präsidentenpalast (der so modern gar nicht recht ins Bild passen will) nicht allzu viel interessante Bausubstanz erhalten. Die meisten Menschen wohnen, wie auch in anderen mittel- und südamerikanischen Städten, an den Hängen der Berge in recht ärmlichen Ziegelbauten mit den allgegenwärtigen rostigen Wellblechdächern. Kaum ein Gebäude ist wirklich fertiggestellt, meist fehlen Fenster oder die oberen Etagen sind nur rudimentär angelegt. Es wird gebaut, solange das Geld reicht und so stehen die Häuser über Jahre und Jahrzehnte unvollendet im Prinzip wie Rohbauten Haus an Haus. Natürlich gibt es auch Viertel mit Villen und Hochhäusern, in denen dann die kleine Oberschicht zuhause ist, geschützt durch Zäune und Sicherheitsanlagen. Eigentlich sind, mit Ausnahme der tollen Seilbahnanlage, Gerts Erzählungen interessanter als die Stadt selbst. Wir erfahren viel Hintergründe zur politischen und gesellschaftlichen Entwicklung sowie der jetzigen Situation in der Stadt und im ganzen Land. Äußerst lehrreich zum Verstehen der Lebensart der Menschen ist unser Besuch auf dem sogenannten Hexenmarkt. Gert und wir kommen ins Gespräch mit zwei Schamanen, die gerade ihre Utensilien in einem der unzähligen Geschäfte für Heilpflanzen, Elixiere und verschiedene geheimnisvolle Pulver und Kräuter gegen böses Geister, verschiedene Arten von Unheil, ein langes Leben, beruflichen und privaten Erfolg usw. kaufen. Sie erzählen uns, wie man zum Schamanen wird, wie die Beratung und am Ende der Erfolg für die Hilfesuchenden aller Art zustande kommt (zumindest theoretisch). Viele Bolivianer nehmen diese Dienste in Anspruch, bevor wichtige Entscheidungen getroffen werden oder um zum Beispiel einen Hausbau zu segnen. Dazu werden u.a. auch getrocknete Embryos von Lamas (die überall hängen und zu kaufen sind) in die Häuserwände eingemauert. Sogar der amtierende Präsident nimmt die Dienste der Schamanen (mit offenbar sehr wechselndem Erfolg) in Anspruch.
So beeindruckt wir von diesen alten Ritualen und von der Stadtseilbahn sind, auch in dieser Stadt gibt es kein ordentlich funktionierendes Entsorgungssystem: Sämtliche Abwässer landen ungeklärt in dem zähflüssigen und schäumenden Fluss, der die Stadt „durchfließt“ und wohl nur zu geringen Teilen noch aus Wasser besteht. Zum Glück laufen wir da unten im Tal nicht entlang und ersparen uns so den Jauchegeruch. Immerhin stellt man mittlerweile große, für alle nutzbare Müllcontainer in den Stadtteilen auf, um zumindest das Problem des „festen“ Mülls einigermaßen in den Griff zu bekommen. So bleibt La Paz für uns eine Stadt voller Gegensätze und Widersprüche. Interessant ist sie aber allemal und wir danken Gert für einen tollen und äußerst informativen Tag, der jede Stunde wert war.
Nicht weit von unserem Stellplatz nahe dem kleinen Örtchen Mallasa laufen wir am nächsten Tag noch ein Stündchen durch das Valle de la Luna, das Mondtal, einem kleinen canyonartigen Gebiet mit bizarren Sandsteinformationen die aussehen, als hätte ein Riese hier Sandkleckerburgen angelegt. Offenbar fließen hier im Tal ein Teil der Abwässer aus La Paz herunter, denn im gesamten Gebiet riecht es penetrant nach Jauche. Sehr schade.

Eine zwar gebührenpflichtige, aber teilweise wie eine Autobahn zu befahrende Straße (meist auf der Original-Panamericana – Bolivia 1) führt uns über 500 km nach Süden Richtung Uyuni. So schnell sind wir seit Mexiko nicht mehr vorangekommen. Zunächst schlafen wir aber am Rand der Salar de Uyuni im Städtchen Colchani hinter einem Hotel (hier heißen alle Hotels Salzhotel oder Salzpalast und sind tatsächlich zum großem Teil aus Salzstein errichtet), um am nächsten Morgen von Osten aus zur Fahrt über die größte Salzpfanne der Welt zu starten.
10 Milliarden Tonnen Salz auf einer Fläche von 12.000 km² bilden eine tolle Kulisse. Bis auf einige Stellen in Küstennähe ist die Kruste derzeit einigermaßen trocken und für die nächsten zwei Tage ist Sonnenwetter angesagt, so dass wir keine Tour buchen, sondern das Abenteuer mit Herrn Fuchs wagen. Die Kruste soll wohl an den meisten Stellen 3-5 Meter dick sein, was wir natürlich nicht kontrollieren können. Fakt ist: Gerade in Landnähe gibt es Löcher, aus denen uns das Wasser anschimmert und die Kruste ist nur einige Zentimeter dick, auch im Bereich der schon festgefahrenen Spuren. Auch tiefen Löchern, die breiter als der Reifen und damit hoch gefährlich sind, müssen wir ausweichen. Vom Fahrer ist auf jeden Fall volle Aufmerksamkeit gefordert. In der Mitte des Sees ist die Oberfläche dann deutlich glatter und an der Oberfläche aus bizarren, polygonalen Sechsecken geformt. Hier fahren wir teilweise 80 km/h und dann beginnt die Sache richtig Freude zu machen. Es ist schon ein einmaliges Erlebnis, in absoluter Stille in der Mitte des Salzsees zu stehen und ringsherum nichts als weiß zu sehen. Ohne Navigationssystem kann man, besonders in der Mitte des Sees durchaus einmal trotz der festgefahrenen Spuren, die aber oft in alle Richtungen gehen, die Orientierung verlieren.
Wir empfinden es schon als ein großes Privileg für uns, nunmehr die drei größten Salzpfannen der Erde mit dem Auto befahren zu haben: neben der hiesigen Salar de Uyuni, den Lake Bonneville in Utah letztes Jahr und die Makgadikgadi-Pfannen in Botswana im Jahr 2013.
Das Denkmal an die Dakar-Rallye durch Bolivien 2014 erhebt sich, genauso bizarr aus dem Salz wie das erste Salzhotel, mitten auf dem Salar mit vielen internationalen Flaggen – auch die deutsche Flagge ist dabei.
Die Zeit am Vormittag nutzen wir für einige Spaßfotos, um auch unseren Talisman, Herrn Fuchs, richtig in Szene zu setzen. Immerhin hat er uns sehr geduldig und treu hinter der Windschutzscheibe bis hierher begleitet.
Wir steuern die etwa 65 km vom Ostufer entfernte Isla Incahuasi in westlicher Richtung an. Es ist erstaunlich, wie früh man sie, aber auch andere Inseln, wie eine Fata Morgana aus dem Weiß auftauchen sieht, obwohl sie noch 40 km entfernt ist – ein Phänomen. Hier treffen sich viele Tourenanbieter mit ihren Gästen und auch wir laufen den schön angelegten Wanderweg zwischen den Felsen entlang. Die Insel besteht zum Teil aus versteinerten Korallen, ein wenig Gras und riesigen, bis zu 10 Meter hohen Kakteen. Manchen von ihnen sind 1.200 Jahre alt.
Zum Übernachten geht es noch 20 km weiter nach Nordwesten zur Isla Pescado. Hier stehen wir recht einsam an der Westküste, um einen der legendären Sonnenuntergänge vom Campingstuhl aus erleben zu können. Tatsächlich sind die Rottöne im Kontrast der Salzwüste und der Schleierwolken am Abendhimmel ein toller Anblick. Für Ralf sind Sonnenuntergangsfotos immer ein wenig kitschig, aber er muss zugeben, dass man sich manchmal dem Zauber der Abenddämmerung an magischen Orten nicht entziehen kann….
Der in Reiseführern angepriesene berühmte Sternenhimmel in dieser Einsamkeit wird, wie auch später auf der Lagunenroute, durch Schleierwolken getrübt, zudem reflektiert die Mondsichel das Sonnenlicht recht stark, so dass es nicht dunkel genug ist. Das hatten wir in Afrika in der Wüste schon weitaus beeindruckender. Nach einer lautlos stillen und kalten Nacht (am Morgen 2°C) mitten auf dem Salzsee geht es die etwa 90 km quer über die Pfanne wieder zurück zum Ostufer und dann nach Uyuni. Wir lassen Herrn Fuchs mit einer gründlichen Wäsche vom Salz befreien  (vor allem am Unterboden ist viel abzuspülen), kaufen etwas ein und tanken voll. Das Tanken in Bolivien ist keine Selbstverständlichkeit, denn viele Tankstellen geben an Ausländer gar keinen Diesel ab. Der Kraftstoff ist vom Staat subventioniert, kostet so um die 4 Bolivianos pro Liter (etwa 60 Dollar-Cent). Für Ausländer ist der volle Preis (etwa das Doppelte) fällig. Das wäre alles kein Problem, aber viele Tankstellen weigern sich einfach, den Preis umzurechnen und entsprechend andere Rechnungen zu erstellen. Macht zu viel Mühe. In Uyuni haben wir Glück, die netten Frauen von der Tankstelle berechnen so etwa 7 Bolivianos pro Liter und wir können volltanken. Manche Tankstellen (meist die nicht videoüberwachten) lassen auch ohne Rechnung inoffiziell vom Preis her mit sich handeln und dann kostet der Liter vielleicht nur 6 Bolivianos. Das wollen unsere Tankstellendamen aber nicht und wir sind froh, überhaupt bedient zu werden. Volltanken ist vor der Lagunenroute auf jeden Fall angesagt, auf der es weder Kraftstoff gibt, noch die Möglichkeit einzukaufen.
In Uyuni sehen wir uns noch einen Eisenbahnfriedhof an, auf dem entsprechend Interessierte viele alte, im Wüstensand abgestellte Modelle bewundern können. Diese sind allerdings ausgeschlachtet und rosten so vor sich hin. Die äußeren Formen sind aber noch recht gut erkennbar.

Die 200 km bis zum Einstieg in die Offroad-Stecke der Lagunenroute ist zum Teil asphaltiert, allerdings wieder mit Schlaglöchern übersät. Wir übernachten erst einmal  in San Christobal und steigen dann offroad ein. Zwischen 4.000 und 5.000 m Höhe führt uns die zum Teil sandige und extrem staubige, zum Teil sehr steinige und ausgewaschene Piste (Allrad und gute Bodenfreiheit sind unbedingt empfehlenswert, bei Nässe und damit Schlamm ist auch Untersetzung unabdingbar) an den ersten Lagunen vorbei. Andenflamingos suchen mit großer Ausdauer in den zu Teilen von Salzkruste bedeckten flachen Gewässern nach Planktonresten. Sie sind im Gegensatz zu denen, die wir schon in Mexiko bewundern durften, nicht durchgehend rosa bis pink gefärbt, sondern haben mehr weiße Anteile im Gefieder. Das spricht für ein verständlicherweise geringeres Nahrungsangebot an astaxanthinhaltigen Algen bzw. Krabben, das gibt es hier in den Lagunen wahrscheinlich kaum bis gar nicht. Die Lagunen schimmern durch unterschiedlichste Mineralien mal weiß, mal grün oder gelb und heben sich so kontrastreich von dem staubigen Wüstenboden und der durch braunes Gestein gebildeten Bergwelt im Hintergrund ab. Am beeindruckendsten ist im nördlichen Bereich der Route die Laguna Hedionda, an der wir sehr nahe an die Flamingos herankommen. Allein sind wir nicht, denn sehr viele Tourenanbieter sind mit ihren Geländewagen (meist auch Toyota) und auffällig vielen europäischen Touristen ebenfalls auf der Strecke. Die erste Nacht hier im Reserva Nacional de Fauna Andina Eduardo Avaro (netter Name für die endlose Wüste hier) verbringen wir in der Nähe der Laguna Honda an einer benachbarten, kleinen versteckten Lagune, unsichtbar für die Tourenfahrzeuge, welche die Hauptpisten entlang brausen. Haben wir tagsüber in der Sonne noch über 30°C, so brauchen wir bei -4°C in der Nacht auf 4.100 m Höhe doppelte Schlafsäcke.

Der nächste Tag führt über sandige und zum Teil extreme Wellblechpisten (kein wirklicher Fahrspaß – am besten Luft ablassen, damit es nicht ganz so schüttelt, schnell fahren ist in diesem Abschnitt nicht möglich) in Richtung Süden. Wir passieren bizarre Gesteinsformationen, von denen die berühmteste wohl der Arbol de Piedra ist, warum auch immer. Irgendjemand hat an diesem (Stein)Pilz wohl mal das erste Foto gemacht, seither halten hier auch die Tourenfahrzeuge, damit sich alle brav darunter stellen. Wir (der Vollständigkeit halber, na ja, was soll man machen) natürlich auch.
Sehenswerter ist da schon die Laguna Colorada, die aufgrund kupferhaltiger Mineralien und Planktonbestandteile eine tiefrote Färbung angenommen hat, die sich kontrastreich vom Weiß des Salzes und Blau des Himmels abhebt. Auch hier suchen die Flamingos fleißig nach Essbaren.
Die zweite Nacht auf nun 4.400 m Höhe stehen wir etwas südlich der Lagune in einem kleinen Canyon, um uns etwas vor Wind und Kälte zu schützen, was aber nicht so recht gelingt. Denn die Nacht wird mit -8°C sehr kalt. Auch die Morgensonne erwärmt uns nur sehr langsam.

Dennoch wird der dritte Tag der Lagunenroute wieder ein tolles Naturerlebnis. Über sandige Wellblechpisten, die sich durch breitere Pisten in diesem Bereich schneller befahren lassen, erreichen wir zunächst, für Herrn Fuchs erstmalig auf der Reise, die 5.000 m Marke (5.052 m genau; wir gratulieren, toll, was er so leistet) als wir die Aduana (zum Abmelden des Autos aus Bolivien) in der Nähe der Geysirfelder ansteuern. Die Situation beim bolivianischen Zoll ist etwas undurchsichtig, wenn man über die Lagunenroute Richtung Grenze nach Chile fahren möchte. Es gibt zwei Zollstellen. Eine etwa 80 km vor der Grenze, die wir überqueren wollen und eine direkt an der Grenze, die aber öfters geschlossen sein soll. Um am nächsten Tag nicht die Strecke zurückfahren zu müssen, machen wir den kleinen Abstecher. Doch wir haben keinen Erfolg, der Beamte verweist uns auf die südliche Grenze nach der Laguna Verde.

Ein Erlebnis sind dann die brodelnden heißen Quellen am Sol del Mañana, dem Geysirfeld. Wirkliche Geysire im wahrsten Sinne des Wortes sehen wir zwar nicht, aber die Erde um die heißen und brodelnden Schlammlöcher ist von Schwefel, Kupfer und anderen Mineralien bunt gefärbt und wir können direkt zwischen ihnen hindurch laufen. Die Grate zwischen den Löchern sind dabei so schmal, dass wir aufpassen müssen, nicht in eines der Löcher zu rutschen und gekocht zu werden. Vorsichtsmaßnahmen kennen die Bolivianer in dieser Hinsicht nicht. Natürlich kennen wir das alles von Island oder vom Yellowstone schon, aber hier auf fast 5.000 m Höhe ist es doch irgendwie nochmal etwas Besonderes. Sehr hübsch anzusehen ist auch die Laguna Chalviri ganz in der Nähe, wo man das heiße Quellwasser nutzt, um Thermalbäder anzulegen. Diese werden von den durchgeschüttelten Touristen, die manchmal zu sechst mit Gepäck in ihren engen Jeeps sitzen, ausgiebig genutzt. Am frühen Nachmittag erreichen wir den Endpunkt der Lagunenroute und die südwestliche Grenze zu Chile: Die Laguna Verde. Ihre grünliche Farbe verdankt sie einer Mischung aus Arsen und Magnesium.
Eigentlich wollen wir hier unsere dritte Nacht verbringen. Allerdings ist es sowohl oberhalb als auch direkt am Ufer der Lagune derart windig und kalt, dass wir uns entschließen, heute noch die Grenze nach Chile zu überqueren und uns in der Atacama-Wüste 1.000 m tiefer einen Stellplatz zu suchen, was sich im Nachhinein als richtig herausstellen soll.
Nun verlassen wir also nach 10 Tagen Bolivien, ein Land, was wir natürlich in dieser kurzen Zeit kaum richtig kennenlernen konnten. Das, was wir gesehen haben, hat uns aber schon beeindruckt: die größte Salzpfanne der Welt und die Lagunenroute, deren Befahrung schon eine kleine Herausforderung für Herrn Fuchs und uns war, deren Naturwunder aber diese Anstrengung lohnen.
In La Paz haben wir zumindest etwas von den Menschen und dem Leben im Land erfahren, wenn auch nicht genug, um uns hier wirklich eine einigermaßen fundierte Meinung bilden zu können. Das was wir gesehen haben, werden wir aber in dankbarer und bleibender Erinnerung behalten.