05.12. bis 26.12.18 – Chile/Argentinien 2, Von Mendoza nach Bariloche

Mendoza heißt unsere erste Station in Argentinien, ein Synonym für Wein in Argentinien und für Weinkenner auch darüber hinaus. Wie so oft, bietet es sich für uns an, etwas außerhalb der Stadt zu campen und mit dem Bus ins Zentrum zu fahren, was hier überhaupt kein Problem ist. Allerdings werden wir vom Inhaber des Campingplatzes darauf hingewiesen, dass just heute das argentinische Fußball-Pokalfinale (an einem Donnerstag!) in Mendoza stattfindet und wir doch lieber bis 19.00 Uhr zurückkehren sollen. Tatsächlich füllt sich die Stadt im Laufe des Tages mit mehr und mehr Fußballfans, was uns aber nicht weiter stört. Wenn man Mendozas Vororte mitrechnet, kommt die Stadt immerhin auf eine Million Einwohner. Dafür ist sie erstaunlich grün. Es gibt kaum eine Straße im Zentrum, in der wir nicht unter Baumalleen mit dichtem Bewuchs laufen. Bewundernswert für eine Stadt, die eigentlich als „Wüstenstadt“ gilt. Ein System engmaschiger Bewässerungsgräben sorgt aber für das notwendige Nass. Dafür sind eben auch die Fassaden der wenigen sehenswerten Gebäude unter dem Grün verborgen. Ohnehin ist Mendoza keine Stadt der Sehenswürdigkeiten im Sinne architektonischer Schönheit. Eine nette, sehr grüne Stadt zum Bummeln, zum Einkaufen mit Geschäften und Läden aller Art, gemütlichen Cafés und Restaurants, mehr aber auch nicht. Sie ist durchaus in manchen Straßen ein wenig vergleichbar mit den Einkaufsvierteln in Berlin oder Dresden. Überhaupt wirkt das Leben eher ein wenig europäisch als südamerikanisch, zumindest nach unseren Erwartungen nach den Eindrücken von Kolumbien bis Bolivien. Der durchschnittliche Lebensstandard erscheint wieder recht hoch, einige Villenviertel zeugen von Wohlstand, wohlbehütet durch mit Schranken und Sicherheitskräften abgesperrte Bereiche. Straßen und Wege wirken sauber und aufgeräumt. Trotz vieler Banken gestaltet sich Geld abheben mit der VISA-Card schwierig. Es wird nur eine kleine Summe zur Auszahlung angeboten, die Gebühren sind im Vergleich recht hoch.
Sehenswert im wahrsten Sinne des Wortes ist das Rathaus – wir laufen auf ein Gebäude zu, das wie ein mächtig heruntergekommener Wohnblock aus den 60er Jahren der DDR aussieht und scherzen noch, das könnte das Rathaus sein. Doch das ist es tatsächlich! Es sieht von innen etwas besser aus, aber trotzdem spart man hier wohl von Seiten der Stadt am falschen Ende. Hübsch zum Schlendern und für einen Café am künstlich angelegten See ist der Parque General San Martin. Wir essen in einem Restaurant sehr gut zu Mittag, mit großen Steaks aller Art, zubereitet auf einem großen Grill, der mit Holz befeuert wird. Heute auch ein Anlaufpunkt für die Fußballfans aus Buenos Aires, die ihre Mannschaft hier gewinnen sehen wollen.
Ein Ausflug zu einem der vielen Weingüter der Umgebung gehört natürlich dazu, wir verbinden ihn mit dem Lunch am nächsten Tag. Neben einer Führung in Englisch durch Plantage und Weinkeller des mit fast 50 ha Anbaufläche kleinen, aber sehr exklusiven und noblen privaten Weingutes Clos de Chacras gibt es zum Mittag natürlich verschiedene Weine und ein wirklich ausgesprochen leckeres argentinisches Rindersteak.

Vorbei geht es an den schneebedeckten Felszügen der zentralen Anden, unzähligen Weingütern und -plantagen. Wir fühlen uns mal wie zuhause im Frühling, mal wie im Voralpenland. Die Berge sind längst nicht mehr so hoch wie in Peru und Bolivien, aber da wir auf der Straße nach Süden fast immer unter 1.000 m bleiben, wirken sie entsprechend.
Südlich der wieder sehr aufgeräumt wirkenden Stadt San Rafael führt uns die 173 in den Cañon del Atuel, gebildet durch den gleichnamigen Fluss. Jeder Vergleich mit dem Grand Canyon hinkt natürlich gewaltig, aber die Einheimischen vergleichen ihn wohl mit diesem und er ist auf jeden Fall einen Ausflug wert. Durch Staudämme wird der Rio Atuel an vier Stellen gestaut, im Valle Grande entstand dadurch ein durch die umgebenden vielfarbigen Felsen recht malerischer Stausee. Überall wird Rafting angeboten und im nördlichen Teil des Flusses gibt es durchaus einige Spaß versprechende Stromschnellen. Hinter dem See beginnt dann eine schmale Staubpiste, führt uns aber weiter durch teils hochaufragende, schön geformte und farbige Felsformationen. Wir übernachten bei durch den Canyon stundenlang pfeifenden Sturmböen – das Dach muss unten bleiben – auf einem der Picknickplätze am Fluss und sehen hoch über den Felsgipfeln mehrere Kondore kreisen.

Die Ruta 40 ist zwar legendär, aber deshalb nicht immer gut. Heutzutage weitgehend asphaltiert, überrascht sie uns doch auf den 500 km in Richtung Chos Malal mit über 100 km Wellblechpiste mal so zwischendurch. Sonst führt sie bei geringem Verkehrsaufkommen und in tadellosen Zustand durch nicht enden wollende Steppenlandschaft, ein paar vom Sturm gebeutelte Dörfchen auf dem Weg und wie eine Fata Morgana tauchen hin und wieder schneebedeckte Berggipfel in der Ferne auf.
Chos Malal zeigt sich wieder erstaunlich grün, eine kleine Oase in der kargen, wüstenähnlichen Umgebung. Die beiden Flüsse Rio Neuquen und Rio Curi Leuvu, die hier zusammenfließen und eine auenähnliche Ebene bilden, machen es möglich. Durch die Stadt selber ist man schnell durchgeschlendert, einige kleine Kolonialgebäude um die Plazas und eine ebensolche Festung bilden den Kern des wieder sehr aufgeräumten Örtchens. Der Duft nach Frühling weht uns überall in den baumgesäumten Straßen entgegen. Die Wanderung bergauf zum Cerro de la Virgen mit dem dortigen Mirador und einer mannsgroßen Marienstatue lohnt sich schon wegen des schönen Ausblicks auf die Stadt und die umliegenden Bergzüge. Viele Einheimische scheinen regelmäßig dorthin zu pilgern, oben eine Kerze anzuzünden und dies mit Lauftrainingseinheiten zu verbinden. Ansonsten sind wir sehr froh, in Chos Malal tanken zu können, denn auf der Strecke sind Tankstellen sehr rar und nicht alle akzeptieren Visakarten. Das kann insofern eine Falle sein, da auch die Geldautomaten (wir haben es hier bei 2 Banken versucht) kaum Geld geben. 1.000 Pesos, das sind ca. 23 € (!) hätten wir mit der Visakarte abheben können, dafür werden 230 Pesos Gebühr, also ca. 5,30 € (!), verlangt. Eine ziemliche Zumutung oder ein schlechter Witz. Allein das Tanken hat uns schon 6.000 Pesos gekostet. Auch die mit uns an den Banken Schlange stehenden Einheimischen bekommen mit ihren Karten nicht mehr und schütteln nur die Köpfe. Wir haben noch nicht herausgefunden, warum das hier so restriktiv ist. Das sind heute und hier Verhältnisse wie in Griechenland während der Währungskrise.

Was haben wir für Eindrücke aus diesen ersten Tagen in Argentinien? Die Infrastruktur wirkt ähnlich hochentwickelt wie in Chile, Maut haben wir bisher nicht zahlen müssen, sind allerdings auch „nur“ Landstraße und noch keine Autobahn gefahren. Aber selbst die Landstraßen waren im Nachbarland ja teilweise gebührenpflichtig. Die Städte wirken fast wie zuhause, sind sehr sauber und aufgeräumt.
Das Angebot in den (großen) Supermärkten ist gut, allerdings nicht ganz so umfangreich wie in Chile. Die Menschen sind freundlich interessiert, wirken aber etwas (fast europäisch) nüchterner als die Chilenen. Das Abheben von Geld mit der Visakarte ist unbefriedigend, auch in Mendoza bekommen wir maximal 3.000 Pesos bei fast 300 Pesos Gebühr. Also sehen wir zu, zumindest an Tankstellen und Supermärkten direkt mit der Karte zu bezahlen. Das Tankstellennetz wird lockerer und Kartenakzeptanz unsicherer, daher beschließen wir, zukünftig früher als bisher nachzutanken.
Und nun geht es zum zweiten Mal über die Grenze nach Chile, direkt hinein in das Chilenische Seengebiet im Norden Patagoniens. Wir wollen nicht jeden Grenzübergang beschreiben. Zwischen Argentinien und Chile oder in der anderen Richtung ist das Procedere an allen Übergängen recht ähnlich. Auf Kuriositäten wollen wir aber aufmerksam machen, zum Beispiel als der wieder sehr nette chilenische Zollbeamte während der Kontrolle auf untersagtes Gemüse/Früchte/Fleisch etc. partout in unsere Porta Potti (Chemietoilette) hineinsehen will. Dementsprechend öffnen wir den Deckel. Der Beamte verzichtet dann großzügig auf einen Blick in den darunterliegenden Auffangbehälter. Ein Fehler. Hätte er nämlich hineingeschaut, hätte er unsere dort versteckten Bananen und Tomaten gefunden…. (für die Leser, die noch keine Porta Potti gesehen haben: Das mit dem Auffangbehälter war natürlich ein Scherz und es ist ohnehin schon eine groteske Forderung des Beamten, den Toilettendeckel für eine Lebensmittelkontrolle überhaupt aufmachen zu müssen).
Der Parque Nacional Conquillio mit seinem gleichnamigen See erwartet uns zunächst regnerisch und kühl, am nächsten Tag aber glücklicherweise wieder sonnig und wolkenlos. Dadurch ergeben die im ruhigen See spiegelnden schneebedeckten Berge im Hauch des Morgennebels ein wunderbares Bild. Wir wandern den Sendero Sierra Nevada, einen insgesamt 12 km langen Wanderweg über 600 Höhenmeter zum gleichnamigen erloschenen Vulkan an der Ostseite des Sees. Auf dem Weg gibt es tolle Ausblicke über den See und den gegenüberliegenden, ebenfalls schneebedeckten Vulkan Llaima. Dieser ist noch recht aktiv und brach seit dem Jahr 1640 insgesamt 35 Mal aus. Das letzte Mal im Jahr 2008, in dem wegen des Rauches Touristen und Forstmitarbeiter evakuiert werden mussten. Durch die vielen Eruptionen erinnern uns einige große Flächen moosbewachsenen Lavagesteins beim Durchfahren an Island. Typisch für diese Region ab einer Höhe von über 1.000 m sind die beeindruckenden Araukarienbäume. Diese alten Lebewesen existieren schon seit 180 Millionen Jahren, können bis 1.200 Jahre alt und bis zu 40 m hoch werden. Sehr interessant sind die dicht gewachsenen, stachelartigen Gebilde an ihren Zweigen. Sie besitzen die Form von kleinen Blättern mit der harten Konsistenz und der Spitze von Nadeln. Solche Formen haben wir bis dato noch nicht gesehen. Die Straßen und Wege durch das Seengebiet sind zum großen Teil, aber nicht alle, asphaltiert und führen an einer Vielzahl kleinerer Seen und Lagunen vorbei, die sämtlich hübsch anzusehen sind, die wir aber an dieser Stelle nicht alle erwähnen können.

Am Lago Villarica legen wir einen längeren Stopp ein. Dem See, an dem die gleichnamige Stadt (am Westufer) und etwas weiter südöstlich vom See entfernt der gleichnamige aktive Vulkan liegen. Letzterer ist im Jahr 2015 zum letzten Mal ausgebrochen, so dass sogar die Touristenstadt Pucón (am Ostufer) und umliegende Orte evakuiert werden mussten. Auch heute steigt ständig Qualm aus dem Krater und ist gut zu sehen, wenn die Wolken mal nicht davor hängen. Genau am Fuße dieses Riesen verbringen wir einige Tage. Pucón erinnert uns mit seiner ausgeprägt touristischen Infrastruktur, der wunderbaren Lage am See und den nahen Bergen bzw. Vulkanen an die Touristengebiete in den Alpen. Hier kann man alles unternehmen: über Wander- und Klettertouren zum Vulkan, Ausflüge zu benachbarten Thermalbädern, Rafting- und Kajakfahren, Mountainbiken, Reiten etc.. Unzählige Geschäfte mit entsprechender Ausrüstung für alle Gelegenheiten bieten ein vielfältiges Sortiment an. Mehrere große Supermärkte und eine Vielzahl von Restaurants, Cafés, Eisdielen und natürlich Hostels und Hotels runden das Ganze ab. Einige Cafés oder Bäckereien mit deutschen Namen (Kuchenladen, Berlin, Rostock) sind auch zu finden. Dabei erhält sich Pucón den Charme einer Kleinstadt. Straßen und Bürgersteige sind großzügig angelegt und man hat bewusst auf Hotelhochhäuser verzichtet. Dabei erscheint uns das Preisniveau unerwartet sogar recht moderat, zumindest in Gaststätten und Supermärkten oder der Wäscherei, wo wir mal wieder eine große Tasche mit Sachen waschen lassen. Ein geschmückter Weihnachtsbaum auf der Plaza, einige aufblasbare Weihnachtsmänner vor manchem Geschäft sowie deutsche(!) Weihnachtslieder und das Stollenangebot im Supermarkt erinnern uns an das nahe Fest. Hier im Frühling kommt die richtige Stimmung dafür bei uns natürlich nicht auf.

Die Termas Geometricas, 80 Straßenkilometer von Pucón entfernt, eine der vielen Thermen der nahen und weiteren Umgebung und eines der größten Thermenkomplexe der Welt, wollen wir an diesem Sonntag eigentlich noch nicht besuchen, da wir Touristenandrang befürchten. Da es aber fast den ganzen Tag regnet, verschieben wir die geplante Wanderung und fahren doch zu den heißen Bädern. Das wirklich sehr schön angelegte Thermenlabyrinth mit heißem Wasser (38-44°C und darüber) in Schieferbecken liegt in einer Schlucht, durch die in der Tiefe ein Fluss tost. Die Becken sind mit rot angestrichenen Holzgehwegen und -planken miteinander verbunden. Zwei Wasserfälle und Abkühlbecken ergänzen die Anlage. Die heute kühlen Außentemperaturen und der Regen sorgen dafür, dass wir das warme Wasser in den Becken als noch angenehmer empfinden, als es sicher auch an warmen Tagen wäre. Die Entspannung hier hatten wir für den Montag, also den Tag nach der Wanderung im Parque National Huerquehue (ca. 35 km östlich von Pucón) vorgesehen, jetzt wandern wir eben am Tag darauf, denn es ist wieder Sonne angesagt. Der Wanderweg Los Lagos führt uns über insgesamt 16 km durch teils dichte, tiefgrüne Wälder – in Abschnitten wieder mit Araukarienbäumen -, vorbei an Wasserfällen und aquamarinblauen Seen und Lagunen. So lässt sich der schöne chilenische Frühlingstag am besten genießen. Wir lassen ihn am Nachmittag in Pucón im Angesicht des dampfenden Vulkans mit Kaffee und Eis ausklingen.

Und nun, wie es sich für eine Seenlandschaft gehört, steht auch schon wieder der nächste See auf dem Programm. Etwa 300 km südwestlich von Pucón liegt der mit 860 km² deutlich größere Lago Llanquihue und das kleine Städtchen Frutillar am Westufer ist einen Zwischenstopp wert. Viele deutsche Auswanderer, die hier im letzten Jahrhundert Fuß fassten, prägten und prägen sowohl die Architektur als auch die Infrastruktur der Stadt. Viele deutsche Hausnamen, die „Deutsche Schule“ sowie Kuchenbäckereien nach deutscher Art prägen das Gesicht vor allem an der Strandpromenade mit sehr schöner Mole, langem Sandstrand und Blick auf vier Vulkane, davon den Vulkan Osorno mit seiner perfekten Kegelform und der obligatorischen dichten Schneekappe. Leider hat das Museo Historico Aleman geschlossen, welches als das beste Museum zur deutschen Besiedlung des Seengebietes gilt.

Diese Besiedlung wird auch im Süden des Sees, in Puerto Varas deutlich. So bestimmen alte holzvertäfelte Häuser (ehemaliger) deutscher Einwanderer Teile des Stadtbildes. Es gibt es direkt eine im Stadtplan eingezeichneten Spazierstrecke, Paseo Patrimonal, wo wir an verschieden gut erhaltenen Häusern aus dem 20. Jahrhundert vorbeikommen, die mittlerweile Nationaldenkmäler sind. Wir essen im Restaurant „Club Alemán“ seit ewigen Zeiten mal wieder Sauerbraten und Roulade zu Mittag. Gar nicht mal schlecht gemacht. Die deutsche Tradition wird weiter gepflegt und offensichtlich auch von Nachfahren der Einwanderungspioniere aufrechterhalten. Aber auch sonst ist Puerto Varas mit vielen Outdoorgeschäften, Restaurants, Cafés und einem recht schönen Promenadenweg entlang des Sees einen Tagesbesuch wert. Irgendwie eine Mischung aus deutschem Alpenstädtchen und skandinavischer bzw. isländischer Bauart und in manchen Abschnitten erinnert es uns an die Wohnviertel von Halifax. Bei klarem Wetter bieten die beiden schneebedeckten Vulkane Osorno und Calbuco gegenüber dem See eine wundervolle Kulisse.

Am nächsten Morgen ist es wieder mal bewölkt, aber die Wolken hängen recht tief – wir schätzen so um die 600-800 m Höhe. Das bekommen wir heraus, als wir die Straße zum Vulkan Osorno hinauffahren, von 200 auf etwa 1.100 m Höhe. Dort bietet sich über den Wolken ein grandioses Panorama, vor allem der in der Ferne schneebedeckte Vulkan Calbuco und die umliegenden Bergzüge sind malerisch. Vom 2.652 m hohen Osorno kommen wir nun sehr nah an den perfekt geformten kegelförmigen schneebedeckten Gipfel heran, zu dem noch höher eine Seilbahn fährt. Dort können sich im Winter die harten Abfahrer auf schwarzen Pisten austoben. Ein Weg am Vulkan entlang zeigt, dass es an dessen Abhängen mehrere kleinere Krater gibt, diejenigen von denen die bisherigen Ausbrüche stattfanden, nie ganz oben. Daher hat der Hauptkegel seine Form bisher erhalten. Auf der Ebene der Seilbahnstation treffen wir wieder nette Overlander aus der Heimat und so vergeht die Zeit mit lustigen Gesprächen, bis sich die Wolken fast völlig verzogen haben und den Blick auf den Lago Llanquihue freigeben.

Das chilenische Seengebiet hat so einiges zu bieten und ist sicher auch durch seine Größe ein perfektes Urlaubsgebiet. Das merken wir jetzt kurz vor Weihnachten (22.12.) an der argentinischen Grenze, wo wir schnell durchkommen, die Argentinier in der Gegenrichtung allerdings in einer langen Autoschlange stehen. Dabei haben sie auf der Gegenseite kein schlechteres, wenn auch deutlich kleineres Seengebiet, nämlich entlang der Ruta de los Siete Lagos (Die Route der Sieben Seen) von Villa la Angostura nach San Martin de los Andes (übrigens hübsches Städtchen). Diese wollen wir noch fahren, bevor wir uns über das Fest in Bariloche niederlassen. Sie ist insgesamt 110 km lang, führt uns durch grüne Nadelwälder vorbei an teilweise noch schneebedeckten Berggipfeln und kristallklaren Seen. Jeder für sich ist schön anzusehen, aber natürlich wiederholen sich auch die Eindrücke, so dass wir nicht alle Seen und Lagunen auf dem Weg (und das sind mehr als die sprichwörtlichen Sieben) abklappern wollen. An fast allen kann man campen, natürlich angeln oder Bootfahren. Das Wasser ist allerdings recht kalt, aber die Sommersaison steht ja erst noch bevor.

Der Lago Nahuel Huapi im gleichnamigen Nationalpark gehört nicht mehr dazu, ist aber gleichermaßen malerisch vor schneebedeckten Bergketten gelegen. In der größten und bekanntesten Stadt an seinem Südufer, Bariloche, wollen wir die Weihnachtsfesttage dieses Jahr verbringen. Zum einem wegen der tollen Lage und der Bekanntheit der Stadt (was nicht immer ein Segen sein muss), zum anderen weil wir uns ein wenig Weihnachtsstimmung in dieser grünen und blühenden Landschaft erhoffen – jedenfalls mehr, als auf einem einsamen Campingplatz. Na ja, schauen wir mal. Immerhin bekommen wir guten Hirschgulasch zu Mittag, das ist doch schon mal was.
Zudem ist Bariloche die Stadt der Schokolade: So viele Läden mit so vielen Schokoladensorten auf einem Fleck haben wir noch nicht gesehen, oft ist hinter den Läden gleich die Manufaktur angeschlossen. Ansonsten gibt es einige Tannenbäume und große Holznussknacker auf den natürlich sehr touristischen Plazas und Einkaufsstraßen. Die Gebäude aus Holz und Stein im Zentrum erinnern mal wieder an Schweizer Bergorte. Der postkartenreife Blick über den mal spiegelklaren, mal sehr aufgewühlten Lago Nahuel Huapi mit den schneebedeckten Gipfeln der Cerros Catedral, Lopez, Nireco und einigen mehr im Hintergrund ist eigentlich das klassische Bild, was man so von Patagonien vor Augen hat.

Dieses verstärkt sich noch, als wir am Weihnachtsfeiertag – hier in Argentinien ist nur der 25. Dezember Feiertag – zum kleinen Städtchen Llao Llao mit dem Bus fahren. Der erste Bus, der um 11.00 Uhr fährt, ist überfüllt und hält gar nicht erst – wir warten so etwa 45 Minuten auf den nächsten (Herrn Fuchs lassen wir lieber auf dem sicheren Parkplatz, die Gegend ist für Einbrüche in ausländische Autos bekannt). Wir wandern auf dem dortigen Cerro Llao Llao wandern, von dem wir einen wirklich grandiosen Überblick über die typisch zackenförmige und teils schneebedeckte patagonische Berglandschaft und die dazwischenliegenden fjordartigen Ausläufer des Lago Nahuel Huapi genießen können. Ein bisschen wie in den Alpen, aber eben doch durch die andere Form der Berge und die großen Seen dazwischen eine andere Landschaftsstimmung. Sie erinnert uns eher an den genialen Waterton Nationalpark in Kanada.
Aber es kommt noch besser.

Am nächsten Vormittag ist es zwar diesig, so dass wir denken, der Blick wird nicht so toll. Trotzdem fahren wir erst mit dem Bus, dann mit Seilbahn und Sessellift zum 2.388 m hohen Gipfel des Cerro Catedral. Die letzten 200 Höhenmeter können wir dann zu Fuß bis auf den Bergkamm laufen. Der Blick Richtung Nahuel Huapi und Bariloche ist schon recht schön, aber derjenige auf dem Kamm in der Gegenrichtung ist atemberaubend. Hier eröffnet sich die ganze Schönheit der patagonischen Berglandschaft bis zum Horizont. Als wir begeistert fotografieren, fühlt sich wohl einer der über uns kreisenden Andenkondore gestört. Der gewaltige Vogel rauscht bedrohlich nah über unsere Köpfe, wir schätzen ihn mit ausgebreiteten Schwingen auf über 2 m Länge. Ein paar schnelle Fotos gelingen noch von ihm, dann verziehen wir uns lieber. Mit den Krallen wollen wir keine Bekanntschaft machen. Mit den unvergesslichen Eindrücken des Bergpanoramas endet unser Weihnachtsausflug in eine der der wohl bekanntesten Städte und Nationalparks Argentiniens. Trotz des Bemühens der Argentinier, durch eine durchaus nett geschmückte Stadt etwas Weihnachtsstimmung zu erzeugen, will das hier für uns am Sommeranfang in Patagonien nicht so recht gelingen. Aber das war letztes Jahr in Mexiko nicht anders und zu erwarten. Die wundervolle Landschaft des Nationalparks Nahuel Huapi entschädigt uns dafür und ist sicher eine der sehenswertesten Ecken Patagoniens.