25.03. bis 14.05.19 – Uruguay, die Schweiz Südamerikas

Endlich wieder mit Herrn Fuchs unterwegs! Die Flugzeugtrips nach und in Brasilien waren zwar ganz nett, aber irgendwie auch anstrengend und nicht so recht nach unserem Geschmack, zumindest was das Reisemittel angeht. Vielleicht sind wir auf der fast 2jährigen Tour durch das „Zusammenleben“ mit dem Auto, die Suche nach den Übernachtungsplätzen, unsere Abende auf den wohl bekannten grauen Sitzpolstern und das Schlafen im gut belüfteten Zeltdach einfach zu sehr verwöhnt.
Auf jeden Fall sind wir froh, für die letzten Wochen wieder unser altes Reisefeeling zu haben und starten natürlich gleich mal wieder mit einer Grenzüberquerung. Diesmal, zumindest nach bisheriger Planung, die letzte für uns und damit auch in das letzte Land unserer Reise: Uruguay.
Der Grenzübertritt gestaltet sich völlig unproblematisch, die Anmeldung für Herrn Fuchs erledigen die uruguayischen Damen von der Aduana mal so nebenbei, während sie ihre Handys und die Mails im PC auf neue Nachrichten checken. Es wird zwar hinten ins Auto geschaut, hineinklettern möchte aber keiner. Die Frage nach (verbotenen) Fleisch, Gemüse etc. wird eher pro forma gestellt.
Nach der Grenze erwartet uns die kleine Stadt Fray Bentos, die wir sicher ausgelassen hätten, wäre da nicht das Museo de la Revolución Industrial. Ein großer Name für eine Fleischfabrik, in der in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts 200 Rinder pro Tag geschlachtet und verarbeitet wurden. Die im Jahr 1865 eröffnete Fabrik unter dem Namen Liebig Extract of Meat Company (nach dem deutschen Chemiker Justus von Liebig benannt) wurde schnell zum bedeutendsten Industriekomplex des Landes. Heute ist sie Weltkulturerbe und Museum, welches wir unter englischsprachiger Führung besichtigen können. In den Schlachthäusern ist die alte Technik noch relativ gut erhalten und gibt einen Überblick über die Abläufe der damaligen Fleischverarbeitung. Einige der alten Maschinen stammen aus Europa, sogar aus Halle an der Saale. Berühmt ist das wohl wichtigste Produkt der Fabrik, der Oxo-Brühwürfel, welcher einst das Leben von Millionen Menschen beeinflusste. Er ernährte im ersten Weltkrieg die deutschen Soldaten in den Schützengräben, Scott hatte ihn am Nordpol genauso dabei wie Hillary auf dem Mount Everest.

Ein weiteres Weltkulturerbe finden wir 180 km westlich von Montevideo, am Rio de la Plata, 50 km gegenüber von Buenos Aires, dessen Skyline wir fern am Horizont schemenhaft wahrnehmen. Es ist das Städtchen Colonia del Sacramento, welches 1680 vom portugiesischen Gouverneur von Rio de Janeiro gegründet wurde. Erst 1750 ging die Stadt in spanischen Besitz über. Durch die Lage direkt gegenüber von Buenos Aires war Colonia lange Zeit ein strategisches Zentrum, insbesondere für den Handel über den Rio de la Plata. Wir schlendern durch das Barrio Historico und am Ufer des Rios entlang. Die Altstadt, ein Labyrinth aus schmalen Gassen mit Kopfsteinpflastern, die original aus der Kolonialzeit stammen, und genauso grob und uneben erscheinen, hat sehr malerische Ecken. Die Gassen sind gesäumt von alten Kolonialgebäuden aus dem 18. Jahrhundert, die mit Stuck und Kacheln geschmückt sind. Der Faro, ein Leuchtturm aus dem 19.Jahrhundert, ist eines der Wahrzeichen des historischen Zentrums und ragt aus den Ruinen des Convento de San Francisco aus dem 17. Jahrhundert auf. Wir haben Gelegenheit, ihn zu besteigen und erhalten so einen kleinen Überblick über das Barrio Historico und den Rio.
Die Uruguayer erinnern uns in ihrer Art etwas an die Herzlichkeit der Chilenen, ständig winkt man uns aus Autos zu, die Menschen auf den Straßen begegnen uns sehr gastfreundlich. Der erste Einkauf in einem Supermarkt lässt uns aber schnell erkennen, dass ein Grund, warum das Land die „Schweiz“ Südamerikas genannt wird, wohl die Preise sein mögen. So sind sehr viele Produkte, nicht nur die Importware, wesentlich teurer als in Deutschland, mit Argentinien zuletzt ohnehin kein Vergleich. Auch im Restaurant und der Eisdiele zahlen wir deutlich mehr, als wir das bisher von Südamerika gewohnt sind. Das Straßennetz ist gut ausgebaut, das Reisen gestaltet sich einfach und unkompliziert. Allerdings bezahlen wir auch für die normale Landstraße in gar nicht so großen Abständen regelmäßig Mautgebühren, an jeder Station so um die 2 bis 3 Dollar. Auch hier werden wieder „Topes“, d.h. Betonschwellen, zur Geschwindigkeitsreduktion verwendet und zwar nicht zu knapp, besonders in den Städten. Die Landschaft ist zwar recht grün, aber nur die Palmen erinnern uns daran, dass wir uns in Südamerika befinden. Ansonsten würden die recht flachen Landschaften, durch die wir fahren, auch als Landstriche in Mitteldeutschland durchgehen.

Das kleine Städtchen Nueva Helvecia bietet nicht allzu viel, ist aber eines der Siedlungen, in denen es sehr viele Schweizer Auswanderer gibt. Entsprechende Hinweise an öffentlichen Plätzen, Gaststätten und Geschäften gibt es zu Hauf. Wir übernachten auf dem Campingplatz, der dem Hotel Suizo, natürlich durch Schweizer gegründet und geführt, angegliedert ist. Wir haben jetzt Ende März und der uruguayische Herbst kündigt sich mehr und mehr an. Morgens ziehen dichte Nebelschwaden über die Wiesen und die Blätter färben sich zusehends. Mit dem Osterfest Mitte April endet hier die Saison und wir werden dann wohl zunehmend vor geschlossenen Campingplätzen stehen. Na ja, Herr Fuchs lauert ja nun auch schon auf seine Verschiffung zurück in die Heimat….
Nachdem wir Montevideo zunächst nördlich umfahren, stehen wir kurz vor Piriápolis nochmals auf einer riesigen Schweizer Hacienda (mit Hotels, Bungalows und natürlich Campingareal). Es ist schon bemerkenswert, was die Eidgenossen so aufgebaut haben. Wir finden wieder eine ganze Reihe Overlanderfahrzeuge vor, vom LKW über das Wohnmobil bis zum Landcruiser, deren Besitzer diese hier mehrere Monate abstellen und sozusagen Urlaub in der Heimat machen. Das ist natürlich ein tolles Leben, wenn es möglich ist, ein halbes Jahr zu reisen und ein halbes Jahr in der Heimat zu verbringen. Nicht nur Rentner, auch manch Selbständiger hat das von der Arbeit her so einrichten können, was wir bemerkenswert finden. Aber das ist natürlich längst nicht für alle möglich….

Bevor wir Piriápolis erreichen, besuchen wir das Castillo de Piria etwas nördlich der Stadt. Dort hatte der Begründer der Stadt, Francisco Piria sein Domizil im Stil einer kleinen Burg erbaut. Sie beherbergt eine interessante Ausstellung zur Geschichte des Ortes.
Die nach ihrem Begründer benannte Stadt erinnert an der langen Promenade etwas an einen Mittelmeerbadeort und wurde letztlich auch als Ferienort konzipiert. Daher sind die beeindruckendsten Gebäude denn auch Hotels, wie das ebenfalls von Piria errichtete gewaltige Hotel Argentino. Nachdem wir an der Promenade bis zum kleinen Hafen geschlendert sind, besteigen wir den Hügel Cerro San Antonio, von dem wir einen schönen Blick über Stadt und Küste haben. Auch ein Sessellift führt dort hinauf, ist allerdings saisonbedingt geschlossen, wie bereits viele Restaurants und Geschäfte in der Stadt. Bei dem noch sehr warmen Klima, wir haben tagsüber deutlich über 30°C, wundert es uns, dass man sich an einem Ferienort an der Küste dennoch so stark an der „Saison“ (Dezember, Januar und Februar) orientiert, denn sich sonnen und baden kann man hier definitiv auch außerhalb dieser Monate.

Das gilt ebenfalls für die Strände von Punta del Este, einem der exklusivsten Ferienorte in Südamerika. Natürlich mit entsprechenden Luxusjachten im Hafen, die Strandpromenade bestimmt von eleganten Apartmenthäusern und Hotels und wahrscheinlich ist es auch der teuerste Ort Uruguays, deutlich spürbar trotz der ohnehin schon gepfefferten Preise im Land. Durch die hohen und schmucklosen Betonbauten an der Küste hat die sehr sauber und gepflegt erscheinenden Stadt allerdings nicht den Charme von Piriápolis, wenn man auch mit dem Leuchtturm nah der Spitze der Halbinsel und der La Mano en la Arena (Hand im Sand) einige interessante Motive findet. Letztere wurde vom chilenischen Künstler Irarrazabal aus Stahlbeton geschaffen und bietet natürlich ein Pose-Motiv für Touristen. (Ja, auch wir machen wie immer den Kitsch mit). Wir sind erstaunt, warum wir am Mittwoch die Stadt am Strand- und Hafenbereich fast leer vorfinden (keine Saison), dafür aber am Donnerstag deutlich mehr Menschen auf den Straßen flanieren. Der Grund ist schnell gefunden: Ein Kreuzfahrtschiff (natürlich) ankert in der Bucht. Ansonsten verbringen auch gut betuchte Argentinier und Brasilianer hier ihre Urlaube und Wochenenden.

Deutlich mehr Flair und Charakter finden wir dann 180 km weiter östlich in Punta del Diablo, wo bunte Häuser auf Holzpflöcken an staubigen Straßen teilweise wie eine kleine Westernstadt anmuten, wäre da nicht die hübsche kleine Strandpromenade mit den alten traditionellen Fischkuttern und die Surfer, welche die gute Wellensituation ausnutzen. Das alte Fischerdörfchen hat sich mittlerweile zu einem der beliebtesten Urlaubsorte in Uruguay entwickelt, was wir natürlich im Herbst nach der Saison nicht so erleben. Von den Zehntausenden von Besuchern, die allein im Januar den Ort überschwemmen sollen, sehen wir heute vielleicht gerade mal 20, die mit uns durch das Örtchen schlendern. Die bunten alten Fischerkaten, die jetzt zum Teil Restaurants und Kaffeebars beherbergen, das Hippieflair (Einige von ihnen betreiben Souvenirstände) und wirklich Massen an bunt gemischten Hunden bestimmen das Ortsbild.
Morgens gegen 10.00 Uhr wirkt der Ort noch wie eine Geisterstadt in der Hand der Vierbeiner, was sich gegen Mittag dann mit den wenigen Einheimischen und noch weniger Touristen etwas ändert.
Der riesige Campingplatz, den wir ansteuern, hat natürlich bereits geschlossen. Der nette Inhaber lässt uns trotzdem für zwei Nächte hier stehen und die noch funktionierende Infrastruktur (Elektrik, Toiletten, Shelter) mit nutzen. Auf die Frage nach der Bezahlung winkt er ab. Die Uruguayer wirken nach wie vor ausgesprochen (gast)freundlich.

Recht wenig Betrieb im sonnigen Herbst herrscht auch im benachbarten Nationalpark Santa Teresa, 35 km südlich der brasilianischen Grenze. Im Sommer scheint hier die Hölle los zu sein, wenn die meisten der über 2.000 in den Eukalyptus- und Pinienwäldern liegenden Stellplätze zum Campen und die zusätzlich angebotenen Cabañas (Bungalows) besetzt sind. Für Surfer jedenfalls bieten die langgezogenen feinen Sandstrände ein wahres Paradies und sind zudem nun nach Ende der Saison ziemlich verwaist.
Der Park wird von der Armee verwaltet und seine Hauptattraktion ist das von den Portugiesen und Spaniern errichtete Fort de Santa Teresa, das innen als Armeemuseum vergangener Zeiten zu besichtigen ist. Wir wandern jedenfalls von unserem Stellplatz in der Nähe des Forts durch weite Teile des Parks bis zur Playa Grande und begegnen dabei Capybaras (Wasserschweine), welche ein wenig an riesige Ratten erinnern.

Auf dem Weg zurück Richtung Montevideo besuchen wir Cabo Polonio, ein kleines Küstendorf, welches nur per Shuttle mit einem Offroad-LKW durch tiefen Dünensand zu erreichen ist. Eine Fahrt mit dem eigenen Auto ist leider nicht möglich. Ein großer Leuchtturm bewacht das kleine Fischerdorf, das ähnlich wie Punta del Diablo mit bunten kleinen Häusern, Fischkuttern am Strand und einigen Bungalows in den Dünen aufwartet. Draußen auf den Felsklippen vor dem Kap lebt die zweitgrößte Seelöwenkolonie Uruguays, deren Gebrüll bis auf die Wanderwege um den Leuchtturm zu hören ist. Mit Blick auf das aufgewühlte Meer im Strandrestaurant ein Tässchen (sehr teuren) Kaffee zu trinken, hat schon etwas Besonderes. Am Eingang zum Park ist ein Parkplatz, an dem man als Overlander gut übernachten kann. Hier starten und enden auch die Shuttles.
Auch das Städtchen La Paloma, in dem wir halten, hat einen ähnlichen Leuchtturm. Bei ziemlich schlechtem Wetter laufen wir kurz die Hauptstraße bis zum Turm entlang. Allerdings wirkt der Ort außerhalb der Saison ziemlich „tot“, da helfen auch unsere einsamen Wiederbelebungsversuche heute nichts. Zu allem Überfluss bemerken wir auf dem Parkplatz, dass wir uns wohl in Cabo Polonia eine ordentlich große Tarantel „aufgeladen“ haben, die sich offenbar auf Herrn Fuchs wohlfühlt und munter über die Motorhaube und das Dach krabbelt und sich schließlich irgendwo in den Radkästen oder unter dem Auto versteckt. Ein ungutes Gefühl, denn der Weg über die offene Tür oder Heckklappe ins Auto ist da nicht weit und immer kann man eben auch nicht gucken…. Gott sei Dank kriecht sie während der Fahrt plötzlich aus ihrem Versteck auf die Seitenscheibe auf der Fahrerseite (Ralf bekommt einen ordentlichen Schreck und fährt fast in den Graben). Wir halten an und befördern sie mit einem Stück Holz wieder auf den Erdboden und können heute vermutlich besser schlafen ohne die Befürchtung, dass uns eine Tarantella über die Gesichter kriecht oder in den Schlafsäcken umherkrabbelt. So landen wir schließlich auf unserem wohlbekannten und zum Glück noch offenen Stellplatz nahe Punta del Este, auf dem wir noch drei Nächte verweilen und die Zeit nutzen, um nochmals durch die Stadt zu schlendern.

Danach stehen wir zusammen mit Sandra, Andreas, Katrin und Hans auf dem Gelände der La Chacra Holandesa von Marieke und Jan, eines ausgewanderten holländisches Paares, nördlich von Atlantida, der bis auf die schwache Internetverbindung sehr gute Bedingungen bietet, um das Auto für die Verschiffung vorzubereiten. Ein Engländer aus Cambridge hat hier vier alte abgewrackte Landrover Defender aus den 50er Jahren aus uruguayischen Beständen abgestellt, die er zur Restauration nach England verschiffen will. Für die ersten Beiden kommt dann auch ein „Autotransporter“, allerdings (typisch Südamerika) ohne Auffahrrampe. So basteln Andreas, Jan und Ralf aus Baumstämmen und Baumgurten zwei Auffahrrampen zusammen und mit Hilfe der Seilwinde von Herr Fuchs werden die Landys dann mühselig empor gewincht. Auch ein nettes Erlebnis.

Später kommen Martina und Hermann, die wir schon in Ecuador kurz getroffen haben, mit ihrem Expeditionslaster auf dem Platz an. Sie wollen, wie wir, Anfang Mai nach Hause verschiffen. Aber es gibt für uns alle Probleme. Vor etwa 2 Monate ist ein Schiff der Reederei vor Frankreich nach einem Brand gesunken. Als Reaktion darauf gibt es ab April neue Richtlinien für die Verschiffung von Autos. Erst hieß es, diese müssen ganz leer sein, was natürlich für Campingfahrzeuge eine Katastrophe bedeutet hätte. Dann erhalten wir schließlich eine Liste mit im Auto erlaubten und verbotenen Dingen. Unter diesen verbotenen Dingen sind z.B. auch sämtliche Elektrogeräte, also auch Elektroheizung, transportabler Drucker, die ganze Fotoausrüstung, Akkus, Lithium-Starthilfe für das Auto, WLAN-Antenne usw. Die müssen also irgendwie anders nach Hause oder eben entsorgt werden. Soweit so gut. Kontrolliert werden soll das im Hafen von Montevideo und zwar, ohne dass der Fahrzeugbesitzer anwesend sein darf. Das heißt, auch sämtliche Schlüssel für das Auto müssen abgegeben werden. Von anderen Reisenden hören wir, das Autos wegen fest installierten Fernsehern oder Sprayflaschen (die auch verboten sind) bereits nicht mit aufs Schiff genommen wurden. Sandra und Andreas, die vor uns verschiffen räumen daher alles aus, was nicht auf der Liste steht und bauen sogar noch ihren Gastank aus. Dieser darf nämlich nur aufs Schiff, wenn er leer ist und das zertifiziert wird. Nur kann die Reederei niemanden nennen, der diese Prüfung durchführt. Also muss der Tank ganz raus. Auch Gasflaschen dürfen nicht mit verschifft werden. Sandra und Andreas geben also ihr so vom Gastank befreites und vom Grimaldi-Büro abgenommenes Auto im Hafen ab und fahren rüber nach Buenos Aires, wo sie vor dem Heimflug noch ein paar Tage verbringen wollen. Nur durch ihr GPS-Signal bekommen sie schließlich mit, dass das Auto gar nicht verschifft wurde, denn nach Ablegen des Schiffes steht es immer noch im Hafen. Keinerlei Informationen. Erst nach mehrfacher Nachfrage erhalten sie vom Büro die Mitteilung, dass das Auto noch im Hafen wäre. Begründung: Der Kontrolleur hätte Gasleitungen gefunden, aber keinen dazugehörigen Tank….!! Ja logisch, wenn dieser extra aufgrund der Vorschriften vorher ausgebaut wurde. Das alles hätte in wenigen Minuten geklärt werden können, wenn der Besitzer bei der Inspektion anwesend sein dürfte, was mehrfach auf wiederholte Anfrage abgelehnt wurde. So ist man der offensichtlichen Inkompetenz und Ignoranz einfach ausgeliefert. Da wir stark befürchten, dass es uns wenige Tage später genauso gehen könnte, unser Rückflug aber fest gebucht ist, suchen wir fieberhaft nach Alternativen. Wir finden eine in Montevideo. Ein uruguayischer Agent, der uns von Jan vermittelt wird, schlägt uns eine Verschiffung mit einer anderen Reederei im Container eine Woche später vor. Also noch vor unserem Flug. Wir können weitgehend alles im Auto lassen, die Schlüssel behalten und die Kosten sind auch nicht sehr viel höher (zumindest voraussichtlich) als bei der geplanten RoRo-Verschiffung. Wir sagen spontan zu und Grimaldi ab.
So verbringen wir noch ein paar Tage mehr auf dem Bauernhof bei Marieke und Jan mit ihren drei Hunden, Schwein „Schnitzel“, den vier Pferden, drei Katzen und vielen Hühnern. Auch Martina und Herrmann sagen ihre RoRo-Verschiffung aus obigen Gründen zunächst ab und hoffen für ihren großen Truck auf einen Flat-Rack-Container oder auf Besserung der Situation mit der RoRo-Verschiffung.

Am 1. Mai (auch hier Feiertag) findet ganz in der Nähe ein Rodeo statt, was wir uns gemeinsam anschauen. Auf einer großen, abgezäunten Wiesenfläche versuchen die Gauchos auf entsprechend wilden, noch nicht zugerittenen Pferden, sich möglichst lange im Sattel zu halten. Wer die Zeit bis zum Zeitzeichen übersteht, ohne abgeworfen zu werden, kommt in die nächste Runde.
Für die Uruguayer ist das natürlich ein besonderes Ereignis und eine Show. Uns tun die armen Pferde etwas leid. Und natürlich verletzt sich auch der eine oder andere der Reiter…selbst dran schuld. Umrahmt wird das Ganze von Marktständen, wo Essen, Bekleidung, Souvenirs und natürlich der allgegenwärtige Mate-Tee gekauft werden kann.

Dann ist es nach 3 Wochen Bauernhof endlich soweit: Herr Fuchs soll in den Container und wir machen uns auf zu unserer allerletzten Station: Montevideo. Unser Agent geleitet uns durch den letztlich unkomplizierten Schriftkram außer- und innerhalb des Hafens. In einer Stunde ist alles erledigt und wir fahren Herrn Fuchs sofort in einen bereitstehenden Container im Hafen. Wir wundern uns, dass dieser mit „China Shipping“ beschriftet ist, aber der (recht glaubwürdig erscheinende) Agent bekräftigt, dass dieser auf jeden Fall nach Hamburg ginge und lacht über unsere Fragerei. Na ja, das kennen wir schon: Alles klar und kein Problem, nur am Ende stehen wir doch oft mit erheblichen Problemen da. Hoffen wir, dass es in diesem Fall nicht so ist….
Trotz mäßigen Wetters schlendern wir am nächsten Tag schon ein wenig durch die Stadt und besichtigen zunächst das Estadio Centenario, das Fußball-Zentralstadion des Landes. Der 1930 zur Weltmeisterschaft fertiggestellte Fußball-Tempel ist zwar ein wenig in die Jahre gekommen, aber mit einer Kapazität von 65.000 Plätzen immer noch gut anzusehen. Uruguay schlug Argentinien damals im Endspiel und natürlich sind die Trophäen und die uruguayischen Helden in einem schön gemachten Fußball-Museum zu besichtigen. Immerhin gewannen sie auch 1950, damals gegen Brasilien im Maracaña-Stadion vor 200.000 Zuschauern. Für ein so kleines Land sehr beachtlich.
Das trifft genauso für das Museum de los Andes zu. Es dokumentiert den schon legendären Überlebenskampf der durch einen Flugzeugabsturz 1972 in den Anden verunglückten Uruguayer. Es zeigt Originalteile und Fotos des Flugzeugwracks und dessen Inhalte von der Unfallstelle und schildert die Geschichte der 16 Menschen, die 72 Tage lang allen Entbehrungen zum Trotz durch Einfallsreichtum und Zusammenhalt ihr Leben bis zur späten Bergung retten konnten. Der Direktor des Museums spricht deutsch und beantwortet alle Fragen sehr kompetent und aus 1. Hand, da er mit einigen der Überlebenden und ihren Familien befreundet ist. Sehr interessant und empfehlenswert.

Tja, was gibt es sonst noch zu berichten aus Uruguays Metropole? Am Samstagnachmittag kann man auf der Plaza Matriz auf einem Antiquitätenmarkt stöbern, am Sonntag auf dem riesigen Markt auf der Feria de Tristan Narvaja so gut wie alles kaufen, was das Herz begehrt. Man muss sich in dem Mega-Dschungel von Marktständen nur zurechtfinden lernen, was natürlich beim einmaligen Durchgehen ein Ding der Unmöglichkeit ist. Schön schlendern lässt es sich entlang der 20 km langen Rambla, der Promenade entlang des Rio de la Plata, wir laufen den Abschnitt vom Hafen bis zum Leuchtturm an der Spitze der Halbinsel. Sehr gut (aber eben auch mit Preisen nach Schweizer Art) essen kann man in dem Mercado del Puerto, der Markthalle am Hafen. Ein Muss für die Liebhaber von gegrillten Rindersteaks von allen Teilen des Tieres, die man sich auf den Speisekartenlegenden bebildert wählen kann.
Auf der Plaza Independencia, dem Zentrum der Stadt, ehren die Uruguayer ihren Befreier José Artigas mit einem Denkmal und einem Mausoleum, in dem eine Ehrenwache rund um die Uhr seine Urne bewacht. Im Stadtzentrum verteilt finden sich verstreut einige sehenswerte Gebäude und Paläste zwischen den teilweise heruntergekommenen Hochhäusern, keinesfalls ist das Ganze aber z.B. mit der tollen Bausubstanz von Buenos Aires vergleichbar. Die Stadt wirkt insgesamt recht sauber und sozial ausgeglichener als z.B. Rio de Janeiro. Allerdings liegen auch hier an mancher Ecke die Obdachlosen unter ihren Pappen und viele der Marktstände zeugen von durchaus auch armseligen Verhältnissen, die man als Tourist nicht immer in dem Ausmaß mitbekommt. Durch die Verschiffung von Herrn Fuchs und den anstehenden Heimflug verbringen wir hier einige Tage, wobei sicher zwei bis drei Tage völlig ausgereicht hätten.

Nach mehrmaligen Rückfragen erfahren wir, dass Herr Fuchs jetzt wohl tatsächlich bereits auf dem Atlantik in Richtung Europa unterwegs ist, also mit der Containerverladung wohl alles in Ordnung gegangen ist. Gott sei Dank, wir können beruhigter nach Hause fliegen.
Wir wünschen unserem treuen Gefährten eine gute Fahrt, er hat uns in den 2 Jahren zuverlässig durch wirklich alle Bedingungen auf und abseits der Straße gebracht. Nicht einmal waren wir gezwungen, unsere Reise wegen größerer technischer Probleme unterbrechen zu müssen. Das ist, wie wir auch auf der Reise mehrfach erfahren konnten, keine Selbstverständlichkeit.
Wir sind keine Freunde von langen Abschieden, in unseren bisherigen Berichten ist eigentlich schon alles gesagt, daher machen wir es kurz: Dies ist unser letzter Reisebericht von unserer Abenteuertour durch den amerikanischen Kontinent, die uns über 2 Jahre und fast 77.000 km Fahrt von Halifax bis nach Montevideo geführt hat.
Wir danken allen interessierten Lesern, die uns auf der Tour begleitet haben, vor allen denen, die uns durch ihre Kommentare immer wieder ermuntert haben, unsere Beiträge bis zum Schluss fortzusetzen. Vielleicht ist es uns gelungen, dem einen oder anderen Anregungen für eigene Reisepläne zu geben oder das Interesse dafür zu wecken.
In diesem Sinne: Erfüllt euch eure Träume, auch wenn ihr dafür vermeintliche Sicherheit aufgeben müsst. Es lohnt sich, ob es nun das Reisen ist oder ganz andere Wünsche und Visionen.